bommel: In der heutigen Folge von All Glitches Welcome geht es um den Autism Awareness Month. Wir sprechen im Grunde nur über Autismus und zwar darüber, wie wir eigentlich zu der Erkenntnis gelangt sind, dass wir autistisch sind und noch so viel mehr. Ja, bevor wir aber dieses Mal in die Folge reinstarten, möchten wir euch noch auf eine Sache hinweisen. Wir haben uns tatsächlich dafür entschieden, einen Community Discord Server zu eröffnen. Den Link zum Beitreten, den findet ihr in den Shownotes und wir freuen uns total darauf, wenn ihr Lust habt, euch da mit uns auszutauschen und vielleicht eure Gedanken mit uns zu teilen. Das wäre super. Viel Spaß mit der Folge. Herzlich willkommen zu dieser neuen Folge All Glitches Welcome mit einem beschwingten Bommel und der konfessionslosen Casey. kc: Fühl' mich heute nicht sehr religiös. bommel: Ja, wir nehmen am Karfreitag auf. Es passt auch ein bisschen thematisch. Wie geht's dir? kc: Ja, ich bin richtig kaputt, aber ich glaube, das ist ja auch nichts Neues, dass ich das am Anfang eines Podcasts so raushole. obwohl ich die letzten zwei Wochen über gar nicht so wirklich was gemacht und unternommen habe. Was? bommel: Du hast richtig viel gemacht. kc: Ich war im Katzencafé, ich habe ansonsten aber nichts gemacht. bommel: Ja doch, du hast so viel Kleinkram immer. Du hast, können wir ja gleich nochmal drüber sprechen, aber du hast zwei großartige April-Scherze vorbereitet. Da hast du ja auch Zeit reingesteckt und ein bisschen Gehirnschmalz und so. Lauter so Kram irgendwie. Also ich habe dich immer als sehr beschäftigt. Du hast dir eine neue Hose gekauft. kc: Stimmt. bommel: Also Hosenkauf ist ja wirklich absoluter Horror. Das alleine schon. kc: Es hat auch neun Monate gedauert und das war glaube ich jetzt der vierte Anlauf, wo ich unterwegs war, um mir eine Hose zu kaufen. Und die drei Mal davor bin ich immer ohne Hose wieder abgedampft. Jetzt habe ich eine Hose. bommel: Ich weiß auch noch, dass das mal so ein Running Gag war, weil du in der Stadt warst und dann geschrieben hattest, du bist ohne Hose aus der Stadt zurückgekommen und ich war so like, what? Ganz ohne Hose? kc: Ja, ich sehe schon weshalb du beschwingt bist. bommel: Ich bin generell sehr beschwingt im Moment, was ein bisschen funny ist, weil ich schleiche mein Antidepressivum aus und es tut mir sehr gut. Ich weiß auch nicht. Aber ich habe das auch von Leuten in meinem Umfeld schon gehört. Also so Antidepressiva können ja auch helfen. Ich habe das tatsächlich nicht mal gegen Depressionen genommen. Das ist alles ein bisschen weird, aber es hat mir sehr gegen, ich habe ja PMDD so stark vor allem gehabt. Und dabei hat mir das so extrem doll geholfen und deswegen kann ich das jetzt lang so ein bisschen ausschleichen. Und Antidepressiva machen das ja ganz oft so, dass halt deine Tiefs nicht so tief sind, aber die hoch sind halt auch nicht so hoch. Und ich habe so ein bisschen das Gefühl, das hat die Laune schon sehr gemittelt. Und das wird ein bisschen lebendiger wieder im Moment. Ich bin sehr gespannt. Ich kann dazu nachher noch was anderes erzählen, aber an geeigneter Stelle. Ich weiß ja, worüber wir heute noch sprechen wollen. kc: Das ist richtig schön. Das freut mich aber erstmal für dich. bommel: Dankeschön. kc: Ich habe letztes Jahr auch ein Medikament ausgeschlichen, das ich genommen habe, das auch Depressionen als Nebenwirkung aufgelistet hatte. Und ich bin ja zusätzlich depressiv und ich nehme auch nach wie vor ein Antidepressivum. Und mir hilft das gerade tatsächlich sehr und ich kann mir gerade noch nicht vorstellen, das für mich auszuschleichen. Aber dieses eine Medikament loszuwerden, das war so gut schon mal. Mir geht es so viel besser und vor allem stabiler seitdem. Aber eben, wie du gesagt hast, eben auch sehr viel mittlerer. bommel: Ja, es ist halt immer eine Abwägung, also kein Medikamenten-Shaming und also ich, wie gesagt, ich kann da nachher nochmal ein bisschen was dazu sagen, weil ich glaube, das Antidepressivum hat mich auch sehr viel reizoffener gemacht, was unpraktisch ist als autistische Person, aber ich bereue das trotzdem nicht, weil ich, also ich hatte einfach keine wirklich andere Wahl und es hat mir bei dem Problem, bei dem es helfen sollte, sehr gut geholfen. Und, ja, aber deswegen bin ich gespannt, wie sich das weiterentwickelt. kc: Ja, hat alles immer Vor- und Nachteile irgendwie. Leider. Leider gibt es keine Wunderheilung. bommel: Das ist so nervig. Ich würde sofort mich wunderheilen lassen. kc: Wenn du das so sagst, klingt das irgendwie was, das für mich überhaupt nicht erstrebenswert ist. Also so Depressionen und so, bitte gerne sofort. bommel: Ja, das meine ich. kc: Aber so in terms of meine permanenten Behinderungen bin ich mir gar nicht so sicher. Ich glaube gar nicht, dass ich die unbedingt loswerden wollen würde. bommel: Das kann ich richtig gut verstehen. Das kann ich richtig gut nachvollziehen. Ich war gedanklich tatsächlich wirklich auch eher bei Depressionen und Ängsten. Also wenn da jemand sagt, hier, mach das oder nimm das und dann bist du sofort los, würde ich denken, ja geil. Ja, Aber ich habe auch, also in Bezug auf den Autismus zum Beispiel, ist das für mich auch was sehr anderes, weil das einfach... Auch so ein bisschen identitätsstiftend einfach ist für mich. Können wir ja auch nachher nochmal ein bisschen weiter drüber reden, weil wir wollen ja heute ein bisschen über Autismus sprechen, denn es ist ja Autism Awareness Month oder Acceptance Month, wie auch immer. Aber wir können ja vorher nochmal kurz zurückkommen zu den April-Scherzen. Wolltest du darüber nochmal was erzählen? kc: Naja, einen davon haben regelmäßige Hörer*innen dieses Podcast ja sicher mitbekommen. Wir haben eine super, mega, spezial, extrem krasse Sonderfolge, die außergewöhnlich gewöhnlich ist, von All Glitches Welcome gemacht, in der wir einfach nur gelacht haben. bommel: Ja. kc: Weil wir ganz häufig dieses Feedback von euch bekommen haben, dass euch das so gut gefällt, wenn wir zusammen lachen. bommel: Ja, voll. kc: Und auch für Bommel ist dieses Feedback sehr viel älter als mich. In deinem Twitch-Profil stand ja ganz lange, aber da steht immer noch, habe gar nicht geguckt, beste Lache EU-West. bommel: Ansteckendste Lache EU-West, glaube ich. Ja, aber ja. kc: Das ist halt wirklich so. Und du hast auch immer solche Lachsäcke verlost, wo man draufdrücken kann. bommel: Ich habe mir da so lange Gedanken drüber gemacht, auch vorher, weil ich habe sehr lange geschwankt zwischen cool und cringe. Weil ich habe so Dinger gekauft, die man selber besprechen kann. Und eigentlich sind die für so Plüschtiere oder für so Kinder, wo man dann drauf sprechen kann. Keine Ahnung. Gute Nacht, mein kleiner Engel. Da kann ich das im Teddy immer so abspielen, um sich nicht alleine zu fühlen. Und so Dinge habe ich gekauft. Und so kleine Samtsäckchen. Und die habe ich dann vollgestopft mit so Plüsch. Und dann habe ich auf dieses Ding gelacht. Habe ich das da reingestopft. Und immer wenn man dann diesen Sack gedrückt hat, dann kam dann meine Lache raus. Und dann war es halt ein Lachsack. Und davon, ah, da sind bestimmt... Also bestimmt zehn Stück in der Welt von. kc: Das ist so cool. Ich habe leider keinen, aber es gibt ja jetzt die Folge. bommel: Das stimmt. kc: Das ist quasi so ein bisschen ein Lachsack für alle, nur nicht ganz so niedlich. bommel: Nur ohne Sack. Nicht so plüschig. kc: Ja, also wenn ihr das noch nicht gehört habt, große Empfehlung. Die Folge eignet sich richtig gut, wenn es dir gerade schlecht geht. bommel: Ich glaube auch. kc: Und du einfach mal irgendwie was anderes machen musst. Und ich wette so, spätestens ab der Hälfte musst du einfach unkontrolliert mitlachen. bommel: Ja, ich hoffe zumindest. kc: Nee, das hat schon große Freude gemacht. Wir haben einfach hier gesessen und wir haben uns gegenseitig Witze vorgelesen. Also so wirklich richtig schlechte Witze, wie beispielsweise. bommel: Die überhaupt nicht schlecht. Kommt ein Zyklop zum Augearzt. Ist ein banger Witz. Ist ein banger Witz. Und muss ich auch sagen, den hatte ich wieder vergessen. Aber wie nennt man eine kleine Fee, die sich nicht wäscht? Stinkerbell. Auch peak. Wirklich, der ist so gut. kc: Welches Fabelwesen lässt jeden Pizzateig gelingen? Die Hefee. bommel: Oh Mann. Aber ich bin auch richtig billig zu kriegen mit sowas, wirklich. kc: Ja, ich auch. bommel: Am schlimmsten gelacht habe ich wirklich über, was ist grau und kann nicht hüpfen? Ein Parkplatz. Diese Sinnlosigkeit dieses Witzes. Oh Gott, die kriege ich jedes Mal, wirklich. kc: Ja, danke schön, Xenia, die diesen Witze in unser Leben gebracht hat. bommel: Voll. Wann müssen wir so ein AGW-Witzespezial oder so. kc: Ja, ich könnte einfach die Rohraufnahme noch hochladen. Ja, stimmt. Nee, das hat schon sehr, sehr große Freude gemacht, auch wenn ich ein bisschen die Bedenken habe, weil wir haben das mitten in der Nacht aufgenommen, dass meine Nachbarn mir das übel nehmen. bommel: Oh, darüber habe ich auch schon nachgedacht, aber ein bisschen sind die ja abgehärtet hier jetzt schon. Ich hoffe, sie haben sich langsam an mich gewöhnt. Ich bin ja auch ansonsten eine ganz freundliche Person. Bisher hat sich noch keiner beschwert. kc: Beschwert hat sie bei mir auch noch niemand. bommel: Ist halt auch eine komische Beschwerde. Willst du dich bei Leuten beschweren, weil die lachen? Ist halt auch weird. Laute Musik oder so kann man schon verstehen. kc: Entschuldigung, wir hören Sie irgendwie jeden Abend. bommel: Wir hören sie lachen. kc: 0 Uhr 30 lachen. Was ist denn so witzig? bommel: Stellen sie das ein. kc: Ich will das auch. bommel: Ich hätte auf jeden Fall sehr viel Freude und ich mag solche harmlosen April-Scherze, die nicht so, was heißt wehtun? Ich meine, der andere April-Scherz, den du gemacht hast, hat ja auch ein bisschen wehgetan, aber der ist nicht so, das ist halt klar, dass es ein Scherz ist direkt. Das ist halt klar, es ist ein April-Scherz, also zumindest für die allermeisten Leute. Und es ist nicht, weiß ich nicht, die zehnte vegane Instagram-Page, die mir erzählt, dass es ab jetzt vegane Schokoküsse gibt. Und dann ist es nur ein April-Scherz. Die tun weh. Die sind gemein. kc: Ja, die sind wirklich richtig gemein. Warum macht man sowas? bommel: Das verstehe ich auch wirklich nicht. Weil das ist, also da gibt es ja auch wirklich danach, es ist pure Enttäuschung einfach. kc: Ne, das macht keine Freude. Aber so zur Interpretation der Lachfolge, ich glaube, das ist ganz euch überlassen. Dann kann man sehr viele verschiedene Dinge reininterpretieren, wofür dieses Lachen jetzt so gestanden hat, unabhängig davon, wie es entstanden ist. kc: Da könnt ihr einfach ein bisschen Freude mit haben. Mein anderer April-Scherz. Ich habe einen Reality-Check-Kalender gemacht und das war an sich gar nicht so wirklich ein April-Scherz. Der April-Scherz war eher, wie ich es verkauft habe. Ich habe es verkauft als Kalender mit Barrierefreiheitswissen, das irgendwie schön gestaltet ist, einfach zu verstehen ist, womit man sich jeden Tag quasi Kompetenzen im Bereich digitale Barrierefreiheit aufschaffen kann. Aber das war es halt gar nicht, sondern es war ein Kalender mit Zitaten von Menschen, die in der Barrierefreiheitsbranche und in Techwork arbeiten, die sich über Menschen mit Behinderung oder in diesem Zusammenhang irgendwie geäußert haben mit sehr, sehr seltsamen Ansichten und auch sehr, sehr ableistischen Haltungen teilweise. Und das ist dahingehend halt einfach ein kleines Projekt gewesen, um das ein bisschen zu exposen und mal ein bisschen Aufmerksamkeit darauf zu legen, was eigentlich so der Stand der Inklusion ist bei den Menschen, die sich sehr laut und sehr professionell dafür einsetzen, aber selbst keine Behinderung haben im Digitalbereich. bommel: Ja, quasi ein Worst of. kc: Genau. Und da ist es ein bisschen erschreckend. bommel: Hast du ein liebstes, schlimmes Zitat? kc: Eigentlich sind die alle richtig gut. Also es gibt jeden Tag eins. Man kann im Kalender vor und zurück gehen. Wir können jetzt das auch nochmal in die Shownotes tun. Es ist keine Sache, die nur im April-Scherz existiert. Und ja, es sind wirklich alle gut. Aber zum Beispiel das von Michael Blume von der CDU, wo er dann von der linksautoritären Kommunikationspolizei gesprochen hat, weil er darauf hingewiesen wurde, dass er seine Bilder doch bitte mit Alternativtexten ins Internet setzen soll und auf seine Hashtags achten kann. Ja. bommel: Ach stimmt, da waren immer im Fließtext so unendlich viele Hashtags, oder? Das finde ich auch ganz unabhängig davon, dass ich ja sehend bin und das theoretisch lesen kann, ich finde das so anstrengend, weil mein Gehirn immer auch so einen Absatz macht. Ich kann das gar nicht nachvollziehen, wie das Leute auch generell gar nicht stört, dass jedes zweite Wort ein Hashtag ist. Finde ich total abgefahren. kc: Ich glaube, ein Lieblingszitat habe ich tatsächlich trotzdem oder zwei. Eins davon ist, "so viele Sachen sind einfach vorgeschoben mit Ableismus und sowas", weil das