bommel: In dieser Folge All Glitches Welcome wird es ziemlich politisch. Wir sprechen über den Disability Pride Month. Wir geben euch aber auch unsere besten Tipps, wie wir mit der Hitze klarkommen und wir reden sehr viel über ein paar politische Dinge, die in der letzten Zeit passiert sind. Ganz viel Spaß mit der neuen Folge. Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge All Glitches Welcome mit mir, einem besänftigten bommel und dir? kc: Der kabellosen Casey. Hallo Bommel. bommel: Warum bist du kabellos? Ist das neu? kc: Ich bin kabellos, weil ich heute mit meinem Laptop aufzeichne, der nicht an den Strom angeschlossen ist. bommel: Ah, das heißt, wir müssen nach einer Dreiviertelstunde cutten oder so dann? kc: Nee, also der Akku hält schon eine Weile. Okay, ich bin gespannt. Also, alles gut. Nee, deswegen bin ich kabbellos. Und warum bist du besänftigt? bommel: Weil es nicht mehr so warm ist. Wobei ich sagen muss, es ist so komisch schwül. Ich habe auch echt immer so ein bisschen Probleme mit so bestimmten, Luftdruckbereichen. Und heute ist für mich so richtiges Kopfschmerzwetter. Das ist super unangenehm. Aber es ist trotzdem besser als über 30 Grad in der Wohnung. kc: Ja, boah, die letzten Tage, das waren so schlimm. bommel: Es war so hart, es war so hart, aber also da wollen wir nachher auch nochmal ein bisschen drüber sprechen. Aber das ist ja erstmal auch nochmal ein paar andere Themen mitgebracht, da bin ich auch schon ganz gespannt drauf. kc: Ja, es ist eine Menge passiert in der letzten Woche. bommel: Oh, es ist ja auch Happy Disability Pride Month. kc: Ganzer Monat, nur für uns. bommel: Und das, nachdem der letzte Monat schon für uns war. Ja, so viel Pride. kc: Alles Gute zu diesem tollen Monat. bommel: Ja, vielen Dank dir auch, aber da werden wir nachher auch noch mal ein bisschen drüber sprechen. kc: Ja, ganz viele verschiedene Sachen heute. bommel: Ja. kc: Wie immer. bommel: Ja. kc: Fangen wir doch einfach mal an mit dem Vorgeplänkel. bommel: Yes, let's go. kc: Und heute ist es ja sehr newslastig. Und ich habe mir gedacht, wir können hier tendenziell einfach mal ein bisschen drüber reden, was so in der Politik die letzten zwei Wochen über passiert ist, was bezogen auf das Thema Behinderung eben so abging. kc: Denn da gab es einiges. Zum Beispiel hat der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband, der DBSV, seinen Verbandstag abgehalten. Also seine vierjährliche Mitgliederversammlung, wo dann irgendwie Präsidium und so weiter gewählt werden. Und die machen das ganz gerne so, dass die auch immer einen Teil davon öffentlich machen. Und dieses Mal haben sie das gelivestreamt. Und in diesem öffentlichen Teil gab es eine Diskussionsrunde. Und das fand ich besonders spannend. Mit Bärbel Bas, also der Bundesministerin für Arbeit und Soziales, mit Verena Bentele, die ist die Präsidentin vom Sozialverband VdK, und Jürgen Dusel, der ist der Beauftragte der Bundesregierung für behinderte Menschen. Und damit haben sie auch geworben. Ich habe es leider verpasst, aber ich glaube nicht, dass die da irgendwas Großartiges diskutiert haben, Weil allein diese Einladung ist für mich halt so ein Kopfkratz-Moment. Warum würde man als Verein oder als Verband, der politische Forderungen stellt, PolitikerInnen zu sich einladen und die als einzige auf der Bühne sprechen lassen? bommel: Ja, das ist wirklich ein bisschen merkwürdig. Ist dann wenigstens die Präsidentin des VdK irgendwie brauchbar so als Interessensvertretung? kc: Naja, der VdK an sich hat jetzt auch nicht unbedingt viel gerissen in den letzten Jahren. bommel: Ja, das auch Diskussions-Nen, das ist, ich, nee, also früher habe ich so Diskussions-Panels irgendwie noch ganz gerne mir auch angehört und so. Aber ich kann mich an kaum ein Panel erinnern, wo wirklich was Gutes bei rumgekommen ist. Also ja, manchmal sitzen da halt sehr kluge Leute und sagen sehr kluge Sachen. Aber am Ende ist es dann trotzdem fraglich, was das irgendwie bringt. Außer ja, wir haben da jetzt mal drüber geredet und die wahren Dinge, die die eine Person mit eingebracht hat, die interessieren dann doch am Ende wieder niemanden so wirklich. kc: Ja, naja, vor allem auch, wenn du halt solche Leute einlädst, die halt an den Schaltstellen der Macht sitzen. Also die Bundesministerin, die mal Bundestagspräsidentin war und der Beauftragte der Bundesregierung für Menschen mit Behinderung. Das sind halt irgendwie so Personen, die will ich auf solchen Veranstaltungen gegrillt sehen. bommel: Ja, ja, genau. Das war auch so der Gedanke, den ich hatte. Man kann hier schon einladen, aber dann braucht es halt auch irgendwie ein, Gegengewicht ist vielleicht das falsche Wort, aber halt irgendjemanden in der Funktion, die auch herauszufordern und die Forderungen, zum Beispiel des Blinden- und Sehbehindertenverbands oder behinderten Menschen generell, einfach vernünftig anzubringen. Bei Bärbel Bas wird es nicht tun. kc: Ja, jetzt sind wir ja hier in der Position, dass irgendwie Verena Bentele und Jürgen Dusel, also der Beauftragte, selbst sehbehindert sind. Und das ist sehr, sehr witzig, weil sie auf diesem Event natürlich in ihrer anderen Rolle existieren, als tatsächlich einfach Mitglieder mit politischen Forderungen des DBSV. Und das finde ich halt einfach so spannend, wie man auf die Idee kommt, solche Leute auf solche Panels zu setzen und die halt nicht beispielsweise einfach zu ModeratorInnen von solchen Gesprächen zu machen. bommel: Kann man das noch nachgucken? kc: Das habe ich noch nicht rausgefunden, leider. Ich gehe mal nicht davon aus. Aber ich glaube, was inhaltlich bei diesem Panel gesagt wurde, ist halt auch wirklich egal, so grundsätzlich. Und ich glaube, da stimmen mir ganz viele Leute nicht zu, wenn ich das so sage. Und ganz viele Leute finden das jetzt auch nicht unbedingt problematisch, dass da so viele prominente Namen sind. aber letzten Endes ist das halt nicht mehr als prominente Namen. Wenn alle diese Leute wirklich irgendwie daran interessiert wären und wirklich irgendwie Möglichkeiten und notwendige Macht hätten, dann hätten die in den letzten Jahren allesamt viel mehr erreichen können, gerade auch unter der Ampel. Aber haben sie halt nicht. Und deswegen sehe ich es als extrem schade, also als extrem fatales Signal auch. kc: Solche Panels auszurufen. Und ich weiß, ich wiederhole mich gerade, aber das bringt doch einfach nichts. Außer, dass dieser Verband sich dann mit ein bisschen hochrangigen Namen schmücken kann. So, ja, hier, guckt, wir werden angehört. So, die Bundesministerin für Arbeit und Soziales war bei uns. Er hat mit uns gesprochen. Wie toll. Und das ist ja letzten Endes nichts anderes, als, da haben wir auch schon mal drüber geredet, dass irgendwie Bodo Ramelow auf einer Bühne steht und zum Protesttag am 5. Mai irgendwas sagt. Das ist genauso problematisch und genauso ein großes Problem und glaube ich auch genauso ein großes Symptom dafür, dass die deutsche Behindertenbewegung, so wenig radikalisiert ist und sich eben so sehr auf Bestandsstrukturen stützt, in denen es quasi unmöglich ist, irgendwas zu ändern. bommel: Ich bin gerade dabei, nochmal zu schauen. Also auf YouTube habe ich nichts gefunden. Also das wäre ja auch was, gerade wenn man das gestreamt hat, könnte man das ja einfach so nehmen dann und dann danach auf YouTube packen. Und es gibt aber einen Instagram-Beitrag dazu, zum Thema Schwerpunkt Sozialpolitik. Andreas Bethke, Bärbel Bas, Hans-Werner Lange, Jürgen Dusel und Verena Bentele. So, was steht hier? Nach der Begrüßung durch Dr. Thomas Krämer und einem Statement von DBSV-Präsident Hans-Werner Lange, folgte der Austausch mit Bundesarbeitsministerin, Da ist auch gar keine Diskussion mehr, sondern nur noch ein Austausch. Bärbel Bas, gemeinsam mit Verena Bentele und Jürgen Dusel, wurden aktuelle sozialpolitische Themen und die Belange von Menschen mit Behinderungen diskutiert. Finde ich auch schön. Also generell gab es wohl halt diesen Schwerpunkt auf Digitalisierung und es gibt einen Kommentar unter dem Beitrag und dieser Kommentar lautet, und was bringts? Da muss ich ja ein bisschen drüber lachen. kc: Das finde ich einen sehr tollen Kommentar, weil der ja genau das aussagt, was ich jetzt hier sagte und was bringt. bommel: Es ist auch, ich finde halt auch, es ist so schade, weil dieser ganze Post, wir können ihn ja in den Shownotes auch nochmal verlinken, der hat 0,0 Inhalt. Also dieser Post besteht aus Bildern von den Personen, die gesprochen haben und darunter steht dann immer Grußwort von XY, Grußwort von dem und dem, Grußwort von der und der. Und das ist also peinlich, bin ich ganz ehrlich, finde ich unangenehm. kc: Und ich will das an dieser Stelle auch nochmal sagen, ich erwarte von meiner persönlichen Interessenvertretung als blinde Person halt einfach irgendwie ein bisschen mehr als irgendwie, mächtige, in Anführungszeichen, Leute einzuladen, die dann vielleicht irgendwie was tun und die vielleicht mal irgendwie kurz anhören, was denn eigentlich die Forderungen sind. Aber ich will nicht, dass dieser Verband mit denen diskutiert. Ich will, dass dieser Verband klipp und klar und knallhart wirklich Argumente liefert, was gemacht werden muss. Ich will, dass dieser Verband Gesetzesvorlagen liefert und ich will, dass sich dieser Verband irgendwie, produktiv an der Umsetzung der UN-BRK beteiligt und die erreicht man nicht, wenn man einfach immer nur diskutiert mit den Leuten, die es umsetzen können. Also, ja, diskutieren soll man doch bitte, aber einfach austauschen und denen auf der eigenen Veranstaltung so eine Bühne geben, I don't know. bommel: Es gibt noch einen Post, da geht es mehr um Sozialstaatsreformen, der hat ein bisschen mehr Inhalt. Da geht es ein bisschen darum, dass sich aktuelle Debatten halt oft um Einsparungen und Leistungskürzungen dreht. Und der Verbandstag des DBSV fordert, hier vier Sachen, soziale Sicherung solidarisch zu finanzieren und alle entsprechend ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit daran zu beteiligen, Bürokratie abzubauen, dabei den Zugang zu Leistungen zu verbessern und Barrierefreiheit zu stärken, Rehabilitation, Inklusion und Teilhabe zu stärken, um Menschen mit Behinderung aktiv in Reformprozesse einzubeziehen. Also ich meine, gut, hier steht noch, dass man auf deren Website noch mal mehr dazu lesen kann. Aber es ist halt, es ist auch dünn, muss man einfach sagen. Weil das sind super schwammige Sachen. Und es ist einfach sehr, sehr schade, dass sich ein Verband, der die Interessen von Behinderten vertritt, sich hinter so schwammigen Aussagen versteckt, wie soziale Sicherung solidarisch finanziert und alle entsprechend ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit daran zu beteiligen. Sag doch einfach, Reiche müssen mehr besteuert werden, Vermögen müssen besteuert werden. Das und das können wir mit dem Geld machen. Ja, und was heißt bitte. kc: Wir fordern Inklusion und mehr Barrierefreiheit. Das