bommel: [0:00] In dieser Folge von All Glitches Welcome reden wir sehr, sehr viel über die Demo vom 5. Mai, auf der Casey gewesen ist und über die Behindertenrechtsbewegung im Generellen. Wir reden aber auch ein bisschen über die Bravo und Kinetischen Sand und ganz, ganz viel über Schule. Das kann vielleicht für den einen oder anderen Kleinen ein bisschen belastend sein, weil wir auch über, ja, schon belastende Erlebnisse in der Schule sprechen. Wir glauben aber nicht, dass irgendwas davon eine Triggerwarnung braucht. Von daher wünschen wir euch sehr viel Freude mit der Folge und ganz viel Spaß mit All Glitches Welcome! Hallo und herzlich willkommen zu dieser neuen Folge All Glitches Welcome mit mir, einem kleinen bubbly bommel und der komplizierten Casey. Warum bist du kompliziert? kc: [0:59] Ja, ich bin eine kleine Nervkröte. Das ist doch allgemein bekannt. bommel: [1:03] Ja, aber warum ist das kompliziert? kc: [1:06] Ja, ich bin halt schwierig im Umgang. Also Nähe eigentlich nicht. Mit anderen Behinderten bin ich sehr zahm. Ja, wir wissen schon. Ja, okay, alles klar. Weiß ich selbst nicht so genau. bommel: [1:23] Das ist ja auch okay. Auf die Frage warst du ja auch nicht vorbereitet. Das ist ja eigentlich ein bisschen gemein. kc: [1:28] Wieso bist du bubbly? bommel: [1:30] Because it starts in my toes and makes me crinkle in my nose. Wherever it goes, I always... no. Nein, ich weiß nicht. Kennst du den Song überhaupt? kc: [1:39] Ja. bommel: [1:39] Von Colbie Callait. Ja. Okay. Ja, ich weiß auch nicht. Ich bin so plapperig und quatschig im Moment. Ich weiß auch nicht, ob sich das nochmal einpendelt, aber irgendwie habe ich seit Absätzen meines Medikaments ungefähr doppelt so viele Wörter am Tag, so wie vorher. Wenn das mal reicht, sind glaube ich mehr als doppelt so viel. kc: [1:58] Ja, habe ich schon gemerkt. Es ist auf jeden Fall so. bommel: [2:02] Das ist krass, oder? kc: [2:04] Ja, ja. bommel: [2:05] Ich weiß auch nicht, wo die überall waren. Vielleicht habe ich auch so, du kennst es ja bestimmt auch, dass man so einen Magen hat und dann hat man einen Magen für halt so Süßigkeiten und Nachtisch und Eis und so. Und vielleicht ist das auch so, vielleicht habe ich irgendwie so einen Wörterspeicher irgendwo und der ist jetzt ganz voll. Und die müssen erstmal raus. Und dann ist das leer. Dann machst du es mit dem Podcast. kc: [2:33] Hoffen wir, dass es dazu nicht kommt. bommel: [2:35] Ja, das wäre ein bisschen ungünstig. kc: [2:39] So, wie lange hätte es jetzt gedauert, bis wir zum ersten Mal in dieser Folge Essen erwähnt haben? bommel: [2:44] Ja, das habe ich auch gedacht, weil eigentlich dachte ich, du bist hier schon wieder die Person, die über Essen redet. Und dann ist mir das eben gerade eingefallen und dachte ich, na gut, dann bin ich jetzt die Person. Das ist auch okay. Es hat wirklich gar nicht lange gedauert. kc: [2:59] Ach ja, so kennt man und liebt man doch All Glitches Welcome, alles wie immer Ja, das stimmt. Was hast du so erlebt die Woche? bommel: [3:10] Ich habe viel über die Bravo nachgedacht. Ich habe auch tatsächlich nochmal überlegt, wie das kam Ich habe mich nämlich mit einer Freundin irgendwie darüber unterhalten, beziehungsweise aber da weiß ich wirklich gar nicht mehr so richtig, wie das eigentlich zustande kam. bommel: [3:30] Ich glaube, wir haben uns irgendwie so über Musik von früher unterhalten. Und dann ist mir eingefallen, dass ich früher halt immer so Bravo-Hits hatte. Oder es gab auch immer so The Dome oder so. Und das fand ich immer richtig cool, weil das war für mich und mein Taschengeld damals ein bombastisches Preis-Leistungs-Verhältnis. Man hatte zwei CDs, da waren die voll mit Musik. Und alles war natürlich auch so unterschiedlich. Und dann waren halt so, auch so Hits drauf, die ich unbedingt haben wollte, aber auch so neue Sachen und ich fand das einfach richtig toll. Und dann habe ich überlegt, ob sie eigentlich noch irgendwo gibt, so Streaming-Service-mäßig. Und es gibt tatsächlich Bravo-Hits-Playlists von Bravo auch tatsächlich. Und da habe ich mich nochmal so ein bisschen... durchgehört ist Quatsch. Ich bin nicht so weit gekommen, weil ich dann in so ein Rabbit Hole gefallen bin. Ich hatte das komplett vergessen, dass es früher auch immer so Bravo-All-Stars gab oder so. Und die haben so ihre eigenen Songs gemacht. Und das war dann immer so ein wilder Zusammenschluss von so Popstars. bommel: [4:43] Und ich bin irgendwie in so einer, ich weiß nicht, wie oft ich in den letzten Tagen den Song Heal Your Soul oder Let the Music Heal Your Soul irgendwie so gehört habe. Weil das ist so witzig, weil das ist halt auch so ein komischer Zusammenschluss aus halt so deutschen Popstars, die ansonsten nirgendwo irgendjemand kennt. Also da waren so Tic-Tac-Toe mit bei und Blümchen, das ist halt auch schon ziemlich alt. Aber auch die Backstreet Boys. kc: [5:11] Ja, ich wollte gerade sagen, ich wusste gar nicht, dass es die Bravo jetzt noch gibt. bommel: [5:16] Die Bravo gibt es noch. Da kann ich gleich auch noch was zu sagen. Aber auf jeden Fall habe ich einfach, also dieser Song, der macht mir so gute Laune und ich muss so lachen immer, weil der ist so richtig getragen eigentlich von der Stimmung her. Und das ist dann immer, das ist auch so ein bisschen kitschig und dann singen alle immer so, let the music heal your soul, und dann kommt zwischendurch dann, weil wie gesagt, Backstreet Boys sind auch dabei so kommt dann irgendwann noch so oben drüber, dass einer macht so, heal your soul und so ist dieser ganze Song und dann, weil so ich glaube so drei Minuten irgendwas oder so, kommt Scooter und Scooter grölt einfach so mit rein heal your soul und das ist so lustig, weil das einfach, für mich killt es den Vibe von dem Song aber komplett und es ist so lustig, weil gerade wenn ich mich immer beruhigt habe von dem heal your soul, weil ich das so lustig finde, dann kommt er noch mal und macht so yeah. Das ist einfach so fantastisch. kc: [6:26] Hyper, hyper. bommel: [6:29] Ja, das tatsächlich nicht, aber also es ist wirklich, nee. Das ist auch so eine ganz eigene Ära an Musiken, wie wirklich, also es ist ganz toll. Können wir ja auch in den Shownotes verlinken. Gibt's auf YouTube. Das Video ist auch wirklich eine Reise. Na ja, und auf jeden Fall, Habe ich dann angefangen, so über Bravo nachzudenken. Und das wollte ich dich nämlich fragen, ob Bravo in deiner Jugend eigentlich irgendwie so ein Ding war. kc: [7:03] Nee. Also ich bin, glaube ich, zu jung dafür. Zu meiner Zeit war schon YouTube das heiße Thema. So Y-Titty und Co. Das war, worüber die Leute geredet haben und wie die Leute damals schon ihre Promis konsumiert haben. Ich glaube, die Bravo ist mit meiner Generation mehr oder weniger ausgestorben. Aber wenn sie es noch gibt, witzig. bommel: [7:28] Also es gibt die Bravo tatsächlich noch. Die gibt es ja auch schon, weißt du, seit wann es die Bravo gibt? kc: [7:34] Nee. bommel: [7:35] Seit 1956. kc: [7:37] Uiuiui, das ist so krass. bommel: [7:40] Ja, das ist richtig krass. Aber genau, und irgendwie zu Spitzenzeiten hatte die Bravo eine Auflage von 1,8 Millionen Exemplaren pro Woche. Also ich glaube, das war auch ein bisschen vor der Zeit, wo ich jugendlich war. Das war ja so in den 2000ern bis 2010ern irgendwie so da so in dem Dreh. Genau, also die hatte eine Auflage von 1,8 Millionen. Willst du mal raten, wie hoch die aktuelle Auflage der Bravo ist? kc: [8:08] 30.000. bommel: [8:09] Das ist gar nicht schlecht. Sie liegt bei 43.000. Das ist ein Minus von 95,5% seit 1998. Das ist richtig krass. Das ging richtig rapide bergab die letzten Jahre. Deswegen Bravo ist, glaube ich, heute nicht mehr so ein Ding. kc: [8:29] Also über 40.000 finde ich auch immer noch richtig viel bommel: [8:33] Ja, gut. Für so Print-Sachen generell einfach. weil Print ist halt, aber ich muss auch ehrlich sagen, diese Zahl existiert für mich halt trotzdem so ein bisschen im luftleeren Raum, weil, was weiß ich, was andere Zeitschriften für eine Auflage haben, keine Ahnung. Vielleicht ist es viel, vielleicht ist es wenig, aber es ist auf jeden Fall deutlich weniger als früher. Und ich habe tatsächlich, und dann habe ich mit besagter Freundin da auch so ein bisschen drüber gesprochen, auch irgendwie und dann ist mir eingefallen dass ich damals sogar ein bravo abo hatte und das war richtig krass weil dann kam die bravo nicht mittwoch sondern die kamen mal schon dienstagabend ich war quasi quasi in der zukunft habe ich gelebt jeden dienstag also ich glaube ich hatte das so für ein jahr wenn meine meine mutter zu irgendwas mal ganz günstig ein bravo abo dazu bekommen hat oder irgendwie so, keine Ahnung, ich erinnere mich nicht mehr. Das einzig Schlechte daran war, man konnte sich das extra nicht aussuchen. Weil früher hatte, ich weiß nicht, ob das heute immer noch so ist, aber die hatte immer ein extra, diese Zeitschrift. kc: [9:37] Und das heißt, also was hast du da bekommen immer? bommel: [9:42] Oh, Klebetattoos. Einmal war ein Tanga drin, weil, das weiß ich noch, das werde ich nie vergessen, da war Jeanette Biedermann auf dem Cover. Und da war das dieser Trend, dass man, also generell war zu der Zeit, waren ja so Low-Rise-Jeans und Low-Rise-Alles irgendwie so im Trend, was natürlich für mich Katastrophe war, weil ich war schon immer klein und dick so und ich hatte immer einen Bauch. Also da war Low-Rise gar nichts gut, Low-Rise. Und da weiß ich aber noch, da gab es so den Trend, dass man so einen Rock anzieht und den so ganz tief auf die Hüfte setzt, sodass halt der Tanga wie so ganz oben noch so rausguckt, ganz weit. Und deswegen war ein Tanga in dieser Zeitschrift mit dabei. Aber ich glaube, es waren auch mal Kondome dabei und ansonsten ganz viel so Schmuck. Also auch so Ketten oder so. also auch billiges, hässliches Zeug, muss man ja auch sagen. Aber ich habe mich trotzdem immer mal gefreut. kc: [10:38] Hm, na cool. bommel: [10:41] Und das war wirklich so. kc: [10:42] Dass man dann aussuchen konnte, was man will? bommel: [10:45] Ich glaube, es gab manchmal halt so unterschiedliche Farben. Also dann, weiß ich nicht, gab es halt irgendwie so ein, dann waren Kreuzketten irgendwie in und dann hast du halt so eine Kette gehabt mit so einem Kreuz dran und das eine hatte halt, keine Ahnung, Blumenornamente, das andere war so, hatte andere Ornamente, das andere hatte keine oder irgendwas. Da gab es dann schon Unterschiede. Oder halt irgendwie, keine Ahnung, hatte der Ring einen blauen, einen grünen oder einen gelben Stein oder so. Da, glaube ich, gab es schon Unterschiede, ja. Und dann war da ein anderes Muster auf dem Tanga, aber das weiß ich, keine Ahnung. Und das konnte man dann halt nicht aussuchen, weil ich habe ja die Zeitschrift einfach im Briefkasten bekommen. Da musste ich dann mit dem leben, was ich da bekommen habe. Ich bezweifle aber ehrlich gesagt auch, dass es jemals ein Bravo-Extra gab, was ich in irgendeiner Art und Weise tatsächlich benutzt oder getragen habe. Also das glaube ich nämlich nicht. kc: [11:38] War das schon uncool damals? bommel: [11:41] Was weiß denn ich? Ich war ja eh uncool. Also das schrammt schon, ist schon sehr nah am Thema der heutigen Folge. Aber also es gab, also retrospektiv muss ich sagen, irgendwie war ich eigentlich schon eine süße Maus so und jetzt auch nicht uncool so. Aber es fanden mich ja trotzdem alle scheiße. Und das hat halt zum einen so eine gewisse Freiheit mitgebracht, weil war halt eh egal, was ich gemacht habe. Aber, keine Ahnung. Ich kann dir nicht genau sagen, was cool war, aber ich war es auf jeden Fall nicht. Und ich glaube, auch wenn ich coole Sachen getragen hätte oder so... Hätte man das an mir trotzdem nicht cool gefunden. Ich weiß es nicht. kc: [12:28] Okay, das ist traurig. bommel: [12:32] Ja, das ist korrekt. Aber ich habe dann halt so ein bisschen über Bravo nachgedacht und dann ging es auch so ein bisschen darum, dass in der Bravo ja immer so nackte Menschen abgebildet sind. Und dass das für voll viele halt immer so voll das Ding war an der Bravo. Und das war für mich gar kein Ding. Für mich war das Ding an der Bravo immer Dr. Sommer. Ich habe immer Dr. Sommer gelesen und es gab immer so eine Rubrik, wo Leute peinliche Geschichten erzählt haben, die ihnen passiert sind. Das war mein absolutes Highlight und diese Psychotests, die es halt immer so gab. Also da gab es dann immer so Tests drin irgendwie. Welcher Sommertyp bist du? Ist dein Crush in dich verliebt? Ist dein Crush der richtige für dich? So was, das hätte ich ja stundenlang. Weil das ist ja, also das finde ich ja richtig geil. Da sind ja Fragen, ich kann die beantworten und am Ende kommt was raus. Das ist ja der Himmel auf Erden. Man stellt mir Fragen und ich kann dazu irgendwas aussuchen. Perfekt. Finde ich ja toll. bommel: [13:32] Und das war auch immer toll. Aber diese peinlichen Geschichten, ich glaube, die haben mir in meiner Jugend richtig doll geholfen. Also, sind wir mal ehrlich, weil ich habe keine Ahnung, wie viel davon tatsächlich echt ist und wie viel sich irgendein armer Redaktionspraktikant da irgendwie ausdenken musste, damit die Zeitung voll wird. Ich weiß nicht. Aber das war für mich so richtig heilsam, weil ich dann immer das halt schwarz auf weiß oder pink auf lila oder wie auch immer halt lesen konnte, dass andere Leute auch super peinlich sind, wenn ich nicht die einzige kleine peinliche Maus auf der Welt bin. Das hat mir richtig gut getan damals immer. Das weiß ich noch. kc: [14:17] Ich glaube, das hätte ich auch gebraucht. bommel: [14:19] Ja. kc: [14:20] Schade, dass das bei mir kein Thema war. bommel: [14:23] Ja. kc: [14:24] Aber jetzt, wo ich so drüber nachdenke, so ein bisschen nach meiner Jugendzeit, kam so in der YouTube-Bubble auf einmal irgendwie das Thema Beichten auf, wo dann Leute auch wieder so peinliche Geschichten erzählt haben. Und ich glaube, da gab es dann sogar mal irgendwie eine große App oder so, die da gelauncht wurde. Wo Leute anonym ihre Beichten posten konnten und danach haben da Content drüber gemacht. Weiß ich nicht, aber finde ich witzig, dass dich das damals so getragen hat und dass das immer wieder zu kommen scheint, aber dann auch mal so zeitweise gar nicht. Cool. bommel: [15:03] Ja, stimmt. Es gibt ja auch voll viel so Am I the Asshole und so Geschichten irgendwie, wo Leute dann halt irgendwie eine Situation aus ihrem Leben teilen und dann andere sagen so, ja, du bist das Arschloch oder du bist halt nicht das Arschloch. Sowas lese ich auch immer gerne. kc: [15:19] Ja, das ist manchmal spannend. Aber das habe ich auch erst vor kurzem entdeckt, so vor einem halben Jahr ungefähr. bommel: [15:25] Das ist halt irgendwie, das sind so Fenster in die Leben von anderen Leuten. Also wie echt das dann jetzt alles ist, das sei mal dahingestellt. Aber das ist halt so ein bisschen wie ja, auch so Romane lesen oder so und dadurch halt irgendwie ein Blick da rein bekommen, wie andere Leute so soziale Situationen wahrnehmen oder, soziale Situationen navigieren und so. Und ich weiß, dass ich daraus immer richtig viel mitgenommen habe. Ich möchte nicht