ja irgendwie immer so der Standard, die Standardbegründung ist, wie vor allem Nichtbehinderte ihr Verhalten dann rechtfertigen. Ja, das ist nur vorgeschoben, das ist nur eine Beleidigung, blieblablab. Ich verstehe es nicht. Und das andere Zitat war, wo mir empfohlen wurde, in eine Therapie zu gehen. bommel: Das ist so dermaßen übergriffig, das ist so krass. Also es ist übergriffig und auch so pathologisierend, weil also das muss man ja sagen, das ist jetzt keine bestehende Freundschaft, wo es vielleicht auch okay ist, mal zu Leuten zu sagen, hey, meinst du nicht, das wird dir echt mal helfen, mit jemandem darüber zu sprechen, sondern das ist halt wirklich in einem professionellen Setting entstanden, wo Leute im Grunde eigentlich deine Kritik nichtig machen wollten, oder? kc: Ja, also in einem anderen Zitat hat derselbe Mensch dann auch gesagt, dass es die gerechte Strafe wäre. Also da wird Therapie halt nicht als das gesehen, was es ist, nämlich als ein Weg an sich selbst zu arbeiten und mit verschiedensten Problemen selbst zurecht zu kommen, sondern halt eine Strafe, die irgendwie Hirne wäscht oder so. Also keine Ahnung, wie dieser Mensch das da ist. bommel: Wirklich, Big Oof. Ganz schlimm. kc: Ja, das 20. Jahrhundert möchte seine Bilder zurück. bommel: Ja, seine Einstellung zur Psychiatrie zurück. Ja, voll. kc: Ja, ich bin in Therapie. Viele wissen das gar nicht. Aber gut, das habe ich ja hier auch schon ein paar Mal erzählt. bommel: Ja. kc: Aber halt Nicht für sowas. Witzigerweise war die Therapie für mich halt genau der ausschlaggebende Grund, weshalb ich öffentlich so nervig auftrete, wie ich das tue, weil ich mich das jetzt traue. Weil es tief in mir drin ein Anliegen ist, für das zu kämpfen, dass Menschen mit Behinderung mehr digitalen Zugang bekommen. bommel: Ja. Ja, von daher danke Therapie. Du hast uns viel Gutes gebracht. kc: Manchmal, ja. bommel: Ja, Therapie ist halt auch fucking anstrengend, das muss man ja auch sagen. Also zumindest, wenn man es richtig macht. kc: Ja, meine letzten, gut, meine letzte Therapiesitzung jetzt nicht so sehr, aber die zwei davor, die waren doch schon sehr, sehr intensiv aufreibend für mich gewesen. bommel: Ja, es geht ja auch nicht um die einzelne Sitzung, sondern es geht ja um diesen ganzen Prozess. Und das ist ja auch so, dieses Therapie findet ja nicht nur statt, wenn du da sitzt und mit der therapierenden Person redest, sondern es passiert ja so viel drumherum an innerer Arbeit, an Verarbeiten von dem, was man da rausgefunden hat, dem Prozess. Was man über sich selber rausfindet, alleine. Häufig ist es ja dann auch so, dass man in diesem therapeutischen Kontext dafür sorgt, dass man in irgendeiner Art und Weise mit Situationen konfrontiert wird, die irgendwie schwierig für einen sind. Das alles ist ja so viel Arbeit. Und das wenigste davon aus meiner Perspektive findet eigentlich so in dieser Stunde vor Ort Gesprächstherapie oder so statt. kc: Da ist es im Zweifel, also zumindest für mich, nur sehr komprimiert darüber, was halt so gelaufen ist, was angestanden ist. Seit dem letzten Mal und darauf basierend dann halt immer aufbauend. Also das, was ich für die Therapie mache und ausprobiere und lerne und übe, das passiert eigentlich jeden Tag. bommel: Ja, das ist halt letztlich so ein bisschen eher so ein Ort zur Reflexion der Arbeit, die man getan hat. kc: Ja, da hast du halt den Beistand der erfahrenen Person, die das für dich einordnen kann, die dir Feedback geben kann, die dich vielleicht in eine bestimmte Ecke nudgen kann. Das ist sehr hilfreich und ganz, ganz weit weg davon, irgendeine Art von Bestrafung zu sein. bommel: Voll. Boah, ich merke gerade, eigentlich, glaube ich, könnten wir auch nochmal so eine Folge über Therapie auch vor allem als autistische Person machen oder so. Weil ich das, also ich fand das auch gar nicht so easy, in diesen Modus reinzukommen, da wirklich ernsthaft was für mich mitzunehmen und an mir zu arbeiten und nicht nur so Therapie zu performen. kc: Ich auch vollkommen. bommel: Ja. kc: Es hat so lange gedauert, bis ich halbwegs aufgetaut bin, bis ich halbwegs arbeiten konnte. Aber seitdem das geht, ist das wirklich das Beste überhaupt. bommel: Ja, das müssen wir mal im Hinterkopf behalten. kc: Ja. Und die Folgen-Themenliste wächst und wächst und wächst. bommel: Aber das ist ja auch okay. Wir haben ja Zeit. kc: Ja. bommel: Ja, bei mir war die letzten Wochen tatsächlich auch gar nicht so viel los. Ich habe den kleinen April-Scherz da mit dir vorbereitet. Das heißt vorbereitet, das war eine sehr spontane Aktion. Aber ansonsten habe ich nur sehr viel Quatsch gemacht. Ich hatte zum Beispiel einen Zahnarzttermin und dachte, ja, ja, das ist schlau. Ich nehme dafür alle meine Piercings raus, weil beim letzten Mal hat er gesagt, das röntgen wir dann. Und ich wusste, vor Ort kriege ich die niemals alle raus und ich habe gar keinen Bock mit denen zu diskutieren. Ja, brauchte ich dann gar nicht, wurde nichts geröntgt. Cool. Und es war so ein Krampf, die alle rauszukriegen. Und dann habe ich sie wieder reingetan und dann war alles falsch. Dachte ich. Und dann habe ich wieder alle rausgemacht. Und dann war doch nicht falsch. Also es war wirklich, irgendwann war ich echt an dem Punkt, dass ich so dachte, ich bin Ohna auch ganz cute. Ich glaube, ich lasse die einfach alle draußen. Ich hatte keinen Bock mehr. kc: Hast du sie inzwischen wieder drin? bommel: Teilweise ja. Also in den Ohren habe ich nichts, aber in der Nase ja. kc: Okay. bommel: Ja, dann hatte ich dann doch Schiss, dass sie irgendwie zuwachsen. Bei den Ohren weiß ich, das passiert nicht, aber bei der Nase weiß ich nicht genau. Das hatte ich alles so, also seitdem ich die Piercings hab stechen lassen, ist da halt was drin. Deswegen kann ich das gar nicht einschätzen, wie schnell das zuwächst oder nicht und da hatte ich dann keinen Bock drauf. Naja. Und wir hatten unseren V-Day, weil ich glaube, wir sind jetzt seit drei Jahren vegan, was ein bisschen lustig ist, weil... kc: Sind du und dein Partner. bommel: Ja, ja, genau. Ja, das ist immer so lustig, weil mein Partner hat das auch, dass er ganz oft von Wir redet und mir nicht klar ist, was für ein Wir eigentlich gemeint ist, ob ich Teil des Wir bin oder nicht. Und das ist auch immer verschieden. Und jetzt habe ich mal gemerkt, dass ich das auch mache. Naja, vielen Dank fürs Einordnen, Casey. kc: Ja, das ist mir in der letzten Folge schon richtig aufgefallen. bommel: Dass ich das oft mache? kc: Ja, da hast du auch angefangen mit "wir", aber da meintest du eigentlich deinen Partner, weil du gesagt hast, wir sind krank gewesen. bommel: Ach so, ja, wir sind räumlich so nah beieinander, verbringen uns so viel Zeit miteinander, deswegen ist glaube ich so mein, ich wollte gerade sagen, eigentlich ist mein Go-to-Wir immer mein Partner, aber das glaube ich stimmt halt auch nicht so ganz, Und zwar, wenn ich uns beide meine hier im Podcast, dann sage ich ja auch wir. Sprache ist kompliziert. kc: Ihr seid einfach zusammengewachsen. bommel: Also manchmal ist es wirklich schlimm. Wir sehen uns auch so viel ähnlicher als zu dem Zeitpunkt, wo wir zusammengekommen sind. Das ist wirklich schlimm. kc: Ihr habt einfach dieselbe Frisur und dieselbe Brille auch, oder? bommel: Ja, schlimm. Und das mit der Brille, das war keine bewusste Entscheidung. Er hatte sich eine Brille ausgesucht, mit der war er dann unzufrieden und hatte aber verschiedene Brillen ausprobiert zu dem Zeitpunkt, wo er diese Brille gekauft hat. Während er unzufrieden mit seiner Brille war, das hat gedauert, bis er sich darum gekümmert hat, habe ich eine neue Brille bekommen. Und wusste nicht mehr, dass das auch das Modell gewesen ist, was quasi seine Zweitwahl gewesen ist. Also hatte ich eine neue Brille und dann hat er sich ein paar Monate später halt um diese Brille nochmal gekümmert und dann hatten wir halt dasselbe Modell, aber wir haben es beide auch erstmal sehr lange überhaupt nicht so richtig verstanden, weil ich, also ich bin mir auch nicht sicher, also die gibt es in so verschiedenen Glasgrößen und ich glaube seine sind ein bisschen kleiner, ich bin mir aber nicht genau sicher, aber er hat wenigstens eine andere Farbe, sagen wir es mal so. kc: Es ist witzig. bommel: Ja, also es ist auch ein bisschen, also erst dachte ich halt auch, okay, müssen wir da vielleicht gegen ansteuern, aber irgendwann dachte ich halt auch so, ja, also ganz ehrlich, es ist mir ja auch scheißegal. Also wir beide tragen halt die Kleidung, die wir mögen, wir haben die Frisur, die wir mögen, wir tragen die Brille, die wir an uns mögen und wenn es halt zufällig dasselbe Modell ist quasi, ja, dann ist das halt so. Also meine Güte. Es gibt so viel Kram, über den man sich Gedanken machen kann. Ich habe mich entschieden, mir darüber keine Gedanken mehr zu machen. kc: Aber auf jeden Fall Glückwunsch zum V-Day. Das ist sehr schön. bommel: Ja, das ist wirklich ganz cool. Yes, yes. Drei Jahre vegan. kc: War es schwer für euch? bommel: Hm, nee. Es war aber auch generell so ein bisschen so ein schleichender Prozess, weil ich, also als wir zusammengekommen sind, mein Partner ist schon super lange auch vegetarisch gewesen, ich nicht. Und das kam dann halt so ein bisschen durch unsere Beziehung, dass ich dann halt auch vegetarisch geworden bin, war einfach erstmal aus Faulheit, weil ich halt so dachte, naja, wir kochen halt zusammen und das ist halt vegetarisch, weil er isst vegetarisch. Aber dann brate ich mir ja nicht noch einen Schnitzel oder so, habe ich ja gar keinen Bock drauf, das ist ja komplett albern. Und so hat sich das dann halt so ergeben, dass so Fleisch komplett und Fische komplett aus meinem Speiseplan verschwunden ist. Und dann habe ich dann angefangen, mich mit der Ethik dahinter auseinanderzusetzen und so. Und hinzu kommt, dass mein Partner auch Milchprodukte halt nicht so gut verträgt. Und dementsprechend haben wir auch schon ganz lange Hafermilch und Sojamilch statt irgendwie Kuhmilch oder so getrunken zu Hause gehabt. bommel: Und so dieser letzte Schritt dann wirklich zu sagen, okay, keine Ahnung, unseren Auflauf machen wir dann halt mit Reibeschmelz und nicht mehr mit Streuselkäse oder irgendwie. Oder ich esse mein Brot mit veganem Käse statt Käse aus Kuhmilch oder einem Aufstrich oder whatever. Also der Schritt war dann echt super klein. Was mir relativ schwer gefallen ist, sind tatsächlich Eier, weil ich schon eine Person war, die viel Eier so gegessen hat. Aber muss man auch sagen, veganer Eiersalat hat mir extrem den Arsch gerettet, was das angeht. Weil ich finde, geschmacklich, also Konsistenz und so kann man darüber streiten, aber gerade so geschmacklich lässt sich kaum was so gut vegan ersetzen wie Ei. bommel: Gerade mit so Kala Manak oder so, nee Kala Namak so rum, ich sag es immer irgendwie falsch rum, hast du halt sofort diesen Eingeschmack, wie? Und das ging dann halt auch und mittlerweile, muss ich sagen, finde ich es auch eklig. Also manchmal gibt es halt so kleine Hubsis irgendwie oder so, dass ich dann, was heißt Hubsis, also dass man sich falsch versteht und ich was gegessen habe, was dann doch nicht vegan war, weil ich dabei gedacht habe, es wäre vegan. Und da gab es halt so zwei, drei Situationen, wo ich halt nochmal nicht vegane Produkte gegessen habe aus Versehen. Und da habe ich richtig gemerkt, es hat für mich mittlerweile auch so einen ganz komischen Geschmack. Also ich glaube, genau diese Sache, die Leute haben, wenn sie Milchprodukte halt viel konsumieren und dann zahle einfach so einen Sojajoghurt essen oder so, dass sich Leute halt denken so, das hat ja mega den weirden Nachgeschmack, das ist ja super eklig. Es gibt halt auch wirklich ekligen Sojajoghurt, das muss man auch sagen. Aber das habe ich mittlerweile mit Milchprodukten. Die schmecken alle nach Furz und so ganz säuerlich, aber so eklig auch im Nachgeschmack. Und von daher fällt es halt nicht so schwer, wenn es halt eh nicht schmeckt, weißt du? Ja. Also ich habe es mir quasi echt abgewöhnt auch. kc: Finde ich sehr interessant, dass euer Weg zum Veganismus da ein bisschen anders war als meiner. Weil bei mir war es viel mehr das Problem, unterwegs irgendwie was Passendes zu finden. bommel: Lifehack, sei nicht unterwegs, dann hast du damit auch kein Problem. kc: Ja, das stimmt. bommel: Aber ja, das kann ich gut nachvollziehen. kc: Aber so seitdem ich alleine wohne, hatte ich irgendwie überhaupt gar keine Schwierigkeit auf ganz, ganz überwiegend veganes Essen umzustellen, sondern seitdem es meine Entscheidung war, was gekauft wird und auf den Tisch kommt, war das halt einfach so. Und es ist vor allem auch in der Regel alles sehr viel einfacher beziehungsweise sicherer zuzubereiten. bommel: Ja, total. kc: Also wenn du jetzt irgendwie so in einem Spiegelei irgendwelche rohen Stellen hast, die kann ich nicht sehen, die kann ich im Zweifel nur schmecken. Ja. Und ja, wenn das dann irgendwie nicht ganz ordentlich durch ist, dann hast du einfach keine sehr gute Zeit, so gesundheitlich. Ja, und das limitiert natürlich