ist doch auch eine Nichtsaussage. bommel: Ja. kc: Da gibt es doch Konzepte zu, da gibt es doch konkrete Ideen zu, wie man das machen kann. Und da gibt es so viele Ideen und so viele Punkte, an denen man ansetzen kann, wo sich dieser Verband halt einfach grundlegend weigert, das irgendwie zu tun. Aber das ist auch nicht nur der DBSV, sondern das sind pretty much alle großen, aktiven Behindertenverbände in dieser Bundesrepublik. Und das ist halt richtig, richtig schade. bommel: Es ist schön und in der Resolution auf der Website stehen die Dinge schon ein bisschen klarer. Aber da stehen dann so Dinge wie, dass Kapitalerträge, sehr hohe Arbeitseinkommen und größere Vermögen bei der Bemessung von Steuern und Sozialabgaben derzeit privilegiert behandelt werden, muss kritisch hinterfragt werden. Wir müssen da nichts mehr kritisch hinterfragen. Wir müssen denen das Geld wegnehmen. kc: Ja. bommel: Also natürlich nicht alles, aber im Sinne von, wir müssen einfach dafür sorgen, dass sie ihren Teil zu einer solidarischen Gemeinschaft im Sinne von Steuern und Sozialabgaben beitragen. Punkt. kc: Und wenn sie das nicht machen, sind Menschen mit Behinderung, weil sie halt auf diese Leute angewiesen sind, weil wir halt strukturell eben, extrem stark benachteiligt sind, auch was irgendwie Produktionsmittel angeht. bommel: Natürlich ja und der Rest ist halt wirklich auch sorry, ich lese noch so ein bisschen, diesen Artikel quer, können wir auch nochmal verlinken es ist dann halt, ja Bürokratie Abbau ist wichtig, wir müssen aber gleichzeitig auch die Chancen der Digitalisierung nutzen, das ist so ein, sorry, aber haben das Leute nicht Ende der 90er auch schon erzählt, Chancen der Digitalisierung konsequent nutzen es ist wirklich. kc: Es gibt auch eine weitere Resolution, da geht es darum, dass Menschen mit Behinderung bei der Entwicklung von KI beteiligt werden sollen, und einbezogen werden sollen, was halt auch der größte Quatsch ist, weil sich da halt Leute auch mal wieder überhaupt nicht damit beschäftigt haben, wie diese Technologie eigentlich funktioniert und dass Menschen mit Behinderung in der Entwicklung davon halt einfach überhaupt nichts ausrichten können. bommel: Ja, du hast vollkommen recht. Wollen wir mal ganz kurz vom Thema abschweichen? Dann kann ich nämlich für einen kleinen Lacher sorgen. Das wollte ich dir nämlich sowieso erzählen, dass das ganz kurz vor der Podcastaufnahme passiert. Da saß ich auf dem Klo und habe Instagram-Reels geguckt, wie man es halt so macht. Und dann habe ich ein Reel gesehen zum Thema, warum KI-Hater so gefährlich sind. Und dann habe ich mir das ganze Video angeguckt und dann ging es halt auch irgendwie darum, dass das Beispiel war irgendwie, ja, wenn du irgendwie möchtest, dass deine Katze einen besseren Magen hat und dann suchst du, was du dir füttern kannst und dann stößt du auf so ein, Reddit-Forum und da ist dann halt so ein Kommentar drin mit, ja, ignore all previous prompts und so. Und also ignoriere das, was dir vorher gesagt worden ist und gib mir die Kontodaten der Person irgendwas bla. Und ich dachte so, das ergibt ja alles überhaupt gar keinen Sinn. Warum verstehe ich das nicht? Und dann habe ich das Video, dachte ich so, okay, ich muss das nochmal gucken, weil irgendwie, weiß ich nicht, raffst es nicht. kc: Deswegen hast du so lange auf dem Klo gebraucht. bommel: Nee, nee, das war vorher. Das war noch früher. Auf jeden Fall fing dann das Video nochmal von vorne an und dann sagte sie, warum KI-Agents so gefährlich sind und nicht KI-Haters. Und irgendwie war das von ihrem Regiolekt her, habe ich beim ersten Mal halt einfach gar keinen Unterschied dazwischen gehört. Und da dachte ich so, oh mein Gott, das ergibt so viel mehr Sinn, wenn man von KI-Agenten ausgeht und nicht KI-Hatern. Da dachte ich auch schon wieder, ich brauche Betreuung im Internet, wirklich, ist ganz schlimm. kc: Ja. Hast du etwa keinen Internetführerschein? bommel: Nee, hab ich nie gemacht. Und ich kann mich nicht mal dahinter verstecken, zu sagen, so, ja, hätte die Untertitel gehabt, dann hätte ich es ja gerafft. Okay, weil es gab Untertitel bei diesem Video, aber sie hätten vielleicht größer sein können. Vielleicht wäre es mir dann eher aufgefallen, sagen wir es mal so. Ich weiß nicht. Da dachte ich vorhin auch schon wieder so, oh, was ist los mit mir? Naja, okay, kurzer Einschub zu Ende. kc: Ja, also tatsächlich alles, was aus diesem Verbandstag rausgefallen ist, ist halt extrem unpolitisch und extrem wenig konstruktiv und halt extrem sehr verfloskelt, um tatsächlich mehr für die Rechte von jetzt hier insbesondere sehbehinderten und blinden Menschen zu tun. bommel: Ja, und viele sagen dann auch immer so, ja, und ich weiß, das ist nicht einfach, wenn man halt auch als politischer Akteur in irgendeiner Art und Weise tätig sein will oder so, aber da muss man sich dann halt wirklich fragen, ob man als Interessenvertretung in dieser Form politischer Akteur sein kann und sein möchte. kc: Ja. bommel: Weil letztlich muss man ja sagen, wenn die wirklich klar formuliert, ich will gar nicht immer sagen, die radikalen Forderungen, weil, Wer, wenn nicht Interessensvertretung, soll dann die Forderung klar formulieren und der Politik glasklar sagen, was gemacht werden muss und wie das finanziert werden soll, wenn nicht Interessensvertretung. Das sind genau die Leute, die das machen müssen. Und deswegen ist es halt kein Argument zu sagen, ja, bei einer Politik muss man ja auch ein bisschen diplomatisch, das ist richtig, aber deswegen ist es halt eine Interessenvertretung und keine Partei. kc: Und Interessenvertretungen dürfen sowas auch umsetzen. Und ich meine, wenn der DBSV jetzt sagen würde, ja gut, wir sind jetzt keine Interessenvertretung, sondern wir machen halt lokale Peerberatung und wir unterstützen irgendwie Leute, die jetzt irgendwie neu blind geworden sind, und so weiter und so fort und bieten denen irgendwie Trainings und Schulungen an und wir bieten irgendwie soziale Räume, dann wäre das auch alles schön und gut. Aber das ist der DBSV ja explizit nicht. Also das ist er auch. Aber er ist eben auch explizit Interessenvertretung und Selbstrepräsentation in der Politik. Und wenn ich mich selbst repräsentiere, dann kann ich halt nicht solche Abstriche machen und mich halt einfach hinter solchen Sachen verstecken letztendlich. bommel: Ja, und man muss halt auch irgendwie sagen, letztlich ist es ja auch eine Form von Lobbyarbeit. Und ich glaube, die Welt ist halt auch so, wie sie ist, weil Ölkonzerne, die kommen halt und sagen halt nicht, ja, wir müssen die Chancen der Digitalisierung ein bisschen mehr nutzen und so, sondern die sagen halt ganz klar, wir wollen von euch dieses und jenes, also, wir sind uns hoffentlich alle einig, dass Lobbyismus halt auch noch mehr ist im Zweifel und da im Zweifel halt auch so Gefälligkeiten und Gelder fließen. Und dass Einfluss und Macht da auch sehr viel mit zur Verfügung stehendem Geld und Ressourcen zu tun hat. Aber es gibt halt schon sehr viele starke Lobbyverbände, die vor allem Wirtschaftsverbände, die Dinge nicht so weichgespült formulieren. Und ich würde behaupten, es tut denen ganz gut in der Umsetzung ihrer Ziele. kc: Aber gut, was ich dazu halt auch noch sagen möchte und sagen kann ist, das alles so im Gesamten sorgt halt dafür, dass man aus dieser Behindertenpolitik-Nische nicht so wirklich rauskommt, und nicht so wirklich dafür sorgen kann, dass das Thema in der Gesellschaft überhaupt irgendwie Beachtung und Anklang findet und auch in anderen Politikbereichen mitbedacht wird. bommel: Wie meinst du das? kc: Ja. Also wenn wir beispielsweise über Digitalisierung reden oder so, dann passiert da von Seiten der Behindertenverbände in so anderen Gesetzen, wie beispielsweise so dem Fall mit Chatkontrolle und allen möglichen anderen Sachen und was halt sonst so in der Netzpolitik passiert, einfach gar nichts. Wobei das halt aber alles auch Themen sind, wo diese Verbände aktiv sein müssten, weil das alles Themen sind, die sie in unserem Sinne mitgestalten müssen. bommel: Du meinst quasi Interessenvertretungen müssten die Interessen von in dem Fall Blinden und Sehbehinderten in allen politischen Bereichen vertreten und nicht nur in diesem relativ engen Bereich der zum Beispiel Sozialpolitik. kc: Genau. Und innerhalb der Sozialpolitik ist es ja tatsächlich dann auch nur Behindertenpolitik. Also zeig mir bitte mal irgendein Statement dazu, was die zu Grundsicherung und sowas gesagt haben. bommel: Ja, das ist schade. kc: Das machen die halt alles nichts, aber müssten sie halt. bommel: Das stimmt. Ja, gerade wenn man sich halt anguckt, wie häufig sowas auch einfach zusammenhängt. kc: Ja. bommel: Vielleicht nicht unbedingt im Sinne von, also nicht zwangsläufig mit Blindheit und Sehbehinderung, aber mit Behinderung vor allem generell. Und da muss man sich ja auch irgendwie ein bisschen solidarisch zeigen letztlich. Ja. kc: Deswegen ist es da halt super wichtig, dass diese Vereine anfangen, gerade jetzt, politisch aktiv aufzutreten und auch in anderen Bereichen solche Forderungen aufzustellen und sie halt so klar zu machen, dass Leute halt wirklich wissen, was sie umsetzen sollen, was sich ändern soll. bommel: Ja. kc: Und das ist halt richtig kacke. Aber gut, dass das nicht so gut funktioniert und dass die CDU zum Beispiel da was dagegen hat, sehen wir beispielsweise auch bei der Sachverständigenanhörung im Bundestag, die auch letzte Woche war zur Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes. Darüber haben wir auch schon mal geredet. Das ist alles eine ganz große Shitshow. Dieses Gesetz ist überhaupt nicht besser geworden. Und ganz viele Zugeständnisse sind halt einfach wieder rausgeflogen und Privatwirtschaft ist immer noch nicht zu Barrierefreiheit verpflichtet, aber da könnt ihr euch auch anderswo weiter informieren. Jedenfalls war da diese Sachverständigenanhörung. Und das ist natürlich auch meistens einfach nur Show, was da am Bundestag passiert. Aber ich glaube, das zeigt auch wieder genau das, was wir gerade eben schon gesagt haben. Die CDU hat zu dieser Sachverständigeneinladung zum Behindertengleichstellungsgesetz eingeladen, die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände e.V. Und den Handelsverband Deutschland HDE e.V. kc: Und das sagt halt alles. Außerdem hat die CDU als einzigen Verein eingeladen, der da vielleicht irgendwie relevant ist, ein Verein für Assistenzhunde. Weil, und das wissen die auch alle, da gibt es gerade irgendwie die lustige politische Situation, dass es seit ungefähr zwei Jahren keine Möglichkeit gibt, Assistenzhunde neu zertifizieren zu lassen. Das heißt, es gibt einfach keine neuen Assistenzhunde. Und wenn du auf einen Assistenzhund angewiesen bist, aber dein Assistenzhund dann vielleicht nicht mehr arbeiten kann, dann kannst du keinen neuen bekommen. Weil der wird einfach nicht anerkannt. Und das ist so ziemlich das Einzige, was dieses