sagen, dass ich daraus immer viel Gutes mitgenommen habe. Aber ich habe daraus mitgenommen. kc: [16:01] Ich glaube, ich habe da bisher nur jemals überhaupt mitgenommen, dass Leute nicht kommunizieren, wenn überhaupt. bommel: [16:10] Ja gut. kc: [16:11] Das ist irgendwie viel zu häufig ein Problem. bommel: [16:14] Das stimmt. Das stimmt. Ja und was noch passiert ist bei mir auf jeden Fall ist, ich habe zum ersten Mal in meinem Leben kinetischen Sand ausprobiert. Wir haben so eine kleine Dose kinetischen Sand gekauft. kc: [16:28] Was ist kinetischer Sand? bommel: [16:30] Das ist, Moment, bevor ich mir jetzt hier irgendwas aus den Fingern sauge, google ich das einfach und dann, Hallo, warum, hä, du kriegst für jeden Scheiß immer so eine KI-Zusammenfassung und jetzt nicht, okay, was ist kinetischer Sand? Auch oft als Magic Sand bezeichnet, ist ein speziell beschichteter Spielsand, der sich anfühlt wie feuchter Sand am Strand, can confirm, aber trocken bleibt und nur an sich selbst haftet. Can also confirm. Und das ist ganz lustig, weil den kannst du so kneten und du kannst auch so Formen draus machen. Aber wenn du den irgendwie so sanft anfasst, dann fällt der auch so auseinander und zerbröselt irgendwie so ein bisschen. Das ist ganz merkwürdig, aber so richtig so UäääaUUuuhhh. Und was halt daran auch so, also du merkst halt schon auch richtig, dass es Sand ist und es fühlt sich in deinen, also zwischen deinen Fingern auch in deinen Fingern, oh mein Gott, hoffentlich nicht zwischen deinen Fingern auch so sandig an. Aber, wenn du es halt weglegst, dann hast du keinen Sand an den Fingern. Das ist irgendwie ein bisschen verrückt. Also so ganz, weiß nicht. kc: [17:40] Das klingt wie ein ganz hervorragendes Stimming-Toy. bommel: [17:44] Ja. Oh, zweite Frage bei Google ist direkt, ist Kinetik Sand von Asbest betroffen? Ich hoffe nicht. Aber ich glaube, also die schreiben hier, nein, unser Sand, der ist super. Also vielleicht, keine Ahnung, wenn ihr kinetischen Sand kauft, müsst ihr einmal gucken, einmal auf die Zutatenliste gucken, wenn da Asbest drinsteht, don't buy. kc: [18:08] Darf das überhaupt verkauft werden, wenn da Asbest drin ist? bommel: [18:11] Natürlich nicht, aber das haben wir ja, also dass man hier öfter mal Sachen erhält, die eigentlich in Europa gar nicht verkauft werden dürfen, die Geschichte haben wir ja in letzter Zeit auch hinter uns. kc: [18:25] Ja, einfach mal ein Gerät ohne CE-Kennzeichen. bommel: [18:30] Ja. kc: [18:32] Ach ja, immer wilde Dinge. bommel: [18:37] Und hier sehe ich gerade, also wir haben so ein ganz kleines Döschen gekauft. Ich glaube, es sind 150 Gramm, aber dafür ist er bunt. Und hier kann man 5 Kilogramm kinetischen Sand in so Sandfarben halt kaufen für 40 Euro. Zuzüglich Versandkosten. kc: [18:57] Will jemand sponsoren? bommel: [18:59] Oh mein Gott. Ja, genau. Entweder eine Person, die uns, also ja, 150 Gramm sind nett, aber zu 5 Kilo, also 5 Kilo sind halt netter. Also entweder eine Person sponsort uns kinetischen Sand Oder noch viel besser, eine Firma, die kinetischen Sand herstellt, sponsert uns. Wobei ich da auch sagen muss, ich glaube einmal fünf Kilo Sand reichen dann auch, oder? kc: [19:25] Ich glaube, fünf Kilo Sand ist dann schon irgendwie fast ein bisschen zu viel. bommel: [19:30] Wir können ja, ja, aber du kannst ja auch so richtig Sachen draus bauen. Du kannst auch so Sandburgen draus bauen dann zu Hause in deinem Wohnzimmer und so. kc: [19:38] Ich weiß nicht, ob ich das will. bommel: [19:39] Für eine Folge sponsoren lassen oder so, damit jeder von uns mal so ein paar Kilo kriegt und dann ist gut. Du kannst es auch in so eine Wanne tun, das ist auch geil. So eine Plastikwanne und dann kannst du da drin so, auch so richtig mit Förmchen. kc: [19:55] Okay, liebe Kinetik-Sandfirmen, meldet euch bei uns. bommel: [19:58] Ja, genau. kc: [20:00] Die Mail-Adresse. bommel: [20:00] Ich nehme fünf Kilo Sand und ein paar Förmchen. kc: [20:02] Findet ihr in den Shownotes. bommel: [20:04] Nee, aber das hat wirklich, wirklich Spaß gemacht. Das ist ganz faszinierend gewesen irgendwie. Ja, was halt ein bisschen schade war, ist, der war so geschichtet in verschiedenen Farben. So blau, pink, lila und grün. Und jetzt ist es halt so ein matschiges Blau-Grau. Also es ist auch eine ganz hübsche Farbe, aber naja. kc: [20:25] Ich glaube, ich hätte das am allerliebsten so richtig knallneon Farben eingefärbt. bommel: [20:31] Ja. kc: [20:32] So wie wenn man einen HDR-Bildschirm hat, wo dann so ein helles Blau irgendwie ganz doll aufleuchtet und der Rest halt nicht. Oh, das wäre so cool. bommel: [20:46] Oh mein Gott, jetzt bin ich hier bei Bildern mit diesem Sand, wo Leute so Murmelbahnen gebaut haben. Vielleicht nehme ich auch 10 Kilo Sand. Wer mit 10 Kilo Sand sponsert, darf dann auch mal eine Murmel über meine Murmelbahn schubsen. Wobei, nee, machen wir nicht. Ich schicke euch ein Foto davon, wie ich Freude daran habe, eine Murmel auf einer Murmelbahn zu murmeln. kc: [21:15] Ich hatte aber auch ganz große Freude die Woche. Es war nämlich der 5. Mai. Wer es nicht weiß, der 5. Mai ist jedes Jahr der Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. Der ging hervor aus der Initiative Selbstbestimmt Leben und den gibt es schon seit ein paar Jahren. Und das ist quasi jeden Tag oder jedes Jahr der Tag, wo ganz viele Menschen mit Behinderung auf die Straße gehen und für Gleichberechtigung und Gleichstellung demonstrieren und so auch dieses Jahr und ich war bei der größten Demo in Berlin gewesen und ich muss sagen, ich habe noch nie so eine große Demo von und für Behindys gesehen wie dort und die Atmosphäre da war generell richtig schön, es hat mir sehr viel Mut gemacht. Da einfach zu sein und zu sehen, wie viele Leute sich irgendwie für Gleichberechtigung und für chancengleiche Teilhabe einsetzen. Wenn auch nicht alles super war und natürlich auch immer sehr, sehr fragwürdige Leute auf solchen Demos rumlaufen. kc: [22:24] Die Werkstattbetreibenden sind natürlich da immer als große Teilnehmende mit vertreten und die promoten dann die Idee von Werkstätten. Das kriegt man nicht weg, eben weil so viele Menschen mit Behinderung eben auch in diesen Strukturen leben und die meistens keine Möglichkeit haben, zu solchen Demonstrationen hinzugehen oder hinzukommen, wenn das von der Einrichtung nicht unterstützt ist und da entsprechend das Personal irgendwie verfügbar ist. Ja, dementsprechend ist es noch ein sehr, sehr langer Weg für uns. Aber ja, wie ich schon sagte, das hat sehr, sehr viel Mut gemacht. Und ich habe tatsächlich auch einen kleinen Sound-Schnipsel mitgebracht von der Kundgebung, die am Ende der Demo vom Berliner Roten Rathaus abgehalten wurde und zwar von Raul Krauthausen. Raul Krauthausen ist wahrscheinlich Deutschlands bekanntester Behindertenrechtsaktivist und ich finde, der hat eine sehr, sehr wichtige, gute Sache gesagt in seiner leider viel zu kurzen Rede verglichen mit allen anderen, die irgendwie da waren. Er hätte gerne mehr sagen können, weil das das Brauchbarste war. Und das möchte ich einmal kurz abspielen. bommel: [23:38] Ich bin gespannt. kc: [23:40] Raul Krauthausen: Und das ist das Einzige, was wir hier tun, denn wir selber wollten uns nicht unter Wort verkaufen. Wir sollten nicht glauben, wenn gesagt wird, dafür ist kein Geld da. Wir sollten da nicht nach Hause gehen, sondern wir sollten einfach weiterkämpfen. Das ist das Einzige, was wir tun, wir können Wenn Journalist*innen euch fragen: Ja, aber wie soll man das denn bezahlen? Da ist doch kein Geld da. Das fragt die Journalisten zurück. Wann haben Sie denn aufgehört zu kämpfen? Danke dir. bommel: [24:09] Ja, nice. kc: [24:10] So, das ist der Satz, den ich von dieser Demo mitnehme. Wann haben Sie denn aufgehört zu kämpfen? Und das werde ich in Zukunft nicht nur Journalist*innen fragen, sondern alle Leute, die irgendwie sagen, nee, das ist zu teuer, das geht nicht. Weil man darf nicht vergessen, letzten Endes geht es hier um Menschenrechte. Genau das. Und vor dem Hintergrund der aktuellen Veränderungen und Sozialkürzungen und insbesondere auch der Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes, die tatsächlich ein Rückschritt ist in Sachen Barrierefreiheit und in Sachen Zugänglichkeit und eben Gleichstellung, die die Bundesregierung aktuell plant, ist das alles absolut notwendig. Und ich würde es gerne sehen, dass es viel, viel mehr Behindertenrechtsdemonstrationen wieder gibt, dass das regelmäßiger passiert und dass wir immer mehr Leute dafür auf die Straßen bekommen und dass Leute dafür hingehen. kc: [25:14] Heute ist der 9., nee, heute ist der 8., glaube ich, der 8. Mai. Am 9. Mai sind in ganz vielen Städten Liegenddemos, also morgen am Samstag, wo auf die Belange von Menschen mit ME/CFS aufmerksam gemacht werden soll und natürlich anderen Menschen mit chronischen Erkrankungen. Und da einfach präsent zu sein, finde ich in den aktuellen Zeiten so wichtig wie noch nie zuvor. Eben dafür auch außerhalb des Internets gegenüber "normalen" Menschen, die damit in ihrem Leben sonst nicht in Berührung kommen, irgendwie präsent zu sein, um zu sagen, ja guckt mal, wir sind auch hier. Wir wollen gerne einfach nur leben, aber wir können das nicht, weil wir hier irgendwie Parallelgesellschaften, Parallelstrukturen haben. Und dementsprechend fand ich diese große Demo mitten durch das Herzen von Berlin sehr, sehr großartig. Und ich weiß auch gar nicht, wie häufig ich tatsächlich gefragt wurde, gerade bevor die Demo losging von irgendwelchen Menschen, die Berlin touristisch besucht haben, was das für eine Demo ist und warum da so viel los ist. Also es waren einige. bommel: [26:33] Ja. kc: [26:34] Natürlich ist, also was heißt natürlich, es gab am Brandenburger Tor, da hat die Demo gestartet und es gab eine riesenlange Schlange vor dem Aufzug von der U-Bahn-Station. Auf dem Platz vor dem Brandenburger Tor. Und da haben sich schon richtig viele Leute gewundert, die dann irgendwie so daneben standen und ganz verwirrt geguckt haben, was die ganzen Menschen in den Rollis da machen. So, wo die auf einmal herkommen, sind die irgendwie aus der Kanalisation gespawnt oder irgendwie so. Das hat mich eine Person gefragt. bommel: [27:08] Ob die aus der Kanalisation gespawnt sind? kc: [27:11] Die Person konnte allerdings nicht so gut Englisch sprechen. Deswegen, ich verzeihe das mal. Ich glaube, es war irgendwie was anderes gemeint und sicherlich ist das auch irgendwie ein kulturelles Ding. bommel: [27:27] Ja, manchmal ist das ja auch so gerade in so ein bisschen so Smalltalk-Situationen oder wenn man sich über irgendwas wundert oder so, sagt man auch manchmal so Sachen, wo man dann abends im Bett liegt und sich denkt, oh mein Gott, bin ich peinlich, warum habe ich das denn gesagt? Das ist schlimm. Dann kannst du es ja nicht mehr zurücknehmen. Aber es ist trotzdem so, dass ich gerade so dachte, okay, das ist eine Entscheidung. kc: [27:52] Und was mir auch sehr, sehr doll gefallen hat, war tatsächlich, dass auch die eine oder andere queere Flagge auf dem Demozug zu sehen war. Das ist auch was, das ich tendenziell von Behindertenverbänden und von solchen Demos bisher gar nicht kannte und gar nicht gewohnt war. Sicherlich in den letzten Jahren gab es mehr, aber ich war da nicht so aktiv. Ja. Ich finde es schön, dass auch da langsam irgendwie so ein Wandel ankommt oder zumindest Verständnis dafür, dass gerade diese Themen intersektionale Themen sind, die alle gemeinsam irgendwie bekämpfen müssen, wofür alle gemeinsam einstehen können, weil niemand von uns frei sein kann, wenn alle von uns nicht frei sind, wissenschon. Und das fand ich sehr, sehr cool. Auch, dass immer mehr Menschen mit Behinderung scheinbar ihre Queerness entdecken. bommel: [28:46] Ja, voll. Und vor allem auch, dass es halt sichtbar ist, dass Behindertsein nicht gleichzeitig heißt, keine Sexualität zu haben oder so weiter. Also das ist ja auch so ein ganz, eigentlich so ein ganz weirdes Zwischending, weil einerseits wird Behinderung ja hochgradig fetischisiert, vor allem körperliche Behinderung. Auf der anderen Seite wird immer so getan, als wäre Sexualität und Sex und alles, was damit zusammenhängt für Behinderte kein Thema oder nur eingeschränkt Thema oder so. Das ist, finde ich, extrem paradox. kc: [29:26] Ja, also auf der Demo gab es auch einen größeren Blog von Menschen, die eben was zu sexueller Freiheit und so gemacht haben und gesprochen haben. Das fand ich sehr, sehr, sehr, sehr cool tatsächlich auch. bommel: [29:40] Ja, ja nice. kc: [29:42] Ich habe mir ein richtig cooles Plakat gemacht. Das ist entstanden aus so einer typischen Spätabends-Schnapsidee, weil ich prokrastiniert habe, mir ein Plakat zu machen und zu überlegen. bommel: [29:53] Was ist eine Schnapsidee, wenn man keinen Schnaps trinkt? kc: [29:56] Weiß ich nicht. bommel: [29:57] Ist das dann eine Wasseridee oder hattest du wenigstens einen geilen Tee oder so? Das ist eine Saki-Kasi-Apsa-Idee. kc: [30:05] Nee, es war eine Wasseridee. bommel: [30:08] Na gut. kc: [30:09] Und da habe ich mir so einen Windows XP Fehlerdialog gebastelt. Also diese richtige Fehlermeldung, die man von älteren Computersystemen damals noch kannte und sehr, sehr häufig da gesehen hat. Und da habe ich in diesen Fenstertitel reingeschrieben. bommel: [30:26] Mein Herz bleibt gerade so ein bisschen daran hängen, dass für dich Windows XP etwas ist, über das du sprichst als damals, dieses alte System und ich denke so, ja, ja, damals mit Windows XP. kc: [30:42] Das ist etwas jünger als ich. 2001 wurde das veröffentlicht. bommel: [30:49] I'm fine, ist okay. kc: [30:53] Nee, ich habe da in den Fenstertitel reingeschrieben, schwerer Systemfehler und dann eben als die Meldung, leider bist du behindert, du kommst hier nicht weiter, das tut uns leid. Und als einzige Schaltfläche habe ich dann ganz bewusst okay gelassen. Und ich finde diese Multidimensionalität von dieser Fehlermeldung, von diesem Plakat, absolut großartig. Da muss ich mir selber mal ein bisschen auf die Schulter klopfen, weil du das wirklich aus jeder Ecke irgendwie interpretieren kannst, sodass es genau das Ziel verfolgt, das ich gerne möchte. bommel: [31:30] Was ist denn das Ziel, was du gerne verfolgen möchtest damit? kc: [31:34] Naja, ich möchte darauf aufmerksam machen, dass es von Seiten des Systems keine Möglichkeiten gibt, da irgendwie rauszukommen oder zumindest keine großartigen und wenn die einzige Möglichkeit, die du hast, zu sagen ist okay, wenn dir jemand sagt, das tut uns leid, ja, dann haben wir irgendwie ein Problem und ganz, ganz viele Leute haben auf dieser Demo dieses Plakat gesehen. Ich hatte so ein Kamerastativ, wo ich das wirklich sehr, sehr hoch auch gehalten habe. Und viele Leute fanden das interessant und bestimmt 20 Leute haben dann insbesondere auch auf der Kundgebung und bevor es losging, Fotos von diesem Plakat machen wollen, weil sie es so cool fanden. Und das hat mich sehr gefreut. Und jetzt gibt es von meinem Plakat und manchmal auch von mir auf den Geräten von irgendwelchen Leuten Fotos. Vielleicht auch irgendwo im Internet. Vielleicht seht ihr mich