auch die Möglichkeiten, die man so hatte und das finde ich geht mit veganem Kochen halt in der Regel einfach so viel besser und so viel angenehmer und ich kann seitdem auch so viel mehr experimentieren irgendwie und das macht mir richtig Freude. bommel: Das ist voll cool. Ich habe auch, also das zum einen, aber auch wenn du nicht sofort alle Sachen wektupperst und so, bin ich bei veganem Essen meistens deutlich entspannter, weil es halt in der Regel nicht sofort schlecht wird, wenn man es auch nur falsch anguckt. So, das finde ich halt auch meistens sehr entspannt irgendwie. kc: Danke Welt, dass du uns Gemüse und Vollkornbrot gegeben hast. bommel: Ja, ist so. kc: Boah, ich hatte jetzt auch vor der Aufnahme noch ein Brot mit Rucola und Tomaten. bommel: Boah, geil. kc: So einem Curry-Aufstrich und das ist so lecker. bommel: Wir reden immer über Essen. Ich sage am Ende bestimmt auch so, boah, ich habe so Hunger. Ich muss erst mal was essen. kc: Essen ist einfach ein großes, wichtiges Thema. bommel: Ist so. Wollen wir zu unserem Hauptthema für die heutige Folge übergehen? kc: Ja, aber nur wenn du mir verrätst, was eigentlich deine Inselbegabung ist. bommel: Leute mit meinem Lachen anstecken. Ja, was ist denn deine? kc: Weiß ich nicht. Was denkst du? bommel: Was deine Inselbegabung ist? kc: Ja. bommel: Boah, muss ich drüber nachdenken. Ich habe auf jeden Fall ein paar Ideen, aber ich kriege die gerade nicht gut formuliert, glaube ich. kc: Okay, vielleicht später, dann kommen wir ja dahin nochmal zurück. Also, es ist Autism Acceptance oder Awareness Month? Was ist das, Bommel? Was ist das schon wieder für so einen Monat? bommel: Ja, naja, im Grunde, ich weiß gar nicht, aber das habe ich tatsächlich gar nicht recherchiert diesmal, wer diesen Monat eigentlich ausruft. Meistens gibt es ja immer eine Organisation oder so, die jetzt dann sagt, ja, hier, dieser Monat ist es. Ich hoffe, dass es im Zweifel ein cooles Self-Advocacy-Network ist oder so. Aber ja, es ist eigentlich ein Monat, wo einfach mal ein bisschen dieses Thema Autismus in den Vordergrund gerückt werden soll, um insgesamt ein bisschen mehr Bewusstsein dafür zu schaffen, dass es autistische Menschen auf der Welt gibt und wie die so sind. kc: Ach echt? Es gibt autistische Menschen? bommel: Krass, oder? kc: Ja, ich dachte alle sind so ein bisschen autistisch. bommel: Boah, ey, hör auf. Das ist so schlimm. Da sind wir ja auch schon voll im Thema. I see what you did there. Das sind ja wirklich einfach so solche Fehlannahmen über Autismus, mit denen man aber wirklich immer und immer und immer wieder konfrontiert wird. Dieses AutistInnen haben immer eine Inselbegabung und alle sind irgendwie ein bisschen autistisch. Das ist nicht das, was Spektrum meint, Leute. Das ist es nicht. bommel: Weil ich glaube das ist halt auch das Problem wenn man von einem Spektrum redet dass Leute ein Spektrum verstehen von es gibt halt quasi so einen Zeitstrahl und dann gibt es 0 und 100, entweder bist du so 0 autistisch oder 100 autistisch und auf diesem Spektrum sind alle irgendwie verortet alle Menschen und deswegen sind alle Menschen ja auch ein bisschen autistisch aber so ist es ja nicht, sondern Das, was halt mit Spektrum gemeint ist, ist, dass es verschiedene Symptome gibt, die in der Regel alle Autist*innen gemeinsam haben, die aber unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Also es gibt zum Beispiel, also tendenziell haben Autist*innen in der Regel immer Probleme mit Reizverarbeitung, aber für manche ist das ein sehr, sehr, sehr viel größeres Problem als für andere. bommel: Genau so wie es zum Beispiel dieses Thema Routinen und immer gleiche Strukturen, das ist für sehr, sehr viele ein unfassbar wichtiges Thema. Das ist zum Beispiel ein Teil des Spektrums, auf dem ich nicht ganz so stark ausgeprägt bin. Was nicht heißt, dass das kein Problem für mich ist. Das ist super schwierig für mich trotzdem. Aber ich bekomme halt nicht sofort einen Meltdown zum Beispiel, wenn sich ein Plan für mein Wochenende ändert. Auch wenn ich trotzdem dann durcheinander bin, ein bisschen Zeit brauche, mich da neu einzustellen und so. Aber oft geht das für mich halt irgendwie, gerade wenn es mir... Sowieso irgendwie relativ gut geht in der Phase, dann habe ich da so eine gewisse Flexibilität zum Beispiel mit Plänen und Routinen. Und es gibt andere Leute, die haben das halt gar nicht. Das ist das, was wir mit Spektrum meinen. Nicht, dass alle irgendwie ein bisschen autistisch sind. kc: Vielen Dank für diese tolle Erklärung. bommel: Ja, sehr gerne. Und das ist ja auch so das Ding, das muss man ja auch nochmal sagen, es gibt halt auch Menschen, die keine Autistinnen sind, Und trotzdem so ein immens starkes Bedürfnis nach Routinen und Vorhersagbarkeit haben beispielsweise. Aber deswegen gibt es ja bestimmte verschiedene Diagnose-Kriterien, die man halt quasi erfüllen muss, um im Zweifel diese Diagnose halt zu bekommen. bommel: Und dazu muss man ja auch sagen, manchmal überlappen sich halt auch Dinge. Also gerade wenn ich jetzt an so starke Routinen denke oder so, viele Leute mit zum Beispiel Zwangserkrankungen brauchen in bestimmten Aspekten auch sehr, sehr starke Routinen. Also nur weil man ein Kriterium oder ein Diagnose-Kriterium erfüllt, heißt das nicht sofort, dass man jetzt autistisch ist oder so. Also deswegen, das ist auch immer so ein bisschen mein Problem mit solchen so TikTok-Videos oder so, die dann so sind wie, ja, mach einen Finger runter, wenn bla und wenn du dann jetzt irgendwie fünf Finger unten hast, dann bist du autistisch so, dass das halt... Quatsch. Also es gibt nicht vollkommen umsonst auch eine relativ aufwendige Differenzialdiagnostik, die damit verbunden ist, um das letztlich irgendwie herausfinden zu können. Auch wenn man natürlich über die diagnostischen Mittel auch diskutieren kann und sollte, das ist ja gar keine Frage. Aber ja, das finde ich mitunter nicht ganz unwichtig, wenn man über dieses Thema spricht. kc: Wie wurdest du denn eigentlich über deinen Autismus aware bommel? bommel: Ja, wir dachten nämlich so zum Thema Autismus-Awareness-Month, sprechen wir mal darüber, wie wir aware of unseren Autism wurden. Was total lustig ist, weil ich habe meine Diagnose tatsächlich 2023 im April bekommen. Also auch im Autism-Awareness-Month wurde ich quasi aware über meinen Autismus. Insgesamt hat die Reise natürlich ein bisschen weiter vorher angefangen und ich habe auch erst mal nochmal überlegen müssen, wie das eigentlich angefangen hat. Und das hat gar nicht mit mir angefangen, sondern mit meinem Partner, weil ich durch einfach so Freundinenschaften, die ich so durch das Internet geknüpft habe und so total auf das Thema ADHS aufmerksam wurde. Und da bei ganz vielen Sachen, wie dachte so, hey, ich habe das Gefühl, das ist auch so dein Erleben irgendwie, was so diese Menschen berichten von ihren Schwierigkeiten mit ADHS. Und so sind wir quasi gemeinsam so ein bisschen in diesen Bereich überhaupt reingekommen, uns mit diesen Themen auseinanderzusetzen. Und ich habe damals, kam ja pünktlich zum Beginn der Pandemie, kam ja Animal Crossing damals raus. bommel: Und das habe ich, also ich habe so viel Zeit in Animal Crossing verbracht, das ist ja unglaublich. Und in diesem Videospiel kann man ja unendliche Zeit versenken. Und tatsächlich gab es dann irgendwann... Ich weiß nicht, hast du mal Animal Crossing gespielt? kc: Nee, aber ich habe diverse Male zugeschaut. bommel: Ah, weil es gibt ja so eine Rübenhändlerin auf der eigenen Insel. Da kann man dann so Rüben kaufen und dann bekommt man... Das ist so ein bisschen wie... Ich glaube, ein bisschen wie Börse so, weil es gibt dann jeden Tag irgendwie einen Rübenpreis und du musst dann halt jeden Tag entscheiden, okay, verkaufst du zu diesem Preis deine Rüben oder nicht? Und dann kann man natürlich aber auch andere Leute auf ihren Inseln besuchen und wenn die dann richtig gute Rübenpreise haben, dann kann man halt voll viel Geld machen und so. Darüber habe ich halt so ein paar Leute kennengelernt. Und da war ich halt so in Kontakt mit so ein paar Personen, die halt auch so autistisch gewesen sind oder halt immer noch sind, probably, und ADHS haben und so. Und da meinte dann irgendwann jemand zu mir so, hey, aber du bist doch auch auf dem Spektrum. Und ich war so, nee. Und die Person war so. Doch. Und ich war so, you think? Naja, das war so ein bisschen der Startschuss. Also ich war erst mal quasi peer-reviewed autistic. Und das war dann so der Startschuss, dass ich mich da überhaupt mal mit irgendwie so befasst habe. bommel: Und angefangen habe, so Screening-Fragebögen auszufüllen. Ganz viel, vor allem wissenschaftliche Publikationen zu lesen. Publikationen von so Self-Advocacy Networks. Ich habe mir dann angefangen, die Diagnose-Kriterien aus dem DSM und ECD anzugucken, um zu schauen, okay, könnte das passen. Ich habe super viel auch darüber noch nachgelesen, wie sich Autismus bei Mädchen und Frauen halt vor allem auch äußert. Das hat mir auch nochmal sehr, sehr viel geholfen, weil halt einfach die Wahrnehmung von Autismus so sehr Stereotyp ist.Ich dachte zum Beispiel ganz lange, ich habe kein Spezialinteresse jemals gehabt in dem Sinne, weil ich ja keine, ich mochte keine Züge oder so dieses, dieses superklasse, ich konnte auch nicht irgendwie, weiß ich nicht, Automarken an ihren Heckscheinwerfern erkennen oder so. wir haben gar keine Scheinwerfer, egal. Und das war auch so mein stereotypes Bild davon, wie so Spezialinteressen auszusehen haben. Aber ich wusste mit fünf alles über die Backstreet Boys zum Beispiel. Ist halt auch nicht besonders altersangemessen. bommel: Und also, Harry Potter war für mich halt auch so ein Ding. Aber also ich war nicht... Also Harry Potter ist für sehr, sehr viele Leute in meiner Generation eine sehr große Obsession gewesen. Ich wusste aber alles. Ich habe Listen auswendig gelernt von Schauspieler*Innen, als die Filme rauskamen. Ich wusste, in welchem Raum welcher Unterricht stattfindet. Und da musste ich keine Sekunde drüber nachdenken. Ich wusste das sofort. Und lauter solche Sachen. Also auch da war das schon, das war schon ein bisschen sehr doll. Und so kamen auch immer mehr so Sachen, wo ich dann so dachte, ja, aha, okay, da musste ich erstmal meinen Blick so ein bisschen erweitern für, was sind eigentlich Spezialinteressen? Und dann dachte ich halt so, aha, ja, gut, doch, habe ich doch gehabt. bommel: Und das war halt irgendwie so ein Weg mit so ganz viel Selbsterkenntnis. Und dann war ich irgendwo so an dem Punkt, dass ich dachte, boah, das könnte wirklich schon extrem viel erklären und auch so extrem viel erklären, womit ich immer meine Schwierigkeiten hatte und was für mich auch immer so schwierig war in meinem Leben. Ich habe schon immer das gehabt, dass ich. bommel: Längere Phasen ganz gut funktioniert habe, in Anführungsstrichen, und dann so einen richtigen Crash hatte. Und das hatte ich schon in meiner Kindheit so, das hatte ich in meiner Jugend. Da bin ich vorrangig dann körperlich immer krank geworden und ab so 14, 15 fing es dann an, immer mit Depressionen. Und ich wurde dann immer mit Depressionen behandelt und so und ich habe so viele Psychotherapien gemacht und so. Und dann hatte ich 2013 einen richtig großen Crash. Dann hatte ich 2017, 2018 einen großen Crash. Dann hatte ich 2020 einen großen Crash. Und irgendwann dachte ich halt so, okay, die Abstände, in denen Welt für mich funktioniert, die werden immer kürzer. Und also ist das jetzt mein Leben? Das ist doch scheiße. Also so funktioniert das doch nicht. Das ist doch total Banane, dass ich irgendwie so einen Crash habe. Dann mache ich Therapie, dann geht es mir ein bisschen besser, werde da irgendwie auf Depressionen behandelt. Und dann kehre ich quasi wieder so in Anführungsstrichen zurück ins Leben. Und dann folgt dabei der nächste Crash. Und diese Frequenz wird immer höher. Da dachte ich so, also ja, wenn das so ist, dann ist es so. Aber das war was für mich, wo ich so dachte, wie lässt sich das mit in Anführungsstrichen normalen Depressionen erklären? Das ergibt doch keinen Sinn. Und. bommel: Das war so vor allem der ausschlaggebende Punkt, warum ich für mich halt auch gesagt habe, okay, ich versuche eine offizielle Diagnostik zu machen und versuche erstmal überhaupt einen Platz in der Diagnostik zu bekommen, weil ich dann tatsächlich wissen wollte, ob es das halt letztlich ist. Weil das für mich auch, also es gibt ja auch ganz viel, und das gab es auch damals in meinem Umfeld, ganz viele Leute, die dann immer sagen so, ja, aber warum ist denn die Diagnose so wichtig für dich? Akzeptiere dich doch einfach so, wie du bist. Und das ist ja schön, aber wenn du dein ganzes Leben lang immer gespiegelt bekommst, so und so funktioniert quasi ein normaler Mensch und du merkst einfach, okay, ich funktioniere so aber nicht. Und du versuchst immer so zu funktionieren und das klappt auch immer für eine Weile, aber dann klappt es halt einfach nicht mehr. bommel: Für mich war das einfach so, dass mein Selbst war einfach