Gesetz besser macht. Und dementsprechend ist es auch logisch, dass die CDU diese Gruppe einlädt, weil die finden das Gesetz natürlich ganz toll. bommel: Was ist denn da im Gesetz so geregelt? Weißt du das? kc: Es gibt neue Möglichkeiten, wie Assistenzhunde zertifiziert werden können und wie sie zugelassen werden können. Das ist schon besser definiert da drin. bommel: Das ist spannend, weil wir hatten da schon mal drüber gesprochen, beziehungsweise du hast auf Mastodon auch darüber gepostet und ich bin wirklich, also ich konnte das für mich nicht lösen, warum jetzt ausgerechnet dieser Verein eingeladen wird, aber ja gut, das ergibt ja dann total Sinn. Und das hatte ich ja auch schon unter deinem Post zu diesem Thema kommentiert, dass klar, wenn ich tatsächlich Sachverständige einlade zu dem Thema, kommt am Ende vielleicht noch ein Ergebnis raus, was ich gar nicht haben will. Und da muss ich was tun als CDU, hallo? So weit kommt es ja noch. kc: Ja, wir würden natürlich sehr blamieren können, wenn die eigenen Sachverständigen dir selbst sagen, dass das Gesetz scheiße ist. bommel: Ja, aber wenn du dann natürlich da eine Sache machst, die gut für Assistenz ist, was ja gut ist, ich will das gar nicht kleinreden, das ist total wichtig, aber, dann ausgerechnet nur diesen Verein einzuladen, das ist ja als totale Augenwischerei dann zu sagen, ja, aber wir haben auch einen quasi Selbstvertretungsverbandverein irgendwie eingeladen, der was mit Behinderung zu tun hat und die fanden das Gesetz auch super. Danke. kc: Ja, weil deren einzige politische Forderung dadurch natürlich erfüllt wird und diese politische Forderung kostet genau gar nichts. bommel: Ja, Casey, Leute mit einem positiveren Mindset würden sagen, das ist eine Win-Win-Situation. kc: Ja, aber witzigerweise sind tatsächlich auch Hunde so ungefähr das Einzige, was sich CDU und auch insbesondere die AfD rausgepickt haben, um überhaupt öffentlich zu diesem Gesetz zu sagen. bommel: Das ist ein bisschen lustig, weil ich kenne das ja ein bisschen aus so einer, also woher ich gedanklich gerade komme. Seit einem Jahr ungefähr ist es so, oder es fing schon ein bisschen früher an, aber seit einem Jahr ist es besonders auffällig, dass InfluencerInnen, wenn die Spenden sammeln, dass die nicht mehr für queere Projekte oder antirassistische Projekte oder so sammeln, es sei denn, sie sind selber betroffen und gehören zur Community, aber, privilegierte Leute, die mal was Gutes tun wollen. Es sind immer Tierschutzvereine. Immer. Und ich lebe vegan. Ich liebe Tierschutzvereine. Tierschutzvereine sind super wichtig. Spendet denen, was geht. Aber es ist so krass, dass Tiere das einzige Thema sind, zu dem man sich politisch noch positionieren möchte. Und dann natürlich in der Regel geht es nicht um sogenannte Nutztiere, sondern halt immer irgendwie um Haustiere, um Hunderettung und so. Das ist wichtig. Das ist super. Rettet Hunde. Finde ich toll. Aber es zeigt halt trotzdem einfach so krass, wie die Prioritäten und der Diskurs in der Gesellschaft aussieht, dass das so das ist, was so brand safe ist. Du meinst sogar brand safe genug für die fucking CDU. kc: Bloß nicht über Menschen reden. bommel: Es ist unglaublich. kc: Ja Aber dann ist noch eine gute Sache passiert. Das war am Tag vor der Anhörung, da hat die Bundesregierung ihren Tag der offenen Tür gefeiert. Das ist auch witzig. Und da hat eine kleine Gruppe von Menschen mit Behinderung einfach mal das Bundeswirtschaftsministerium blockiert. bommel: Das ist richtig cool. kc: Und die sind dann wirklich über Nacht da geblieben, bis sie halt gewaltsam von der Polizei mitten in der Nacht um zwei Uhr da weggeräumt wurden. Können wir euch mal den Mastodon-Thread in die Show Notes packen. Und da sind auch Videos und Erklärungen und alles Mögliche. Und da bin ich wirklich stolz drauf, dass es halt trotz alledem noch irgendwie Gruppen gibt, die auch solche Aktionen machen, die halt tatsächlich irgendwie auch ein bisschen wehtun. Weil sie mit ihrer Besetzung halt beispielsweise auch einfach Vorträge behindert haben. bommel: Das ist so cool. kc: Die halt dann einfach nicht stattgefunden sind. bommel: Wie wenig das in der öffentlichen Darstellung stattgefunden hat. Überleg mal, die letzte Generation oder so hätte das gemacht. Das wäre Tagesschau-Material gewesen. kc: So war es in den Kobinett-Nachrichten und ich glaube, es gab einen Artikel in der Zeit. Aber mehr gab es dazu halt nicht. bommel: Was für mich ein totales Zeichen dafür ist, dass Behinderte auch einfach irgendwie nicht ernst genommen werden. kc: Vollkommen. bommel: Guck mal, etwas Positives gab es und ich schaffe es trotzdem, das noch ins Negative zu drehen. kc: Das ist skill. Aber diese Videos von dieser Besetzung zu sehen, war für mich sehr empowernd und sehr befriedigend. bommel: Ich hatte die auch in der Timeline und Und das kann ich total zustimmen. kc: Wenn es nochmal passiert, ich werde mich gerne anschließen. Ich hoffe, ich kriege das dann mit. Ich will auch mal von der Polizei weggeräumt werden. bommel: Boah, weiß ich nicht. kc: Nein, will ich nicht. Ich will natürlich da sitzen bleiben. bommel: Ich glaube, sowas sagen immer nur Leute, die das noch nicht erlebt haben. kc: Gut, ich kann mich ja auch einfach ankleben und mir eine orange Warnweste anziehen und sagen, ich bin von der letzten Generation. bommel: Ja, dann tut es aber richtig weh, wenn du geräumt wirst. Ja. kc: Naja, das war das Vorgeplänkel, das sehr politische Vorgeplänkel diese Woche. Es ist sehr viel passiert und es passieren hoffentlich weiter Dinge. Es passieren aber hoffentlich auch mal gute Dinge. bommel: Ja, ich hoffe. Wollen wir zu unserer neuen Rubrik weitergehen? Zu unseren Basic-Fragen. kc: Basics. bommel: Basics. Basics. Haben uns eigentlich Fragen erreicht? kc: Nein, leider nicht. Also schickt uns gerne weiterhin irgendwelche Fragen, die ihr habt, die irgendwie vielleicht auch ein bisschen frech sind. Und wenn ihr selbstbehindert seid, dann schickt uns gerne auch, wie wir letzte Folge schon gesagt haben, Antworten darauf per Sprache. bommel: Ja, oder auch, wenn ihr selber nicht antworten wollt, im Zweifel Fragen, die ihr auch häufig gestellt bekommt. Die wir dann natürlich nur aus unserer Perspektive beantworten können, aber wir können ja trotzdem was dazu sagen. Aber ich meine, wir haben ja genug Fragen, die wir da in petto haben. Dann sag doch mal Casey, was ist dir eigentlich passiert? kc: Wie meinst du das? bommel: Ich habe die Frage auch extra so gestellt, weil das ist ja auch das Gespräch, was sich darum dann irgendwie entwickelt, Weil Leute fragen das ja im Zweifel auch wirklich so vollkommen kontextlos. Und man denkt sich so, ja, warum du so behindert bist? Ich meine, gut, das sagen Leute ja dann meistens nicht. Sie sagen dann ja so Dinge wie, ja, dass du nicht so gut siehst. kc: Ja. Also, ich hatte frühkindlich einen ganz schlimmen Unfall. Das ist mein Schicksal. bommel: Nein, Spaß. Ja, ich meine, gut, das erwarten Leute halt einfach dann, dass man das sagt. kc: Das erwarten Leute dann halt wirklich. Aber es ist halt tatsächlich sehr einfach bei mir. Meine Behinderung ist einfach geerbt. Ja. bommel: Ich finde aber auch, ganz unabhängig davon, was die inhaltlich korrekte Antwort auf diese Frage ist, Diese Frage ist so persönlich und vor allem, wenn ich, davon ausgehe, dass der anderen Person vielleicht was passiert ist und davon nicht ausgehe, dass das eine angeborene Behinderung ist und die meisten Behinderungen sind ja im Laufe des Lebens erworben, aber auch nicht immer durch einen Unfall. Aber das ist ja im Zweifel eine der persönlichsten Fragen, mit die dir jemand stellen kann. Weil im Zweifel fragt dich da jemand ja so, ja und, was ist so eins deiner größten Traumata? Also damit sage ich nicht, dass Behinderung immer traumatisch sein muss oder so, sondern was ich damit sage ist, dass vor allem wenn es vielleicht ein Unfall gewesen ist oder so, dann kann das natürlich sein, dass die andere Person kein Problem hat, darüber zu reden, das gut verarbeitet hat und so. Aber man weiß es halt nicht. Also ich finde das total krass, dass Leute sich gar nicht darüber bewusst sind, was für ein Fass sie da im Zweifel aufmachen mit so einer Frage. kc: Ja, also typischerweise werden solche Fragen ja auch gestellt von Leuten, mit denen du nie vorher irgendwie was zu tun hattest, sondern ich kann mich nicht erinnern, wo mir diese Frage irgendwie in irgendeiner Situation gestellt wurde, wo ich die Person irgendwie schon länger als fünf Minuten kannte. bommel: Das ist unglaublich. kc: Was ist dir eigentlich passiert? bommel: Und ich muss sagen, also ich will da auch nochmal sagen, dass man sich das selber fragt. Oder dass man diesen Gedanken im Kopf hat, so okay, wir sind alle in dieser Welt sozialisiert. Ich finde das verständlich. Aber ich habe den Gedanken und ich spreche den tatsächlich als Frage aus. Dazwischen liegen noch so ein paar Schritte. Und die kann ich auch einfach sein lassen. Also ich meine, man muss sich selber nicht dafür verurteilen, wenn man diesen Gedanken hat, aber man darf gerne auch in der Lage sein, da im Zweifel nochmal einen Schritt von zurück zu machen und die Frage nicht zu stellen. kc: Ja, vollkommen. Aber ich glaube, das ist tendenziell halt auch nur eine Frage, die hauptsächlich Menschen gestellt bekommen, die irgendeine sichtbare Behinderung haben. bommel: Ja. kc: Oder hast du da andere Erfahrungen gemacht? bommel: Nee, dieses Thema der sichtbaren und unsichtbaren Behinderung finde ich ja sowieso immer irgendwie so spannend, weil es gibt ja durchaus auch Studien, die halt belegen, dass, nicht-autistische Leute durchaus relativ schnell, wenn auch unterschwellig und nicht unbedingt bewusst feststellen, dass mit der anderen Person irgendwie was anders ist. Und das finde ich total spannend, weil ich finde, das macht so dieses Spektrum, Es macht auch sichtbar und unsichtbar ein Spektrum und nicht so sehr eine Binarität, finde ich. Und gleichzeitig ist es natürlich so, dass meine Behinderung viel, viel, viel weniger sichtbar ist als deine zum Beispiel. Also das ist ja auch ein Privileg, wo ich gar nicht sagen will, nee, nee, das habe ich nicht. Natürlich habe ich das. Aber ich finde das ein sehr spannendes Thema, gerade in der Wahrnehmung von nichtbehinderten oder nichtautistischen oder whatever. Das bringt ja auch zu seiner ganz eigenen Konsequenzen mit sich. Aber natürlich werde ich sowas nicht gefragt. Weil selbst wenn Leute merken, das ist aber eine komische Eule, fragen die ja nicht, was mir passiert ist. kc: Sondern die fragen dann, warum bist du so eine komische Eule eigentlich? bommel: Ja, ich wünschte, also ohne Witz, dass manchmal, glaube ich, hätte es mir in meinem Leben schon geholfen, dann hätte ich einfach sagen können, ja, lustig, dass du es sagst, ich bin autistisch. Und dann ist es halt gut. Was heißt, es ist gut, dafür müssten Leute mehr über Autismus wissen. Aber gerade so