da. bommel: [32:30] Müsst ihr mal so eine Google-Bildersuche machen oder so. Oder vielleicht hat ja auch jemand zu und hat das fotografiert. Dann kann man dir das ja zusenden. kc: [32:39] Ja, ansonsten, wenn ihr es gerne sehen wollt, wenn ihr euch darunter nichts vorstellen könnt, auf meinem Mastodon-Account gibt es Fotos davon. Drei Stück. Auf meinem LinkedIn habe ich es auch gepostet. Und da ist es überraschenderweise auch ein sehr, sehr populärer Post. Ich glaube, wo wir es jetzt aufnehmen, hat es gerade irgendwie über 90 Reaktionen bekommen, was für meinen Account sehr, sehr viel ist. bommel: [33:02] Ja. kc: [33:04] Ja. Kommen wir zum Schlechten über die Demo. So. Beziehungsweise über die Kundgebung. Die Demo war eigentlich ausnahmslos supi. An der Stelle auch nochmal viele Grüße und vielen Dank an Sabine, die mich aufgegabelt hat, die auch alleine unterwegs war. Die macht irgendwie Lehrer*innenbildung mit Inklusion und so Zeug. Und sie hat mir diverse Demo-Schilder vorgelesen und wir haben uns einfach, während wir da gelaufen sind, einfach ein bisschen unterhalten. Das war sehr nett. Aber zur Kundgebung. Bei der Kundgebung war es so, dass wir zuerst mal ein Panel hatten von Behindertenrechtsaktivist*innen, eben wo auch Raul Krauthausen vorhanden war und das dauerte irgendwie so gefühlt fünf Minuten. bommel: [33:49] Vorhanden war. Auf Vorrat. kc: [33:56] Und danach bestand das Programm primär aus Politiker*Innen. Es waren Bundestagsabgeordnete von der SPD da, von den Linken da, von den Grünen da. Und Bodo Ramelow war da als Bundestagsvizepräsident. Und was natürlich erstmal sehr, sehr cool ist, weil das auch so im demokratischen System zeigt, ja, diese Demonstration wird ernst genommen, da ist jemand von der Spitze da, jemand, der da eine hohe Position inne hat. bommel: [34:27] Ja, aber es ist halt trotzdem immer noch Bodo Ramelow, ne? Ja. kc: [34:34] To be frank, war das alles irgendwie richtig unnötig. Der Moderator leitete das auch ein mit, ja, hier sitzen Leute von den Parteien und alle Leute, die hier sitzen, bei denen treten wir offene Türen ein mit unseren Forderungen. Das glaube ich nicht. Weil dann würden sich die Leute viel, viel stärker einsetzen für die Belange, die bei dieser Demonstration sichtbar gemacht wurden. Ja, voll. bommel: [35:06] Da muss man ja momentan auch wirklich sagen, also in der politischen Lage reicht es halt nicht, sich da hinzusetzen und zu sagen, ja, ja, es ist total wichtig, ich finde das ganz toll, was sie hier machen, sondern da muss halt auch Geld folgen. kc: [35:21] Da muss nicht nur Geld folgen, da muss auch ganz viel Kompetenzaufbau folgen. bommel: [35:25] Ja. kc: [35:27] Ja, dementsprechend war das halt ziemlich low und was sich halt auch immer wieder wiederholt hat, war, dass alle irgendwie immer gesagt haben, ja, wir sollten. Aber nie hat mal irgendjemand gesagt, wir müssen. Und das hat man, glaube ich, auch in dem Sound-Schnipsel, den ich von Raul abgespielt habe, gemerkt. Er hat auch immer gesagt, wir sollten. Und ich glaube tatsächlich, dass ganz, ganz viele Leute, die da sind und da waren, so sehr resigniert sind, vor allem und vor den ganzen Aufgaben, dass sich niemand mehr so wirklich traut zu sagen, ja, wir müssen und wirklich mal auf den Tisch zu hauen. Bei Raul haben wir es auch gehört, er wurde halt am Ende ein bisschen lauter, als er sagte, ja, wann haben Sie denn eigentlich aufgehört zu kämpfen? Aber das war es dann auch schon und das finde ich ein bisschen traurig. Weil sowas ist tendenziell für mich der Einstieg für eine gute Demorede und nicht das Ende. bommel: [36:22] Und ja, letztlich muss man ja aber halt auch so sagen, das ist halt auch das, was du halt super oft erlebst. Also ich will dir jetzt nicht dein Erleben erklären, aber so wie ich das wahrnehme, was du halt auch häufig berichtest, du bist halt eher klarer in deinen Formulierungen und wärst halt eine Person, die davon müssen spricht. Aber deswegen bist du halt nicht die Person, die dort auf der Bühne steht und spricht. Und du bist halt nicht die Person, die irgendwo eingeladen wird. Das ist schon klar. Aber du bist halt so eine radikale, unangenehme, pieksige Behinderte. Oder so. Und ich möchte jetzt jemandem wie Raul Krauthausen jetzt nicht irgendwie vorwerfen. Ja, du bist nicht radikal genug oder so. Das soll das jetzt nicht heißen. Aber die Erwartung gesellschaftlich und auch politisch ist halt trotzdem. Und das hängt, glaube ich, auch sehr, sehr stark mit Behinderung und der Wahrnehmung von Behinderung tatsächlich zusammen. Die ist halt, dass man immer dankbar sein muss für das, was man halt bekommt. Und dass man das immer alles mit so einer gewissen Demut und so einer gewissen Zurückhaltung angehen muss. Und das ist halt total fatal. kc: [37:31] Ja, auf jeden Fall. Aber so, also das ist natürlich das High-Level-Ding, worüber es sich lohnen würde, irgendwie auch vertieft zu sprechen, wenn die Basics ansonsten irgendwie verstanden worden wären. Aber wenn da so, ich habe es schon gesagt, ein Bodo Ramelow auf der Bühne steht, der dann sagt, es gibt keine Behinderten, nur solche, die ein Handicap haben und es da keine Buh-Rufe aus dem Publikum gibt, dann ist das, glaube ich, ein sehr, sehr großes Problem. Also ja, vielleicht meint er gut, wahrscheinlich nicht, wenn er nicht verstanden hat, was da das systemische Problem ist, weil ich spiele nicht Golf. Ich habe noch nie in meinem Leben Golf gespielt. Ich habe kein Handicap. Ich habe eine Behinderung. Aber selbst das wollte Bodo Ramelow nicht sagen, denn er sprach dann weiter und er sagte dann, ja sie sind Gehinderte, also mit G am Anfang und behindert ist kein böses Wort. kc: [38:35] Ja, aber gut, er war nicht der Einzige und das zog sich dann halt irgendwie so durch die ganzen Reden. Es war dann alles irgendwie mehr oder weniger Lippenbekenntnis von dem Zeug, was wir wirklich seit Jahrzehnten sagen, was auch die Politik seit Jahrzehnten sagt, wo es parteiübergreifende Zustimmung gibt, sogar in der CDU, CSU, teilweise sogar in der AfD. Finde ich sehr, sehr witzig. Aber es geht einfach nicht voran. Und das ist halt ein Ausdruck davon, dass da halt ganz, ganz viel Kompetenz fehlt. Und ich finde, solche Kundgebungen sollten halt wirklich oder müssen, jetzt fange ich auch schon so an, müssen sehr verstärkt darauf achten, dass sie Leute einladen und Leute sprechen lassen, die diesen Kompetenzaufbau voranbringen können. Die tatsächlich mal unbequem sind und die tatsächlich mal solche Meinungen äußern können, weil, und das haben wir bei Fridays for Future gesehen, wir haben es bei der letzten Generation gesehen, diese radikalen Aktionen dieser Gruppen, die muss es geben, damit man dann später ein bisschen gemäßigter, also nicht, dass das unbedingt notwendig wäre, aber das demokratische System verlangt es eben so. kc: [39:53] Gemäßigter über diese Themen sprechen kann. Und dann brauchbare Kompromisse bekommt. Und ich finde es richtig schade, dass sich da irgendwie niemand so richtig zu trauen scheint, mal Utopien zu zeichnen und mal wirklich auch tatsächlich klare Forderungen zu stellen, weil, wie gesagt, so wie es jetzt ist, das haben wir seit Jahren, das führt uns nirgendwo hin. Finde ich traurig. bommel: [40:19] Es gibt ja tatsächlich auch Erkenntnisse darüber und auch Untersuchungen, wie Bewegungen, also soziale Bewegungen, die halt erfolgreich gewesen sind, Bürgerrechtsbewegungen beispielsweise. bommel: [40:33] Warum die so erfolgreich gewesen sind. Und ich habe darüber mal einen Workshop gemacht tatsächlich. Und da geht es halt auch sehr darum, dass wir halt im Grunde, vor allem in verschiedenen Phasen, aber alle Perspektiven brauchen und vor allem auch die radikalen Perspektiven. Und damit meine ich radikal im Sinne von diese sehr kompromisslose Perspektiven und Perspektiven, die sehr revolutionär und die halt diese systemische Ebene im Blick haben und sehr auf gesellschaftlichen Wandel aus sind, weil du ohne das halt auch niemals selbst auch nur so reformistische Ansätze überhaupt umgesetzt kriegst, weil das halt alles ineinander greift. Und das fehlt, finde ich, also auf gar keinen Fall der gesamten Behindertenrechtsbewegung, weil das würde der Behindertenrechtsbewegung wirklich Unrecht tun, weil sie ist vor allem auch in ihren Ursprüngen eigentlich sehr radikal, aber die so gemäßigt, also vor allem in Deutschland nehme ich die als so gemäßigt war, was natürlich auch was damit zu tun hat, dass gar nicht alle Betroffenen überhaupt in der Lage sind, sich selber Gehör zu verschaffen. Durch viel, also aus vielfältigsten Gründen, so, ne, ähm. bommel: [41:53] Versuchst es doch mal als ME/CFS betroffene Person. Ja, wow, mit welcher Energie willst du dir da irgendwie Gehör verschaffen? Und dann gerade in der Behindertenrechtsbewegung spielen dann auch noch so viele Sachen rein mit so Infantilisierung und dass vieles überhaupt nicht ernst genommen wird. Und dann irgendwie das dann so auch irgendwie als lustig empfunden wird, wenn man dann irgendwie radikaler spricht oder so, wenn man halt bestimmten Normen nicht entspricht oder so. Und das greift da irgendwie so richtig, das ist so ein richtig toxischer Cocktail, finde ich, der da so ineinander greift, der das alles zum Teil wirklich extrem weich spült. Das ist wirklich schade. Ja, das ist auf jeden Fall so. Und der auch das so zulässt einfach. Also das finde ich auch ein ganz wichtiger Punkt von dem, was du gesagt hast, dass man das zulässt, dass Politiker*innen halt so darüber sprechen. Wir haben ja sogar noch ein Video gesehen, wo Bodo Ramelow dann auch interviewt worden ist, der dann auch meinte, ja, er wäre auch Teil der Community, wo ich erst mal dachte so nene Bodo, also Teil meiner Community bist du auf jeden Fall nicht, so aus vielen verschiedenen Gründen, weil ja, er ist ja auch behindert, er hat halt Legasthenie und jetzt versteht mich nicht falsch. bommel: [43:10] Legasthenie ist absolut eine Behinderung, Punkt. Darum geht es nicht. Aber jemand wie Bodo Ramelow, also erstens ist es halt dann auch schon wieder so eine Oh mein Gott, guckt mich an, ich habe es geschafft Geschichte. Ich bin trotz Legasthenie bin ich halt voll der erfolgreiche Politiker und bla. So erstens das. Zweitens hat er natürlich unendlich viel mehr Ressourcen, das auszugleichen. Also natürlich wird der im Alltag in irgendeiner Art und Weise damit halt so strugglen, aber, Ich kann mir jetzt nicht vorstellen, dass jemand wie Bodo Ramelow irgendwie noch viele Texte selber schreiben muss oder irgendwie im Zweifel lesen oder whatever so und da keine Ressourcen hat für Strategien damit umzugehen und im Zweifel ja sogar Personal, um damit umzugehen. Das sind halt alles so Sachen, wo ich mir so denke, ja, ja, aber tritt mal einen Schritt zurück, weil du sprichst ja aus einer wirklich privilegierten Perspektive. kc: [44:14] Ja, ich glaube, dieser Schritt zurück fehlt so einigen. bommel: [44:19] Aber das ist halt auch so schwierig, weil das Ding ist halt, ich meine, ich bin halt, also ich bin halt auch eine weiße behinderte Person, ich habe keine sichtbare Behinderung und so. Eigentlich wäre ich halt auch so eine der ersten Personen, die eigentlich mal den Mund halten müssten und das Mikro weitergeben müssten an andere Leute, aber irgendwie macht es dann auch keiner. kc: [44:40] Was du tust, also mehr als viele andere. bommel: [44:45] Das habe ich überhaupt nicht verstanden. kc: [44:49] Naja, du gibst das Mikro weiter, du zeigst auf Aktionen von anderen und das hast du auch immer schon gemacht und du verlierst diese Sache nicht aus dem Blick. Und eben ganz, ganz viele Leute machen das ja, machen das tendenziell nicht und das finde ich sehr, sehr schade. Und ich glaube, was mir diese Dynamik, die du gerade beschrieben hast, so insgesamt nochmal sehr vor Augen geführt hat, war vor ein paar Wochen, Da ist auf Instagram ein Video viral geworden von einem Rollstuhlfahrer, der gerne Bahn fahren wollte, dafür keine Anmeldung hatte, was zulässig ist, der von den Mitarbeitenden der Bahn dann irgendwie nicht eingeladen wurde, weil die Züge der Deutschen Bahn sind nicht barrierefrei, wenn du einen Rollstuhl benutzt. Und dann ist er ein bisschen lauter geworden, weil der schon mehrfach solche Situationen hatte, dass er nicht eingeladen wurde. Er hatte ein gültiges Ticket, er hätte mit diesem Zug fahren dürfen, aber eben dementsprechend da keine benötigte Hilfe bekommen, obwohl Personal da war. kc: [45:51] Was natürlich absolut gerechtfertigt ist, da irgendwie ein bisschen lauter zu werden und nicht mal wirklich gemein zu werden. Aber die Kommentare unter diesem Video sind voll von, ja Bruder, achte mal auf deinen Ton, so nicht, das geht gar nicht, sei ein bisschen ruhiger, dann klappt es auch nächstes Mal mit dem Bahnfahren. Und ja, das ist das Bild der Gesellschaft gegenüber radikalen Menschen mit Behinderung, die tatsächlich einfach so was Einfaches tun wollen, wie in einen Zug zu steigen. bommel: [46:25] Ich finde das so empathielos. kc: [46:28] Ja. bommel: [46:28] Weil ganz ehrlich, ja, die hunderttausend Male, die es auf jeden Fall gegeben hat, wo er ruhig geblieben ist, ja, davon gibt es halt kein Instagram-Video. Oder es gibt davon Instagram-Videos, die du dann aber jetzt gerade nicht gesehen hast. Das ist so ätzend einfach. Und ich finde, das ist halt auch ein total gesellschaftliches Problem. Irgendwie, dass niemand wirklich so richtig mit so Wut und Frustration und Emotionen und dem Zeigen von Emotionen klarkommt. Also das ist Leuten ja auch immer sofort total unangenehm, obwohl das ja auch was Urmenschliches ist, dann in so einer Situation halt auch wütend zu sein und einfach auch zu sagen, so boah, was ist das für eine Scheiße hier und im Zweifel auch mal lauter zu werden. Es ist halt nochmal ein Unterschied. Also klar ist es halt dann auch echt nicht cool, da die Bahnmitarbeitenden irgendwie gottlos wegzubeleidigen. Aber es klang jetzt halt nicht so, als wäre das Teil dieses Videos gewesen. Und da weiß ich nicht, wieso kann man da nicht mal empathisch sein und halt auch irgendwie einfach merken so, okay, ja, ich werde hier gerade angeschrien, obwohl ich gar nichts dafür kann und es ist super unangenehm. Aber diese Person hier gerade, die kann halt auch nichts dafür. Und es ist einfach eine furchtbar frustrierende Situation, die für diese Person total lebens- und alltagsbestimmend ist. Also, was ist denn los? kc: [47:55] Ja, es ist einfach traurig. Ich will mehr Radikalität in der Behindertenrechtsbewegung in Deutschland haben. Viel, viel mehr. Hallo Verfassungsschutz, wahrscheinlich werden wir jetzt hier beobachtet. bommel: [48:13] Ja, nee, ich also jetzt mal ganz unabhängig vielleicht von anderen politischen Meinungen im Sinne von, ich bin jetzt nicht so der größte Fan von Kapitalismus und fände es da jetzt auch nicht besonders schlimm, wenn sich dieses System irgendwie mal ändern würde. Aber das Einzige, was man ja da fordert, ist, dass radikal Menschenrechte umgesetzt werden und dass einfach radikal die UN-Behindertenrechtskonvention umgesetzt wird. Das finde ich ist noch das Allerlächerlichste. Das, was du ja