bommel: In dieser Folge von All Glitches Welcome erfahrt ihr nicht nur viel zu viel über meine Unterwäsche, sondern ihr erfahrt auch, was Casey in der letzten Woche bommel: so alles Tolles auf die Beine gestellt hat. Denn sie erzählt euch heute von ihrem Projekt barrieren-gutachten.de. Darüber hinaus reden wir über Inspiration Exploitation, über Rentiere, Musicalfilme und was das alles mit Behinderungen zu tun hat. Und wir wünschen euch ganz viel Spaß mit dieser Folge. Hallo und herzlich willkommen zur zweiten Folge von All Glitches Welcome. Heute wollen wir ein bisschen über Inspiration Exploitation reden. Das haben wir ja schon angekündigt, aber ich will natürlich erst mal wissen, wie geht's dir, Casey? kc: Mir geht's super, aber ich habe richtig viel zu erzählen. Ich habe super viel gemacht diese letzte Woche. Wie geht's dir? bommel: Ja, ganz okay. Ich habe gerade vor der Podcastaufnahme noch mal ein bisschen Wörter gesammelt, Weil ich am Wochenende unterwegs war und heute Morgen bin ich wach geworden und habe so richtig gemerkt, okay, meine Wörter sind alle. Scheiße, was mache ich jetzt? Ich glaube, ich habe genug gesammelt für den Podcast. Ansonsten bin ich am Wochenende Opfer eines wirklich unvergleichlichen Verbrechens geworden. Ich bin Opfer eines Schlüpferdiebs geworden, aber das kann ich gleich auch nochmal erzählen. kc: Wie ist das denn passiert? bommel: Ich weiß es nicht. Es ist ganz schrecklich. Also okay, wir holen mal die ZuhörerInnen ein bisschen ab. Ich war am Wochenende auf einer Familienfeier und es war in einer anderen Stadt, deswegen war das halt ein längerer Trip mit Übernachtungen und so weiter. Und ich habe mich natürlich vorbereitet, obviously, und habe sehr gewissenhaft meine Sachen gepackt und sowohl ich als auch meine Partnerperson sind zu 1000% sicher, dass ich meine Schlübber nicht nur zurechtgelegt habe, sondern sie auch eingepackt habe. Als ich dann aber im Hotel war und duschen wollte, waren sie einfach wirklich nowhere to be found. Sie waren einfach weg. Und es war nicht am ersten Abend, weil ich bin ja schlau. Natürlich fahre ich hier frisch geduscht mit einer frischen Unterhose los, damit ich im Hotel, da wo alles anders ist als zu Hause, eine möglichst lange Zeit nicht duschen muss. Das heißt, es war quasi dann der nächste Tag abends. Was dann halt auch schon die letzte Übernachtung war. Aber wir haben wirklich, wir haben alles abgesucht. Und ich meine, ich hatte schon viel Gepäck dabei, weil ich, wenn ich verreise, Perks of being Autistic, meine autistische Superpower ist, ich kann sehr schlecht in anderen Betten schlafen, unter anderem. bommel: Und dementsprechend habe ich eigentlich immer so mein ganzes Bettzeug dabei. Deswegen, das sind immer noch so eine Extratasche. naja, ich bin schon stark bepackt, aber es ging noch. Wir haben alle meine Taschen zweimal abgesucht. Wir haben sogar die Tasche von meiner Partnerperson zweimal abgesucht. Wir haben dieses gesamte Hotelzimmer, was nicht besonders groß war, abgesucht. Und ich hatte das so gemacht, dass ich alle meine Sachen erst mal auf dem Sofa geparkt hatte und dann eingepackt. Und wir wissen auf jeden Fall, dass diese Unterhosen es aufs Sofa geschafft haben. Und ich bin mir wirklich auch sicher, dass ich sie eingepackt habe. Aber wir hatten uns dann irgendwann so reingeredet, dass wir dachten, naja, vielleicht liegen sie noch zu Hause. Und als wir dann wieder zu Hause angekommen waren, sind wir beide erstmal zum