so zerstört. Ich war an einem Punkt, ich wusste nicht mehr, was ich mag. Ich wusste nicht mehr, was mir wichtig ist in meinem Leben. Ich wusste nicht, wie ich mein Leben führen möchte. bommel: Ich habe auch in meiner vorherigen, also nicht meiner jetzigen, sondern meiner vorherigen Therapie so ganz bezeichnende Erlebnisse auch gehabt, weil ich habe da zum Beispiel auch darüber gesprochen, also meine Therapeutin war so wie, ja, gehen Sie doch mal mehr raus und bla und in die Welt und gehen Sie doch mal mehr mit Leuten in Kontakt und so. Und da hatte ich dann so ein bisschen als Aufgabe, so Smalltalk mit Leuten an der Kasse zu führen. Und habe halt darüber gesprochen, wie schwer mir das fällt. Und habe auch vor allem darüber gesprochen, dass ich meinte, ich fühle mich niemals einsamer und mehr alleine auf der Welt, als wenn ich... Dort mit Leuten stehe und mich über so oberflächliche Sachen mit denen unterhalte, und aber merke, wir haben gar keine Verbindungen über das Wetter hinaus oder so. Das führt für mich wirklich zu so einem existenziellen Einsamkeitsgefühl. Dann habe ich in der Therapie darüber gesprochen und meinte so, weil das kann ja nicht das Ziel sein. Das Ziel muss ja sein, dass ich mich dadurch besser fühle eigentlich so. Und, Ich habe mich halt gefragt, warum das für mich so ist. bommel: Und meine Therapeutin hat immer nur gesagt, ja, aber das ist ja auch Lebendigkeit, sich so über leichte Sachen zu unterhalten und über so Oberflächlichkeiten und darüber irgendwie in Kontakt zu gehen. Das ist ja das Leben und das ist ja Lebendigkeit. Und irgendwann dachte ich wirklich, ich bin einfach, also ich dachte wirklich, ich bin einfach komplett falsch auf diesem Planeten. kc: Dieses Gefühl kenne ich so gut. bommel: Ja, und das war halt auch so, das Ding ist, wenn du wirklich nur Depressionen hast und nichts anderes, dann hilft dir das, unter Leute zu gehen. Dann hilft dir das, rauszugehen, spazieren zu gehen und so weiter. Das sind Sachen, die helfen können. Auch nicht immer, also nicht falsch verstehen, da gibt es ja sowieso nichts Pauschales. bommel: Irgendwie Behandlungen müssen immer individuell sein. Aber das sind Sachen, die dir helfen können. Wenn du aber gar keine Depressionen hast, sondern ein autistisches Burnout, dann gibt es keine Toleranz in dem Sinne, die du aufbauen kannst, indem du rausgehst oder so, sondern du wirst es halt einfach immer nur schlimmer machen, weil du quasi in so einer maximalen Überforderung steckst und da immer mehr Überforderung draufkippst. Und das war so ein Punkt, wo ich für mich gesagt habe, ich glaube, für mich ist es existenziell wichtig, zu wissen auch, wie ich mir am besten helfen kann. Und wie gesagt, ich hatte zu mir überhaupt keinen Zugang mehr, weil ich habe so viele Jahre daran gearbeitet, wie ich sein soll und wie ich zu sein habe und bloß einfach zu sein wie alle anderen und zu funktionieren wie alle anderen, dass das für mich einfach so wichtig war. Und dann habe ich, das war pures Glück, wirklich pures Glück mitbekommen, dass eine Diagnosestelle, die für mich auch tatsächlich halbwegs erreichbar ist, dass die ihr Wartelistensystem umstellen. Und habe so, das war so richtig durch über zehn Ecken und so erfahren, dass die irgendwie am 1. Oktober 2022 eine neue Warteliste eröffnen. bommel: Das kannst du aber wissen. Kurz vor Eröffnung stand ich da. Ich war die erste Person auf dieser neuen Warteliste. bommel: Und das war wirklich, also. bommel: Und auf der einen Seite bin ich natürlich total glücklich darüber, auf der anderen Seite, was für eine Scheiße, weil das ist ja hochgradig unfair. Es gibt so viele Leute, die auf eine Diagnostik irgendwie warten und für die das nicht weniger existenziell ist, als es für mich in diesem Moment war. Und dann erfährst du sowas nur durch pures Glück, wie, naja, aber auf jeden Fall ging es dann tatsächlich ein halbes Jahr später los mit der Diagnostik. Und also eigentlich ist ja auch ein halbes Jahr warten schon lang. Aber wenn wir über solche Diagnostiken sprechen, also die meisten Wartelisten sind fünf bis sieben Jahre lang und so voll, dass du dich nicht mal mehr auf diese Warteliste setzen lassen kannst. Das ist ja der Punkt eigentlich, an dem wir sind. Das heißt, dass das für mich so schnell ging dann letztlich, als ich mich dazu entschieden habe, die Diagnostik machen zu wollen, ist es für mich immer noch komplett wild. Komplett wild. Und dann, ja, hatte ich halt erst mal so einen Screening-Termin. bommel: Wo eine Ärztin dann erstmal, also eine Psychiaterin erstmal geguckt hat, okay, kann das überhaupt sein? Kommt das überhaupt irgendwie in den Bereich des Möglichen? Lohnt es sich da, eine tiefergehende Diagnostik zu machen, die ich ja dann zum Teil auch noch selber bezahlen musste? Auch super. bommel: Und genau das Screening sah dann so aus, dass sie gesagt hat, so, jo, wir machen die Diagnostik und dann hatte ich halt. bommel: Einen diagnostischen Termin vor Ort und halt so ein paar Sachen, die ich halt ausfüllen und abgeben musste, im Sinne von, ich musste so einen biografischen, ellenlangen biografischen Fragebogen ausfüllen. Meine Eltern mussten so einen ellenlangen biografischen Fragebogen ausfüllen. Genau, das haben wir alles gemacht und dann gab es halt diese Tests vor Ort. Ich habe auch meine Diagnostik nochmal ein bisschen rausgesucht. Interessiert dich, was für Tests sie da gemacht haben? kc: Ja, auf jeden Fall. Und wenn es mich nicht interessiert, ganz, ganz sicher unser Publikum, aber mich interessiert es auch. Wie viele Seiten hast du da? bommel: Zwölf hat dieses Gutachten. Also, ja, genau. Also genau, da ist am Anfang sind dann erstmal die ganzen Diagnose-Kriterien des DSM aufgeführt. Das ist dieses Diagnose-Manual, wo halt irgendwie drinsteht, ja, wenn du husten hast und deine Nase läuft, dann darf man eine Erkältung diagnostizieren. Aber das gibt es natürlich halt auch für sowas wie Autismus, ADHS, aber auch psychische Störungen und so. Genau und diese Inhalte wurden halt auf verschiedene Arten und Weisen irgendwie geprüft. bommel: Was auf jeden Fall gemacht wurde, ist, es gibt so ein, also der AQ, das ist so ein Autismusquotient, da beantwortet man irgendwie so zehn Fragen oder so. Das ist auch eher nochmal so ein Screening, glaube ich. Genau, wo dann mit Punkten ausgewertet wird, wie weit du da quasi auf dieser Skala irgendwie liegst. Dann gab es nochmal, da war ich ein bisschen überrascht von, aber das fand ich richtig gut. Es gab einen wirklich ellenlangen Fragebogen nochmal zu Persönlichkeitsstörungen. Also es wurde tatsächlich nochmal abgetestet, ob ich eine Paranoide, eine Schizoide, eine Schizotype, Antisoziale, Borderline, istrionische, narzisstische, vermeintlich Persönlichkeitsstörungen habe, weil das offensichtlich scheinbar irgendwie ein Ausschlusskriterium dann wäre für Autismus. Also ich hätte beide Diagnosen bekommen, das weiß ich nicht, kann ich nicht genau sagen, aber das war alles unauffällig. Und dann, was ich total lustig finde, wurde wie so eine Art Intelligenztest gemacht. bommel: Und das war nicht so ein klassischer Intelligenztest, wie man den kennt, sondern es ging vorrangig darum, das Arbeitsgedächtnis irgendwie abzutesten. Und das steht irgendwas für ein mentalem Leistungsniveau. Und ich weiß jetzt, wie schnell mein Arbeitsgedächtnis arbeitet. Das finde ich so lustig. Also mein Arbeitsgedächtnis arbeitet mit einer Arbeitsgeschwindigkeit von 19 Bit pro Sekunde. kc: Interessant, was sagt uns das? bommel: Das ist lustig, das kann ich gar nicht sagen, was das genau einem sagt. Ich kann dir was anderes sagen, was das einem sagt. Also es geht hier um die Messung der Kurzspeicherkapazität, also wie gut dein Kurzzeit- und Arbeitsgedächtnis funktioniert. Und hier steht, für die erwachsene Normalbevölkerung wurde die Verteilung 80 plus minus 29 Bit ermittelt. Das heißt, die erwachsene Normalbevölkerung hat eine Kurzspeicherkapazität von 80 minus 29 bis 80 plus 29. Also, was ist 80 minus 29? Ist das 51? Ja, ne? Irgendwas zwischen 51 und 109 Bit verarbeitet die Normalbevölkerung irgendwie. Und ich verarbeite 154 Bit. Ist also schnell. Ja, das fand ich irgendwie lustig. Aber was das jetzt genau heißt, weiß ich auch nicht... bommel: Sie war nur, also das war ihr irgendwie nochmal sehr wichtig zu sagen, dass das sehr weit außerhalb der Norm liegt. Ich auch dachte so, ja, da kann ich mir auch nichts von kaufen. Dann musste ich tatsächlich diesen ganz, ganz merkwürdigen Test machen. Da wurden mir nur Augenpaare vorgelegt, also quasi schon echte Gesichter wurden fotografiert, aber da wurde nur die Augenpartie ausgeschnitten. Und dazu habe ich halt vier Antwortmöglichkeiten bekommen, was diese Person nun empfindet. bommel: Und da habe ich tatsächlich relativ gut abgeschnitten. Ich bin aber auch, ich bin ja auch eine kleine Eule. Also das kannst du niemandem erzählen, wie lange ich an diesem Test saß. Und ich bin ja auch, also das ist ja immer so das Ding. Eigentlich sollen diese Tests ja abfragen, wie das für dich auf so eine natürliche Art und Weise kommt. Aber gib mir einen Test und ich will das natürlich gut machen. Das heißt, ich saß da, habe meine Augen zusammengekniffen und versucht, diesen Gesichtsausdruck dieser Menschen nachzustellen, um dann zu gucken, welches der vier Wörter noch am ähnlichsten zu dem ist, was ich empfinden würde, wenn ich vielleicht so einen Gesichtsausdruck machen würde. Das heißt, ich habe da richtig viel Arbeit reingesteckt. Und ich war trotzdem noch nicht gut genug, um zu sagen, dass das nicht gestört ist. bommel: Ja, genau. Dann wurden nochmal ein paar andere Sachen abgetestet. Es kam nochmal so ein Fragebogen dazu, welche Symptome ich noch habe. Da kam dann nochmal raus, dass ich auch eine somatoforme Störung habe, weil ich häufig stark Schmerzen habe und so. Irgendwie so Anstrengungen und Anspannungen und so. Es gab noch einen anderen Test zu kognitiven Fähigkeiten. Und dann gab es noch diesen EQ-Fragebogen. Das ist ein Fragebogen, bei dem ermittelt wird, inwiefern Defizite in der Empathie irgendwie bestehen. Oder erfasst pathologische Defizite in der Fähigkeit zur Empathie, so steht das hier. Und ja, da, genau, also Cut-Off-Wert ist bei 30 Punkten. Also wenn man unter 30 liegt, dann besteht ein Verdacht auf Autismus. Bei über 30 Punkten ist man eher nicht autistisch und ich war weit drunter. Weit, weit, weit drunter. Und das ist auch, achso, hast du dazu irgendwelche Fragen oder so? kc: Nee, ich finde das richtig spannend. bommel: Ist spannend. Ich hatte das lange nicht in der Hand, aber manchmal gucke ich mir das auch an, auch weil ich weiß noch dann, also dieser Testtermin war dann und ein paar Wochen später war der Auswertungstermin und da war ich dann da und das war schon ganz merkwürdig und ich bin aber sehr froh, weil sie hat als erstes direkt gesagt, ja bevor wir jetzt hier irgendwas begründen oder so, wie ich Ihnen als erstes erstmal sagen, so also ich stelle Ihnen die Diagnose aus. Das ist für mich gar keine Frage und ist für mich absolut, ich bin mir absolut sicher und so. Und da saß ich da und ich habe sie einfach angeguckt und irgendwie passierte in mir nichts. Ich weiß auch nicht so richtig, was ich erwartet habe. Und dann fragte sie mich auch, haben sie damit gerechnet? Und dann weiß ich noch, dass ich so meinte... Weiß ich nicht, weil richtig rechnen kannst du damit ja nicht. Es ist ja eine Diagnostik und ein mögliches Ergebnis von einer Diagnostik ist immer, du bekommst keine Diagnose. Für mich war aber an dem Punkt dann so, dass ich dachte, ja, das ist okay, wenn ich keine Autismusdiagnose bekomme, aber was ist es denn dann? Weil das hätte ich sehr, sehr komisch gefunden, wenn sie mit Sicherheit hätte sagen können, Autismus ist es nicht, aber ich habe gar keine Idee, was es sonst ist. bommel: Weil ein bestimmter Leidensdruck ist ja trotzdem da. Und da hätte mich einfach dann interessiert, was ihre Idee ist. War ja dann kein Thema. kc: Ich glaube, das darf man insgesamt auch überhaupt nicht so unterschätzen, welche Möglichkeiten auch so eine Diagnose auch in Sachen Nachteilsausgleich und so weiter bietet, wenn sie denn da ist. bommel: Ja, schon. Und sie meinte auch tatsächlich zu mir, dass die wirklich mit Abstand der allergrößte Teil der Leute dort rausgeht und keine Diagnose bekommt. Und, Das hat mich tatsächlich ein bisschen überrascht, weil ich finde, gerade Autismus, also für ADHS kann ich gar keine Aussage treffen, weil da habe ich ja nie eine Diagnostik durchlaufen. Aber gerade auch bei Autismus wird es häufig ja im Moment so dargestellt, als wäre das auch so ein bisschen so eine Modediagnose und jeder hat das jetzt plötzlich und so. Also ich hatte auf jeden Fall das Gefühl, weil auch nach mir haben so viele Leute in meinem Umfeld oder Leuten, denen ich schon lange auf Social Media folge und die ich richtig mag und die ich einfach gut nachvollziehen kann, zu denen ich eine gute Verbindung habe in irgendeiner Art und Weise, haben so viele eine Autismusdiagnose bekommen, dass ich kurze Zeit auch dachte, das kann ja nicht