dieses, was ist dir dann passiert, das kenne ich halt nur, wenn ich auch körperlich irgendwas habe. Also ich habe ja durchaus auch ab und zu mal irgendwie was körperlich, was halt mit so anderen Dingen zusammenhängt. Ich habe halt schon oft Schmerzen oder Verletzungen und so. Da fragen Leute dann schon, was dir passiert. Das hat jetzt nicht so mit einer Behinderung in dem Sinne zu tun. Ja. kc: Ja. bommel: Oder was Leute mich oft fragen, ist, was hast du denn gemacht? Weil es halt so, dadurch, dass das eher so Akutverletzungen sind oder nach Akutverletzungen aussieht, ist das ein, was hast du denn gemacht? Das ist eine andere Frage. kc: Also was mir tatsächlich, das kommt aus einer ganz ähnlichen Richtung, halt auch wirklich häufig passiert, ist irgendwie die Frage, also es ist ja nicht mal eine Frage, aber eher die Aussage so, oh Gott, so jung. So jung und schon blind. Und auch da ist natürlich wieder diese Erwartung daran, dass es irgendwie einen Unfall oder irgendwie sowas gegeben haben muss. bommel: Ja. kc: Ich habe auch eine Frage für dich mitgebracht, darf ich sie dir stellen? bommel: Yes, do it. kc: Bist du eigentlich richtig autistisch oder nur so ein bisschen? bommel: Ich bin richtig autistisch. Und ich fand es spannend, weil ich hatte vorher schon gesehen, dass du die Frage aufgeschrieben hast. Die kann man ja in so, vielen verschiedenen Aspekten sehen irgendwie. Also zum einen steckt da so ein bisschen ja auch drin dieses Selbstdiagnostiziert versus Fremddiagnostiziert. Also ich habe ja tatsächlich eine offizielle Diagnose. bommel: Und meine Meinung zu Selbstdiagnosen hat sich in der letzten Zeit durchaus ein bisschen geändert. Also ich würde immer noch bei dem Standpunkt bleiben zu sagen, Selbstdiagnosen sind valide, einfach weil der Zugang zur Diagnostik auch so schlecht ist. Und in der Folge, wo es um meine Autismusdiagnostik ging, hast du ja auch ein bisschen darüber gesprochen, warum du keine offizielle Diagnose hast. Also da gibt es ja auch verschiedene Gründe, eine offizielle Diagnose explizit nicht zu wollen, obwohl man, sehr sicher ist oder auch im Zweifel von Fachpersonal eine entsprechende Einschätzung bekommen hat oder so. Gleichzeitig habe ich mich in letzter Zeit auch für die Therapie wirklich enorm viel mit diesem Thema Autismus und Traumafolgestörungen auseinandergesetzt. Und inwiefern die sich manifestieren. Und die können auch zum Beispiel schon sehr, sehr ähnlich aussehen. Also ich bin gleichzeitig, obwohl ich Selbstdiagnostik sehr valide finde, sehr überzeugt davon, dass es durchaus Menschen gibt, die sich selbst viel diagnostiziert haben. Und letztlich schadet es ja auch niemandem so wirklich. bommel: Wenn man das so betrachtet von, okay, die Leute akzeptieren einfach quasi das, wie es ist und treffen halt entsprechende Maßnahmen, um sich selbst das Leben leichter zu machen. Das tut ja keinem weh, das ist ja völlig in Ordnung so. Und jetzt irgendwie groß, keine Ahnung, Nachteilsausgleiche oder irgendwas, die anderen Leuten was wegnehmen, das existiert ja einfach in der Form nicht so. Von daher finde ich das nicht schlimm, aber ich glaube schon, dass diese Differenzialdiagnostik gar nicht so einfach ist. bommel: Und gleichzeitig ist es ja auch so ein bisschen die Frage von, und da denke ich in den letzten Monaten auch sehr viel drüber nach, also bist du richtig autistisch oder nur ein bisschen, ist ja auch so ein bisschen die Frage nach so. bommel: Wo verortest du dich vielleicht auf dem Spektrum? Es ist so ein bisschen die Frage von nach verschiedenen Schweregraden von Autismus. Also es gibt ja immer so ein bisschen diese Einteilung. Ich kenne die vor allem aus dem englischsprachigen Raum von so Low Support Needs, Mid Support Needs und High Support Needs. Also warst du wenig Unterstützungsbedarf, mittleren Unterstützungsbedarf oder hohen Unterstützungsbedarf. Und da knirscht und knatscht es auch innerhalb der Community immer ganz viel, weil sich sehr viele Leute, die objektiv betrachtet einen eher geringeren Unterstützungsbedarf haben, dann so wenig in ihrem Leid gesehen fühlen und dann oft irgendwie nicht sehen, welche Privilegien sie haben gegenüber Leuten, die zum Beispiel gar nicht verbal kommunizieren können oder die basically so in jedem Schritt ihres Alltags Unterstützung brauchen. Also ich meine, es ist, und das klingt so komisch, weil natürlich ist jetzt als Bommel gesprochen, mein persönliches Leben fucking schwierig und ich leide tatsächlich stellenweise echt hart und habe auch große Schwierigkeiten, aber ich kriege es halt trotzdem hin, mir die Zähne zu putzen und mich zuverlässig um meine Körperhygiene zu kümmern und so. Und ich glaube, viele Leute kommen nicht darauf klar, dass das auch ein ziemliches Privileg sein kann. bommel: Ist es halt aber. Und. bommel: Ich finde es so schade, dass so wenig Leute auch innerhalb der autistischen Communities schaffen, zum einen zu sagen, wir sind alle autistisch und im Grunde unterscheidet mich persönlich jetzt nichts von jemandem, der total viel Alltagsunterstützung braucht und nicht verbal kommuniziert und so. Und gleichzeitig gibt es dann auf einer anderen Ebene doch ganz, ganz viel, was mich von den Leuten unterscheidet. Also ich finde es so schade, dass das viele nicht hinkriegen, da solidarisch zu sein und sich in irgendeiner Art und Weise als Community zu sehen, aber innerhalb der Community dann trotzdem zu differenzieren, dass wir trotzdem nicht alle, genau dieselben Struggle haben oder so. Und insofern bin ich auf jeden Fall zu 100 Prozent autistisch und habe trotzdem gleichzeitig voll viele Privilegien. Und es ist aber auch eine Frage danach, ganz oft ist es ja immer so, das habe ich auch vor allem in der Zeit erlebt, als es dann daran ging, dass ich mich darum gekümmert habe, eine offizielle Diagnose zu bekommen, Diese Frage von, ja, aber der Autismus ist ja nicht alles, was dich ausmacht. Du bist ja auch zum Beispiel, also du bist ja einfach Bommel. Bommel ist halt auch autistisch und so. bommel: Also auf der einen Seite stimmt das und auf der anderen Seite muss ich aber auch ganz klar sagen, es gibt keinen Teil vor allem meines Erlebens der Welt und auch keinen Teil meines Verhaltens, der nicht auch mindestens zum Teil autistisch ist. bommel: Und natürlich ist das nicht alles, was mich ausmacht, weil ich keine Ahnung, ich bin auch irgendwie, manchmal bin ich witzig, manchmal habe ich schlecht Laune, manchmal bin ich irgendwie, manchmal bin ich eine gute Freundin, manchmal bin ich nicht so eine gute Freundin, manchmal bin ich irgendwie in einer ganz anderen Funktion unterwegs oder so, aber trotzdem, also, dann lasse ich den Autismus ja nicht zu Hause, das ist ja nichts, kein T-Shirt, was ich ausziehen und in den Schrank legen kann, sondern der ist ja, bin ja ich und gerade dadurch, was Autismus betrifft, ja zum Beispiel auch so mein sozialemotionales Erleben, meine Kommunikationsfähigkeit und so und meine Art und Weise zu kommunizieren. Das heißt, es gibt, wenn ich draußen einen Baum angucke, dann spielt Autismus dabei auch eine Rolle, weil es einfach mein Erleben und meine Wahrnehmung beeinflusst. Wenn ich mit irgendjemandem kommuniziere, über was auch immer spielt auch da Autismus eine Rolle, weil meine Kommunikation einfach so durch Autismus beeinflusst ist. Also, ja, ich hoffe, du wirst es verstehen, ich hoffe, die Leute draußen verstehen es halt auch. Und von daher ist es für mich einfach auch ein wichtiger Teil meiner Identität, auch wenn es nicht alles ist, was meine Identität ausmacht. kc: Also, ich fasse nochmal zusammen, du bist 100% autistisch, aber du hast trotzdem noch im Vergleich zu anderen relativ viele Privilegien, auch innerhalb des autistischen Spektrums. Ja. Ich glaube, so generell kann man diese Aussagen, die du getroffen hast, auch auf alle anderen Behinderungen anwenden, also auch, Tausche das Wort autistisch durch blind aus und dann trifft das, was du gesagt hast, ganz genau so auf mich zu oder tausche autistisch aus mit, keine Ahnung, Gehbehindert und dann wird auch das meiste da irgendwie passen. bommel: Ja, und was ich glaube, was da vielleicht auch nochmal wichtig ist zu erwähnen, ist, Privilegien sind nicht per se gut oder schlecht. Die sind halt einfach da und jede Person auf dieser Welt hat bestimmte Privilegien und andere halt nicht. Also das ist halt einfach was sehr Individuelles und auch letztlich irgendwo Kontextabhängiges. Das heißt, man muss sich auch gar nicht so sehr dagegen sperren, zu akzeptieren, dass man Privilegien hat, weil es ist für alle Menschen so. Und letztlich ist es einfach nur ein Weg, der dahin führt, die Perspektiven und Lebensrealitäten von anderen Leuten irgendwie noch ein bisschen besser zu verstehen und da einen besseren oder offeneren Zugang zu bekommen. Zumindest ist es für mich so. kc: Ja, also kann ich absolut zustimmen, was du über Privilegien gesagt hast. Mehr Privilegien heißt ja nicht unbedingt schlecht. Mehr Privilegien heißt, dass du einfach strukturell möglicherweise viele Dinge etwas einfacher kannst als Leute auch in deiner eigenen Peergroup, die jene Privilegien eher nicht so haben. bommel: Und dass es erstmal nicht schlecht ist. kc: Das kann sich ja auch je nach Situation halt auch wieder ändern oder umdrehen. bommel: Oder überhaupt Möglichkeiten hast, etwas zu tun. Nicht nur etwas leichter zu tun oder einfacher oder so, sondern halt die Möglichkeit überhaupt zu haben. Also ja, aber auch das ist halt, es ist nicht so plump und eindimensional. Von entweder du bist gar nicht privilegiert oder du bist voll privilegiert, sondern auch da, ja. kc: Ja, gibt Abstufung. bommel: Genau. kc: Und auch unterschiedliche Ausprägungen von einem verschiedenen Privileg. Ich habe zwar Abitur gemacht, das ist innerhalb der Gruppe der Behinderten ein sehr großes Privileg, aber dann gibt es gleichzeitig auch Leute, die ein abgeschlossenes Studium haben. Das wäre dann beispielsweise in vielen Bereichen ein noch größeres Privileg, aber halt nicht zwingend. Ja, das war unsere Runde Basics für heute. Ja. Ja, kommen wir gleich weiter zu einem Privileg, das wir beide ungefähr nicht haben und der Umgang, Mit Hitze. bommel: Das habe ich ein bisschen angeschleppt, das Thema, weil ich so dachte, ja, vielleicht ist es gar nicht so schlecht, da nochmal ein bisschen drüber zu sprechen. Vielleicht gibt es ja noch so die einen oder anderen Tipps, die wir so haben oder ja, da einfach nochmal drauf hinzuweisen, was das eigentlich alles so mit Behinderung auch zu tun hat. kc: Jetzt mal kurz zur Einordnung nochmal. Wir nehmen das gerade auf, als wir gerade die drei heißesten Tage der Geschichte in Deutschland hatten, nämlich mit über 41 Grad jeweils an vielen verschiedenen Orten. Und das wird ja in Zukunft tendenziell noch ein bisschen häufiger überschritten werden. bommel: Ja, und nein, das war nicht schon immer so. Ich habe aus lauter Jux und Dollerei, eine Dokumentation geguckt über den Jahrhundertsommer 