sagst, ich wünsche mir mehr Radikalität in der Behindertenrechtsbewegung, ist ja einfach ein Hallo, wir wollen auch gerne so leben. Dass das menschenwürdig ist. Bitti, bitti. bommel: [49:03] Das ist ja die radikale Forderung. Das muss man sich ja auch immer klar machen. Es geht ja nicht darum, dass alle sagen, so ja, Rollstühle sollten nur nach noch Einhornfurz riechen und aus, weiß ich nicht, purem Gold sein. Nein, das ist ja so, wir sind ja an einem Punkt, wo wir sagen, hey, das wäre schon so menschenrechtstechnisch eigentlich das bare minimum, dass jede Person, die einen Rollstuhl braucht, den auch bekommt und den in einer Ausführung bekommt, die für diese Person auch noch so gut ist im Alltag, wenn sie den benutzen muss. Das ist ja die radikale Forderung, die dahinter steckt. Und wir hätten gerne ein menschenwürdiges, ausfinanziertes Leben, was nicht heißt, ich möchte in einem Palast wohnen. bommel: [49:58] Möchte ich auch sowieso nicht, weil wäre mir vielzuviel zu putzen, sondern halt so, ich möchte ein sicheres Dach über dem Korb. Ich möchte inflationsausgeglichen mich vernünftig und würdig ernähren können. Und dann möchte ich mir vielleicht im Monat ein Buch kaufen, möchte vielleicht ein Audio-Abo für Musik-Streaming-Dienst, mal ins Kino und mir über das Jahr vielleicht mal ein bisschen was zusammensparen, sodass ich alle zwei Jahre vielleicht mal einen Urlaub machen kann oder so. Das muss man ja mal in den Kopf kriegen, dass halt so das ist. Oder so Forderungen wie, ja, wenn ich arbeite, dann würde ich gerne wenigstens den Mindestlohn bekommen. Das wäre cool. Das sind ja die Forderungen. Und deswegen ist es halt für mich so, in welchem Universum ist es radikal? kc: [50:49] Ja, du hast vollkommen recht. bommel: [50:51] Das ist so absurd. kc: [50:52] Ich verliere das so sehr und so häufig aus dem Blick, weil mir halt einfach so häufig gespiegelt wird, das, was du willst, das geht nicht. Aber du hast vollkommen recht. Wir fordern ja jetzt hier letztendlich nicht irgendwie was Staatszersetzendes oder einen kompletten Systemwechsel. Sondern einfach ein Leben. Ja, ja. Ja, nee, stimmt schon. bommel: [51:19] Und deswegen ist dieses Thema und dieser Sozialabbau, der halt zum Beispiel jetzt mit der Eingliederungshilfe und so weiter irgendwie zusammenhängt, der da gerade vorangetrieben wird, das hängt ja mit so vielen anderen Themen auch noch zusammen, auch mit der Jugendhilfe zum Beispiel und so. Das ist so absurd, dass halt gerade vor allem an den Schwächsten unserer Gesellschaft gespart wird. Was jetzt nicht heißt, dass Behinderte oder Kinder und Jugendliche schwach sind oder so. Aber die haben halt einfach keine Lobby. Und halt auch dieses, eigentlich das, was dein Demoschild halt sagt, du kannst halt nur sagen, ja, okay, weil du hast keine Handlungsmöglichkeit. Und das ist einfach so fatal, dass an genau diesen Stellen gespart wird, bei den Ärmsten. Das ist so kaputt einfach. Also das System müsste in die Werkstatt, nicht Behinderte. kc: [52:15] Ja. bommel: [52:16] Weil das System ist das, was kaputt ist. kc: [52:18] Wir müssen auch nicht in die Werkstatt, weil wir sind auch nicht kaputt. bommel: [52:21] Genau. kc: [52:22] Ja. Ja. bommel: [52:28] Ich habe das aber auch nicht immer so präsent, aber wenn man dann so ein bisschen vertiefter drüber redet, manchmal kommt es mir dann so diese wirklich, diese Absurdität, das ist so, also nee, das ist wirklich. kc: [52:43] Ja, danke, dass du das gerade so gevoiced hast, das hat mir sehr gut getan und das hat mir auch nochmal vor Augen geführt, warum ich eigentlich alles mache, was ich mache. Und ich hoffe, für unsere Zuhörenden ist das ganz genau so. kc: [53:02] Letztes Jahr habe ich diesen Tag den Behindertenkampftag genannt. kc: [53:08] Und ich finde, dass das eine Bezeichnung ist, die wir da fortsetzen sollten. Da ist sollten diesmal okay. Weil wir haben den feministischen Kampftag. Lasst uns einen Behindertenkampftag haben. kc: [53:20] Der ist dringend notwendig. Und letztes Jahr, ich weiß nicht, wie es dieses Jahr war, da habe ich nicht geguckt, aber letztes Jahr gab es in der Tagesschau zum Behinderten-Kampftag einen Beitrag, wo es um die Eltern von behinderten Kindern, die Eltern, die sich um behinderte Kinder kümmern müssen, die viel zu wenig Anerkennung für irgendwas bekommen würden. Und ich war damals schon so, also damals von einem Jahr so, ja, how about no? Wie wäre es denn, wenn wir mal behinderte Kinder anhören, was sie wollen? Oder wenn wir einfach mal irgendwie dahin kommen, dass wir Angehörige von Behinderten immer irgendwie in so eine Special-Rolle drücken. Ja klar, so Care-Arbeit und Pflege, das sind schwer. Das sind schwere Dinge. Und das Leben von vielen Menschen mit Behinderung wird dadurch überhaupt erst ermöglicht. Aber so insbesondere Elternvertretungen und so sind halt wirklich ganz, ganz schlimme Ableismus-Schleudern teilweise, die häufig was ganz anderes im Sinn haben als ein selbstbestimmtes und unabhängiges Leben von ihren Kindern. Und das wird halt auch irgendwie so richtig selten... Da bedacht. Und das ist jetzt so mein Übergang zum Thema der heutigen Folge, worum es eigentlich gehen soll. bommel: [54:41] Warte, einen Gedanken dazu habe ich noch, weil voll viele hören es dann immer so als so einen persönlichen Vorwurf. Und dazu will ich nur nochmal sagen, das kann man diesen Eltern halt manchmal gar nicht vorwerfen, weil die sind auch in dieser Gesellschaft groß geworden. kc: [54:56] Ja, voll. bommel: [54:56] Und wir alle haben halt auch als Behinderte so internalisierten Ableismus, das merken wir beide ja auch immer und immer wieder, Und das ist einfach nur total verständlich und nachvollziehbar und menschlich. Das Problem entsteht dann da, wenn man das vielleicht nicht vernünftig reflektiert, weil man auch mit nichts anderem konfrontiert wird und dann einfach so in diesem Autopiloten, der halt einfach, weil wir in diesem System groß geworden sind, per se auch ableistisch ist, dann einfach versucht so Vertretungsdinge zu machen, dann reproduziert man das halt total. Und das ist halt so vorrangig, das Problem irgendwie. Ja, ich wollte das nur nochmal gesagt haben. kc: [55:41] Ja, voll. bommel: [55:42] Nur weil das halt Kritik ist, heißt das halt nicht, dass das so eine persönliche Schuld ist, sondern es ist halt eigentlich mehr halt, wo ich sagen würde, da kommt man seiner Verantwortung im Zweifel nicht nach. Macht halt diesen Schritt auch nicht zurück, sondern setzt da so seine eigenen Vorstellungen von Welt weiter durch und gar nicht die Vorstellungen von den Menschen, die man eigentlich versucht zu vertreten. Ist halt auch nicht super einfach, muss man ja auch sagen, aber es muss ja auch niemand Elternvertreter sein. kc: [56:18] Ja, also das haben wir natürlich auch in ganz, ganz vielen Bereichen, nicht nur so in Elternvertretung, sondern halt auch gerade in der digitalen Barrierefreiheit ist das sehr groß, oder auch so Werkstattpersonal und so weiter und so fort. Aber ja, eigentlich soll es ja in dieser Folge so ein bisschen um Schule gehen. Haben wir uns gesagt, jetzt haben wir aber schon sehr, sehr viel Zeit mit der Demo verbracht, aber das ist, glaube ich, okay, so in Anbetracht der Tatsache. Wir können ja trotzdem darüber reden. Ich sagte ja schon, das ist so ein bisschen mein Übergang und ich weiß gar nicht, ob ich das in diesem Podcast schon mal gesagt habe, Aber so diese Unsichtbarkeitsmachung durch solche Medien, wo dann beispielsweise Elternvertretungen gezeigt werden, statt Selbstvertretungen, wo es immer irgendwie um die Bedürfnisse der anderen geht, aber nicht um die Menschen mit Behinderung, die hat halt sehr, sehr reale Auswirkungen. In meinem Bundesland, ich habe in Rheinland-Pfalz Abitur gemacht, war ich in meinem ganzen Jahrgang eine von vier Personen, die das Abitur mit Nachteilsausgleich geschrieben haben. bommel: [57:24] Das ist so absurd. kc: [57:25] Also in meinem Jahrgang. Und das ist halt wirklich nicht viel, wenn man bedenkt, dass das in dem Jahr so 5000 Menschen waren, die ein Abitur gemacht haben. Das heißt, es ist nicht mal ein Prozent bei einer Prävalenz von Behinderung in der Bevölkerung von über 10 Prozent. Ja. Und eben diese mediale Unsichtbarmachung, die nimmt natürlich Leuten ganz, ganz viel Motivation und die raubt ganz vielen Leuten überhaupt die Möglichkeit, darüber nachzudenken, was man so überhaupt machen und erreichen kann. Weil wenn du von Anfang an deines Lebens in Sondersysteme abgeschoben wirst, was natürlich auch bei mir zur Debatte stand, das zu tun, dann kommst du da statistisch gesehen eigentlich nicht mehr raus. bommel: [58:13] Wie ist das eigentlich? Darf ich das fragen, wie es dazu gekommen ist, dass du halt nicht in dieses Parallelsystem gegangen bist? kc: [58:20] Es war logistisch komplizierter und tatsächlich war es das, also ich bin eingeschult worden, kurz nachdem in Rheinland-Pfalz ermöglicht wurde, dass Eltern vorbehaltloses Wahlrecht haben, auf welche Schulform das Kind mit Behinderung gehen soll. Und dann gab es Schwerpunktschulen und eine davon war ganz in der Nähe und da bin ich dann gewesen, weil alle anderen Kinder da auch gewesen sind und das eben logistisch sehr oder relativ einfach war. Aber da dann eben auch eine ganze Zeit lang als tatsächlich einziges behindertes Kind war. Ja, so. Und wenn man jetzt schaut, was irgendwie aus mir geworden ist, dann habe ich so innerhalb dieser Behindertengesellschaft wirklich... bommel: [59:09] Entschuldigung, ich muss gerade so lachen. Das war ja am Anfang der Folge gesagt, dass du voll die Nervkröte bist. Ja, aber man schaut, was aus mir geworden ist. Voll die Nervkröte. kc: [59:19] Ich weiß. Ich bin eine richtig nervige Nervkröte geworden, aber ich bin halt in dieser Behindertenparallelgesellschaft, mehr oder weniger, die wir ja leider haben, eine wirklich enorm privilegierte Person. Ich habe ein Abitur, das können mit Sicherheit 90 Prozent der behinderten Kinder nicht von sich behaupten, wenn nicht sogar mehr. Ich habe ein Unternehmen, das ich selbstständig führe, das schuldenfrei ist. Und ich kriege Bühnen, also ich kriege technische Bühnen zu technischen Themen, auf großen Konferenzen, die nichts mit Behinderung zu tun haben. bommel: [59:58] Ja. kc: [59:59] Und das ist eine Position, die ganz, ganz wenige Leute so innehaben an sich. Ja. kc: [1:00:09] Das ist halt scheiße, weil diese Themen halt mitten in die Gesellschaft gehören und die gehören auch in diese anderen Themen rein und das ist ja was, was ich versuche mit meinen Privilegien zu erarbeiten, dass diese Themen auch außerhalb der Behinderten-Bubble Anklang finden, dass das halt nicht mehr als Sondersystem betrachtet wird, sondern halt als Teil der Gesellschaft, worüber sich alle Gedanken machen müssen, genauso was wie IT-Sicherheit beispielsweise. Und Wenn es mehr Leute gibt, die das machen können, wird das Thema in diesen Gruppen natürlich sichtbarer. Aber solange das System schon von Anfang an so aussiebt, überhaupt die Möglichkeiten nimmt und dann eben diese mediale Unsichtbarkeitsmachung noch dazukommt, ist das ein riesengroßes Problem, da die Leute überhaupt hinzubekommen und hinauszubilden, dass sie das können. Und dass das bei mir passiert ist und dass das bei mir geklappt hat, ist halt so unwahrscheinlich also das ist ja nicht nur das Abitur mit unter einem Prozent Wahrscheinlichkeit sondern das ist ja noch alles andere, was man da drauf agieren kann und, Das macht dich halt sehr, sehr unique zu einer sehr, sehr über allem drüber stehenden, Bekannten-Gesicht-Einzelperson, was für dich dann wiederum gefährlich ist. bommel: [1:01:38] Gefährlich in Bezug worauf? kc: [1:01:40] Naja, gefährlich in Bezug darauf, dass du natürlich das Thema repräsentierst und dass du auch gewissermaßen dafür verantwortlich bist, das Thema im Sinne aller groß zu machen und zu behandeln. kc: [1:01:54] Und das macht auch Druck und mit diesem Druck muss man auch erst mal auch erst mal umgehen können ich glaube nicht, dass das was ist, dass irgendwie alle Leute können oder so wirklich auf dem Schirm haben, wenn sie Menschen mit Behinderung mal sehen, in einem Thema wo es nicht um Behinderung geht wenn es um Behinderung geht dann ist das alles irgendwie sehr viel einfacher, dann kannst du im Zweifel ein bisschen was mit Floskeln machen oder du kannst darauf hinweisen ja, so, das ist jetzt hier meine eigene Erfahrung, aber sobald du halt mit anderen Gruppen verhandelst, musst du die technischen Argumente auf deiner Seite haben, du musst Wissenschaft dazu haben, die das unterstützt, du musst wirklich fehlerfrei arbeiten, sodass es keine Möglichkeit gibt, dass du irgendwie zerrupft werden könntest von irgendeinem großen Medium, weil wenn das passiert, schadet das am Ende wieder der ganzen Behindertenbewegung, und das sind viele Menschen. Das sind sehr, sehr viele Menschen. Also das haben aber nicht nur Menschen mit Behinderung immer so, sondern queere Menschen genauso wie schwarze Menschen oder so. Wenn da ein was ist und einmal was auf der Bild-Zeitungstitelseite landet, hat die ganze Gruppe ein riesengroßes Problem. bommel: [1:03:12] Mhm. kc: [1:03:14] So, jetzt habe ich mich auch ein bisschen aufgeregt. bommel: [1:03:18] Die ist ja in Ordnung. Ich denke da noch so ein bisschen drüber nach insgesamt und muss das erstmal so ein bisschen verarbeiten, glaube ich. Ich finde gerade im Vergleich zu queeren Themen merkt man auch so ein bisschen, wie unterschiedlich die queere Bewegung und die Behindertenrechtsbewegung aufgestellt sind. Weil queeres Leben einfach schon, sag ich mal, mehr Raum und Präsenz einnimmt als behindertes Leben. Was halt auch lustig ist, weil das lässt sich ja im Zweifel auch gar nicht so voneinander trennen, weil, surprise, es gibt auch queere Behinderte. bommel: [1:03:57] Also, ja, das ist halt, ich finde das auch total schwierig, weil letztlich ist es ja auch so ein bisschen so eine Frage davon, wie man als Gesellschaft mit Minderheiten umgeht. bommel: [1:04:10] Und wäre die Gesellschaft irgendwie besser darauf vorbereitet, mit diesen Themen umzugehen und sich dessen auch bewusst oder zumindest bewusst her, dann würde es dieses Token-Problem in dem Sinne ja gar nicht so sehr geben, sondern dann wäre halt einfach irgendwie auch klar, zum Beispiel, wenn du jetzt mal so richtig reinscheißt bei irgendeinem Vortrag, Dann wäre halt irgendwie klarer so, ja, okay, das war jetzt ein schlechter Vortrag in der Reihe von sehr, sehr vielen sehr, sehr guten oder zu differenzieren und zu sagen, okay, diese Aussage, die war jetzt fachlich Quatsch, warum auch immer, aber alle anderen sind halt trotzdem zutreffend. Aber dadurch, dass das halt auch so ein Thema ist, mit dem Leute sich halt nicht befassen wollen, weil das ist ja so das eigentliche Problem. Es wird ja dadurch, dass Leute Dinge halt irgendwie einfach haben wollen und einfacher machen wollen, wird halt letztlich vorrangig nach einem Grund gesucht, warum man sich halt nicht damit beschäftigen muss. Und dann wird es halt natürlich total dankbar angenommen, wenn da mal eine Person irgendwie voll Quatsch erzählt und dann