sein. Aber natürlich kann das sein, weil natürlich umgebe auch ich mich mit Menschen, die mich verstehen, die ich verstehe, die in irgendeiner Art und Weise ähnliches Erleben von der Welt haben wie ich und Dinge ähnlich sehen. Das macht ja eben jeder. bommel: Und wenn Autismus ein großer Teil davon ist, wie ich die Welt wahrnehme und erlebe, naja, dann ist es jetzt auch nicht so unwahrscheinlich, dass die Menschen um mich herum, denen das halt auch so geht, dass die irgendwann auch in eine Diagnose bekommen. Aber das war schon eine merkwürdige Entwicklung wie eine Zeit lang. Und ich weiß auch noch, ich bin dann da raus und mein Partner war auch mit. Und das war, irgendwie war so alles anders, aber irgendwie ja auch gar nichts und dann, weiß ich noch, sind wir so gegangen und ich war so, ich bin autistisch und er war auch immer nur so, ja und ich war nur, es ist. bommel: Das ist komisch, weil natürlich bin ich nicht nur autistisch so. Das ist natürlich nicht alles, was mich ausmacht. Also ich finde zum Beispiel auch, dass ich eine gute Freundin bin. Und es gibt halt auch Autistinnen, die sind richtig schlechte Freunde. Aber trotzdem ist es auch nicht komplett von meiner Identität als Autistin zu trennen. Irgendwie. Und das war ganz, ganz komisch. Aber so im Nachhinein würde ich auch sagen, hat mir da erst mal jemand dann so einen Schlüssel in die Hand gedrückt. Und dann ging die Arbeit halt auch überhaupt erst los. Und boah, also die Erkenntnis, ich weiß natürlich nicht, wie es gewesen wäre, wenn ich dann diese Diagnose dort nicht bekommen hätte, wie meine Entwicklung dann weitergegangen wäre. Aber so aus der Perspektive jetzt war das für mich die Erkenntnis, autistisch zu sein, absolut lebensrettend. Absolut bin ich 100% von überzeugt und sind auch Menschen in meinem Umfeld absolut von überzeugt. kc: Das ist sehr interessant. Mein Weg zum Autismus war sehr unterschiedlich und ich habe ja gar keine offizielle Autismusdiagnose. bommel: Ja, erzähl doch mal gerne. kc: Ja, mein Weg fing schon sehr viel früher an als deiner, obwohl ich jünger bin als du. So müsste irgendwie in den 2010er Jahren, frühe 2010er Jahre gewesen sein, als ich mich zum ersten Mal bei Twitter damals registriert habe und einfach mal geguckt habe, was gibt es da so für Menschen, wer existiert denn da, was haben die Menschen irgendwie für Meinungen. Und da war ich halt auch noch super jung und so. Aber da war ich zum ersten Mal so wirklich halt in Kontakt gewesen mit der Welt außerhalb von meiner kleinen Blase, wo ich halt war, in meiner Schule, das einzige sehbehinderte Kind, blablabla. kc: Und da habe ich Leute gesucht, die halt ein bisschen so sind wie ich, weil auch ich habe mich irgendwie immer so richtig doll gefühlt, als wäre ich total falsch in dieser Welt, als würde diese Welt einfach viel besser ohne mich funktionieren und ich bin irgendwie so ein Stein und liege da nur rum und weiß ich nicht. Und dadurch habe ich dann gelernt, das ist gar nicht so. Es gibt noch so Leute, die sich so ausgestoßen und so alleine fühlen und es gibt noch so Leute, die vor allem so Probleme mit Reizempfindung haben, wie ich das habe. Und da wusste ich aber noch nicht, dass diese Menschen alle Autismus haben, bis es dann da auch eben so langsam losging mit den Diagnosen. Ab 2015 rum. kc: Und ich denke so spätestens Ab dem Punkt war es dann auch für mich klar. Und so alle Leute, mit denen ich groß zu tun hatte seitdem, sind eben auch autistisch und ich werde immer wieder peer-reviewed auch von den Leuten. Deswegen ist es für mich jetzt eigentlich einfach so... Eine 100% sichere Annahme, dass ich autistisch bin. Aber ich möchte zumindest so kurz- und mittelfristig keine Diagnose anstreben, weil sie mir einfach nichts bringt. Also außer Stress. Zumindest habe ich mir noch nichts ausmalen können, wo mir das irgendwie was nützen könnte. Weil für mich würde es bedeuten, erstmal nichts, weil alles, was ich an Unterstützung irgendwie brauchen könnte, kann ich theoretisch mit meiner Sehbehinderung verargumentieren. Die ist schon da, ich habe einen Schwerbehindertenausweis, ich bekomme die Nachteilsausgleiche, die ich brauche im Zweifel und natürlich könnte ich das dann da noch irgendwie zusätzlich eintragen, aber das würde eben für mich die Gefahr bedeuten, dass ich von einem unbefristeten Schwerbehindertenausweis auf einen Befristeten gestuft werde und mich dementsprechend für den Rest meines Lebens da immer mit stressen müsste, wo ich dieses Problem halt einfach umgehen kann. kc: Und dementsprechend sehe ich das gerade nicht unbedingt als Notwendigkeit dafür, das für mich zu machen, aber ich möchte es nicht komplett ausschließen für die Zukunft, wenn ich irgendwann mal Kapazitäten habe oder so, dann kann man das ja immer noch angehen. Aber ja also seit roundabout 2015 weiß ich das eben und ja, mich seitdem irgendwie auch richtig viel dazu fortgebildet und geguckt, was könnte es vielleicht noch sein, weil also gerade am Anfang natürlich auch ein bisschen Zweifel und auch richtig viele Vorurteile in mir drin. kc: Ja, autistische Menschen, die lachen doch nicht. Also ich lache in der Regel gar nicht so viel, wie es in dem Podcast vielleicht so rüberkommt, aber das ist nicht ausgeschlossen, dass ich lache. Oder auch sowas wie autistische Menschen weinen nicht, aber ich habe früher extrem viel geweint. Und eben solche Sachen. Und ich glaube, also ich war schon sehr, sehr tief in dem Thema drin, bis meine Mutter irgendwann mal über mich gesagt hatte, ich sei kaltherzig. Und an dem Punkt, weil ich halt genau wusste, was in mir drin vorging, eigentlich zu dieser Situation, war es für mich dann irgendwie vollkommen klar. Wenn andere Leute das so denken... Aber dass absolut nicht mit meinem Erleben übereinstimmt und alles andere auch mehr oder weniger passt, dann kann nur das sein. Aber also bei mir kommen so typische Stereotype noch dazu. Also ich mag Züge. bommel: Ja. kc: Und ich mag Züge auch schon richtig, richtig lang. Das war auch irgendwie mit das größte Thema meiner Kindheit. Angefangen hat es allerdings mit Autos. Ich könnte alle Autos benennen. bommel: Wie witzig, wir haben da nicht vorher drüber gesprochen. Also das sind genau die Beispiele, die ich raussuche. Ja, okay. kc: Ja, und ich konnte das mit unter zwei Jahren. bommel: Das ist so krass. kc: Und ich habe das halt irgendwann wieder verlernt, weil es mich dann irgendwann einfach nicht mehr interessiert hat. Aber die Züge sind geblieben. Und die Züge waren halt so, so extrem teilweise, beziehungsweise gar nicht so wirklich Züge an sich, das sind so meine Spezialinteressen, sondern eher so Fahrgastinformationssysteme. Vielleicht kennst du das, in manchen Städten fahren da so von so einem Diesel-Lkw gezogene Züge über die Straßen. Gerade so in Ostseestädten oder so sieht man das häufig, die sind dann irgendwie grün, gelb, lackiert, blau keine Ahnung. Ja, solche, die haben halt immer so einen niedlichen Namen, die zu Stadtrundfahrten und so genutzt werden, wo es dann immer Ansagen gibt. Und in sämtlichen Ostseeurlauben und in einer Stadt, in der es auch so ein Dings gab, bin ich unglaublich gerne damit gefahren. Und ich habe mir nach dem ersten Mal sämtliche Ansagen auswendig gemerkt und dann habe ich das zu Hause nachgespielt. Ich habe Stühle in so Reihen gestellt und habe mich dann vorne hingesetzt und dann habe ich diese Ansagen runtergerattert. bommel: Ist das süß. Cute. kc: Ja. Und ja, also... There were signs, sagen wir mal so, auch schon sehr, sehr früh. bommel: Ja, das ist halt auch einer der Punkte, die halt von den, also diagnostisch halt wichtig sind. Es geht halt auch immer darum, dass das für das Alter einfach ungewöhnlich ist. So, ne? Also gerade, dass du das so früh konntest. Ich meine, es gibt sicherlich viele Leute, die sehr, sehr viel über Autos wissen oder auch über Züge oder irgendwas. Aber dass du da halt irgendwie mit zwei irgendwie diese ganzen Autos benennen konntest und so, das ist halt der Part, der es halt ungewöhnlich macht in dem Sinne. kc: Ja, ich konnte auch allgemein richtig früh sprechen. Es waren nicht mal ein halbes Jahr, wo ich die ersten Worte gesagt habe, was halt richtig früh ist. bommel: Ja, ich war auch ziemlich früh dran. Das war auch ganz süß, weil meine Eltern mussten ja diesen Fragebogen auch ausfüllen. Und die hatten halt bei ganz vielen Sachen immer so die Tendenz irgendwie so, weil dann wird dann gefragt, ja, gab es bei ihrem Kind Auffälligkeiten hier, Auffälligkeiten da? Und meine Eltern waren gefühlt bei allem so, nö, nö, du warst einfach ganz normales Kind. Und dann ist es aber so, ja, aber ich war ja anders als alle anderen Kinder. Ja, aber du warst halt so. Okay, danke. Das ist total schön, dass ihr das so seht. Also, es ist schon anders als bei anderen Kindern. Ja, das stimmt. Du warst immer anders als alle anderen. Das stimmt. Ja, das müsst ihr da aufschreiben. kc: Also, meine Eltern haben das auch irgendwann zu mir gesagt, dass ich halt ganz anders war als alle und total ungewöhnlich. Aber das hat auch sehr, sehr lange gedauert, weil sie auch sehr, sehr lange gesagt haben oder gedacht haben, ich bin einfach ein ganz normales Kind. Und ich glaube, es hat so bis zur neunten oder zehnten Klasse gedauert, wo ich das erste Mal aus deren Mund gehört habe, wie, ja, ich bin halt anders, deswegen kommen die anderen nicht so gut mit mir klar. bommel: Ich glaube, meine Eltern haben mich nie in irgendeiner Art und Weise als normales Kind oder so wahrgenommen, sondern eher so dieses, ja, du warst ja schon immer was Besonderes, aber so warst du halt. Und auf der einen Seite ist es natürlich, also Shoutout auch an meine Eltern, wie schön ist das, das eigene Kind halt einfach so anzunehmen, obwohl es die komische Eule der Welt ist. Und gerade meine Mama hat da so viel auch gekämpft für mich, auch in der Schule. Ich muss zum Beispiel keinen Schwimmunterricht mitmachen. Und da hat meine Mutter mich einfach rausgenommen, weil das für mich die absolute Hölle war, aus vielen verschiedenen Gründen, aber halt auch sensorisch und so. Das ging einfach gar nicht. Ja, meine Mutter hat sowas immer alles irgendwie hingekriegt. Und meine Mutter war immer so, immer auf diesem Trip von, ja, so warst du halt. Du warst halt irgendwie anders, du hast halt irgendwie andere Sachen gebraucht, aber das ist ja nicht schlimm. So und ja, das ist auf der einen Seite natürlich total schön, aber für den Fragebogen war es halt so ein bisschen kurios, weil es war so, so warst du halt. Ja, danke. kc: Ja, also gerade in solchen Beziehungen finde ich das immer richtig interessant, da so zu erfahren, wie, wie man früher so gesehen würde. Bei mir wurde halt ganz, ganz viel auch einfach auf die Sehbehinderung geschoben. Gut, ich war immer das Kind, das da so hinter dem Bildschirm saß in der Schule, das man nie so wirklich gesehen hat, das sich komisch verhalten hat, das niemanden angeguckt hat. Gut, Sehbehinderung, Thema abgehakt. Aber ich wusste für mich halt, dass da noch so viel mehr dahinter steckt und das halt nicht alles allein ein Problem des Sehens ist. Also gerade so Intersektionalität und auch Überschneidung der Diagnosen ist ja gegeben und wahrscheinlich hat man deshalb einfach nicht geguckt. Ich meine mich auch daran zu erinnern, dass irgendwie das Argument für mein Auswendiglernen von den Ansagen da gewesen ist, ja gut, ich habe ja nicht gesehen, was draußen ist, mein Gehirn hatte Platz. Wow Kann ich mir das merken, aber so war es halt nicht. bommel: Ja Ich hatte letztens ein Gespräch mit meiner Mama auch darüber weil sie auch meinte, hat man das schon alles früher gewusst und da meinte ich auch so, Ich bin in den 90ern groß geworden Ich weiß nicht, ob das so ein Geschenk ist in den 90ern mit einer Autismusdiagnose groß zu werden, weil es gibt ja heute noch super viele Vorurteile, Stereotype und so weiter. Das war in den 90ern sicherlich nicht besser. kc: Ja, in den 2000ern sicher auch noch nicht, wo ich aufgewachsen bin. bommel: Voll, voll. Und deswegen ist halt auch so diese Frage, hätte man das früher gewusst oder hätte ich es bloß früher gewusst, die ist bei mir gar nicht so drängend. Ich bin einfach sehr, sehr glücklich darüber, das zu wissen. Punkt. kc: Also ich bin auch super glücklich, das für mich zu wissen, auch wenn es nicht ärztlich bestätigt ist, mir reicht die Bestätigung durch sicher mittlerweile 50 andere Menschen, die zum großen Teil eine bestätigte Autismusdiagnose haben. Kommen wir nochmal zurück. Hast du dir Gedanken gemacht, was meine Inselbekörbung sein könnte? bommel: Ich habe es vergessen, dass es im Raum stand. Was aber auf jeden Fall so total dein Ding ist, ist, dich in Sachen so reinzufuchsen. Was mich immer wieder beeindruckt ist, dass du total schnell Sachen durchdringst, auch gerade so technische Sachen. Und das kann natürlich auch sein, dass mich das besonders beeindruckt, weil ich da halt nicht so viel Expertise habe. Aber ich habe halt viel mehr so dieses, dass ich erstmal grundsätzlich annehme, dass Leute schon wissen, was sie tun. Und dann von da