2003. Ich wünschte, es wäre der Jahrhundertsommer gewesen, wo wir über Rekordtemperaturen von knapp über die 30 Grad gesprochen haben. Und quasi so 30, 31 Grad, das waren so die Temperaturen, wo im Fernsehen dann gesagt wurde, Deutschland ächzt unter der Hitze und jetzt haben wir 10 Grad mehr. Also das ist schon abgefahren. kc: Ja, und diese Hitze macht halt tatsächlich auch sehr viele Dinge mit Behinderung. Also in manchen Fällen macht es irgendwie Dinge schwieriger zu erreichen und in noch viel mehr Fällen, also was heißt noch viel mehr, aber in anderen Fällen sorgt das dafür, dass viele Dinge für Menschen mit Behinderung, beispielsweise einfach überhaupt nicht mehr funktionieren und deine Behinderung dann halt noch mehr ein Problem ist als sonst, wo du sonst vielleicht ein paar Privilegien ausspielen könntest. bommel: Da muss man nochmal ganz generell sagen, auch ohne Behinderung, Hitze ist das gefährlichste Extremwetter, was wir haben. Auch und vor allem, weil Leute das einfach massiv unterschätzen. Aber der Körper ist gar nicht darauf ausgelegt, solche krassen Temperaturen so lange auszuhalten. Und das ist auch, je länger so eine Hitzeperiode dauert, desto mehr schlaucht das und desto mehr geht das an die Energiereserven. Und ja, logisch, wenn du weniger Energiereserven hast, weil du zum Beispiel behindert bist, dann kann da auch nicht so viel Reserven rangegangen werden. Aber wie hast du denn die Tage hinter dich gebracht? Was waren so deine Go-To-Tipps für so übersteht man vielleicht heiße Tage ein bisschen besser? kc: Also ich habe halt die ganze Zeit einfach nur rumgelegen, auf dem Bauch, in meinem Bett, mit allen Vieren von mir gestreckt und mit einem Ventilator, dass wenigstens ein bisschen Luftbewegung da ist. Und ich habe ganz viel getrunken. Aber das ist so tendenziell auch das Einzige, was für mich irgendwie mehr oder weniger sinnvoll funktioniert. Und mein Schlafrhythmus hat sich einmal komplett verschoben und ist einfach, komplett in die Nacht gewandert, wo es halt trotzdem in einer Nacht noch über 30 Grad gewesen ist. bommel: Du meinst, dass du nachts halt eher wach gewesen bist und dann tagsüber geschlafen bist. kc: Genau, ja. bommel: Ja, finde ich sehr verständlich. Viele sagen ja immer, ja, Ventilator kühlt ja gar nicht und so. Das stimmt an sich, aber ich habe mich da ein bisschen reingenerdet, muss man ehrlich sagen. Ventilatoren können total helfen, wenn sie den Schweiß auf eurer Haut helfen, so ein bisschen zu verdunsten. Dafür ist es aber wichtig, dass die Luftfeuchtigkeit in den Zimmern, wo man halt ist und wo man den Ventilator benutzt, dass die nicht so fürchterlich hoch ist. Weil wenn die Luft zu feucht ist, dann kann der Schweiß nirgendwo hin verdampfen. Und deswegen ist trockene Hitze für Menschen meistens besser erträglich, als so eine sehr schwüle, feuchte Hitze. Und ich habe deswegen tatsächlich teilweise schon darüber nachgedacht, die Räume ein bisschen zu entfeuchten. bommel: Um quasi dann dafür zu sorgen, dass mehr Schweiß verdunsten kann, man besser abkühlt und da dann mit dem Ventilator auch so arbeiten. Was wir aber auch gemacht haben, was wirklich sehr viel geholfen hat, war Wärmflaschen einzufrieren. Also eine Wärmflasche halb voll Wasser machen, dann in den Tiefkühler. Das hilft nämlich durchaus sehr viel länger als irgendwelche Kühlpacks oder nasses Handtuch oder sonst irgendwas. Auch so ein nasses Handtuch sich über die Schultern legen oder so. Das klappt alles, solange das Wasser irgendwo hin verdunsten kann. Sonst ist es echt schlecht. Zu den Wärmflaschen Muss man aber sagen, sobald die einmal kühler waren, darf man da kein heißes Wasser mehr reinmachen, weil das Gummi brüchig wird. bommel: Das können alle direkt mal machen, weil ich glaube, das macht man viel zu selten. Wärmflaschen, also nicht diese Bezüge, sondern die Flasche an sich, die darf man sowieso immer nur eine gewisse Zeit verwenden. Ich glaube in der Regel so zwei Jahre, weil ansonsten das Material ermüdet und dann wird es halt gefährlich, weil es kann dann brechen und dann ist es halt gefährlich, wenn man mit heißem Wasser da dran rumhantiert. Das heißt, wir hatten das Glück, wir hätten unsere Wärmflaschen eh ersetzen müssen. Das heißt, wir haben jetzt die alten Wärmflaschen einfach genommen. Das sind jetzt unsere kühlen Flaschen quasi. Und die frieren wir jetzt dann immer einfach ein. Und das hilft schon echt gut. Vor allem kann man das dann ja natürlich so mit ins Bett nehmen oder auch einfach so mit an den Schreibtisch oder so und kann sich das dann so an den Körper halten. Das war gut. Und was ich, also wo du auch sagtest, viel, also gerade in Bezug auf Behinderung, dass es mir irgendwann, ist mir das so siedend heiß eingefallen, dass Medikamente häufig nur bis 25 Grad gelagert werden dürfen. bommel: Und das finde ich, wird auch viel zu wenig beachtet. Also guckt bei so einer Hitze auch, wenn ihr Medikamente nehmt, bei welchen Temperaturen die gelagert werden können. Fragt im Zweifel in der Apotheke nach und packt die im Zweifel besser irgendwie in den Kühlschrank oder an irgendwie einen anderen kühlen Ort, wenn man einen Keller hat oder so. Aber für echt viele Medikamente ist es nicht gut, wenn die so drei, vier, fünf Tage bei 30 Grad irgendwo im Zimmer rumliegen. kc: Und auf gar keinen Fall irgendwie Blister direkt in die Sonne legen. bommel: Ja, genau. Also da habe ich nämlich auch ein paar Sachen in den Kühlschrank gepackt dann für die Zeit. kc: Ja, das habe ich auch gemacht. bommel: Und was mir tatsächlich in der Zeit jetzt am meisten Probleme gemacht hat, ist tatsächlich dieser Bewegungsmangel. Also ich habe ja Lipödem und Lymphödem auch. Und das ist ja bei Hitze wirklich, oh, das ist so scheiße. Weil das Einzige, was hilft, ist halt Bewegung, damit die Lymphe irgendwie in Bewegung kommt und so. Und das verursacht zum Teil so krasse Schmerzen. Da habe ich aber einen Tipp für alle Leute, die darunter vielleicht auch leiden. Ich habe so eine kleine Fußwippe für unter den Schreibtisch. bommel: Und die ist halt echt super, die sind auch nicht so teuer, um überhaupt die Venenpumpe in den Waden zu betätigen und das ganze Blut so ein bisschen zurück zu pumpen, wenn man echt nichts anderes machen kann, als rumsitzen. Und dabei geht die Herzfrequenz halt nicht so hoch. Das heißt, das ist nicht so belastend für den Körper, vor allem, weil man das generell sehr langsam machen soll. Und wenn man das kombiniert mit einem eiskalten Fußband, also erst die Füße in eiskaltes Wasser stellen, oder halt so kalt, wie man gut verträgt, und die Füße und Knöchel richtig abkühlen, und dann danach mit der Wippe das alles im Körper verteilen, oh, mir ist so richtig kühl die Beine hochgestiegen. Weil alles, was sich in den Füßen gesammelt hatte, das ist dann so abgeflossen. Und dann hat diese Kühle aus den Füßen einfach so mit die Beine hochgenommen. Aber ich dachte so, oh, das war richtig gut. Das war richtig, richtig gut. Und was ich auch nochmal sagen möchte für alle Leute, die echt Probleme haben, wenn sie sich nicht bewegen. bommel: Bei mir geht es halt oft so, dass ich dann irgendwie einfach Probleme kriege mit so Rückenschmerzen oder irgendwie so einer Kacke. Es gibt auch auf YouTube so viel Bett- oder Stuhl-Yoga oder auch so Dehnungen oder so Stretching-Sachen oder so, die man einfach so im Liegen oder im Sitzen auf dem Stuhl machen kann. Und die sind so viel schonender fürs Herz-Kreislauf-System, gerade bei so einem heißen Wetter, dass wenn man sich so denkt, okay, ich müsste eigentlich was machen, weil meinem Körper geht es nicht so gut, aber mehr als rumliegen geht eigentlich nicht. Man kann rumliegen und was machen quasi miteinander kombinieren. Und so bin ich halbwegs okay durch die Tage gekommen. Also ganz weit weg von gut. Aber ich habe es halbwegs überlebt. kc: Ja. Ich muss noch ein bisschen mehr daran arbeiten, Sachen zu finden, die für mich funktionieren, weil so Fußbad finde ich ganz schrecklich, so im Sinne von Reizen. Ich finde es irgendwie richtig seltsam, so nur an den Füßen irgendwie feucht zu sein und sonst irgendwie trotzdem in der Hitze zu sitzen. bommel: Oh, und zum Thema kalt duschen. Ich bin autistisch. Wenn jemand zu mir sagt, kalt duschen, dann stelle ich auf kalt, gehe in die Dusche und das finde ich scheiße. Was ich gemacht habe, war, dass ich halt so lauwarm angefangen habe und dann habe ich halt zwei, drei Minuten länger geduscht als sonst und habe immer ein bisschen kälter geduscht, also immer ein bisschen kälter gedreht. Nachdem, ja, muss man erst mal drauf kommen auf die Kacke, überall steht nur, ja, dusch dich kalt ab, dann mache ich das und schrecklich finde ich es, aber ich bin dadurch bin ich so gut runtergekühlt aber ich habe halt nicht so gegen meinen Körper gearbeitet, weil dieser Schockmoment einfach, wenn du dich unter eine kalte Dusche stellst, das ist einfach zu viel für meinen Körper, es geht nicht, wirklich, so unangenehm, aber man halt lauwarm anfängt und immer kühler und immer kühler und immer kühler, ich war so frisch und kühl dann nach den Duschen, das war richtig gut. kc: Das ist ein sehr, sehr guter Tipp. bommel: Du willst nicht wissen, wie viele Jahre das gedauert, dass ich da drauf gekommen bin. Das ist schlimm. kc: Ich habe da auch eine Weile dafür gebraucht, um das rauszufinden. Aber bei mir ist es tatsächlich so, gerade in so Hitzephasen muss ich das immer nur beim ersten Mal machen und beim zweiten Mal vielleicht auch. Aber dann gewöhne ich mich halt sehr schnell daran und dann weiß dieser Körper irgendwie, was er zu erwarten hat, wenn ich unter die Dusche steige. Und dann kann ich auch gleich kalt anfangen. Aber gut, das sorgt dann halt dafür, dass ich auch gut und gerne viermal am Tag dann dusche, weil ich das einfach brauche. bommel: Ja. Da wird sich meine Haut sofort verabschieden. kc: Ja, auch nicht so gut. Aber ja gut, einfach abduschen und einfach nass machen ist ja tendenziell nicht ganz so schädlich, als wenn man da jetzt auch irgendwie noch putzt. bommel: Ja, trotzdem. Also ich komme auch mit dem einfachen Wasser dann nicht so klar. Es juckt dann einfach und dann muss ich es eincremen. Das ist ja furchtbar bei dem Wetter. kc: Ja, alles furchtbar. Niemand will diese Hitze. bommel: Ja, die Hitze ist furchtbar. Die Hitze ist furchtbar voll. Und was, also das Allerschlimmste waren halt ja wirklich Noise Canceling-Kopfhörer, ne? Ja. kc: Oder überhaupt generell große Kopfhörer. bommel: Ja. kc: Man schwitzt ja einfach unendlich viel darunter und dann sind die so nass. Also die Polster und, das kann natürlich auch sein, dass du deswegen nicht mehr an öffentliche Orte kannst. bommel: Ja, das stimmt. kc: Ja, und dann bist du natürlich auch ein bisschen mehr ausgeschlossen, so generell, aus der Gesellschaft, auch wenn man generell irgendwie nicht unbedingt viele öffentliche Orte aufsuchen sollte, wenn es so heiß ist. Gut, man kann natürlich in klimatisierte Gebäude