Sofa gerannt, um zu schauen, ob meine Unterhosen da irgendwo sind. Aber nein, sie sind weg. Das heißt, es bleibt nur eine sinnvolle Möglichkeit. Jemand hat mich bestohlen. kc: Das leuchtet ein. Also ich Ich bin ja auch dafür bekannt, mal die ein oder andere Sache zu verlegen. Aber wenn ich dann danach suche, finde ich das ja in der Regel wieder. bommel: Es ist vollkommen ausgeschlossen, dass sie in diesem Zimmer noch sind. Das funktioniert, weil du konntest auch unter alles ganz gut drunter gucken. Man konnte unter das Bett gucken. Da war so ein kleiner Schreibtisch. Da konnte man super drunter gucken. Und ansonsten waren die Sachen halt nur beweglich. Also da war so ein Tisch, den haben wir aber auch immer hin und her geschoben. Wir hatten so zwei Stühle noch und so. Es bleibt keine andere Option, wirklich. kc: Dann hoffen wir, dass der Schlübberdieb sich meldet. Ja, wirklich. bommel: Gebt uns alle drei Schlübber zurück, du Schelm. kc: Ja, mit der Reichweite dieses Podcasts dürfte das ja gut zu machen sein. Wenn ihr was gehört habt, wenn ihr was gesehen habt, der Schlübberdieb vom Bommel wird gesucht. Wir setzen eine Belohnung aus. bommel: Ja, oh Gott, was ist die Belohnung? kc: Eine Tafel Schokolade. bommel: Ach so, ich dachte vielleicht an so einen freundlichen Händedruck oder so. kc: Ja, okay, das ist auch gut. bommel: Aber eine Schokolade kann man besser versenden. Vielleicht nehmen wir doch lieber das. kc: Apropos Schokolade und freundlicher Händedruck. Morgen, wenn diese Aufnahme rauskommt, am 3. Dezember ist der internationale Tag der Menschen mit Behinderung. Was finden wir da? Kriegen wir da Schokolade, weil wir behindert sind? bommel: Wie so beim Kindertag früher? kc: Ja. bommel: Ja, finde ich eigentlich richtig geil. kc: Also eigentlich ist das natürlich ein aktivistischer, in Anführungszeichen, Tag, wo es darum gehen soll, irgendwie Aufmerksamkeit auf die Situation von Menschen mit Behinderung zu lenken. Und eben jedes Jahr am 3. Dezember, wo dann große Aktionen gemacht werden, wo es Demonstrationen geben kann oder so, es gibt ja eine Menge solcher Tage. Aber für mich persönlich sind solche Tage in letzter Zeit eigentlich immer, warum soll ich diesen Tag irgendwie jetzt besonders begehen? Das sind dann vielleicht so Situationen, wo das eine Zeitungsredaktion morgens feststellt oder eine Radioredaktion und sagt, ja ups, heute ist ja dieser und jener Tag, wir haben ja gar keinen Beitrag dazu, rufen wir mal Casey an. Vielleicht will die ja irgendwas sagen. Also das ist halt in den letzten Jahren bei mir irgendwie mehrfach vorgekommen, dass das halt genauso gelaufen ist und ich fände das eigentlich nicht so gut. Wie stehst du dazu? bommel: Ich finde es eigentlich gut, dass Leute dich fragen. Nein, ich weiß schon, was du meinst. Du meinst jetzt, dass sie generell nichts vorbereiten und dann so auf den letzte n Drücker irgendwie versuchen, irgendwelche Leute zu fragen. Naja, es zeigt halt letztlich die Prioritäten. Also wenn es ihnen halt wichtig wäre, in irgendeiner Art und Weise, oder wenn das ein Tag wäre, den Leute so auf dem Schirm hätten, wie zum Beispiel, keine Ahnung, feministischen Kampftag oder so, dann findet da natürlich viel mehr Vorbereitung statt. Und dann wirst du da auch nicht auf den letzten Drücker gefragt, sondern schon mal zwei Wochen vorher, damit du vielleicht auch vernünftig was vorbereiten kannst. Wusstest du eigentlich, dass dieser internationale Tag der Menschen mit