aus erst mal versuche zu verstehen, was sie getan haben und dann erst sehr viel später zu dem Schluss komme, dass sie da Quatsch gemacht haben. Und du bist da unglaublich schnell drin, solche Systeme auch zu erfassen und direkt zu sagen, ja, ist ja Bullshit. Warum macht man das nicht so und so? kc: Stimmt. Darüber habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht. Ja, das ist wirklich so. Danke, heute lerne ich richtig was über mich. bommel: Gerne Was ist denn aus deiner Sicht meine Inselbegabung? Hast du mir schon eine Inselbegabung verschafft? kc: Nee, noch nicht Ich glaube, deine Inselbegabung sind so soziale Themen Das sind die wo du, glaube ich, richtig schnell einen Durchblick hast, wo du sagen kannst, das ist Bullshit wo ich eher erstmal zurückhaltend bin und sage, hm, da muss ich nochmal überlegen Bei mir sind es halt dann eher die technischen. bommel: Agreed. Ja, ich weiß, was du meinst. Und da sind wir auch schon, ich wollte dich fragen, so dieses, was kannst du an so Mythen über Autist*innen schon gar nicht mehr hören? Und da sind wir halt irgendwie genau ein bisschen so in diesem Thema drin, weil eine Sache, die ich echt nicht mehr hören kann, ist, dass Autist*innen gar kein Problem mit der Empathie haben müssen, sondern dass es halt auch hyper-empathische Autistinnen gibt, und so. Und, Das ist so ein Mythos, an den habe ich sehr lange, sage ich mal, selber geglaubt auch, weil muss man ja auch sagen, es geht ja auch ein bisschen runter wie Öl. Das hört man ja gerne, dass man halt nicht keine Empathie hat, sondern überbordend viel. Ich habe mich aber insgesamt viel mit dem Thema auseinandergesetzt und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich nicht, ich habe nicht besonders viel Empathie in dem Sinne. Und ich bin auch ganz bestimmt nicht hyper-empathisch. bommel: Was halt das Ding ist, was voll viele irgendwie immer verwechseln, ist, sobald eine Person die auch traurig ist und weint und so, fällt es mir manchmal auch schwer, mich davon abzugrenzen. Aber das ist keine Empathie, das ist halt reine Gefühlsansteckung. Das passiert Babys auch. Babys heulen, wenn ein anderes Baby heult. bommel: Völlig unabhängig davon, ob sie einen Grund haben oder nicht. Und das ist so eine total super basic Stufe von Empathie, die sich halt eigentlich weiterentwickelt so. bommel: Und das Ding ist ja, ich glaube das größte Problem daran ist, dass Empathie als Wert einfach so hoch geschätzt wird. So. Und. Dass ein fehlendes Empathievermögen immer mit so wie, wie nennt man das, wenn mit Psychopathen verbunden wird oder so. Oder mit Leuten, die halt mit Serienkillern oder so. Weil da dann immer gesagt wird, ja keine Fähigkeit zur Empathie und so. Und ich bin total eingeschränkt in meiner Empathiefähigkeit. Das heißt aber nicht, dass ich ein schlechter Mensch bin. Mir sind andere Menschen alles andere als egal. Alles andere als egal. Ich brauche nur manchmal echt ein bisschen Zeit, um zu verstehen, warum Leute so reagieren, wie sie reagieren oder warum bestimmte Sachen andere Menschen jetzt so traurig machen oder so wütend machen oder so, weil sie mich halt nicht wütend machen würden oder so. Ich habe da einfach kein intuitives Verständnis von. Und das führt natürlich einfach auch zu sozialen Problemen, weil andere Menschen irgendwie viel intuitiver auf sowas reagieren und dann irgendwie auch intuitiv wissen, was sie machen sollen oder so. Und ich habe das nicht intuitiv, aber ich liebe vor allem die Menschen um mich herum und ich würde denen niemals was Schlechtes wünschen. bommel: Aber ich brauche das halt manchmal und ich kann total oft, kann ich deren Gefühle dann halt auch total gut nachvollziehen. Und ich habe natürlich über die Jahre auch viel gelernt und es wird auch besser, wenn ich Menschen halt besser kenne. Aber manchmal... Frage ich halt dann einfach viel so Dinge wie, ah, okay, und das und das hatte ich dann verletzt und ah, okay, und das und das hatte ich dann wütend gemacht oder so. Und dann verstehe ich das auch. Es kommt mir nur nicht intuitiv. bommel: Und was ganz häufig als so hyperempathisch auch verkauft wird, ist eigentlich etwas, was man als Hypervigilanz bezeichnet. Und das ist eine Traumareaktion. Also es ist nicht normal, in einen Raum reinzukommen und sofort zu spüren, welche Energie ist wie im Raum, wer hat hier mit wem Clinch, bla bla bla. Ich habe das auch total. Ich versuche, das explizit zu verlernen, aber das ist nicht da, weil ich so krass hyperempathisch bin, sondern weil das mir dabei geholfen hat, zum Beispiel Schule zu überleben. In den Raum reinzukommen und zu merken, was ist hier für eine Stimmung, wer ist vielleicht wütend, weil das ist ja auch so das Ding. Ich habe so oft nicht gemerkt, dass Leute sauer auf mich sind, wütend auf mich sind oder so, weil Dinge für mich keinen Sinn ergeben haben und Leute sowas dann halt nicht explizit kommunizieren. Das heißt, für mich war das absolut so eine Überlebensstrategie, diese Dinge aus Menschen versuchen rauszulesen und so bei denen zu sein und bei dem, was die fühlen und machen und tun und so, dass ich dabei auch völlig irgendwie verschwinde. bommel: Ich gehe jetzt hier nicht in alle meine Traumata rein und so, aber das ist eine Traumareaktion. Und natürlich ist es auch total hilfreich, das mal machen zu können. Aber gerade wenn du dich davon nicht abgrenzen kannst, ist das fucking anstrengend. Das ist so krass, aber das hat halt nichts damit zu tun, dass man so ein total hyperempathisches Superwesen ist, sondern das hat ganz doll viel damit zu tun, dass man, zumindest aus meiner Perspektive, so stark auf diese Fähigkeit angewiesen war, sein ganzes fucking Leben lang, weil Leute halt nicht sagen, was sie fühlen, was sie denken, was sie von dir wollen, was du falsch gemacht hast, sondern du das alles irgendwie durch so Vibe wie mitbekommen musst. bommel: Und das ist halt was, also das lese ich auch, Also das lese ich immer wieder, aber ich lese vor allem mittlerweile auch sehr häufig das Debunking von diesem Mythos, zu sagen, so nein, Leute, es ist halt auch okay, Probleme mit der Empathie zu haben. Weil das ist einfach so moralisch aufgeladen. Und wie gesagt, du bist kein schlechter Mensch, ich bin kein schlechter Mensch. Ach ja, das sehen manche Leute aber anders. Ja, manche Leute sind ja auch komisch. Und mir ist das Wohlergehen der Menschen um mich herum total wichtig. Und ich habe auch Empathie, aber sie funktioniert einfach vielleicht anders als bei neurotypischen oder vor allem alistischen Menschen, bei nicht-autistischen Menschen. So. Und das ist auch was, was ich mir wünschen würde, dass sowas halt mehr akzeptiert wird und dass, weil wir landen halt ganz häufig dann bei diesen, man nennt es häufig so Neurosupremacy-Themen, dass es in diese Richtung geht von, ja, autistische Menschen sind irgendwie die nächste Evolutionsstufe, bla bla bla, so eine Scheiße. Einfach so. bommel: Die Welt hat halt ein ganz großes Missverständnis, finde ich, Autist*innen gegenüber und auch ein sehr großes Akzeptanzproblem von der Andersartigkeit. Vieles wird halt so gelesen als böse oder so, zum Beispiel, weil man halt nicht in der Form empathisch reagiert, wie allistische Menschen es tun, zum Beispiel. Und diese Gegenbewegung ist wie so dieses sich selbst erhöhen, um halt nicht so als das Böse irgendwie dazustehen. Aber das ist halt auch nicht the way. Weil wenn wir halt Neurodiversität in dem Sinne tatsächlich leben wollen, dann geht es nicht darum, dass etwas besser oder schlechter ist. Und deswegen geht es halt auch darum, dass wir nicht sagen, ja, aber Autist*innen sind in dem und dem viel besser als Neurotypische und in dem und dem viel besser, sondern wir sind einfach verschieden. Und gerade wenn wir mal versuchen, uns zu überhöhen über neurotypische Menschen oder halt vor allem nicht autistische Menschen, also alistische Menschen, dann landet man so schnell in diesen Bereichen und das halte ich für ganz gefährlich tatsächlich. bommel: Und möchte aber auch trotzdem nochmal sagen, dass ich das trotzdem auch irgendwo nachvollziehbar finde, weil gerade in Bezug auf das, was einfach sehr autistisch an mir ist, habe ich mein Leben lang gelernt, das zu verstecken, mich dafür zu schämen, das bloß nicht nach außen zu zeigen. Und ich kann das total verstehen, dass man total danach reagiert, sich gut fühlen zu wollen und Bestätigung bekommen zu wollen, zu hören, du bist kein schlechter Mensch, du bist keine schlechte Freundin, du bist keine schlechte Person, arbeitnehmende Person, whatever. Das macht ja voll was Schönes fürs Selbstbild, aber ich finde, man muss da ganz, ganz vorsichtig sein irgendwie. kc: Ja, das wollte ich noch dazu sagen. Ich habe mich damit auch ein ganzes bisschen beschäftigt und ich glaube, dass es auch ein bisschen sehr viel leichter zu verstehen, wenn man durchstiegen hat, dass dieses Argument oder dieser Mythos, autistische Menschen sind hyperempathisch, hauptsächlich halt von der geschäftlichen Blase kommt. bommel: Ja. kc: Wo gerade autistische Menschen dann halt so sehr darauf getrimmt werden, zu sagen, ja, mein Autismus ist eine super Kraft. Oder so sehr maskieren müssen, um dann sich überhaupt nicht mehr zu trauen, irgendwie ihre Stimme zu erheben, wenn irgendwie was falsch läuft. Und diese Empathie dann eben oft so gedeutet wird als, ja, Kopf-Pats, streicheln, liebe Menschen. Ja. Nee, so ist es nicht. bommel: Voll. Was gibt es, was du nicht mehr hören kannst? kc: Boah, also was ich nicht mehr hören kann, ist eigentlich alles, was wir aufgeschrieben haben. Aber ich glaube ganz hauptsächlich auch das, worüber wir auch schon viel gesprochen haben im Rahmen deiner Diagnostik. Dass Menschen mit Autismus in der Regel entweder hochbegabt sind oder eine kognitive Behinderung haben. Also, nee. Ja voll es gibt so viele menschen die einen IQ einfach im Normbereich haben aber keine kognitive Behinderung haben die aber trotzdem autistisch sind ja und natürlich gibt es auch da wieder diese Varianz es gibt Menschen mit Autismus die hochbegabt sind und es gibt Menschen mit Autismus die eine kognitive Behinderung haben die noch ganz ganz andere Probleme haben haben, als wir mit unserem Autismus, den wir hier in dieser Folge überhaupt darstellen können. Einfach weil das so ein großes Spektrum und so ein großes Feld ist von möglichen Problemen und möglichen Dingen, die in die Autismus-Spektrum-Störung fallen können. bommel: Ja. kc: Gibt es für dich noch weitere Punkte? bommel: Ich glaube, das knüpft so ein bisschen daran an, weil du es auch gerade schon gesagt hast. Es gibt halt zum Beispiel auch Autist*innen, die nonverbal sind, die einfach nicht auf verbale Art und Weise kommunizieren, wie wir das jetzt gerade beide tun und die sind genauso wertvoll und valide und nicht weniger wert als wir, nur weil sie anders kommunizieren oder nicht kommunizieren oder whatever. Und das ist zum Beispiel halt auch, was mich häufig echt, unzufrieden macht. Es gibt, also vor allem online sind natürlich gerade Autist*innen sehr laut, die sich auf diese Art und Weise ausdrücken können und auch da gelten natürlich auch andere Privilegien. Wir sind beide weiß. Gerade auch online, die meisten Stimmen zum Thema Autismus, die man hört, sind weiß. Die sind normschön, die sind schlank. bommel: Und das ist halt einfach auch was, was total schade ist, weil ich kann das auf der einen Seite auch total verstehen, gerade wenn man auch spät diagnostiziert ist, dass das auch ein totales Bedürfnis ist, endlich so seine eigene Wahrheit auch rauszutragen in die Welt. Aber ich finde, und ich finde, das darf man auch tun, aber ich würde mir total wünschen, und da muss ich für mich selber auch dran arbeiten, das weiß ich, dass wir mehr wegkommen von so pauschalen Aussagen. Also erstmal ist es halt ganz oft so, dass Leute halt von neurodivergenten Menschen sprechen und damit eigentlich, wenn man ganz ehrlich ist, und das passiert mir auch immer wieder, nur Menschen mit ADHS und Autismus meinen, weil Neurodivergenz ist halt alles. Auch eine Person mit Schizophrenie beispielsweise ist neurodivergent. Aber. bommel: Meine Struggles haben mitunter nicht unbedingt was mit den Struggles dieser Person zu tun und unsere Störungsbilder oder wie auch immer man es nennen mag, sind halt sehr verschieden und trotzdem sind wir beide neurodivergent. Das heißt, wir können halt gar keine pauschalen Aussagen über Neurodivergenz in dem Sinne treffen. Und ich würde mir halt auch wünschen, dass gerade auch wenn privilegierte, weiße, spätdiagnostizierte Personen, die eher einen geringen Unterstützungsbedarf haben, dass sie mehr von ihrer eigenen Perspektive und von sich sprechen und nicht von "den Autist*innen". Und wie gesagt, mir passiert das halt auch immer wieder, aber das ist so ein Prozess, in dem ich im Moment total stecke, weil ich glaube, da brauchen sehr, sehr viele echt öfter mal einen Realitätscheck, weil es gibt keine homogene Masse an autistischen Menschen. bommel: Wie gesagt, es ist ein Spektrum. Wir können nicht permanent sagen, das ist ein Spektrum. Wir