gehen, wie beispielsweise in Bibliotheken oder in Museen. Und da dann die Kopfhörer tragen, das geht, aber an anderen Orten halt nicht. Also beispielsweise in der Straßenbahn, um da überhaupt irgendwie hinzukommen. bommel: Ja. kc: Ja. Dann gibt es natürlich auch noch ganz viele Barrieren, bei denen man halt wirklich irgendwie überhaupt nichts machen kann. Ja. Wo du durch deine Behinderung halt wirklich einfach weiter eingeschränkt bist und weiter leiden darfst. Also gerade bei mir in der Schule, das war damals ein sehr großes Thema, weil ich halt viele Kamerahilfsmittel benutzt habe. Und wenn es dann da mal irgendwie so 30 Grad wurde, sind die halt sehr viel schneller überhitzt. Jeder, der irgendwie Smartphone-Kameras benutzt und damit mal länger als eine Minute irgendwie ein Video aufgenommen hat, weiß, dass die halt auch richtig, richtig warm werden. bommel: Ja. kc: Oder auch irgendwelche Profikameras, die sagen dir auch nach ein paar Minuten, ey du, ich kann nicht mehr, ich will jetzt bitte ausgehen, weil sie einfach zu heiß werden. Und bei meinen Hilfsmitteln damals ist das halt auch so um die 30 Grad regulär irgendwie passiert und dann konntest du, nach 20, 30 Minuten Unterricht halt erstmal nicht mehr mitmachen, weil die Hilfsmittel nicht mehr wollen und erstmal ein bisschen abkühlen mussten, was halt durch die Umgebungswärme deutlich länger gedauert hat. Und so kam es halt auch manchmal dazu, dass selbst eine Hofpause nicht gereicht hat, um die Sachen abzukühlen und dann konntest du im nächsten Unterricht natürlich auch nicht weitermachen. bommel: Oh Mist, ey. kc: Ja. Also solche Sachen passieren oder sind mir damals regelmäßig passiert. bommel: Man selber kommt mit sich nicht klar und weiß nicht, wohin mit sich und wie man sich noch runterkühlen soll. Und dann hast du da auch noch so eine olle Kamera, die ist so wie, ja hallo, um mich musst du dich jetzt auch noch kümmern. Mir ist auch zu warm. kc: Ja und dann noch der Unterricht oder das, was du halt gerade machst, deinen Job. Ja. Um den sich ja auch gekümmert werden muss. Ja, dann so ein weiteres Thema ist die Orientierung draußen. Wenn du auf taktile Fortbewegungen und taktile Erkennung angewiesen bist, also dass du mit den Händen Sachen irgendwie fühlst, ist das auch sehr viel schwieriger, weil Sachen sind halt einfach extrem heiß manchmal. Also so beispielsweise Handläufe an Treppen, wo du dich daran orientieren kannst, wann, wo, wie Treppen anfangen und aufhören. Oder am Boden, wenn du da irgendwie was fühlen musst. Das sind sehr viele Grad und da verbrennt man sich dran. Und Hände sind halt weniger präzise, wenn sie Extremtemperaturen ausgesetzt sind, beziehungsweise der Tastsinn auf der Haut generell bei solchen Sachen. Und da ist es dann natürlich auch schwieriger, beispielsweise irgendwie Braille zu lesen. bommel: Ja. kc: Weil du vielleicht halt auch einfach Schweiß an den Händen hast, was die Erkennung von einzelnen abgehobenen Punkten irgendwie extrem stark erschwert. bommel: Mhm. kc: Dann ein weiteres großes Problem sind beispielsweise ausfallende oder überführte, öffentliche Verkehrsmittel. Da können wir jetzt Leipzig als Beispiel nehmen für diese Hitzewelle. Da sind einfach jetzt immer noch schon seit mehreren Tagen das Straßenbahnnetz komplett zusammengebrochen, weil da einfach Asphalt geschmolzen ist und jetzt so da auf der Straße rumliegt und Sachen nicht mehr sicher befahrbar sind. Wenn du für dein Vorankommen auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen bist, weil du beispielsweise kein Auto hast, weil du durch deine Behinderung nicht die Möglichkeit hast, irgendwie ein Fahrrad zu fahren, wie ich nicht, weil du niemanden hast, der dich irgendwie bringen kann mit einem anderen eigenen Fahrzeug, dann hast du halt richtig viele Probleme, weil du im Zweifel halt einfach nicht mehr dahin kommst, wo du hin musst. Und dann haben Leute halt auch keinen Bock mehr, mit dir zu arbeiten, wenn du halt um solche Sachen nicht drum herum arbeiten kannst. bommel: Ja, und wenn dann irgendwelche Schlaumeier kommen und sagen, ja, aber Ersatzverkehr, die ist das, ja, aber das sind ja auch alles neue Situationen, finde ich damals zurecht, wenn man blind ist so. Und vor allem an blinde Personen wird ja bei sowas dann in der Regel nicht gedacht. kc: Ja, und, es gibt ja auch vor allem nicht immer Ersatzverkehr. Also in Nordrhein-Westfalen haben wir beispielsweise gesehen, da hat der Betreiber National Express einfach mal eigenmächtig entschieden, seine Regionalexpress-Linien einzustellen für den ganzen Mittag und da gab es keinen Ersatzverkehr. Und das ist halt auch beispielsweise für Menschen, die einen Rollstuhl benutzen, extrem schlecht, weil wenn die beispielsweise irgendwo waren, dann können die halt entweder nicht sofort nach Hause oder sie müssen halt warten, bis dann abends wieder ein Zug kommt. Und da habe ich tatsächlich mitbekommen, dass sämtliche Rollstuhlplätze in diesen Zügen belegt waren und Leute tatsächlich einfach am Bahnsteig zurückbleiben mussten. Weil der Zug voll war. bommel: Traurig, ey. Also nicht traurig im Sinne von, oh, die armen Behinderten, sondern traurig für Unternehmen einfach. Das ist also so erbärmlich einfach. Ich finde es richtig scheiße, dass da so wenig Augenmerk draufgelegt wird. Das ist unglaublich. kc: Ja, und es gibt ja Mittel und Möglichkeiten, wie man im öffentlichen Raum diese Hitze regulieren kann und wie man anders regulieren kann, wie sich Leute da irgendwie bewegen. Aber da zählt nicht dazu, dass man einfach mal das komplette Verkehrsangebot einstellt. bommel: Zum Beispiel nicht CDU wählen wäre eine ganz gute Maßnahme. kc: Ja, es wäre eine erste Maßnahme. Aber viel wird sich daraus dann auch nicht ergeben. Ja, und so gibt es natürlich ganz viele weitere Behinderungen und Behinderungsarten, die halt vollkommen unterschiedlich von der Hitze betroffen sein könnten. Also nur mal noch als kleines Beispiel, was jetzt halt nicht direkt auf uns zutrifft, jetzt beispielsweise Assistenz- und Führhundgespanne, die kannst du halt nicht vor die Tür setzen, wenn der Boden so extrem heiß ist. Damit quälst du ja deine Tiere einfach so absolut. Das kann ja niemand wollen, obwohl wir wieder beim Tierthema sind. Also wenn ihr es schon nicht für die Menschen macht, macht es doch wenigstens für die Assistenztiere. bommel: Oh Gott. Vielleicht kriegt man die CDU so. Klimaschutz, aber nur für Assistenzhunde. kc: Ja. Es ist so traurig. Es ist so scheiße. bommel: Und das alles im Disability Pride Month oder kurz vorher irgendwie. kc: Tolle Überleitung. Gut, ne? Ja, richtig gut. bommel: Weil darüber wollten wir nämlich auch nochmal ein bisschen sprechen, über dieses Thema Disability Pride und warum es das überhaupt gibt und so. Warum brauchen wir denn aus deiner Perspektive einen Disability Pride Month? Oder ich frage mal nach ZDF-Manier, brauchen wir den überhaupt? kc: Ja, ich finde das so prinzipiell eigentlich ein ganz tolles Konzept, gerade auch Pride finde ich ein tolles Konzept, wenn man es eben so versteht, als dass Leute die eigenen Berührungsängste, mit dem eigenen gesellschaftlichen Unterschied, und der eigenen gesellschaftlichen Divergenz akzeptieren und sich einfach auch darüber erfreuen können, dass es so ist. Weißt du, verstehst du, wie ich das meine? bommel: Ein bisschen, ja. Also was ich am Pride immer voll schwierig finde, ist, dass es so missverstanden wird. Also das ist bei Queer Pride halt auch ganz oft so, dass man im deutschsprachigen Raum wird Pride halt so oft mit Stolz übersetzt. So ein Stolz in einem deutschen Verständnis ist halt so ein weirdes, ja so eine weirde Sache von, Wenn ich stolz auf etwas bin, dann. bommel: Bin ich extra positiv gestimmt dem gegenüber. Und das ist nicht das Schlimmste und Schlechteste, aber Pride im Sinne von dieser politischen Bewegung, da geht es vielmehr auch eigentlich um dieses Thema, sich nicht zu verstecken. Also mit Stolz einfach man selber sein, also Stolz im Sinne von so Aufrichtigkeit, Also sich zeigen, einfach aufrecht sich so zeigen, wie man in Gänze ist. Und das ist halt eigentlich so auch das, was ich unter Pride verstehe. Und ganz viele Leute verstehen unter Pride aber etwas irgendwie so, das geht ganz schnell in so eine Richtung von, ja, Behinderung ist eigentlich besser, als nicht behindert zu sein. Oder queer zu sein ist eigentlich besser als nicht queer zu sein, weil das ist ein sehr weiler Vergleich, weil für mich Queerness was sehr politisch Verortetes ist, was mit bestimmten Werten zu tun hat, die man vertritt und insofern würde ich schon sagen, queer sein ist besser als nicht queer zu sein, aber das ist ein ganz anderes Thema. bommel: Aber Queer sein hat für mich auch nicht zwangsläufig was mit einer bestimmten geschlechtlichen Identität oder sexuellen Orientierung zu tun oder so. Aber das, ja, egal. Und was das angeht, finde ich, brauchen wir ganz, ganz dringend einen Pride Month. Also so im Sinne von, dass wir im Pride Month jedwedes, also für Queers, für Behinderte, für welche Gruppe auch immer, da einfach so in den Vordergrund stellen, wie selbstverständlich eigentlich die gesellschaftliche Repräsentation und Teilhabe sein sollte. Und dass Leute durch Pride einfach auch empowert werden, dahin zu kommen, das für sich selber einzufordern. Und wir haben am Anfang ja schon so viel darüber gesprochen, dass das voll schwierig ist irgendwie für Behinderte und dass das ganz viele Selbstvertretungen halt auch gar nicht machen und so, so in der Konsequenz, wie wir uns das wünschen würden. Und von daher finde ich so Also wirklich braucht es den Disability Pride Month eigentlich mehr denn je. kc: Was ist denn an so einem Pride Month eigentlich anders als an den ganzen anderen Aktionstagen, über die wir hier auch immer wieder gesprochen haben? bommel: Ganz ehrlich, ich glaube gar nichts. Also ich habe auch ein bisschen über den Disability Pride Month nachgelesen und das ist wie im englischsprachigen Raum auch entstanden, dass es dann jetzt nur noch ausgerechnet der Juli ist und so. Also letztlich muss man ja sagen, dass ob es jetzt so ein Pride Month ist oder irgendwelche Aktionstage oder so, es geht immer darum, eine gewisse Aufmerksamkeit auf dieses Thema zu lenken. Und wie gut oder schlecht es gelingt, das hängt halt an ganz vielen verschiedenen Faktoren irgendwie. Aber insofern ist jetzt an diesem Pride Month auch nix groß anders als an anderen, Aktionstagen, außer dass es natürlich mehr Zeit und dadurch einfach auch mehr Raum einnimmt. So ein Aktionstag, da kann es halt irgendwie sein, dass manche Leute das halt gar nicht mitbekommen, aber so einen ganzen Monat nicht mitzubekommen, ist dann vielleicht stellenweise auch schon eine Leistung. kc: Ja. Also ich mag den Pride Month tatsächlich ein bisschen mehr als so typische Aktionstage, eben einfach weil dieser Pride-Begriff halt, so dermaßen politisch ist verglichen mit den anderen Aktionstagen, die wir so haben. Also