Behinderung tatsächlich auch ein Motto hat? kc: Nee, welches? bommel: Scheinbar gibt es jedes Jahr ein Motto. Und das Motto dieses Jahr ist, das ist auch ganz sexy, Förderung inklusiver Gesellschaften zur Förderung des sozialen Fortschritts. Aha. kc: Wer hat das festgelegt? bommel: Die UN. kc: Okay. Ja, spannend. Und was fördern wir da? bommel: Naja, inklusive Gesellschaften. Willst du das jetzt auch noch mit Inhalt füllen oder was? kc: Na bitte. bommel: Beruhige dich. Es reicht ja wohl, dass es den Tag gibt. kc: Hast du was geplant zu diesem Tag? bommel: Ja, bisher nicht. Eigentlich wäre es halt richtig cool, wenn man was plant zu dem Tag. Aber ich bin so überfordert. Ich verstehe auch nicht, so richtig, warum packt man den in den Dezember? Hat der dritte Dezember irgendwie historisch eine bestimmte Bedeutung? kc: Das weiß ich nicht. Ich glaube nicht. bommel: Frage ich mich halt gerade so. Vielleicht war der Tag halt einfach noch frei. So nach zwischen dem Tag des Faultiers und, weiß ich nicht, dem Tag der Truckerfahrer oder so. Ich frage mich halt, ob das so irgendwie bewusst in die Vorweihnachtszeit gelegt ist. Passt ja so ein bisschen auch zu dem Thema Inspiration Exploitation und so, worüber wir nachher noch mal ein bisschen reden wollen. Vielleicht muss ich das mal recherchieren. kc: Stimmt. Darüber habe ich mir nie Gedanken gemacht. Aber das ist natürlich eine denkbar schlechte Platzierung für so einen Tag. So direkt vor der Konsumzeit. Ja. Ich weiß nicht. Spannend. bommel: Weiß ich auch nicht. Aber es lässt sich sicherlich in irgendeiner Art und Weise herausfinden. Vielleicht weiß es ja auch jemand von den Leuten, die zuhören. kc: Wenn ihr es wisst, wenn ihr irgendwie Insights habt, die wir nicht haben, vielleicht können wir es in die Shownotes tun, wenn wir irgendwie was nachgefunden haben. Wenn da nichts steht, schreibt uns. bommel: Ja, please. Schreibt uns sonst auch. kriegen gerne E-Mails, also nette E-Mails. kc: Genau, wir kriegen super gerne E-Mails. Das können wir vielleicht auch noch sagen. Folge 0 haben wir irgendwie richtig viel von euch gehört und gesagt bekommen. Und bei Folge 1 ist das irgendwie so sehr abge ebbt. Aber natürlich, das ist natürlich zu erwarten. Wir haben damit gerechnet, dass das so ist. Aber wir freuen uns natürlich trotzdem von euch zu hören, weil wir machen diesen Content für euch. Und wir wollen gerne lernen, was wir besser machen können. Und vor allem, wie wir es so machen können, dass es für euch gut passt. Und was wir jetzt aus der ersten Folge mitgenommen haben, ist, dass es für manche Leute zu lang ist. Für manche war die Länge genau richtig, dass es für manche zu Themen waren, für andere zu wenig. Und wir versuchen dann jetzt so über die Zeit, da so einen schönen Mittelweg zu finden. Aber das können wir eben nur, wenn wir Rückmeldungen von euch bekommen. Also schreibt uns gern. Unsere Kanäle sind ja bekannt oder ihr findet sie auf unserer Website unter all-glitches-welcome.de. bommel: Bin ich sehr gespannt, was uns da erreicht. Ich wollte aber tatsächlich noch zwei, drei Sachen vor dem Wochenende erzählen. Denn ich habe tatsächlich das Glück, dass ich die Geschwister von meiner Partnerperson wirklich über alles liebe. Ich finde die richtig, richtig toll. Es gibt ja gerade so bei Familienfeiern gibt es ja immer so die Leute, die sind halt so auch dabei, aber wären die nicht dabei, wäre im Zweifel irgendwas auf dem Spektrum von nicht so schlimm bis eigentlich