sind alle verschieden und dann immer sagen, ja alle Autist*innen, keine Ahnung, haben Probleme mit Geräuschen oder alle Autist*innen mögen Züge oder whatever. Das funktioniert halt nicht. Und ich finde, da werden wir so als Bewegung oft auch oder als Menschen, die vielleicht auch ein bisschen aufklären wollen oder irgendwie auch ein Sprachrohr sind, werden wir unserer Aufgabe gar nicht gut gerecht. Gar nicht. kc: Ja, müssen wir darauf achten. Wir haben auch im Vorfeld zu dieser Folge geredet, ob wir hier insbesondere schwarze Expertise einladen wollen, um darüber zu reden. Wir haben das dann letztendlich nicht gemacht. Für mich war zumindest der Grund, dass wir für die letzte Folge, die wir hier mit einem Gast gemacht haben, dass wir das Feedback bekommen haben, ja, das war nicht so schön. Wir haben alle zusammen nicht so gut miteinander funktioniert. Da sind irgendwie Dinge untergegangen. Ich glaube, deswegen wollen wir an dieser Stelle trotzdem einfach mal irgendwie das Wort abgeben und euch darauf hinweisen, dass es da so, so viel mehr gibt und so, so viele unterschiedliche Perspektiven auf Autismus als solches, auch und insbesondere von schwarzen Personen. bommel: Ja, wir können auch auf jeden Fall ein paar verlinken in den Shownotes. Ich habe da ein paar ganz gute Empfehlungen. kc: Geht gerne auf das soziale Netzwerk eurer Wahl und sucht da einfach mal. Es schadet definitiv nicht. bommel: Gibt es irgendwas, wo du sagst, okay, das würdest du dir wünschen, so generell für die Bewegung? kc: Ich weiß nicht, ob für die Bewegung, sondern ich glaube eher so für autistische Menschen generell und zumindest das ist ein sehr, sehr häufiges Problem für mich ist, dass wenn ich sowas Nein sage, dass das nicht akzeptiert wird. kc: Also wenn ich, also früher war das vor allem ein Thema, als ich noch zu Hause bei meinen Eltern gewohnt habe, waren dann irgendwie so Sachen wie Karnevals-Fastnachts-Umzüge, worüber wir auch schon gesprochen haben, da war auch immer so, ja komm doch mit, du musst mitkommen, komm mit. Und wenn ich gesagt habe, nee, ich will nicht, also für mich war noch nicht dran zu denken, einfach zu sagen, nee, ich kann das nicht, das ist mir alles zu viel, das sind mir viel zu viele Reize, weil dann wäre ich erst recht komisch angeguckt worden, aber auch dieses Nein, was ich da gesagt habe, wurde nie so richtig akzeptiert und generell ist das auch was, dass ich erst die letzten Wochen so richtig für mich gemerkt habe, ist, dass ich, immer versuche, Sachen zu rechtfertigen oder anders zu rechtfertigen, als ich sie eigentlich meine, weil mir das so sehr eingeredet wurde, dass das notwendig ist. Das ist ja auch so ein richtig typischer Autismusmythos, dass autistische Menschen nicht lügen können. Aber gerade in solchen Situationen, ich bringe permanent irgendwelche Notlügen. bommel: Ja, hast du das auch, dass du ganz oft das Gefühl hast, es braucht einen sehr rationalen Grund dafür, dass Dinge jetzt gerade nicht gehen? Ja. Und du diesen, ja, ich habe das so drin. kc: Aber ganz, ganz überwiegend gegenüber eben allistischen Menschen. Also wenn ich merke, dass mein Gegenüber selbst auf dem Spektrum ist, dann ist das in der Regel überhaupt gar kein Problem für mich und dann geht das auch einfach, dass ich Nein sage. bommel: Ich hatte das irgendwann so krass internalisiert, das hat so lange auch gedauert, ich bin da auch immer noch bei, aber mich da überhaupt durchzuarbeiten, dass ich manchmal auch einfach sagen kann, hey, das ist mir zu viel. Und nicht einen logischen, objektiven Grund brauche, warum das eine schlechte Idee ist, die nicht verargumentiert kann, damit ich das nicht machen muss. Und idealerweise andere Leute auch erkennen, dass es eine ganz schlechte Idee gewesen ist. Das ist so bescheuert, so bescheuert. Aber dazu muss man auch sagen, ich glaube, diese zehn Jahre, die uns trennen letztlich, sind genau das, also wenn ich so denke, dass ich das alles so 10, 15 Jahre weniger internalisiert hätte alles, Boah, ich glaube, ich hätte deutlich weniger, durch das ich mich durcharbeiten muss. Oder es wäre vielleicht leichter, da ranzukommen. Weil dieses Erlebnis davon, dass ich irgendwann gar nicht mehr wusste, wer ich eigentlich bin und was ich mag und was ich will, das kam so richtig in der zweiten Hälfte meiner Zwanziger. Da ging das so richtig bergab. kc: Tja, es ist schon seltsam, oder? bommel: Voll. Voll. kc: Einen letzten Mythos, den es auch irgendwie häufig gibt, ist dieser strong sense of justice. Wie übersetzt man das? bommel: Ja, ein besonders starker Gerechtigkeitssinn. Das geht halt auch wieder total in diese moralische Überlegenheitsschiene. Das muss man auch mal ganz klar sagen. Es gibt Autist*innen, die sind einfach Kackmenschen. Das sind einfach richtige Arschlöcher. Das liegt aber nicht daran, dass sie autistisch sind, sondern es liegt daran, dass sie Arschlöcher sind. Punkt. bommel: Also Autist*innen sind nicht grundsätzlich moralisch überlegener und deswegen kann es halt auch gar kein so übergreifendes Symptom sein, so ein total krasses Gerechtigkeitsempfinden zu haben. Schon alleine, weil dann müssten sich Autist*innen ja grundsätzlich immer einig sein. Das ist ja Quatsch. Das, was das halt häufig ist, ist halt so ein sehr inflexibles Denken. Das habe ich halt auch. Das Gute an mir ist halt irgendwie so, dass ich finde, ich habe ganz gute Werte. Ich bin so vegan, das ist mir wichtig. Mir sind Menschen wichtig. Mir ist irgendwie wichtig, dass alle so das haben, was sie zum Leben brauchen. Solche Sachen sind mir halt so wichtig. Aber wäre ich jetzt eine Person mit einem Wertesystem, das halt irgendwie sagt, Kapitalismus ist mir wichtig. Mir ist wichtig, dass Leute genau das bekommen, was sie verdienen und auf Basis dieses Wertesystems Dinge halt durchdenke und bewerte, dann komme ich zu einem ganz anderen Schluss davon, was fair ist oder was nicht fair ist. bommel: Also das hat viel mehr damit zu tun, dass du halt sehr rigide und sehr starr auf deinem Wertekonstrukt sitzt als autistische Person, wenn du da sehr unflexibel bist, was ich definitiv bin. bommel: Als damit, dass du jetzt irgendwie voll grundsätzlich die sozial interessierte, gerechtigkeitsliebende Person bist. Nee, nee, das ist schon immer noch auch sehr individuell, was Gerechtigkeit genau heißt. kc: Ja, das stimmt. Also du hast den Punkt aufgeschrieben und ich wusste auch erst gar nicht, was ich mir darunter vorstellen sollte. Also ich weiß es natürlich und sonst so war so mein übliches Bild davon gewesen oder ich habe das zumindest immer so damit erklärt, dass alle Leute einen Wertekompass haben, der sehr ähnlich ist zu meinem, was aber natürlich vollkommener Quatsch ist. Und ich habe das halt immer dann damit begründet, dass Ausnahmen die Regel bestätigen. Aber auch das ist nicht so. Es gibt, wenn ich jetzt so drüber nachdenke, so viele Menschen mit Autismus, die halt keinen einzigen der Werte teilen, die ich so vertrete und die ich so habe. Und auch da gibt es halt insbesondere sehr, sehr viele Menschen, deren Sense of Justice, also deren Gerechtigkeitssinn sehr auf sich selbst ausgerichtet ist, statt eben das, was wir halt machen oder was wir halt haben, als diesen Sense of Justice eben auf die Gesellschaft zu gucken und zu gucken, dass es allen irgendwie gut geht. bommel: Ja, aber auch da muss ich halt auch sagen, viele der Themen, die, also ich bin halt in Armut groß geworden, ich habe schon immer sehr viel Fettfeindlichkeit erlebt und so weiter. Das sind schon immer Sachen gewesen, die mich halt immer auch beschäftigt haben und die ich immer ungerecht fand. Also auch, sag ich mal, in meiner Beschäftigung mit so sozialen Themen bin trotzdem ich der Ausgangspunkt gewesen. bommel: Ich habe mich sehr früh angefangen mit so Fettfeindlichkeit auseinanderzusetzen und dann kamen halt immer so nach und nach so andere Themen. Also ich bin halt als Mädchen und Frau aufgewachsen, deswegen war Sexismus dann irgendwann so ein großes Thema für mich. Dann ging es um, bin ich darüber dann in mehr Auseinandersetzung mit Rassismus gekommen und so. Aber ich kann dir echt nicht sagen, wenn ich sowas quasi gar nicht erfahren hätte oder das für mich keine Rolle gespielt hätte oder so, weiß ich gar nicht, wo ich heute wäre und ob ich so cool wäre. Aber ich finde mich schon ganz cool, ob ich so wäre, wie ich bin. Und das erlebe ich halt auch bei ganz, ganz vielen Leuten, dass es dann auch in ihrer Ausrichtung auf eine soziale Gesellschaft und auf eine tolerante, offene, gleichberechtigte Gesellschaft, dass auch darin trotzdem sie selber ihr Ausgangspunkt gewesen sind. Und auch da, das muss ja auch gar nichts Schlechtes sein. So natürlich ist es halt sinnvoll, wenn ich irgendwie so eine Verbindung zu Themen habe. bommel: Das ist halt auch wieder so eine Bewertungssache, warum man das halt abwertet. Ich meine, wenn du Gutes für die Welt tust, weiß ich nicht, ob das unbedingt weniger wert sein muss, nur weil du persönlich dafür vielleicht der Ausgangspunkt gewesen bist. so, ne? kc: Nee, gar nicht. Ich glaube aber auch so insgesamt, mein Wertebild hat sich auch mit der Erkenntnis, dass ich autistisch bin, so krass verändert über die Zeit. Also wenn wir bedenken von 2015 bis jetzt. Ich war ein vollkommen anderer Mensch und ich denke, ich war auch damals sehr viel mehr ein Arschloch, als ich es jetzt bin. Jetzt bin ich... bommel: Ich ganz gewiss auch. kc: Doch, ich habe doch sehr, sehr gelernt, auch ein bisschen considerate zu sein, insbesondere gegenüber allistischen Menschen. Also Menschen ohne Autismus. Und ich habe eben, ich habe währenddessen einfach ein bisschen mehr gelernt, wie die Welt funktioniert und mich darin angepasst, aber eben nicht so, dass ich mich für die Welt verstelle oder maskiere, sondern, einfach zu wissen, wie Dinge ablaufen, wie es funktioniert und wie, andere Menschen an die Sachen drangehen und was so die typischen Bilder sind. Das tut viel oder hat sehr viel mit mir getan. bommel: Kann ich gut nachvollziehen. kc: Ja, deswegen ist auch beispielsweise irgendwie so das Thema Reizüberflutung für mich viel, viel weniger geworden, als es früher noch gewesen ist. Also früher war es wirklich ganz so, ja, Großveranstaltung, überhaupt nicht, nie wieder, will ich überhaupt nicht. Und jetzt ist es natürlich immer noch ein großes Problem für mich, weil da einfach so viel passiert. Aber ich kann jetzt sagen, ja, ich mache das jetzt einfach mal. Ich komme damit irgendwie zurecht. Das habe ich auch durch diese Beschäftigung mit mir selbst und durch das Lernen, was Autismus eigentlich ist, sehr viel besser hinbekommen. Ich habe jetzt in den letzten Folgen erzählt, ich war auf der Gamescom, ich war auf der Leipziger Buchmesse. Ich habe hier und da was gemacht. Gestern war ich eine Hose kaufen, also vor dem Feiertag in der Innenstadt. Ich habe vergessen, dass Dresden so eine große Stadt ist, wo ich lebe. Und das ist mir gestern auch erstmal wieder bewusst geworden, als ich dann da war. Aber das ging und das war halt ganz, ganz lange undenkbar, beziehungsweise die allergrößte Qual für mich überhaupt. bommel: Meinst du, das hat aber auch was damit zu tun, dass du besser gelernt hast, was du da zu erwarten hast? kc: Das vielleicht ein Stück weit auch. Ich glaube, ich wusste immer ganz gut, was ich zu erwarten habe, aber ich glaube, ich habe einfach besser gelernt, wie ich mit anderen Menschen interagieren kann oder muss, ohne dabei zu maskieren, dass es für mich noch angenehm ist und für die andere Person halt nicht irgendwie komplett seltsam. bommel: Mhm. kc: Wie ist das bei dir? Wie äußert sich deine Reizüberflutung vielmehr? bommel: Boah, tatsächlich bin ich da auch selber noch am Rausfinden. Das ist halt auch sehr, sehr spannend irgendwie, weil ich glaube, ich bin schon sehr lange Zeit in einem autistischen Burnout gewesen. Schon auch als ich die Diagnose bekommen habe überhaupt erst. Deswegen lerne ich mich da halt auf so ganz viele Arten und Weisen halt auch noch kennen. Was halt bei, Also es gibt verschiedene Arten von Reizüberflutung für mich. Also was so sensorische Reize angeht generell, kriege ich schon dann auch tatsächlich Meltdowns, wenn es zu schlimm ist. kc: Vielleicht möchtest du kurz erklären, was ein Meltdown ist? bommel: Kurz erklären, was ein Meltdown ist? kc: Ja, so ein paar Worte. Die Podcast-Folge ist ja jetzt auch schon wieder reichlich lang. bommel: Ja, ich finde es immer so schwierig, so etwas allgemeingültig zu erklären. Also ein Meltdown ist letztlich eine Reaktion auf eine hochgradige Überforderung. Und für mich persönlich heißt Meltdown tatsächlich, dass ich mich super schwer überhaupt noch kontrollieren kann oder so. Also ich verliere halt wirklich die Kontrolle. Das heißt, ich zum Teil hyperventiliere, ich schreie, ich weine total bitterlich, ich verkrampfe mich am ganzen Körper. Also ich habe eine Körperspannung, die ist unglaublich hoch. Das heißt, ich habe da halt auch immer mehrere Tage was von, weil ich danach so Schmerzen habe, zum Teil auch in Gelenken, weil ich zu sehr an Gelenken ziehe oder