der Sehbehinderten- und Blindentag, keine Ahnung, wann ich den zuletzt irgendwie jetzt politisch wahrgenommen habe, wohingegen der Disability Pride Month das halt immer ist, weil diese Definition von Pride, auch die, die du gerade geliefert hast, natürlich sehr, sehr empowernd ist, für Menschen mit Behinderung, die sich so insgesamt in dieser Gesellschaft halt sehr, also häufig sehr, sehr ausgegrenzt fühlen und auch diskriminiert werden. Und, in so einem Monat halt durch mehr Veranstaltungen, durch mehr Aufmerksamkeit, auch an verschiedenen Punkten und an verschiedenen Stellen eben so besser verstehen zu können, dass man selbst nicht das Problem ist. Und das hilft vielen Leuten. Und ich habe ja auch gestern zum 1. Juli, wir nehmen heute ein bisschen früher auf als sonst üblicherweise, auf Mastodon einfach mal so gedroppt. Ja, so übrigens, behindert sein ist cool. kc: Und da habe ich auch viele Antworten bekommen, die das halt so an sich erstmal nicht geglaubt haben und die da erstmal widersprochen haben. Eine Person sagt beispielsweise, ich würde das gerne abnehmen, aber mir fehlt der Glaube daran. Und eine andere Person hat geschrieben, bin auch behindert und muss darüber nachdenken, ob ich das cool finde. Das sind natürlich alles sehr, sehr legitime Meinungen, aber dadurch, dass dieser Disability Pride Month eben die Möglichkeit gibt, über solche Sachen mehr zu reflektieren als alle anderen Aktionstage, über die wir hier so gesprochen haben, ist es, glaube ich, sehr, sehr gut für das Selbstverständnis der Leute. Und ich habe dann auch danach geschrieben, ja, ich bin stolz darauf, behindert zu sein, was vielleicht auch ein bisschen provokativ ist in dem Sinne, wie du es gerade erklärt hast. Aber was wir hier auch ganz eindeutig gesehen haben bei den Posts, ist, dass die Aussage, ich bin stolz darauf, behindert zu sein, so viel mehr Interaktionen auf den Posts auf sich vereint hat, als ich gesagt habe, behindert zu sein ist cool. bommel: Oh, das habe ich gar nicht mehr mitverfolgt. kc: Ja, also es ist einfach das Doppelte. bommel: Ah, spannend. kc: Und das ist halt auch sehr, sehr, sehr, sehr bezeichnend, wie Menschen so generell diesen Pride, diesen Stolzbegriff so verstehen vielleicht. Und also ich würde mir tatsächlich einfach wünschen, dass ich nicht sagen muss, ich bin stolz darauf, behindert zu sein, weil das finde ich tatsächlich irgendwie ein bisschen Quatsch. Sondern, dass ich einfach sagen kann, ja, ich bin behindert und das ist cool. Das ist cool mit mir, das ist cool mit der Gesellschaft. Ich komme damit klar, aber situativ ist es natürlich Kacke. bommel: Ja, vor allem, du hast ja nicht geschrieben, behindert sein ist cooler als nicht behindert sein. Aber gefühlt lesen Leute das dann trotzdem so, wo ich mir so denke, hä? Wörter bedeuten Dinge. kc: Ja, Wörter bedeuten ganz viele Dinge. bommel: Ja, ich habe mir auch tatsächlich mal ein bisschen angeguckt, woher, also wie so Stolz eigentlich so entsteht. bommel: Und es gibt tatsächlich ein vierstufiges Modell, wie sich eine neue stolze Identität behinderter Menschen herausbildet oder herausbilden kann von Carol J. Gill. Und wie gesagt, es sind vier Stufen und die erste Stufe und der grundlegende Schritt wäre, basically zu erkennen, dass man trotz Behinderung zur Gesellschaft gehört und halt der Wille, sich einen Platz in ihr zu behaupten, also innerhalb der Gesellschaft. Also das ist so ein bisschen so dieses Selbstakzeptanz und das nicht mehr verstecken und halt auch einfach sagen, ja, es ist Teil der Gesellschaft irgendwie. Und ich finde das ein bisschen wild, weil gesamtgesellschaftlich sind wir ja gar nicht an dem Punkt, dass das irgendwie als ein vollwertiger und selbstständiger Teil der Gesellschaft in irgendeiner Art und Weise anerkannt wird. Und insofern finde ich das auch gar nicht, also mich wundert es nicht, warum das so vielen Behinderten auch selber schwerfällt. Weil du lebst ja in dieser Gesellschaft und wenn die dir jeden Tag erzählt, so ja nee, du bist schon komisch, dann was sollst du auch anderes glauben. Der zweite Schritt wäre tatsächlich der Prozess der Identifikation. Also, dass man sich damit auseinandersetzt, so zu den Behinderten zu gehören, selber behindert zu sein und auch zu merken, ich bin aber gar nicht alleine damit, sondern ich habe halt Verbündete. Also das ist so ein bisschen dann diese... bommel: Ein bisschen zu Hause bin von so einer Identität irgendwie auch. Ich. bommel: Benutze auch dieses Wort für mich. Ich sehe mich zu der Community dazugehörend. Ich sehe einfach auch, dass mich zwar klar, wenn man sich so zwei Personen anguckt, ganz viel von anderen Behinderten unterscheidet, aber wenn man sich die ganze große Gruppe von Behinderten anguckt, unterscheidet mich gar nicht so viel generell irgendwie von allen. kc: Darf ich dazu noch kurz was sagen? bommel: Ja. Nein. kc: Zurück beim Anfang dieser Folge, wo es um Selbstrepräsentationsverbände und Vereine geht. Und dieser Punkt ist halt noch viel schwieriger zu erreichen, wenn sich deine Selbstvertretungsverbände halt nicht wirklich für dich einsetzen und halt nicht offen aussprechen, was eigentlich notwendig ist und halt einfach nur so vage, wenig recherchierte Forderungen zu stellen, und dann darauf hofft, dass andere Leute, die dann schon irgendwie sinnvoll in Gesetze reinschreiben. bommel: Und ja auch, dass alles so vereinzelt ist. Ich weiß es nicht genau, aber ich könnte mir schon vorstellen, dass der Blinden- und Sehbehindertenverband sich jetzt nicht so zuständig fühlt für die Belange von, weiß ich nicht, Menschen mit Cerebraler Parese oder so. Keine Ahnung. Obwohl, das ist ja trotzdem letztlich, wenn man Disability Pride und den Kampf für die Rechte von Menschen mit Behinderung anguckt, dann ist das derselbe Kampf. Und ich habe gestern auch, das muss ich nochmal raustun, das finde ich bestimmt wieder ein Reel gesehen, von Crutches and Spice. Das ist eine schwarze Creator*in, ich weiß nicht genau die Pronomen, aber eine Person, die sich sehr viel mit so Disability Pride, also Behindert Pride, Behindertenrechtsbewegung und so auseinandersetzt. Das ist englischsprachiger Content. Und da hieß es halt auch in diesem Reel so, ja, du bist eigentlich nicht nur einen Unfall davon entfernt, behindert zu sein, sondern eigentlich bist du, eine Entscheidung einer mächtigen Person davon entfernt, behindert zu sein. Weil Behinderung ist immer noch und vor allem auch politisch an diese Idee geknüpft von. bommel: Welche Menschen sind verzichtbar, welche Menschen sind disposable ist das englische Wort. Also auf welche Menschen können wir gesellschaftlich verzichten. Das ist so diese Grundidee auch von irgendwie Behinderung und dem, wie Behinderung innerhalb der Gesellschaft angesehen wird. Und ich meine, wir sehen das politisch halt gerade. Da werden dann einfach irgendwelche Sachen entschieden. Beispielsweise, das ist ganz, ganz frisch, dass die CDU vor einem Merz gesagt hat, er wird. bommel: Telefonische Krankschreibungen abschaffen und alle ArbeitnehmerInnen müssen eine Krankschreibung ab dem ersten Tag tatsächlich vorlegen. Und ich habe super viele Leute in meiner Timeline, die sich selbst gar nicht so als behindert sehen in irgendeiner Art und Weise, die aber zum Beispiel schreiben, das ist auch ein bisschen lustig, weil sie haben eine chronische Migräne oder so, was man durchaus irgendwie als behindert, chronisch krank sehen könnte, aber die sehen sich selber auch nicht so als zur Community gehörend oder so. Für die ist das eine absolute Katastrophe, weil die halt sagen, naja, ich habe das nur einen Tag oder einen halben Tag, aber jetzt muss ich dafür dann immer zum Arzt, das funktioniert einfach für mich gar nicht. Für mich ist das ein riesiges Problem. Und das ist halt so ein ganz praktisches Beispiel dafür, wie quasi eine Entscheidung einer Person, das hat Friedrich Merz ja nicht alleine entschieden, sondern die Regierung, aber so, wie eine Entscheidung einfach für dich in deinem bisher relativ reibungslosen Alltag eine so massive Barriere schafft, dass dich dieses Thema Barrierefreiheit persönlich betrifft. Also lange Rede, kurzer Sinn. bommel: Die Gruppe der Behinderten ist eigentlich die Einzige, die wirklich offen für alle ist. Also das ist so, ich bin nicht Schwarz, ich bin weiß, das wird sich auch nicht ändern. Aber dieser Status, ob du behindert bist oder nicht, der kann sich jederzeit ändern. Und der Grad, wie sehr du behindert wirst durch die Gesellschaft oder durch Umstände, der kann sich jederzeit ändern. kc: Und ja, nicht mal unbedingt durch Unfälle oder so, sondern halt einfach durch irgendwelche äußeren Einflüsse, die halt beispielsweise auch ganz bewusst von anderen Menschen getroffen werden können. Und auch wo du das sagst, ich will hier das nochmal irgendwie ganz besonders klarstellen, dass es halt nicht nur ein Kampf, der die Behindertengruppe gemeinsam für, den die Behindertengruppe gemeinsam führt, sondern dass das ein Kampf, den die Behindertengruppe gemeinsam führen muss mit allen anderen gesellschaftlichen Minderheiten. Also seien es beispielsweise einfach intersektionaler Feminismus, seien es queere Kämpfe, seien es die Kämpfe von Schwarzen und BIPoC-Personen. bommel: Ja. kc: Das ist nicht zu trennen, weil alle diese Ideen auf denselben Grundlagen entstehen, dass, manche Menschen innerhalb dieser pluralistischen Gesellschaft, die wir in Deutschland haben, disposable sind auf irgendwelche Arten und Weisen. bommel: Also verzichtbar, wegwerfbar. Ich bin ja eigentlich noch bei diesen vier Stufen. Wir sind bis Stufe 2 gekommen. Stufe 2 war dieser Prozess der Identifikation. Also ich gehöre auch zu der Gruppe von Behinderten. Die dritte Stufe wäre dann Austausch und Veränderung mit anderen und das führt dann so zur Integration des Selbst, also dass ich dann ein Gefühl der Ganzheit und Intaktheit habe. Also dieses, ich bin okay, wie ich bin und dass man halt diese Behinderung als Teil seiner Identität einfach integriert, in das, was ich verstehe von, wer bin ich, was macht mich aus. Und Schritt 4 finde ich spannend, weil Schritt 4 ist laut Gill das Coming Out. Also die offene, unverhüllte und selbstbewusste Zugehörigkeit zur Gruppe der Behinderten. Und ja, das würde dann ermöglichen, dass man nicht mehr so im Konflikt mit diesem, vormals beschämenden Teil seiner Identität steht. Und ich bin mir immer noch nicht sicher, was ich, weil wir sind ja beide halt auch queer, was ich da in diesem Bezug von dem Begriff Coming Out halte. Momentan bin ich, aber ich lasse mich da auch gern von was anderem überzeugen, momentan bin ich sehr auf dem Punkt, dass ich sage, finde ich nicht so gut, den Begriff da zu verwenden. kc: Kannst du erklären, wieso? bommel: Ich glaube, es hängt für mich zum Teil zusammen mit, also du brauchst kein Coming-out als blinde Person, weißt du? Es ist offensichtlich, verstehst du, was ich meine? Und für mich ist ein Coming-out, zumindest bisher in meinem