kann man direkt sagen so, ja, siehst du, ist Quatsch, muss ich mich nicht mehr mit beschäftigen. bommel: [1:05:31] Super nice. Wann läuft Fußball? Und das ist ja auch die Kacke halt einfach, sodass es sehr vielen einfach kein eigenes Bedürfnis ist. bommel: [1:05:45] Weil ihnen gesellschaftliche Gleichheit oder so ein wichtiges Thema ist. Ich glaube, das ist halt auch einer der Gründe, warum ich immer so darauf poche. Weil Fakten sind so das eine. Also warum das faktisch irgendwie, wenn wir jetzt mal im Bereich der digitalen Barrierefreiheit bleiben, so ja faktisch gesehen ist es halt wichtig, weil und das hilft auch anderen Leuten, weil und bla und wenn man es direkt richtig macht, dann spart das Kapazitäten, weil bla bla bla. Das ist halt alles richtig, aber damit connectet man ja emotional im Zweifel halt nicht so sehr. Und ich würde mir so sehr wünschen, dass Leute emotional viel mehr damit verbunden sind, diese Ziele und halt so einfach so menschenrechte zu vertreten völlig egal ob ich jetzt zum beispiel also ich vertrete auch die menschenrechte einer person die scheiße finde ich mag bodo ramelow nicht aber ich würde trotzdem bodo ramelow menschenrechte vertreten und so solange das halt irgendwie so ein beliebtheits contest werden wir halt irgendwie nie wirklich weiter kommen was so wirklich menschenrechts Bewegungen angeht. Und das ist halt irgendwie, das finde ich richtig nervig. kc: [1:06:58] Ja, das ist eine sehr gute Zusammenfassung. Danke dafür. bommel: [1:07:04] Weil wahrscheinlich habe ich gar nicht so viel anderes gesagt als du. Das war nur nochmal so durch mein Gehirn gefiltert und verarbeitet. kc: [1:07:10] Ich finde auch besser erklärt, als was ich rausgebracht habe. bommel: [1:07:15] Es sind halt einfach zwei ein bisschen unterschiedliche Perspektiven. Aber das stellen wir ja auch irgendwie immer so fest. Du hast halt, und da ist ja die eine auch nicht besser oder schlechter, weil das ist halt das Ding, mit meinem emotionalen Geblubber kann ich mich halt nicht in ein Unternehmen stellen und die davon überzeugen, warum das jetzt wichtig ist, dass sie 100.000 Euro hierfür ausgeben, aber nicht dafür. Weißt du, das ist halt viel besser, wenn so eine Person wie du dann halt einen vernünftigen Vortrag halten kannst und dann da vorrechnet und sagt so, ja, die Studie hat das ergeben und hier, wenn man das und das gegenüberstellt, kann man hier sagen, bla, dann spart ihr so viel am Ende. Das überzeugt die ja viel mehr, als wenn ich dann mich da hinstelle und sage, oh mein Gott, großer Konzern, sind dir Menschenrechte nicht wichtig? Das sind halt einfach so zwei ganz unterschiedliche Ebenen, die aber beide auch total wichtig sind, weil du hast halt so ein bisschen diese, Ich weiß nicht, ob man bei deiner Ebene so Strukturebene sagen kann, aber du hast halt eher so eine Ebene, die vielleicht so Gruppen von Menschen anspricht oder so EntscheidungsträgerInnen, das ist vielleicht was Gutes. Und ich habe halt eher so einen Ansatz, der so ein bisschen an so eine Grundhaltung. bommel: [1:08:25] Und so Grundwerte von Menschen anknüpft. Aber auch da, wir brauchen super dringend halt einfach beides. Weil das, was du halt machst, das sind halt die Sachen, die... Relativ schnell Ergebnisse produzieren, weißt du, und real Dinge akut verbessern, wenn gerade eine Entscheidung ansteht. kc: [1:08:47] Ja, so zumindest in der Theorie. bommel: [1:08:49] Also im besten Fall, ja. In der Praxis. kc: [1:08:52] Es ist schon klar. bommel: [1:08:52] Dass du da auch nicht immer gehört wirst. kc: [1:08:54] Also in der Praxis ist es natürlich auch so, dass egal welches Argument ich bringe und egal wie wissenschaftlich fundiert es ist, dass das als ein emotionales Thema betrachtet wird, weil ich bin ja entweder selbst betroffen davon oder ich mache das nur für mich oder ich habe mir diese Argumente zurecht gesucht und in der Realität ist das ganz anders und es gibt da ganz andere Darstellungen, selbst wenn es nicht so ist. Also menschenbezogene Themen, gerade so in dieser politischen Entscheidungsebene, sind halt selten einfach reine ich weiß gar nicht, wie man dazu sagen sollte, aber es sind selten halt einfach solche Entscheidungen, sondern es sind halt einfach Vibes. Und wenn dein Vibe halt ist, die Behinderten, die Behinderten sind nervig, ich mag keine Behinderten, ich kenne keine Behinderten, dann hört man da nicht drauf, völlig egal, was da so passiert. bommel: [1:09:51] Ja, ich habe einfach gerade, ich habe, Entscheidungsträger in einem deutschen Unternehmen gerade einfach Kompetenz unterstellt, obwohl ich es hätte besser wissen müssen. Ich habe da lange genug Unternehmensberatung gemacht. War natürlich ein bisschen ein Scherz gerade so. Es war so 40% Scherz, 60% Ernst. Wir sind immer noch nicht beim Hauptthema. Aber eigentlich ist es auch gar nicht so schlecht. Was heißt schlecht? Ich meinte, eigentlich ist es gar nicht so schlimm, weil wir haben schon beim, also mir war eigentlich schon klar, dass das kein Thema ist, was man sowieso in einer Folge, abhandelt, sondern dass das vielleicht eher so ein, quasi wie ein Aperitif ist, weißt du? kc: [1:10:37] Ja. Also so im Sinne von, wir machen in der nächsten Folge mit dem Thema weiter. bommel: [1:10:42] Ja, wenn uns nichts anderes einfällt oder halt irgendwann. kc: [1:10:46] Ja. bommel: [1:10:47] Weiß jetzt nicht. kc: [1:10:50] Da fangen wir doch aber jetzt mal wirklich an. Yes, do it. Wie war denn die Schule für dich so bommel? bommel: [1:10:57] Scheiße. Schule war kacke. Also, das erzählt meine Mutter auch unheimlich gerne. Ich glaube, ich bin am zweiten Tag nach meiner Einschulung und bin ich nach Hause gekommen und meinte, da gehe ich nicht mehr hin, das ist mir zu blöd. bommel: [1:11:15] Und meine Mutter war immer so wie, ach du Scheiße, Also wie erkläre ich diesem Kind, dass es da jetzt ein paar Jahre hin muss? Ja, es ist dann aber auch nicht wesentlich besser geworden, muss ich einfach sagen. Also ich weiß auch gar nicht, es ist eigentlich auch egal, was von einem Teilaspekt von Schule du mich fragst, war halt kacke. Lerntempo war kacke, weil war mir meistens irgendwie, also meistens tatsächlich zu langsam, weil ich halt, also ich denke halt einfach schnell so und dementsprechend halt auch emotional zum Teil total herausfordernd so, weil halt Frontalunterricht war vor allem zu der Zeit, wo ich in der Schule war, einfach so das Ding eigentlich. Ich meine, ich habe ja Lehramt studiert, heutzutage weiß ich, dass man viele Dinge auch anders machen kann. Aber ja, das hat mir halt nicht gepasst. Was man alles hat machen müssen, hat mir nicht gepasst. Die Leute haben mir nicht gepasst. Die Struktur hat mir nicht gepasst. Ich hasse alles an Schule. kc: [1:12:31] Ja, bei mir ist das ganz genauso, aber ich glaube, der Weg dahin war ein bisschen ein anderer. Wieso? Ich fand Schule nämlich erstmal richtig cool, weil ich mich so im Vergleich zur Kita vorher zum ersten Mal da irgendwie normal gefühlt habe, weil ich die gleichen Aufgaben gemacht habe wie alle anderen. kc: [1:12:54] Weil ich einfach unter den normalen Leuten war und es da irgendwie so eine Struktur gab und diese Struktur hat mir so verglichen zur Kita wirklich sehr, sehr geholfen, mich irgendwie selbst zu strukturieren und ich fand das Lerntempo nicht zu langsam, aber das lag nicht am Lerntempo selbst, sondern auch eher daran, dass ich gerade in den späteren Jahren dann immer mehr zusätzliche Sachen gebraucht habe und zusätzliche Unterstützung gebraucht hatte, die nebenbei organisiert werden musste. Und das ging nicht weg, weil ganz viel Zeug halt einfach nicht mit mir und meiner spezifischen Behinderung und meiner Situation im Hinterkopf gestaltet wurde. Also dann wurde halt einfach alles gemacht, wie es immer gemacht wurde. Es wurde wie immer Frontalunterricht gemacht. Es wurden Tafelbilder geschrieben und so weiter und so fort. Das ist alles Zeug, womit ich wegen meiner Sehbehinderung wirklich enorme Schwierigkeiten habe, selbst mit Hilfsmitteln, weil das eben alles visuell aufgebaut ist. Und da musst du halt erstmal den ganzen Tag lang überhaupt die mentalen Kapazitäten dafür haben, was zu lernen und dich in der Zeit selbst zu managen und immer wieder selbst deine eigenen Probleme zu lösen. Weil wenn ich hingekommen war und gesagt habe, das geht so nicht für mich oder ich komme gerade nicht mit, gab es immer Stress. bommel: [1:14:23] Ja, aber was ist das auch für ein scheiß System? Weil kann ich aus deiner Perspektive natürlich auch total verstehen, aber da wird man ja generell als Kind halt auch gar nicht irgendwie begleitet. So für mich, ich weiß, war Schule emotional halt auch immer total schwierig, weil ich hätte ja niemals gewollt, dass du zum Beispiel unter einem noch schnelleren Tempo lernen musst oder so. Das liegt mir ja total fern. Gleichzeitig war es mir ja trotzdem zu langsam. Also wir sind jetzt nicht zusammen zur Schule gegangen, aber jetzt so mal vom System her gesprochen. Und ich hätte ja auch, also es juckt mich ja gar nicht, dass andere Leute langsamer lernen. Oder weiß ich, Sachen tausendmal hören müssen oder so. Das hat ja mit mir nichts zu tun. Und wenn jemand irgendwas fünf Milliarden mal hören muss. Ich bin auch grundsätzlich eine Person. Also meine Grundhaltung ist schon, dass jeder alles lernen kann. bommel: [1:15:18] Also ja, vielleicht bräuchte eine bestimmte Person dafür mehr Zeit als Lebenszeit zur Verfügung steht. Oder da ist es halt auch dann zum Beispiel nicht wichtig genug. Man muss ja auch nicht alles lernen. Das ist ja völlig in Ordnung. Aber ich bin sehr fest davon überzeugt, dass man eigentlich alles lernen kann. So zumindest zu einem großen Teil. Ja, jetzt, irgendwer hat jetzt bestimmt total spezifische Ausnahmen, wo das dann nicht geht und so. Und das gibt es sicherlich auch, aber so als grundlegender Vibe so. Aber das ist ja emotional auch total herausfordernd, weil, also ich, Schule ist für mich halt immer irgendwas gewesen, wo ich mich halt auch immer total bremsen musste so und nie. bommel: [1:16:03] Ich konnte nie in meinem Tempo arbeiten, nie Dinge so machen, dass ich tatsächlich irgendwie, weiß ich nicht, gefordert bin und das irgendwie cool für mich ist. Und dann gleichzeitig habe ich halt natürlich den Eindruck gehabt, gerade auch so in der Grundschule, dass auf andere Kinder halt viel mehr Rücksicht genommen wird. Und aus so einer Gruppenperspektive kann ich das natürlich auch verstehen, wenn du als Lehrkraft da irgendwie stehst und du hast halt so 30 Kinder und einige sind halt arschlangsam und andere sind halt arschschnell. bommel: [1:16:34] Natürlich ist halt so die Logik, dass die Langsamsten, die können ja nicht schneller, was sollen die halt machen, während die Schnellsten natürlich warten können. Also das ist eine total logische Konsequenz aus diesem System, dass man halt eher dazu tendiert, dann zu sagen, ja, dann musst du halt warten oder dann im Zweifel auch noch so eine Scheiße sich dann ausdenkt von, ja, du kannst mein Teaching Assistant sein und dann bringst du den anderen Leuten auch noch was bei. Ich will ja anderen Leuten nichts, also ich wollte in der Grundschule anderen Leuten nichts beibringen. Ich wollte ja selber was lernen und so Stuff machen, mit dem ich mich gerne beschäftige. Und das ist einfach, also ich weiß nicht, es ist so merkwürdig, aber wenn man sich halt letztlich anguckt, wofür Schule halt im Grunde eigentlich da ist und eingeführt wurde und was sich seitdem halt auch nicht verändert hat, ist es halt im Prinzip auch nur eine logische Konsequenz. Aber es ist so nervig. Wie kann das sein? Wir haben so ein altes Scheiß-System und keiner macht es anders. Und für alle ist es so, ja, da mussten wir alle durch. Ja, wow. Was ist das denn für eine Scheiß-Argumentation? Und was ich halt meine mit wofür Schule eigentlich da war, ist es so. bommel: [1:17:50] Im Grunde, also ich habe mich da im Studium auch relativ viel mit beschäftigt, aber im Grunde ist Schule gar nicht mal unbedingt primär dafür da gewesen, dass du halt wirklich was lernst und dich entwickelst und so. Und ja, das steht heute in jedem, die heißen, glaube ich, überall auch anders so, aber in jedem Lehrplan steht das halt drin. Ja, die SchülerInnen sollen sich zumündigen, BürgerInnen, bla bla und überhaupt und so, Bildung und dies und das. Aber das ist ja nie oder zum Anfang überhaupt nicht der Sinn von Schule gewesen, sondern da ging es halt basically darum, um so Sachen wie Disziplin, um Sachen wie Stillsitzen, um Sachen wie Drill, dass du Leute halt darauf vorbereitest, dass sie irgendwann so wie im Rahmen der Industrialisierung halt für einen bestimmten Arbeitstag halt eine bestimmte Leistung erbringen können. Das sind ja auch alles Sachen, die eine Rolle gespielt haben. Und wenn ein System, was halt auf solchen Dingen auch fußt, da muss mir keiner was erzählen von, ja, die Bildung der Kinder oder so steht da im Vordergrund, Scheiß steht da im Vordergrund. Das hat mit den Kindern herzlich wenig zu tun und dem, was die brauchen. Wirklich, da kann ich mich stundenlang drüber aufregen. kc: [1:18:56] Wir haben gleich wieder in die tiefgreifende Systemkritik gerutscht. Ja, ist das so. Bleiben wir doch mal eine Ebene höher. Nee. Ja, Schule scheiße. Ja. Ich wollte noch erzählen, dass tatsächlich das Lerntempo für mich je nach Aufgabe auch irgendwie überhaupt kein Problem war und dass auch insbesondere später, wenn ich dann meine Techniken irgendwie entwickelt hatte, mit denen ich irgendwie was irgendwie klarkam, ganz, ganz häufig auch die schnellste Person gewesen bin. Und teilweise in nicht mal der Hälfte der Zeit, wo ich dann mit irgendwas fertig war und da dementsprechend auch ganz, ganz viel Leerlauf hatte. Und bei mir war es dann halt wirklich Leerlauf. Also es war dann nicht so, dass Leute gesagt haben, ja, be my teaching assistant, sondern das waren so Leute wie, also Leute waren wie, ja, ist halt so, verhalte dich ruhig. bommel: [1:19:55] Ja, das sind ja aber auch Sachen, die wurde ich ja exakt einmal gefragt. Und dann war ich wieder die Unfreundliche. Das werde ich auch nie vergessen. Es gab in der Oberstufe so eine Scheißsituation. Oberstufe Mathematik war wirklich absoluter Horror, weil es war einfach so fucking laut in diesem Klassenraum. Und ich war ziemlich okay in Mathe so, weil ich bin jetzt auch keine Oberleuchte in Mathe gewesen. Aber ich kam, also ja, für den Matheunterricht hat es gereicht so. Aber es war halt für mich immer sau anstrengend, über diesen gesamten Lärm irgendwie drüber hinweg zu hören und mir irgendwie so ein bisschen anzueignen, was der Lehrer da vorne erzählt und so. Und dann wurde, weil irgendwann geht es dann im Abi natürlich los, dass so die Punkte dann zählen und dann geht es darum, was wird hier in meine Note eingerechnet, was nicht für den Schnitt und so. Und dann ging es darum. bommel: [1:20:47] Dass irgendwelche Leute meinten, ja, wir wollen halt so Mathe-Nachhilfe organisieren und so, halt so selbstgedingstet aus der Klasse heraus und so. Und es gab, das werde ich niemals vergessen, so eine dermaßen bescheuerte Situation, weil wir