so. Dann habe ich auch eine Zeit lang echt Probleme mit meinen Daumen gehabt, weil ich dann so an meinen Daumen selber ziehe, um mich selber zu beruhigen irgendwie. bommel: Und es gibt auch nicht wirklich was, was mich dann beruhigt oder so. Also natürlich gibt es Sachen, die halt helfen, was mir hilft, das Licht ausmachen, Geräusche so weit, wie es mir irgendwie geht zu reduzieren. Mir hilft immer irgendwie ein Plüschi oder eine Kuscheldecke, irgendwas, woran ich mich so festhalten kann. Aber im Grunde kann ich halt das nur so passieren lassen. Und da muss ich halt aber auch, früher dachte, das ist auch so ein Punkt, wo mir meine Diagnose unendlich viel geholfen hat, weil früher dachte ich immer, ich bin eine emotional total unberechenbare Person, die einfach unvorhersehbar explodiert und dann halt auch super gemeine Sachen sagt. Das ist halt so das Ding, in einem Meltdown schlage ich halt auch zu, wenn man mich anfasst, nicht um die Person zu verletzen, sondern um diesen Reiz von mir wegzubekommen. So, was natürlich im Zweifel gerade, wenn ich gar keine Kontrolle habe, auch zum Beispiel jetzt wohin oder so, weil wenn dich jemand anfasst und du möchtest das nicht, dann schlägst du in der Regel einfach die Hand weg oder bittest darum, nicht angefasst zu werden oder gehst selber weg oder irgendwas. Aber diese Kontrolle habe ich in dem Moment halt gar nicht mehr. bommel: Also diese Diagnose und zu verstehen, dass das Meltdowns sind und nicht ich wie eine total aggressive Person, die mal eigentlich ein Anti-Aggression-Training braucht oder so, hat mir so sehr geholfen. Also erstens, ich hatte seit Wochen keinen Meltdown. Ich weiß nicht, wann das das letzte Mal passiert ist. Das ist für mich wirklich ultra krass. So? Ja, ich schweife ab von der Frage. Es gibt bei mir aber auch so diese Überforderung durch zu viel Stress und zu viele Anforderungen an mich. Das sind dann auch Sachen, manchmal reicht es dann schon, wenn ich selber in Gedanken bin und ich werde angesprochen zum Beispiel und aus diesen Gedanken rausgeholt. Oder ich muss duschen und das, wobei das geht eher in so eine Reizrichtung, es sind mir dann zu viele Reize, zu viele Schritte, zu viele Aufgaben oder so. Das kann halt auch in so eine Reizüberflutungssituation führen oder wenn ich zu viele Termine habe oder so. Aber das Ergebnis ist dann in der Regel eigentlich so das Gleiche. Und häufig werde ich auch einfach krank, also körperlich einfach krank. Das war auch schon immer so irgendwie. kc: Ja, alles das ist für mich prinzipiell ganz genauso. Meltdowns erlebe ich auch immer wieder, aber so im Gros der Dinge doch sehr selten. So insgesamt, ich glaube mein letzter ist jetzt auch schon mehrere Monate alt. Ich dachte in dem Moment, es wäre eine Panikattacke. Als ich das so dann später irgendwie reflektiert habe, da war ich auf einer Veranstaltung merkte ich, es ist einfach ein Meltdown eben, weil es so eine Kombination war für mich aus, äußeren Reizen und Anforderungen an mich und Dingen, die irgendwie da jetzt passieren sollten und ich konnte es einfach überhaupt nicht mehr, processen und alles Ja, Das ist halt wirklich so eine komplette Systemüberladung so eine wirklich so Ja, also mittlerweile habe ich mich, Also mittlerweile kann ich mich da sehr gut zurückhalten, auch was irgendwie zuschlagen oder so angeht. Aber ich erinnere mich an ganz, ganz viele verschiedene Situationen von früher. Ich weiß nicht, kennst du noch Five-Gum-Kaugummis? bommel: Oh ja! kc: Five-Gum-Kaugummis waren so ein bisschen meine Endgegner. Vor allem, wenn die in meiner direkten Nähe von Kindern mit offenem Mund gekaut wurden. Der Geruch davon und dieses wässrige, knatschende, schmatzige Geräusch, das hat mich jedes Mal so ganz, ganz extrem in den Meltdown geschickt. Und zwar nicht erst nach mehreren Minuten, sondern quasi sofort. Und niemand hat das jemals irgendwie verstanden und Leute haben einfach gedacht, ich würde darauf so aggressiv reagieren, weil ich da dann halt auch tatsächlich angefangen habe zu schlagen, einfach um diesen Reiz auszuschalten. Es ist einfach ganz, ganz schlimm gewesen für mich. Und es kam halt wirklich wiederholt vor und manchmal haben Leute das dann auch gemacht, um diese Reaktion von mir zu provozieren, weil ich habe ja im Podcast auch schon mal erzählt, ich wurde auch ein bisschen gemobbt in der Schule und unter anderem, das war halt eine sehr effektive Möglichkeit für die Mobber, um irgendwie Schuld von sich zu weisen, weil sie sind ja nicht aggressiv, sie haben da nur ihren Kaugummi gekaut. bommel: Ja. kc: Aber ansonsten, sorry. bommel: Achso, ne, erzähl du erst mal zu Ende. kc: Ja, und ansonsten habe ich aber viel häufiger Shutdowns, also wo ich wirklich komplett zumache, wo ich mich in einem dunklen Raum einsperren muss, wo einfach nichts passieren kann, wo ich am besten mich unter eine Bettdecke, verziehe und dann da erstmal einfach überhaupt nichts passiert. Also und das habe ich, das erlebe ich auch ganz, ganz häufig, gerade wenn es so eine Mischung ist aus externen und internen Reizen und Anforderungen, die es so gibt. Wenn das nur eine Gruppe ist, so von Anforderungen generell, dann bin ich da inzwischen meistens sehr, sehr stabil mit umzugehen, weil ich weiß, wie ich mich da regulieren kann oder was ich machen kann, um aus dieser Situation rauszukommen. Aber gerade wenn dann so viele Sachen zusammen gehen, dann funktioniert das einfach nicht mehr für mich. bommel: Ja. Ne, was ich dazu nochmal sagen wollte, was ich auch immer wichtig finde, weil voll viele Leute kommen dann auch mit so, ah ja und Kinder melden und sollen wir dann einfach zuschlagen lassen oder irgendwas. Nein, natürlich ist es nicht okay, andere Menschen zu schlagen, Punkt. Warum ich das so wichtig finde, aber zu wissen, warum das passiert, ist, dass das ja ein immenser Unterschied darin ist, wie man damit umgehen kann. Wenn eine Person anderen Leuten irgendwie aufs Maul haut, weil sie das gerne macht und weil sie einfach ein fucking Aggressionsproblem hat, dann muss man damit anders umgehen, als wenn eine Person das aus purer Verzweiflung tut, weil sie nicht weiß, wie sie sonst aus dieser Situation herauskommen soll. Das ist einfach ein Unterschied. Und ich finde, das ist auch was, was mich total sauer macht, wenn solche Sachen dann so über den Kamm geschert werden oder so und dann wie nie sich mal Gedanken darüber gemacht wird, auch warum das passiert ist. bommel: Das Ding ist, das kann ich hier auch sagen, ich habe halt meinen Partner schon mal geschlagen in einer Meltdown-Situation. Das ist 0,0 okay, überhaupt nicht. So, nichtsdestotrotz wissen wir, wo es herkommt. Es, weißt du, so, das sind Sachen, mit denen wir halt umgehen können und die halt auch nicht mehr passieren, weil wir halt jetzt Strategien haben. Und ich finde das so wichtig, gerade wenn man zum Beispiel halt auch mit autistischen Kindern zu tun hat oder arbeitet oder sie erzieht oder whatever, Da wirklich anzuerkennen, wo das herkommt und was das für einen Zweck quasi in dieser Situation hat. Und dass das auch in keinster Art und Weise irgendwie eine Entscheidung ist oder so in dem Moment. Also wenn du in einer akuten Meltdown-Situation bist, triffst du keine Entscheidung. Null. Das funktioniert einfach gar nicht. Und natürlich muss man alles daran setzen, dass solche Dinge nicht passieren. Aber wenn man halt versteht, wie es dazu kommt, kann man doch überhaupt erst anfangen, sinnvolle Maßnahmen zu ergreifen, um das in irgendeiner Art und Weise zu verhindern und da präventiv unterwegs zu sein. Weil sonst treffe ich ja die voll falschen Präventionsmaßnahmen. kc: Tja, das ist aber auch was, das unsere Gesellschaft sehr doll auszeichnet in fast jeder Hinsicht. bommel: Ich hasse das, ich hasse das, wirklich. kc: Ja, kommen wir zum Schluss? bommel: Hast du noch was? Ja, ich würde auch langsam zum Schluss kommen, was mir nochmal ganz wichtig ist, weil es endet jetzt dann nicht so positiv. Aber was halt zum Thema Autism Awareness Month auch einfach immer wichtig ist, ich meine, eigentlich passt es gerade zu dem Thema Meltdowns, das wir gerade auch besprochen haben. Und natürlich sind Autist*innen in einem akuten Meltdown oder so ein Zweifel auch bedrohlich oder auch nicht besonders ungefährlich oder so. Aber es gibt halt Strategien und es gibt halt auch Präventionsmaßnahmen, die man treffen kann. Und es gibt auch Strategien, wie man damit umgehen kann. Und ein Ort, wo es halt sehr, sehr häufig an diesen Strategien fehlt, ist halt zum Beispiel auch die Polizei. Weil es einfach de facto so ist, dass autistische Menschen ein sehr viel größeres Risiko haben, in Auseinandersetzung mit der Polizei zu sterben und letztlich erschossen zu werden. Und da wollte ich halt einfach auch nochmal an ein paar Personen erinnern. Einige davon kennt man vielleicht. Also der Fall Elijah McClain, der mit 23 erschossen worden ist, ein schwarzer junger Mann gewesen. bommel: Den, glaube ich, haben relativ viele mitbekommen. Es gibt noch so viele mehr. Zum Beispiel Eric Parsa, der mit 16 gestorben ist. Alex Lamory mit 25. Ryan Gaynor mit 15. Chase DeBalenart mit 15. Victor Perez mit 17. Das sind alles autistische Menschen, die in Auseinandersetzung mit der Polizei ihr Leben verloren haben. bommel: Die erschossen worden sind oder anders ums Leben gekommen sind. Und das ist halt nicht okay. Und das ist auch kein reines US-amerikanisches Problem. Ich erinnere mich an eine Situation, ich werde das Video auf gar keinen Fall wiederfinden, aber das ist jetzt ein bisschen Trust-me-Bro-Basis. Als diese E-Scooter anfingen, groß zu werden und so ein Thema zu werden, Und es ist vor allem in Social Media mal, da gab es auch große Kritik an der Polizei Hamburg, so ein Video rumgegangen, wie wirklich mehrere Polizist*innen einen völlig verängstigten und wirklich panischen Jungen, ob der Autist gewesen ist, das kann ich nicht sagen. Aber es ist ja generell auch einfach so ein Umgang mit Menschen in psychischen Ausnahmesituationen und psychischen Krisen, der problematisch ist. Der ist mit seinem Roller auf den Gehweg gefahren. Macht man natürlich nicht. Aber die standen wirklich mit so vielen Polizist*innen um diesen Jungen herum, haben den angeschrien. Der war so fertig mit der Welt. Man hat auch richtig gesehen, was für eine Angst der hatte. bommel: Und das ist halt einfach, das ist nicht okay. Mit Leuten und Menschen in psychischen Krisen so umzugehen, ist nicht okay. Und da gehören Autist*innen in einem Meltdown einfach dazu. Und das ist einfach ein Thema, auf das absolut Aufmerksamkeit gelenkt werden muss. Und natürlich potenziert sich das noch in dem Fall, wenn du männlich bist, wenn du schwarz bist oder generell nicht weiß. Es ist einfach so ein großes Problem und diese Menschen dürfen auf gar keinen Fall in Vergessenheit geraten. Das ist jetzt nicht die happieste Geschichte, auf die diese Folge endet, aber ich finde letztlich. kc: Das gehört dazu. Ja, wenn wir so eine Folge machen, muss man darauf hinweisen. bommel: Ja, es gehört einfach dazu, es ist ein Teil davon. kc: Das sind halt sehr, sehr reale Auswirkungen von dem allen. bommel: Ja, und wenn es euch jetzt zu schlecht geht, dann könnt ihr euch unsere Supersonder-April-Spezialfolge ja noch mal anhören. Danach habt ihr wahrscheinlich bessere Laune. kc: Ja, ansonsten könnt ihr uns gerne wie immer bewerten auf der Podcast-Plattform eurer Wahl oder ihr macht es wie beispielsweise Nicole, wie Martin, wie Tesseract, wie Sumsi oder wie Xenia in den letzten paar Folgen, dass ihr uns einen Kommentar schreibt auf all-glitches-welcome.de unter der jeweiligen Folge, die ihr gerade angehört habt. Wir lesen alles und wir antworten da auch sehr gerne. Oder ihr schreibt uns eine Mail an glitches@conesible.de. Das ist natürlich wie immer c-o-n-e-s-i-b-l-e.de. Und da freuen wir uns auch immer ganz doll sehr über eure Nachrichten. Es sind alle immer so lieb. Also wenn ihr eine Minute habt, schreibt uns gerne. bommel: Ja. kc: Das ist richtig schön. bommel: Ihr müsst uns zum Ausgleich jetzt auch nichts Negatives schreiben. Ist okay, wenn die lieb bleiben. kc: Aber ihr könnt natürlich auch Kritik dalassen. Wenn ihr einfach mal euren Frust rauslassen wollt und wenn ihr uns vielleicht ein Material geben wollt, über das man sich lustig machen kann, immer gerne. Ja. bommel: Danke für deine Offenheit. Ja, für deine auch. Das war eine sehr schöne Folge. kc: Fand ich auch. bommel: Gerne. kc: Ach so, und Bommel. bommel: Weißt du was? Ich bin schon gespannt. kc: Ich habe jetzt Urlaub. bommel: Ich freue mich so für dich. Das wird so gut. Du wirst so viel zu erzählen haben. Der Podcast wird das erfahren. kc: Ich habe jetzt einfach zwei Wochen Zeit für alles Mögliche. bommel: Das ist so geil. Ich bin so gespannt und ich freue mich so doll für dich. kc: Ja. Also wir hören uns dann aber in der nächsten Folge aus meinem Urlaub. bommel: Ja, ich bin so gespannt. Die entspannteste AGW-Folge ever. Hoffe ich. Dann happy Urlaub Dankeschön Und bis. kc: In zwei Wochen an dieser. bommel: Stelle Bis in zwei Wochen Tschüss.