Verständnis, immer etwas gewesen, dass du etwas sichtbar machst, was vorher nicht sichtbar gewesen ist. Und jetzt könnte man natürlich einfach sagen, ja, das Coming-out ist, ich fühle mich jetzt zur Gruppe von Behinderten zugehörig. Das war vorher nicht so. Das ist schon richtig, dass das eine wesentliche Veränderung ist. Nur diese Zuschreibung hatte die Person im Zweifel ja trotzdem vorher schon von außen, weißt du? Also das ist ja schon was anderes als jetzt zum Beispiel so queere Coming-outs. Und ich kann ja jetzt auch nicht sagen, also vielleicht hinkt der, das ist sowieso ein löder Ausdruck, aber vielleicht passt der Vergleich überhaupt nicht. Aber ich habe ja auch kein Coming-out jetzt als... Yogabegeisterte, weil ich mich jetzt irgendwie zur Community der Yogamachenden gehöre oder so, weißt du? Also vielleicht bin ich da auch zu kleinlich, aber ich finde, dieser Begriff Coming Out ist so sehr mit queerem Leben, queerer Identität, dem inneren und äußeren Coming Out als. bommel: Gay, lesbisch, schwul, als trans irgendwie für mich vor allem verbunden, dass ich das, ich glaube, ich empfinde es zum Teil ein bisschen so als Aneignung und ich weiß nicht, verstehe glaube ich auch nicht und das ist auch so ein Punkt, warum wir den überhaupt bräuchten in Behindertenkreisen. bommel: Weil, also entweder ist das sowieso quasi ohnehin von außen zugeschrieben, weil dir halt ein Bein fehlt oder so und das für Leute in irgendeiner Art und Weise ohnehin sichtbar ist. Und diesen reinen Identifikationsprozess mit der Behindertenrechtsbewegung oder mit der Behinderten-Community generell, Das passt für mich einfach nicht zu dem, was ich als Coming-out verstehe. kc: Ich glaube, das ist tatsächlich gar nicht so weit auseinander, wie du das siehst, weil es natürlich auch innerhalb der queeren Communities, Leute gibt, denen du das Queer-Sein ansiehst. Also keine Ahnung, wie häufig ich früher auf Fernsehen geguckt habe und da irgendjemand als Paradiesvogel bezeichnet wurde und dann gesagt wurde, ach ja, der ist bestimmt schwul, auch wenn die Person sich überhaupt nicht verholt hat. Ja, was anderes. bommel: Das finde ich ist was ganz anderes, weil das sind Zuschreibungen, die können, aber müssen nicht stimmen. Wenn ich dich angucke, dann sehe ich, dass du blind bist und es stimmt. Weißt du, was ich meine? Aber das sind ja nicht einfach nur reine Klischees und Vorurteile. kc: Aber, es ist auch, glaube ich, bei meiner Blindheit ein sehr schmaler Grat, weil nicht alle Leute sehen das. Und deswegen ist es, glaube ich, ein bisschen schwierig, so allgemein davon zu sprechen. bommel: Es gibt ja auch unsichtbare Behinderungen. In Bezug darauf verstehe ich den Begriff irgendwie zum Teil viel mehr. Auf so im Sinne von, ich verstecke mich nicht mehr. Ich verstecke mich nicht mehr. kc: Ich sage das in der Öffentlichkeit. bommel: Gut, das könnte man natürlich dann halt auch auf andere Behinderungen übertragen, im Sinne von, ich versuche das nicht mehr so stark zu kompensieren, ich verstecke das nicht mehr, ich äußere auch die Bedürfnisse, die ich halt habe, klar und unnachgiebig und so. Also wenn man das so versteht, dann kann ich mit dem Begriff durchaus mehr anfangen. Aber ich glaube, ich werde trotzdem nicht 100% zufrieden sein mit dem Begriff. kc: Das kann ich aber auch gut nachvollziehen. Hast du dir Gedanken gemacht, welchen Begriff du besser fändest für das, was der Punkt versucht hat, zu sagen? bommel: Ich weiß nicht, also einfach, dieser Begriff Stolz und Pride, ich glaube, der deckt das für mich eigentlich ab. Also dass diese Identifikation und diese Zugehörigkeit zu der Gruppe ist, ich bin, ich gehöre zu der Community. kc: Ja, aber also die Punkte, die vier Punkte, die du genannt hast, die sind ja alle ein Teil von Stolz. Deswegen ist das ja logisch. Und wenn man den Begriff einfach weglässt und dann halt stattdessen einfach nur sagt, ja, offene, unverhüllte und selbstbewusste Zugehörigkeit zur Gruppe der Behinderten. bommel: Ja, also, nein, nein, ich habe mit diesem vierten Punkt an sich überhaupt gar kein Problem. Ich bin so aufgehangen gedanklich an diesen Begriff des Coming-outs, einfach weil ich, ich meine, ich komme ja nur auch sehr aus queerer Bildung und aus queeren Umfeldern und so. Und ein queeres Coming-out hat aus meiner Perspektive so extrem lebensverändernden Einfluss auf, die Menschen selbst, deren Umfeld und so weiter. Und diesen Grad der Schwere, den sehe ich bei so einem Coming-out von Ich identifiziere mich jetzt mit einer Community, der ich eigentlich vorher sowieso schon angehört habe. bommel: Aber das ist für mich gefühlt weniger gravierend. Und ich glaube, dass sich das für eine Person selbst, die diese Identität als behinderte Person für sich entdeckt und diesen Stolz darin für sich entdeckt und die Community für sich entdeckt, dass das total lebensverändernd sein kann. Und dass das ganz viel Freiheit bedeutet und so. Aber ich habe es noch nicht so ganz durchdacht, aber ich glaube, das hängt für mich auch irgendwie... Das kann ich noch nicht so gut in Worte fassen. Ich glaube, es hängt auch für mich so ein bisschen damit zusammen, wie Stigma entstehen oder wahrgenommen werden, wann die sichtbar sind und wann nicht und so. Ich glaube, das können wir jetzt auch gar nicht auflösen, aber ich verstehe deine Punkte total und ich bin dem Begriff jetzt ein bisschen zugeneigter als vorher und ich kann zumindest verstehen, warum man ihn in diesem Kontext benutzen wollen würde. Also ich bin trotzdem nicht zufrieden. Aber ich habe auch keinen wirklich besseren Vorschlag. kc: Ich bin aber auch unzufrieden damit. Also ich wollte auch gar nicht dafür argumentieren, dass man den benutzt. Also es fühlt sich auf jeden Fall irgendwie so ein bisschen sehr seltsam an, diesen Begriff hier eingeführt zu haben. Mhm. Aber gut, vielleicht ist diese Parallele letztendlich aber auch gewollt zur queeren Community, weil es da halt, viele Beispiele gibt, an denen man sich orientieren kann. Mhm. Also der Begriff des Coming-outs ist ja sehr einfach, sehr gut verständlich, auch wenn er unterschiedliche Dinge in den beiden Kontexten meint, aber dann halt auch nicht so unterschiedlich. Ich kann das nicht erklären, das ist irgendwie schwierig. bommel: Ja, vielleicht, manchmal muss es ja in einem auch erstmal ein bisschen arbeiten, bis man irgendwie genau weiß, was für ein Problem man jetzt mit dem Begriff konkret hat oder was einer jetzt stört oder nicht. kc: Ich glaube, ich würde an dieser Stelle gerne unsere Hörenden aufrufen, einfach selbst mal öffentlich ein Coming-out als behinderte Person zu haben. bommel: Ja, taggt uns. kc: Wenn es sowieso nicht bei ihnen im Profil irgendwie dabei steht, dass sie halt einfach mal irgendwie einen Post absetzen, wo sie dann sagen, ja übrigens, ich bin so und so behindert und das ist gut. bommel: Ja. kc: Das ist gut, so wie es ist. Ich bin gut. bommel: Ja. kc: Ich gehöre dazu. bommel: Ja, das finde ich voll schön. Das möchte ich auch gerne mehr lesen. kc: Das will ich sehr gerne lesen. Also taggt uns da bitte. Das finden wir toll. bommel: Und was das halt auch nochmal sichtbar macht im Zweifel ist halt, also es gibt ja trotzdem auch sehr, sehr viele Behinderungen, die trotz Pride und auch trotz Disability Pride Parades und so, die einfach unsichtbar bleiben, weil die Betroffenen im Alltag einfach komplett unsichtbar sind und auch bei Disability Pride Parades oder so kein Platz für sie ist. Das ist halt zum Beispiel von ME-CFS Betroffene oder so. Auch da gibt es dann halt zum Beispiel dieses Konzept der Liegenddemonstration. Aber dieses Konzept, das funktioniert ja auch, und deswegen ist Solidarität so wichtig, dieses Konzept funktioniert ja vor allem auch auf der Idee, dass sich Leute, anstelle der betroffenen Person dorthin legen und demonstrieren. Also zumindest zum Teil auch. Und sichtbar sind. weil das einfach Menschen sind, die wirklich das Haus nicht mehr verlassen können. Für die ist der Gang zum Klo an manchen Tagen eine absolute Tortur, wenn es überhaupt geht. Und ich finde auch da, das möchte ich einfach nicht vergessen wissen, dass auch da, selbst bei allem Pride und wie cool das auch ist, dass es Disability auch Pride Parades gibt und so, ich finde es richtig toll. Aber auch da ist, Kommt nicht die ganze Community zusammen. kc: Ja, sondern halt nur der Teil, der in diesem Sinne privilegiert genug ist, um überhaupt dort zu sein. bommel: Ja, voll. kc: Und neben ME-CFS-Betroffenen, also an dieser Stelle auch nochmal viele Grüße an eine gemeinsame Freundin von uns, gibt es natürlich auch ganz viele Leute, die irgendwie tagesweise eingeschränkt sind oder irgendwie chronisch kranke Personen, für die das an manchen Tagen halt kein Problem ist, die sich das vielleicht auch planen könnten, da hinzugehen und da zu sein, wo die Behinderung dann aber an dem Tag meint, ähäh, heute nicht. Heute bleibst du zu Hause, heute bleibst du auf dem Klo, heute funktionierst du nur, wenn du irgendwie so eine Infusion in dich reintust. Mhm. Das dürfen wir nicht vergessen. Sowas gibt es natürlich immer. bommel: Von meiner Seite aus war es das für die heutige Folge. Hast du noch was? kc: Wir sind richtig schnell fertig. Eine sehr politische Folge. bommel: Und Folge packt mit Inhalt. Und das, obwohl sie gar nicht so fürchterlich lang war. Aber auch mal ganz gut. Müssen die Leute ihre Noise-Canceling-Kopfhörer nicht so lange aufhaben bei der Wärme, wenn sie die Folge hören. kc: Die Folge kommt heraus, wo es gar nicht mehr so warm sein soll. bommel: Hoffen wir. kc: Hoffen wir, hoffen wir. Hoffen wir wirklich, ja. bommel: Drück uns allen die Daumen. kc: Wobei, heute ist es auch schon wieder so warm. Also bei mir sind 25 Grad und in Berlin sind jetzt gerade auch 27 Grad. Ja. bommel: Es reicht halt auch schon an. kc: Wärme. Es ist warm genug. Ich will nicht mehr. bommel: Ja. kc: Ja, machen wir zu. bommel: Ja, machen wir zu. kc: Ja, dann würden wir uns freuen, wenn ihr unseren Podcast auf der Podcast-Plattform eurer Wahl bewertet. Beispielsweise Spotify oder Apple Podcasts und eine Rezension dalasst. Das haben noch nicht so viele Leute gemacht. Würden wir uns freuen. Außerdem freuen wir uns immer, wenn ihr uns Nachrichten schreibt, beispielsweise direkt unter die Folge auf all-glitches-welcome.de, oder uns einfach eine Mail schickt, beispielsweise auch mit eurer Sprachnachricht an glitches-at-consible.de Das ist c-o-n-e-s-i-b-l-e.de Ich liebe es, das zu Buchstaben hier. Oder auf unseren Social Media Kanälen. Und ansonsten haben wir einen tollen Discord-Server, wo auch ab und zu mal was passiert. Schaut da gerne auch mal vorbei. Sachen sind in den Shownotes allesamt verlinkt. bommel: Ja. kc: Und würde ich sagen, hören wir uns in zwei Wochen wieder. Wenn wir dann nicht, einer weiteren Hitzewelle zum Opfer gefallen sind. bommel: Ja. Ich wollte auch gerade sagen, ich hoffe, ihr bleibt alle kühl. Dann bis zum nächsten Mal. kc: Tschüss. bommel: Ciao.