hatten dann so eine Klassenleiterstunde und meine Klassenleiterin war dann so wie, ja, und wir hatten uns dann überlegt, hier so Mathe-Nachhilfe selber irgendwie zu organisieren und so. Und es war halt allen im Raum sofort klar, dass ich die Top-Wahl bin für, ich gebe anderen Leuten Nachhilfe. Und dann stand sie da vorne und war so, ja, hat denn jemand eine Idee irgendwie, wie und wer das machen könnte und so. Und ich habe mich halt partout nicht gemeldet. Und dann war sie so, hm, ja, wer könnte sich das denn so vorstellen und guckte mich dann dabei auch schon die ganze Zeit so an, wo ich auch so dachte, was ist das denn für eine alberne Scheiße hier? Ja, und dann war sie so, ja, Bommel, könnten Sie sich das nicht vorstellen? Und ich so, nee. Und dann war so eine Totenstille im Klassenzimmer und dann war meine Klassenleiterin auch so, ja, aber wieso nicht und so? bommel: [1:22:01] Nee, ich mache das nicht. So, ja, aber man könnte das ja auch in den Freistunden und so. Und dann hat meine Klasseleiterin vor der ganzen Klasse versucht, mich so zu überreden, irgendwie das zu machen. Und ich war so, ich mache das nicht. Und dann waren alle super pissig auch. und dann war ich so diese arrogante Person, die einfach keinen Bock hatte, anderen Leuten zu helfen. Und das war überhaupt nicht der Grund, weil wenn jemand eine konkrete Frage hatte oder so, war das niemals so, dass ich die nicht beantwortet hätte oder so. Oder wenn jemand gesagt hätte, ich komme mit der Aufgabe nicht klar, kannst du mir das erklären oder so. Sofort. Aber ich verschwende doch nicht meine Zeit. Ich sitze im Unterricht, stecke unendlich viel Energie da rein, über das ganze Gebrabbel hinweg zu hören, um zu verstehen, was da passiert, während andere Leute halt random shit machen und sich dann ja darauf verlassen, dass ich denen das schon irgendwie dann beibringe in meiner Freizeit, die ich opfere, weil andere Leute im Matheunterricht das nicht für Nötig halten zuzuhören. Wo ich mir so denke, hä? Nee. kc: [1:23:11] Ja. bommel: [1:23:14] Also ich glaube, ich könnte alleine, ich könnte fünf Podcast-Folgen füllen mit solchen Situationen. Echt. Ja, das kriege ich sicher auch hin. kc: [1:23:25] Aber da bin ich tatsächlich sehr stolz auf dich, dass du das da geschafft hast, Nein zu sagen. Weil ich hatte tatsächlich auch ähnliche Situationen. Ja. Also ich wurde jetzt nicht so explizit gefragt, willst du das irgendwie machen? Kannst du das machen? Ich wurde da auch nicht so rausgestellt vor der Klasse, aber es kam halt immer mal wieder vor, dass ich schon sehr, sehr stark das Gefühl hatte, dass da jetzt bestimmte Sachen von mir erwartet wurden. Eben weil ich... Wahrscheinlich wie die kompetentste Maus in dem Raum da gewirkt habe, auf viele. Und eben weil ich mit so vielen Sachen, so viele Sidequests quasi gleichzeitig abarbeiten musste, neben dem Schulstoff, dass das halt wahrscheinlich auch wirklich so war. Und ich kann nachvollziehen, dass dieser Kompetenzeindruck von da kommt. Aber viele Leute sehen das dann eher so als Einladung, da noch mehr drauf zu werfen. So, hier, nimm, nimm, nimm, nimm, mach, mach. bommel: [1:24:26] Mach. Ja, war das für dich auch so? Inhaltlich war Schule für mich so, es ist nicht so, dass ich nie irgendwas machen musste. Ich habe vor einer Klausur, habe ich den Nachmittag vorher mir den Scheiß auch angeguckt. Die Sachen, die man auswendig können musste, habe ich ein bisschen mehr reingedrückt. Und dann war gut. Und am nächsten Tag habe ich 15 Punkte bekommen. Das ist halt eins. Gleichzeitig würde ich aber niemals sagen, dass Schule für mich einfach war, weil das für mich reiztechnisch und auch emotional so extrem herausfordert und stressig gewesen ist, dass Schule mich so dermaßen ausgelaugt hat. Ich bin auch immer aus der Schule gekommen. Ich musste erst mal zwei, drei Stunden schlafen. Es ging nicht anders. Ich war wirklich wie ausgeknipst und erschossen. Und das ist ja auch dann immer noch so das Ding, wo ich auch so dachte, dass also das ist halt gerade auch so durch dieses Beispiel, was ich eben erzählt habe, ist halt total klar, das ist niemals jemandem aufgefallen, weil eine Person, wo ich irgendwie merke, okay, die ist komplett an ihrem Limit, die frag ich ja jetzt nicht auch noch irgendwie, hey, machst du mal ein bisschen Mathe-Nachhilfe hier? Für die Leute, die sonst keinen Bock haben. War das für dich auch so? kc: [1:25:43] Wie genau? Das habe ich irgendwie nicht ganz verstanden. bommel: [1:25:46] Dass es halt inhaltlich keine Herausforderung war, vom Stoff her und so, aber halt so sozial, emotional so dermaßen überfordern, dass Schule trotzdem einfach nichts anderes als anstrengend gewesen ist. kc: [1:26:00] Ja, ganz genau das war es definitiv. Also so inhaltlich habe ich mir wirklich ganz, ganz wenig Mühe gemacht. Immer. So wirklich viel gelernt habe ich nie. Meistens halt eben mit allen Anpassungen, die ich mir am Material und so weiter machen musste und mit allen Techniken, mit denen ich erstmal irgendwie klarkommen musste. Wahrscheinlich trotzdem mehr als du, aber halt inhaltliche Arbeit ist halt sehr, sehr wenig reingeflossen. Es sind bei mir auch relativ selten Einser rausgekommen, außer in der Mittelstufe. Da hatte ich einen Einserschnitt und das beste Zeugnis im Jahrgang. Dann habe ich aber irgendwann gemerkt, also mit dem Übergang in die Oberstufe, wo ich, also ich kam von einer Realschule in eine gymnasiale Oberstufe und hatte dementsprechend ganz, ganz vielen Leuten da erst mal... War ich nicht gleich auf vom Niveau her und musste mir da irgendwie zusätzlich Zeug erarbeiten. Und da war dann so der Punkt, wo ich gemerkt habe, ich muss jetzt hier Leistungsniveau und Lernniveau noch weiter runterschrauben, damit ich hier überhaupt irgendwie zurechtkomme. kc: [1:27:13] Und das habe ich dann gemacht. Und ja, einfach war es inhaltlich trotzdem. Es ist nur so, dass ich halt einfach keine Zeit dafür hatte. Und dazu kam dann jeden Tag manchmal eine Pendelstrecke von so zwei Stunden dazu, weil es irgendwelche Umleitungen gab. Es kamen zwischendrin irgendwie ungeplante Freistunden rein, was irgendwie manchmal dafür gesorgt hatte, dass ich so drei Freiblöcke am Stück hatte mit meinem komischen Stundenplan, was so ein Ding ist, was für mich irgendwie absolut furchtbar ist, weil wir auch zumindest so in der ersten Zeit, wo ich in der Oberstufe war, keinen Aufenthaltsraum und so hatten. Was bedeutete, wir mussten uns irgendwie im Schulgebäude verteilen und uns da auf irgendwelche Bänke setzen, wo dann manchmal irgendwie Tische waren, manchmal nicht. Oder man setzt sich halt irgendwo auf den Boden und da hat man leise zu sein. Das Leise sein fand ich gut, aber das hat halt ganz häufig dafür gesorgt, dass es sich um diese Tische da sehr gedrängelt hat, weil natürlich nicht nur ich die einzige Person war, die da gerade eine Freistunde hatte. kc: [1:28:27] Und dann haben alle Leute irgendwie was anderes gemacht und Leute haben sich über was aufgeregt und dann waren sie überhaupt nicht mehr bei ihrem Thema, sondern haben irgendwie was privat geredet. Das ist kein Vorwurf an irgendwen, aber das sind halt so Situationen, in denen ich absolut nicht inhaltlich arbeiten kann, weil mich das so sehr überreizt und so sehr ablenkt. bommel: [1:28:50] Das finde ich super nachvollziehbar, wo du das mit der Pendelstrecke auch sagst. Ich bin super doll davon überzeugt auch, dass ohne meine Mama hätte ich, glaube ich, die Oberstufe nicht gepackt. Die hat mich jeden Morgen zur Schule gefahren und von der Schule abgeholt. Wir hatten das unheimliche Glück, dass das mit ihrer Arbeit halbwegs gepasst hat und meine Schule richtig gut lag. Aber ich will wirklich nicht wissen, wie es gewesen wäre ohne das. Ich meine, ja, natürlich gab es auch mal einen Tag, wo ich halt mit der Bahn nach Hause gefahren bin oder so. Das ist vorgekommen, aber super, super, super selten. Und ich will wirklich nicht wissen, wie es mir gegangen wäre, wenn ich das regelmäßig hätte machen müssen. Weil also öffentliche Verkehrsmittel für mich absoluter Horror, wirklich. kc: [1:29:35] Ja, da kann ich mich nur ranschließen. Ohne meine Eltern wäre das für mich absolut unmöglich gewesen. Ich hatte einen fünf Stunden Freiblock standardmäßig jeden Mittwoch. Das hat sich mit den Arbeitszeiten von meiner Mutter auch relativ gut ausgegeben, dass sie einen kleinen Umweg fahren konnte, um mich da auch von der Schule abzuhören. Dann hat sie mich auch immer wieder hingebracht, wenn ich später wieder hin musste. Das war so hilfreich, weil ich dann zu Hause wenigstens eben diese Ruhe hatte, die ich gebraucht habe. Und hin und wieder, ich hatte ja schon gesagt, so irgendwie drei Freiblöcke, sechs Freistunden, die dann irgendwie ungeplant sind. Und das hat mich so gestresst jeden Morgen, wenn das irgendwie feststand und im Plan stand, dass ich da erst mal geguckt habe, wie Sachen überhaupt irgendwie gehen. Und meine Oma hat mich auch da so unterstützt und auch immer irgendwie gefahren, wenn es irgendwie notwendig geworden ist. Und mir war das tatsächlich aber ab irgendeinem Punkt sehr, sehr unangenehm, weil das natürlich viele, viele Autokilometer sind für nichts, nur damit ich irgendwie zu Hause sein kann. Aber jetzt, wenn ich da so rückblicke, vollste Zustimmung. Ich hätte das nicht geschafft, wenn ich nicht in dieser Situation gewesen wäre, dass das ginge. bommel: [1:30:58] Ja, und die Kilometer sind ja nicht für nichts, sondern sie sind halt für dich. kc: [1:31:03] Ja. bommel: [1:31:04] Das ist ja nicht nichts. kc: [1:31:05] Ja, aber es waren dann halt trotzdem pro Tour hin und zurück 40 Kilometer sicherlich. bommel: [1:31:10] Boah, ja, okay. Das war bei uns halt auf jeden Fall nicht so. Aber auch gerade des Morgens. Ich glaube, es hätte sehr, sehr viele Tage gegeben, wo ich gar nicht wirklich in der Schule angekommen wäre, wenn ich vor allem morgens mit den Öffis hätte zur Schule fahren müssen. Einfach auch so wegen Überreizung, Überforderung. kc: [1:31:35] Ja, das war das erste Mal, wo ich tatsächlich Noise Cancelling für mich entdeckt hätte und dann sehr gerne benutzt habe, morgens früh im Bus. bommel: [1:31:43] Ich weiß gar nicht, ob das zu meiner Zeit schon so ein Ding war. Wahrscheinlich nicht, nee. Ja. kc: [1:31:49] Also meine Oberstufenzeit war in den späten 2010ern, da war es halt definitiv schon so. bommel: [1:31:56] Ja, voll. kc: [1:31:58] Ich war, also ich bin, also den einzigen öffentlichen Verkehr, den es gab, war ein dedizierter Schulbus tatsächlich zu meiner Schule. Der fuhr dementsprechend auch nur morgens und nachmittags nach Schulende, außer freitags. In der Oberstufe hatten wir auch freitags lang, also musste ich freitags standardmäßig auch immer da geholt werden. kc: [1:32:20] Morgens hatte ich das Glück, tatsächlich die letzte Halterstelle gewesen zu sein, die eingeladen wurde. Also was heißt Glück? Der Bus war halt voll und der einzige Platz, der frei war, war irgendwie der Notsitz auf dem Präsentierteller in der Mitte des Busses, also so ein Klappsitz. kc: [1:32:40] Und das ist halt irgendwie zu meinem Standardplatz geworden, wo ich dann jeden Morgen saß und es fühlte sich so schrecklich an, irgendwie jeden Tag von allen Leuten da beobachtet zu werden, weil alle anderen natürlich so in Reihen hintereinander gesessen haben, außer ich. Ich gucke so in die Menge und alle Leute gucken da auf mich. Und ich wollte eigentlich da einfach nur meine Ruhe haben. Aber gut, dann war ich meistens auch irgendwie so 30 Minuten, bevor die Schule anfängt, tatsächlich auch schon im Gebäude. Da war es dann noch relativ ruhig. Und das habe ich dann meistens auch einfach genutzt, um mich da zu entspannen, um weg von der ganzen Masse zu sein. Was wahrscheinlich auch irgendwie zu meinem Image als Einzelgängerin sehr gut da beigetragen hat. Und ab und zu mal habe ich mich dann dazugesellt zu so einer anderen Gruppe, was mich meistens auch irgendwie überfordert hat, weshalb ich da in Gesprächen nicht so teilnehmen konnte. Aber dann so später habe ich zum Glück eine Person kennengelernt, der es relativ ähnlich ging und die dann diese Zeit mit mir zusammen verbracht hat und wo wir uns auch einfach mal anschweigen konnten, abseits von allen. Sehr, sehr hilfreich. Ich weiß nicht, ob sie es hört, aber falls ja, viele Grüße, Mira. Wir können ja mal wieder schreiben. kc: [1:34:07] Ja, das war mein Schulweg. Jeden Tag anders, absolut unplanbar. Mit meinem Autismus absolut nicht vereinbar. Für meine Sehbehinderung anstrengend, weil alles immer unplanen bedeutete. Auch die ganzen Raumwechsel, die es teilweise gab, waren so schwierig und so anstrengend für mich, weil ich halt nicht meinen Standard-Sitzplatz haben konnte, den ich mir wohlüberlegt ausgesucht hatte von Lichtbedingungen und so weiter und von Ruhe. Und manchmal hatte ich tatsächlich auch Fächer im selben Raum, der gute alte Raum 418, da erinnere ich mich gerne dran. Da habe ich wahrscheinlich so zehn Unterrichtsstunden die Woche verbracht in der Oberstufe. Da hatte ich in allen Fächern, die ich da drin hatte, einen unterschiedlichen Platz, weil Kursbelegung natürlich anders ist und das ist natürlich auch schwierig. bommel: [1:35:08] Ach so, wie weird. Ja, das kann ich halt so nicht, weil ich habe mein Abi, wir hatten nicht so ein Kurssystem, sondern wir hatten einen festen Klassenverband. Das hat schon auch wenigstens geholfen, außer in Fremdsprache. Aber da hatten wir dann wenigstens halt immer denselben Raum. kc: [1:35:29] Ja, nee. Festen Klassenverband hatten wir gar nicht. Unsere Klasse war einfach nur einer der Leistungskurse, womit man dann so organisatorisches Zeug gemacht hatte. Und wir haben die immer Stammkurse genannt. bommel: [1:35:43] Ja, das war bei uns auch ganz anders, weil ich hatte jedes Fach, also wir hatten Haupt- und Nebenfächer und alle Hauptfächer waren halt grundsätzlich immer auf Leistungskursniveau und inhaltlich waren es die Nebenfächer, glaube ich, auch, nur halt nicht von, ich glaube, es sind Themen weggefallen dann und wir haben uns nur für die Abi-Prüfung dann entschieden, was wir inhaltlich auf Grundkursniveau runterstufen. kc: [1:36:08] Schul-Systeme, so seltsam. bommel: [1:36:11] Es ist so weird auch einfach so, dass es überall so anders ist. kc: [1:36:16] Ja, meine Leistungskurswahl war auch irgendwie sehr stark durch diese Erfahrungen geprägt tatsächlich, die ich in der Mittelstufe gemacht habe. Und ich habe gewählt nach, wo muss ich wahrscheinlich am wenigsten Aufwand reinstecken, um inhaltlich arbeiten zu können. bommel: [1:36:37] Das ist so scheiße. kc: [1:36:40] Nicht, wo muss ich wenig lernen, sondern wo muss ich wenig Zeug machen. Und ja, so kam es, dass ich dann Deutsch, Englisch und Sozialkunde als meine Leistungsfächer gewählt habe. Was für ganz, ganz viele Leute die absolut einfachste Kombination war, die man sich hätte vorstellen können. Also zumindest wurde mir das da immer gespiegelt. Und gerade der Sozialkunde-Leistungskurs, der wurde sehr gerne von vielen Menschen an der Schule auch als Restekurs bezeichnet, weil das nur Leute gewählt haben, die irgendwie seltsam sind. bommel: [1:37:18] Hä? kc: [1:37:20] Ja. bommel: [1:37:22] Also diese sozialen Hierarchien, das ist so, also ich, ja, erzähl weiter. kc: [1:37:27] Ja, aber da tatsächlich irgendwie klar zu kommen, war gar nicht so einfach. Weil, das habe ich am Anfang vollkommen unterschätzt war, was ich am Anfang vollkommen unterschätzt hatte, war, dass man da ganz viel Material braucht, für das es keine Repräsentation gibt in einer zugänglichen Form. bommel: [1:37:52] Oh Mist. kc: [1:37:53] Also seien es beispielsweise irgendwie Lektüren oder so, gerade in Deutsch hat man das ja häufig bei so antiken Werken oder so, dass es ganz, ganz viele unterschiedliche Übersetzungen gibt, aber die alle halt nur in jeweils einem Medium oder so. Also was es irgendwie gebunden gibt, gibt es nicht digital. Was es digital gibt, gibt es nicht gebunden. Und da überhaupt irgendwie Material zu finden und selbst klarzukommen damit, das hat so viel Zeit bei mir beansprucht, dass dieses Fach für mich letztendlich einfach überhaupt keine Freude gemacht hat und einfach so anstrengend war und ich alles daran gehasst hatte. bommel: [1:38:32] Würdest du dich ja zum Nachhinein dann für ein anderes Fach entscheiden? kc: [1:38:36] Ich würde mich nie wieder für einen Deutschleistungskurs entscheiden. Also ja, ich hätte wahrscheinlich viel, viel lieber Mathe gemacht, obwohl der Mathegrundkurs für mich auch schrecklich war, aber inhaltlich machbar. Also machbar war deutsch inhaltlich für mich genauso, aber so von allem drum und dran. so von, ja, mir fehlen die Worte dafür. bommel: [1:39:04] Da wo man aber auch einfach irgendwie schon mal, ja, ja, vom Materialaufwand und dem Extraaufwand, den du halt machen musst, um deine Behinderung auszugleichen, basically. Wo dir ja auch, das hattest du ja schon mal erzählt, wo dir ja auch einfach nicht vernünftig bei geholfen wurde, so. Ja. Ich wollte gerade irgendwas heute sagen dazu. Ja, erzähl weiter. Das, was du gerade ansprichst. kc: [1:39:24] Ist tatsächlich auch, warum ich dieses Thema für diese Folge vorgeschlagen hatte, weil ich das vor ein paar Monaten mal wieder rausgesucht habe und mal wieder geguckt habe, was ich da eigentlich gemacht habe und wie ich da eigentlich gekämpft habe. Und dann habe ich da auch in meiner Therapie mal drüber geredet und ich kam mit meiner Therapeutin dann irgendwie gemeinsam zu dem Entschluss, dass das mir wahrscheinlich helfen würde, da mal irgendwie größer drüber zu reden und ausführlicher drüber zu reden. Ja, here we are. bommel: [1:39:54] Ja, mir ist wieder eingefallen, was ich gerade noch dazu sagen wollte. kc: [1:39:57] Ja, dann mach das doch zuerst. bommel: [1:39:59] Weil ich finde, daran sieht man halt auch einfach, was Behinderung im Alltag letztlich auch bedeutet. Weil es geht halt nicht darum, welches Fach gefällt dir am besten, was möchtest du vielleicht später sogar beruflich machen, was interessiert dich einfach am meisten, sondern bei dieser Wahl spielen einfach so dermaßen andere Faktoren eine große Rolle, weil es für dich halt einfach so eine große Rolle spielt und weil es für dich so wichtige Themen sind. Das ist ja letztlich deine Wahl total eingeschränkt und beeinflusst hat. Und da hängen ja auch solche Sachen dann letztlich mit dran, wie ja, was für einen Abischnitt kann ich denn überhaupt erreichen und all so ein Kram halt. Und das hat halt natürlich einfach im Zweifel auch direkten Einfluss auf deine Zukunft. Und das halt nicht nur darauf, dass du dann halt irgendwie zwei Jahre Sozialkunde machen musst, obwohl es dir eigentlich keinen Spaß macht, sondern ja, letztlich auch so lebensentscheidend sein kann. Also nicht über Leben und Tod, aber über deinen Lebensweg so entscheidet. kc: [1:41:16] Ja, nee, es ist... Das ist auf jeden Fall so. Ich wollte auch was sagen, aber jetzt habe ich es wieder vergessen. Tut mir leid. Ja, aber jedenfalls, wie ich da gekämpft habe, wollte ich ja noch weitererzählen. So, ich hatte in meinem Deutschleistungskurs eben auch die Situation, wie ich sie gerade schon beschrieben hatte. Es wurde mit einer antiken Lektüre gearbeitet, mit einer speziellen Übersetzung davon, die es allerdings nur als gedrucktes Material gab. Womit ich nicht klarkomme oder nicht klarkam. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt nicht mehr mit einem Tischlesegerät gearbeitet, also mit irgendwie einem Kamerasystem, weil das dafür einfach nicht praktikabel gewesen wäre. So jede Doppelstunde irgendwie das in einen anderen Raum zu tragen, wegzuschieben, immer wieder aufzubauen, immer wieder abzubauen. Das habe ich eine Zeit lang in der Mittelstufe gemacht. Das ist auch nicht so toll, wenn alle Leute schon in die Pause gerannt sind, aber du noch irgendwie zwei Minuten brauchst, um da deinen Monitor und deine Kameras wegzupacken. bommel: [1:42:24] Also wie war das dann quasi, das Buch, was du hattest oder der Text, der wurde dann abgefilmt und dir auf einem Monitor vergrößert angezeigt? kc: [1:42:31] Genau, so war das. Das hatte ich dann halt in der Oberstufe nicht mehr, war halt nicht praktikabel so. Ja. Und dadurch, dass es dieses Material eben nicht digital gab, ich hatte mit einem Laptop gearbeitet, ich hatte immer einen Laptop vor mir, ich habe alles digital geschrieben, damit ich auch dann irgendwie zu Hause später noch irgendwie was lesen kann, weil meine Handschrift kann ich nicht lesen. kc: [1:42:58] Wäre es natürlich eine einfache Sache, ein Material zu nehmen, wo es einfach eine digitale Entsprechung gibt. Und so Ende der 2010er waren E-Books durchaus ein Ding, die auch textlich gleich zu den Printausgaben von verschiedenen Büchern waren, nur halt eben von dem ganzen alten Kram nicht. Und dann brauchte man irgendwie manchmal noch spezielle Annotationen vom Schulbuchverlag, wo es das dann nicht gab, womit man sich erstmal auseinandersetzen musste. Und das hat teilweise so lang gedauert, bis man dann da irgendwie Material hatte, dass das Thema im Unterricht schon wieder abgeschlossen war. Weil das geht halt nicht, dass du sagst, ja, ich schreibe da jetzt eine E-Mail an den Verlag und dann kriege ich das. Sondern da musstest du erstmal wieder Bedürftigkeitsnachweise hervorbringen und alles Mögliche generell handeln und erstmal herausfinden, wo das überhaupt geht. Und das habe ich gemacht, also habe ich immer wieder gemacht und kam da aber ab irgendeinem Punkt nicht mehr weiter und das war ganz am Anfang der, war ganz am Anfang meiner Oberstufenzeit in der 11. Klasse, wo es tatsächlich auch noch darum ging, kann ich jetzt hier versetzt werden in die tatsächliche Abiturstufe, schaffe ich die Orientierungsstufe durch. kc: [1:44:19] Dass ich mich dann da an meine Deutschlehrerin gewandt habe und sie drum gebeten hab, mir bitte da entgegenzukommen und irgendwie dieses Material für mich zugänglich zu beschaffen oder halt einfach was anderes zu nehmen für ihren Unterricht. Was sie aber partout nicht wollte und partout abgelehnt hat, was natürlich für mich bedeutet hätte, das hätte gar nicht funktioniert und ich hätte letztendlich da überhaupt keine gute Note erreichen können, die ich aber brauchte. bommel: [1:44:51] Das ist so kacke. kc: [1:44:52] Und das setzte sich dann fort tatsächlich in so eine Hassbeziehung, die, glaube ich, meine Deutschlehrerin auf mich und ich auf sie hatte, was natürlich auch absolut keine tolle Beziehung ist, um irgendwie gemeinsam miteinander zu arbeiten. bommel: [1:45:08] Ja, aber du warst halt eine 17-jährige Teenagerin und sie ist halt eine erwachsene Fachperson. Also das will ich mal auch ganz deutlich sagen. Wenn du dich ein bisschen weird verhältst in der Situation, ist es deine Jobbeschreibung in dem Moment als Teenagerin, als Lehrkraft, aber wirklich nicht. kc: [1:45:34] Ja, und dann kommen wir irgendwann auch an die Situation, wo sie mir in meinem Gesicht sagt, ich bin eine Belastung für sie und sie hasst mich. bommel: [1:45:44] Das geht gar nicht, das ist so, also das ist menschlich, widerlich, das ist so unprofessionell und es tut mir für dich so leid einfach. kc: [1:45:56] Ja, genau. Und das mündete dann darin, dass ich eine ganz, ganz lange E-Mail geschrieben habe, nachdem ich mir sehr, sehr viele Gedanken gemacht habe, wo ich wirklich so rational wie möglich versucht habe, diese Situation irgendwie darzulegen und auch darzulegen, dass sie rechtlich dazu verpflichtet ist, das zu machen, was ich von ihr möchte, was halt nicht geklappt hat. bommel: [1:46:20] Was war denn das Konkrete, was du in dem Fall von ihr wolltest? Also, dass sie dir hilft, das Material zu bekommen oder sich für was anderes zu entscheiden. kc: [1:46:30] Ja, und dass das halt bitte möglichst schnell passiert, dass ich im Unterricht mitmachen kann. Weil, so in Rheinland-Pfalz haben wir Mitarbeitsnoten und sie hat mir halt immer eine 5 gegeben. Also, drei Punkte. bommel: [1:46:43] Sympathisch. kc: [1:46:44] Ja. Ja, cute. Und wenn ich halt kein Material habe und nicht irgendwie so richtig mitkomme, so von der Beiarbeit, die ich halt habe und andere Leute nicht, dann hat das natürlich, wenn das so passiert ist, meinen Notenschnitt runtergezogen. Und das hatte ich natürlich auch bis zum Ende irgendwie in jedem einzelnen Fach. Aber ich hatte da nicht wirklich die Möglichkeit zu sagen, ja guck mal, ich habe hier so viel Beiarbeit, was andere irgendwie nicht machen müssen. Ich sitze hier die ganze Zeit, bin komplett überreizt und komplett überstimuliert. Jetzt willst du auch noch von mir, dass wenn du eine Frage in den Raum stellst, ich sofort mich melde und sofort was Brauchbares dazu sage. Das ist halt nicht, wie solche Szenarien für mich funktionieren. Die haben in der Mittelstufe vielleicht noch ganz gut funktioniert, wo es beim Melden mal darum ging, irgendwie einen Text vorzulesen oder mal eine einfache Aufgabe zu lösen, aber in der Oberstufe dann nicht mehr, wo es halt alles ein bisschen komplexer war. bommel: [1:47:52] Willst du von der E-Mail noch mehr erzählen? kc: [1:47:56] Ich weiß nicht so ganz. Ich glaube, wir müssen über diese E-Mail nochmal eine eigene Folge machen. Vielleicht kann ich sie dann da vorlesen. Aber letztendlich ging es mit dieser E-Mail halt so weiter, dass sie sich extrem persönlich angegriffen gefühlt hat dadurch und sich nicht ernst genommen gefühlt hat in ihrer Rolle und in Frage gestellt, vollkommen. Also von meiner Seite aus zu Recht. Aber das sorgte halt auch nicht für Verbesserung in der Situation. Und ihre Reaktion darauf oder ihr Vorschlag daraufhin war dann so, ja, dann hol dir doch einen Scanner und scann das Material ein. So, wo diese Bildung halt wieder gegelt gibt wurde hinter irgendeiner finanziellen Ausgabe die man überhaupt erstmal machen muss und ich war nicht in der Situation, wo ich meinen Eltern erklären konnte, ja um dieses eine Buch jetzt einzuscannen brauche ich jetzt hier Hardware, die 300 Euro kostet, wo ich mein Handy habe mit dem ich jeden Tag irgendwie fast das gleiche mache weil ich es muss so. kc: [1:49:06] Und das Ganze ist dann weiter eskaliert worden Richtung Schulleitung. Es gab dann da auch diverse Treffen, wo man sich unterhalten hat und überlegt hat, wie man das lösen sollte. Und das Outcome von einem so einem Treffen war, dass ich mal eine Liste machen sollte mit Dingen, die mir helfen würden, die mich unterstützen würden. Und diese Liste habe ich dann sehr, sehr gewissenhaft angefertigt und an die Schulleitung gegeben, mit denen besprochen. Und die wurde dann unter allen meinen Lehrpersonen verteilt, manche fanden das gut, manche fanden das eher nicht so gut, weil es stressig war, aber umgesetzt von den Sachen, die tatsächlich mega einfach waren umzusetzen hat keine einzige Person überhaupt jemals gemacht. bommel: [1:49:55] Hast du ein Beispiel dafür, was für einfache Dinge das sind? kc: [1:49:59] Ja, das waren zum Beispiel so Dinge wie, ja, sagt doch bitte Bescheid, wenn ihr irgendjemanden dran nehmen wollt und guckt nicht nur so, weil ich sehe diesen Blick nicht. Oder wenn ihr jemanden dran nehmt oder mich dran nehmt, sagt doch bitte den zugehörigen Namen dazu. Oder wir haben in allen Klassenräumen Beamer, benutzt doch bitte die anstatt einen Overhead-Projektor an eine Wand. Weil einen Overhead-Projektor an eine Wand kann ich nicht sehen. Mit einem Beamer funktioniert es leichter. Oder schreibt nicht mit einer grünen Kreide auf eine grüne Tafel. bommel: [1:50:38] Ja, also solche Dinge waren das. Mir wäre, das zu bewerten, aber das sind wirklich einfache Sachen. Und auch da muss ich nochmal sagen, ich beneide keine Lehrkraft um diesen Job. bommel: [1:50:53] Das System Schule ist beschissen und die sind halt auch in dem System. Und die Lehrkräfte sind chronisch überfordert, von denen wird viel zu viel verlangt. Das ist Fakt. Aber... bommel: [1:51:08] Die können ja diese chronische Überforderung auch nicht einfach an dich durchreichen oder dir deine grundlegenden Menschenrechte verwehren, nur weil sie an anderer Stelle halt krass überfordert sind. Und das sind ja wirklich super einfache Sachen, wo man sagen muss, ganz ehrlich, ich wäre die erste Person, die halt vergisst, den Namen zu sagen, wenn ich da eine Person dran nehme oder so. Aber an sowas kann man ja auch arbeiten oder man baut sich halt selber Hilfsstrukturen wie, keine Ahnung, dann muss halt jedes Schüli vor sich so ein Namensschild aufstellen, damit ich irgendwie visuell als Lehrkraft daran erinnert werde. Ja, hier Namen spielen eine Rolle, ich muss den sagen. Da gibt es ja tausend Möglichkeiten, damit umzugehen. Und auch da, du beschwerst dich ja auch hier gerade nicht darüber, dass das ab und zu mal nicht geklappt hat, sondern du beschwerst dich zu Recht ja darüber, dass es gar niemand überhaupt versucht hat konsequent. Und das finde ich auch einfach, ich finde das richtig eklig. Also nicht, dass du dich beschwerst, sondern dass man so auf die Bedürfnisse von anderen scheißt. kc: [1:52:31] Ja, nochmal zurückzukommen zu dem E-Mail-Thema und dem Deutsch-Thema. Ich habe besagte Hardware nicht gekauft, ich habe keine Unterstützung bekommen. Ich habe in dieser Klausur fünf Punkte geschrieben, was das Minimum gewesen wäre, mit dem ich bestehen konnte, mit dem ich versetzt werden konnte. Und auch diese fünf Punkte habe ich nur geschafft, weil ich es irgendwie hinbekommen habe, mich im Unterricht so sehr darauf zu konzentrieren, was gesagt wird und das auswendig zu lernen, dass ich irgendwas dahin schreiben konnte. bommel: [1:53:09] Das ist so absurd. kc: [1:53:11] Ja. Okay, so, aber ja, fünf Punkte und drei Punkte mündlich ergeben dann halt vier Punkte. Vier gewinnt, haben wir immer gesagt. Und das zog sich dann irgendwie auch durch meine ganze Oberstufenzeit. Vier gewinnt. bommel: [1:53:31] Ja, cool. kc: [1:53:33] Und so habe ich es dann durchgeschafft. Mit diversen Nachteilsausgleichen, die ich aber auch immer irgendwie wieder extra besprechen musste, die nie irgendwie fest waren, was alles irgendwie enorm viel Verwaltungsaufwand auch gewesen ist, wo nicht klar war, beispielsweise in welchen Raum ich gehe, wenn alle anderen auch fertig sind mit Schreiben, weil ich habe ja 30% Zeitzugabe meistens gehabt. kc: [1:53:59] Weil ich die einfach gebraucht habe, weil ich meine eigene Handschrift halt nicht lesen kann oder sehr, sehr schlecht lesen kann, und einfach die Die Unplanbarkeit von solchen Dingen und die Unfestgesetztheit von solchen Dingen haben für mich einfach so viele Barrieren da zementiert, dass ich innerlich sehr, sehr schnell aufgegeben habe, da wirklich irgendwie gegen zu kämpfen und wirklich was zu tun, damit ich mehr und besser lernen kann aus diesem System. Und für die drei Jahre meiner Oberstufenzeit hat es für mich quasi immer vollständige Überlastung bedeutet, weil ich halt nicht einfach inhaltlich arbeiten konnte, sondern auch wenn ich nach Hause gekommen bin, nach einem langen Schultag, mir dann erstmal irgendwie wieder das Zeug zugänglich machen musste, um diese Barrieren, die mir da in den Weg gelegt wurden, auch bewusst in den Weg gelegt wurden, drumherum zu arbeiten, um überhaupt damit zurecht zu kommen. kc: [1:55:04] Und diese Belastung dann nicht mehr zu haben, das war Anfang 2020, wo ich ausgezogen bin von zu Hause, das war so lebensverändernd für mich und das hat sich so gut angefühlt. Nur, dass ich dann mit der Uni gleich wieder in eine ähnliche Struktur reingerutscht bin, wo das wieder ganz genauso war. Über die Uni haben wir auch schon mal eine Folge gemacht. Ja. bommel: [1:55:30] Ich finde das auch so krass, weil ich glaube, für voll viele Leute ist es halt so ein, ja, Schule war für uns alle anstrengend und wir haben ja alle unser Päckchen zu tragen und so, aber man muss ja auch mal ganz klar sagen, ich will dir da jetzt keine Worte in den Mund legen oder so. Also du kannst auch ganz ehrlich dann auf jeden Fall sagen, wenn sich das für dich kacke anfühlt, dass ich das gerade sage, aber das sind ja so Sachen, die auch so viel mit dem Selbstwert machen und so viel überhaupt mit dem Gefühl, okay zu sein in der Welt, weil du ja wirklich, also ich weiß, dass das ganz viele Jugendliche haben und dass das in gewisser Hinsicht ein relativ universelles Erleben ist für Jugendliche. bommel: [1:56:22] Aber so explizit und gewaltvoll jeden Tag gezeigt zu bekommen, dass man einfach nur eine Mehrbelastung ist und einfach nur anstrengend und dass es, quasi für alle besser wäre, wenn du irgendwie nicht da wärst oder einfacher oder was auch immer. Das ist ja so niederschmetternd einfach und so, boah, also das ist ja so existenziell auch. Das tut mir so unendlich leid. Das finde ich wirklich unglaublich, dass solche Sachen irgendwie nicht mitgedacht werden von pädagogischem Fachpersonal. Und da denke ich mir halt auch so, ja, die haben Stress, die haben es nicht leicht. Schule ist ein weirder Ort für alle. Aber erstens haben die sich selber dafür entschieden, da zu sein, im Gegensatz zu dir. bommel: [1:57:23] Und zweitens habe ich doch einfach auch, also sorry, warum mache ich den Job denn? Ich mache den Job doch auch, weil ich irgendwie eine Sorge und eine Zugewandtheit habe für Kinder und Jugendliche. Und wie kann ich denn, selbst wenn die nervig sind, selbst wenn die anstrengend sind, selbst wenn ich die einfach vielleicht auch manchmal nicht mag, ist ja menschlich, Aber wie kann ich mit denen dann so umgehen und einfach so das in Kauf nehmen, deren kompletten Selbstwert zu schreddern? bommel: [1:57:57] Einfach nur aus, ist mir ein bisschen zu viel, will ich mich nicht mit beschäftigen, ich bin auch irgendwie überfordert. Da habe ich wirklich, das finde ich überhaupt nicht okay. Ich wollte gerade sagen, da habe ich kein Verständnis für. Also ich meine, ich verstehe, wie es dazu kommt, aber das ist ja so dermaßen nicht okay. kc: [1:58:17] Ja, in solcher Dinge halt jede Woche, jeden Tag, jeden Monat immer irgendwie was Neues. Und es gibt nicht wirklich sinnvolle Unterstützung, weil du halt keine Allies hast. bommel: [1:58:29] Das ist so scheiße. kc: [1:58:32] Ja, hatte ich wirklich tatsächlich irgendwie in jedem Fach irgendwie eine ähnliche Erfahrung wie die. Bloß, dass das halt jetzt irgendwie so die ist, die mir ja jetzt so im Nachhinein immer noch sehr, sehr bewusst vor Augen ist und an die ich wirklich immer wieder denken musste, eben auch, weil da explizit eben diese Äußerung gefallen ist, dass ich eine Belastung bin und dass das alles viel zu kompliziert ist und so nicht gehen würde. kc: [1:59:02] Und ich bin an dem Tag nach Hause gegangen und habe geheult. Natürlich. Was soll ich denn in dieser Schule, warum soll ich da hingehen, wenn niemand mein Dasein überhaupt ernst nimmt, wenn niemand überhaupt akzeptiert, dass ich da bin und gerne lernen möchte, wenn sich in so einer Situation niemand so richtig für mich einsetzt und wirklich einfach mal exakt das vertritt, was ich fordere. Kompromisse kann man dann ja immer noch suchen. Aber dann halt wirklich einfach da komplett alleine zu sein und komplett in dieser Rolle zu sein, überhaupt erstmal allen beibringen zu müssen, worauf es eigentlich ankommt. Allein diese Liste, die ich gemacht habe an Dingen, das ist doch keine Aufgabe, die man einer 17-jährigen Schülerin da gibt, damit die mitmachen kann. Ich verstehe es nicht. kc: [2:00:03] Sicherlich ist es eine ungewohnte Situation, wenn du mich dann da in deiner Klasse sitzen hast. Ich komme als Jahrgangsbeste von einer Mittelstufe in die gymnasiale Oberstufe. Also ich wirke extrem kompetent, ich komme mit dem Inhalt zurecht, aber mit allem anderen halt nicht. Aber alles andere, wenn ich dir das zeige und erkläre und outpointe, ist halt sofort ein Problem. Ich bin einfach sehr, sehr müde, was das angeht. bommel: [2:00:40] Ja. Und da muss man ja auch ganz klar sagen, ich finde es tatsächlich auch sehr menschlich von dieser Lehrkraft, dass sie dann einfach sagt, das ist einfach anstrengend und belastend. Weil, kann sich für sie ja auch so anfühlen. Aber du bist ja wirklich der letzte Ort, an dem sie das besprechen sollte. So, wofür hat die denn Kollegen oder so? Also das ist ja auch so, ich sag ja gar nicht, weil wie gesagt, auch die leben in dieser ableistischen Welt, wo Behinderung immer grundsätzlich als was Anstrengendes, mehr Aufwand und so weiter wahrgenommen wird, weil die Strukturen halt auch gar nicht dafür da sind. Deswegen so das Gefühl an sich ist ja irgendwo menschlich, aber da kannst du ja nichts für. Also du bist ja nicht der Auslöser für dieses Gefühl in dem Moment, aber du bist ja nicht die Ursache. Und dass man das so vermischt, das ist einfach nicht okay. kc: [2:01:48] Ja, ich war halt immer irgendwie das Extra, aber nie ein Puzzlestück. Ich war der Drink zum Puzzle. bommel: [2:01:58] Der Drink? Hast du Drink gesagt oder habe ich das falsch? kc: [2:02:04] Ja, der Stinkdrink zum Puzzle. bommel: [2:02:09] Oh Mann. Ja, das tut mir total leid. kc: [2:02:16] So hat sich das angefühlt. bommel: [2:02:19] Kann ich verstehen. kc: [2:02:20] Ja, solche Situationen gab es nicht nur mit Lehrkräften, sondern auch mit anderen SchülerInnen, wo irgendwie Zeug auf mich draufgeworfen wurde. So Abi-Beiplanung, ich glaube, das hatte ich ja auch schon mal erwähnt. bommel: [2:02:33] Ah warte, Zeug auf dich draufgeworfen, physisch oder halt im übertragenen Sinne? kc: [2:02:36] Im übertragenen Sinne. bommel: [2:02:39] Ach so, weil ich… Ja. kc: [2:02:40] Physisch, da können wir wahrscheinlich in einer anderen Folge nochmal reden, Mobbing gab es natürlich auch, aber ich meine jetzt so im übertragenen Sinne an zusätzlichen Aufgaben. bommel: [2:02:49] Okay, naja. kc: [2:02:50] Ja, Leute waren dann wie, ja, deine Situation ist so special, komm doch mal in die SchülerInnenvertretung, mach doch mal hier mit, kannst du nicht mal dieses, kannst du nicht mal jenes, du bist so kompetent, ich muss morgen einen Vortrag machen, kannst du mir eine PowerPoint machen, du machst das immer so gut und ich bin halt auf alles davon reingefallen. Was heißt reingefallen? Ich habe mich von allem überreden lassen. Ich habe alles gemacht. bommel: [2:03:15] Hä, natürlich. Aber das ist doch auch logisch, weil das ist doch deine, also du kriegst nirgendwo Teilhabe. Teilhabe wird dir konsequent immer überall verwehrt. Und dann kommt eine Person und sagt so, ja, aber das könntest du mal für mich machen. Hier könntest du mal mitmachen. Natürlich machst du das, weil du hast ja nicht weniger das Bedürfnis nach Gemeinschaft, nach Gemeinsamkeit, nach Bindung und Beziehung als andere. Und wenn das das Einzige ist, was dir angeboten wird, natürlich gehst du darauf ein. Es ist ja nicht umsonst so, dass halt vor allem auch autistische Personen, aber halt auch behinderte Personen halt so viel mehr Missbrauch erfahren in ganz unterschiedlichen Ausprägungen. Und das ist ja alles, also für mich ist es nur, das ist zwar so meine Küchenpsychologie, aber für mich ist das halt nur logisch, dass wenn du so ausgehungert bist nach Verbindung, dass du dann auch diese Verbindungsangebote annimmst, selbst wenn sie scheiße sind und selbst wenn sie eigentlich dir irgendwie schaden. kc: [2:04:22] Ja, da schließt sich der Kreis, da sind wir wieder an dem Punkt angekommen, wo du die Mathe-Nachhilfe für die Klasse abgelehnt hast. Das wäre mir so wahrscheinlich nicht passiert. bommel: [2:04:34] Ja, da muss ich aber sagen, das wäre mir in der Mittelstufe auch nicht passiert. Also ich habe super lange alles so gemacht und alles, was ich so an Mobbing erfahren habe und so, ist halt mehr so Grund- und Mittelstufe gewesen und in der Oberstufe ging das halt voll. Und da hatte ich auch einen sehr festen Freundeskreis, also ob das jetzt alles Freund*innenschaften sind oder waren, das steht nochmal auf einem anderen Blatt. Das waren jetzt auch nicht nur Leute, die mir halt gut getan haben, aber ich hatte ein soziales Umfeld völlig außerhalb der Schule durch so Bands, Konzerte und so weiter, Leute, die Musik gemacht haben und so. Und ich sah jetzt gar nicht, dass ich da mega inkludiert war. Da war ich auch immer so ein bisschen so eine weirde Maus irgendwie. Da gab es auch einige Leute, die mich echt scheiße fanden. Aber das war halt anders. Und dementsprechend war Schule nicht mehr mein einziger sozialer Raum, sondern ich hatte außerhalb der Schule meine Bindung und Beziehung. Und das hat mir auf jeden Fall extrem dabei geholfen, da nicht jeden Scheiß mitzumachen. bommel: [2:05:55] Sondern sowas halt auch mal abzulehnen, auch wenn ich genug schlechte Erfahrungen oder schlechte Erlebnisse da trotzdem noch mit eingesammelt habe irgendwie. Aber insofern hatte ich da einfach irgendwie, ich weiß auch nicht, Glück. kc: [2:06:08] Ja, ich hatte das halt gar nicht durch diese ganze viele Belastungen, weil ich halt jedes Mal, wenn ich aus der Schule gekommen bin, jeden Tag, Sofort an meinen Schreibtisch gewandert und war dann da für den restlichen Tag. Und ich hatte keine Hobbys, ich hatte keine anderen Beziehungen, ich hatte keine Freund*innschaften, außer halt ein kleines bisschen online. Aber das war jetzt auch nicht irgendwie so, dass das wirklich meinen Alltag irgendwie bestimmt hat oder dass ich mich wirklich darauf freuen konnte. Sondern ja, das war halt einfach noch da aus Notwendigkeit, aber nicht, weil wirklich Zeit oder Aufmerksamkeit dafür hätte da sein können ja, gut, es gibt so viel, worüber wir noch reden können wir haben ganz viele Punkte, die wir uns hier aufgeschrieben haben gar nicht angefasst aber wir nehmen dir einfach mit ja. bommel: [2:07:08] Es ist ja auch überhaupt nicht schlimm also. kc: [2:07:10] Sind jetzt schon wieder über zwei Stunden hier. bommel: [2:07:14] Ach wirklich? kc: [2:07:14] Ja. bommel: [2:07:16] Aber nicht so viel über zwei Stunden. Vielleicht ist nach dem Schnitt dann knapp unter zwei. Ich bin gespannt. kc: [2:07:22] Na, das glaube ich nicht. bommel: [2:07:25] Aber ich finde es trotzdem auch schön, da mal so ein bisschen drüber zu sprechen und das alles so ein bisschen aufzuarbeiten und auch noch mal so ein bisschen Revue passieren zu lassen. Ich habe in meinem Leben natürlich auch schon in Therapien auch viel, das war einer der Punkte, die ich aufgeschrieben habe, das kann ich sicherlich in einer anderen, Folge auch nochmal ausführen, aber Schule war mit einer der Gründe, warum ich mal eine Traumatherapie gemacht habe. Natürlich habe ich da ganz viel bearbeitet und so, aber man lernt ja auch dazu, man entwickelt sich weiter und insofern ist es halt trotzdem auch nochmal neu für mich auch, das zu reflektieren irgendwie und darüber zu sprechen. Von daher finde ich das überhaupt nicht schlimm, wenn das auch einfach ein bisschen Raum einnimmt. kc: [2:08:09] Ja, ja. Gut, dann würde ich sagen, wir machen zu für heute. bommel: [2:08:14] Machen wir zu. kc: [2:08:15] Dankeschön, liebe Menschen, dass ihr zugehört habt. Wie immer freuen wir uns. bommel: [2:08:18] Wir warten auf die Lieferung mit dem kinetischen Sand. Ja. E-Mailadresse dafür könnt ihr, oder Lieferadresse erfahrt ihr unter, sag. kc: [2:08:28] In den Shownotes. bommel: [2:08:31] Hä, nein, ich schreibe doch keine Lieferadresse in die Shownotes. Ich dachte, du sagst jetzt unsere E-Mail-Adresse. kc: [2:08:38] Ich habe mich so ich habe mich so bereit gemacht auf mein typisches Outro. bommel: [2:08:43] Ja, es tut mir leid. Ich habe es gemerkt und ich bin richtig reingegrätscht. Ich lasse dich in Ruhe das Outro machen. Bommel out. Stage is yours. kc: [2:08:54] Wenn ihr kinetischen Sand habt oder auch nicht, schreibt uns gerne und auch eure Erfahrungen, die ihr selbst mit eurer Behinderung in eurer Schulzeit machen musstet. Das interessiert uns sehr. Und wir haben ja jetzt schon gesagt, wir machen da auf jeden Fall noch eine Folge. Vielleicht können wir diese Erfahrungen dann da irgendwie mit reinnehmen und die auch mal ein bisschen beleuchten. Fände ich auf jeden Fall richtig, richtig cool, auch um diese ganzen Sachen, über die wir heute geredet haben, so in Kontext zu setzen. Und das könnt ihr sehr gerne machen unter dieser Folge auf all-glitches-welcome.de. Das ist unsere Website. Da findet ihr ja jede Folge. Natürlich auch in eurem Podcatcher. Oder ihr schreibt uns eine E-Mail, ganz klassisch, an glitches@consible.de. Das buchstabiert man c-o-n-e-s-i-b-l-e.de und Glitches wie im Titel dieses Podcasts. Und da freuen wir uns wirklich sehr, genauso wie über eine Bewertung auf der Podcast-Plattform Eurer Wahl. Danke für diese tolle Folge bommel. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht. bommel: [2:09:50] Ja, ich danke dir. kc: [2:09:51] Trotz der Schwere der Themen heute. bommel: [2:09:54] Voll. Und danke dir für das Outro. Das machst du ja wirklich. In jeder Folge machst du das richtig gut. Und ich bin total froh, dass ich das nicht machen muss, weil das wäre eine absolute Katastrophe. Das kann man ja auch nochmal kurz sagen. Ich schreibe die Shownotes und ich glaube, es hat irgendwie zehn Folgen gedauert oder so, bis ich irgendwann konsequent mal die richtige E-Mail hatte, die es in den Shownotes stehen hat. Und du die nicht korrigieren musstest. Also wir können alle froh sein, dass Casey das macht und dass sie das so gut macht. Und jetzt bis zum nächsten Mal und auch danke an dich für diese schöne Folge. Ich hatte auch Spaß. kc: [2:10:29] Tschüss, bis in zwei Wochen. bommel: [2:10:32] Tschüssi.