auch schöner. Und in diese Kategorie fallen die auf jeden Fall nicht, sondern über die freue ich mich so richtig aktiv. Und ich habe mich auch richtig doll aktiv auf die gefreut. Und die eine Person, die ich glücklicherweise auch meine Freundin nennen darf, ist tatsächlich auch behindert. Also sie ist gehbehindert. Das heißt, dieses Thema Barrierefreiheit war für die Hotelauswahl durchaus ein wichtiges Thema. Und das Hotel, in dem wir waren, hatte eine wirklich, ich sage mal, spannende Auffassung davon, was Barrierefreiheit so bedeutet. kc: Ja, das kennen wir ja. Willst du etwa implizieren, dass das was Neues ist, Bomme? bommel: Nee, aber ich dachte, ich berichte einfach mal kurz vor dem Wochenende, was es in diesem konkreten Fall hieß. Ich sag mal so, also wir waren schon eine Nacht früher dort und mir ist jetzt zum Beispiel nicht aufgefallen, dass das Gebäude, in dem wir da untergebracht waren, jetzt besonders auf Bayerelfreiheit ausgelegt war. Ich finde, das sagt schon mal so ein bisschen, das sagt schon mal so das ein oder andere. Was halt ganz cool war, war, du kanntest von außen direkt mit deiner Zimmerkarte und so in den Fahrstuhl. Also du musstest gar nicht irgendwie ins Gebäude rein oder so, sondern du hattest direkt Zugang zum Fahrstuhl und der hat dich dann da auf deiner Etage ausgespuckt. Von außen? Und das war soweit. kc: Von außen? bommel: Ja. kc: Spannend, das habe ich noch nie gesehen. Frieren die Töne da nicht zu? bommel: Das weiß ich nicht. Also ich meine, es war ja am Wochenende sehr kalt und sie sind nicht zugefroren. Wobei, dazu muss ich auch sagen, ich glaube nicht, dass in diesem Gebäude irgendwas jemals zufrieren kann, weil dieses gesamte Gebäude und unser Zimmer, das hatte eine Bullenhitze. Ihr macht euch kein Bild. Es ist wirklich unglaublich. Ich bin unfassbar schlecht darin, Dinge zu schätzen und ich übertreibe manchmal auch ein bisschen gerne. Nicht so bewusst, aber in meinem Kopf sind dann Dinge so spektakulär schlimm, dass es automatisch übertrieben wird. bommel: Aber Raumtemperaturen sind für mich so ein Ding, weil ich kann meine Körpertemperatur sehr, sehr schlecht regulieren. Und meine Wohlfühltemperatur ist extrem warm. Also körperlich richtig wohl in Zimmern, wo ich halt nur so sitze oder so und so ein bisschen, keine Ahnung, am Computer was mache oder so jetzt zum Beispiel in unserem Wohnzimmer oder so, sind für mich so 23 Grad. Irgendwas so zwischen 22,5 und 23 Grad, was schon richtig warm ist. Auf jeden Fall kam ich in dieses Gebäude und mir kam eine Hitzewand entgegen. Das war unnormal. Und unser Zimmer hatte mindestens 24 Grad. Wir haben nachts die Heizung alle ausgestellt, das Fenster geöffnet. Es hatte draußen minus 4 Grad. Und ich habe, ich habe so eine Schnuffeldecke mitgehabt, so eine ganz dünne Fließdecke. Ich habe in dieser Fließdecke geschlafen und mich totgeschwitzt. Das war so warm da drin. Also wahrscheinlich ist deswegen das Zufrieren der Türen kein Problem innerhalb dieses Gebäudes. Einfach wegen dieser Hitze. Das war richtig absurd. kc: Also konnte man da gar nichts machen? Also Klimaanlage auf dem Zimmer kenne ich zumindest so, dass man da die Temperatur ein bisschen regulieren kann. bommel: Das hatte keine Klimaanlage, das hatte Fensteranheizung. kc: Okay. bommel: Ja. Also ist an sich auch okay, aber ja, keine Ahnung. Irgendwo in diesem Gebäude war halt auch, glaube ich, ein Schwimmbad. Aber da muss ja nicht das ganze Haus für so warm sein. Egal, keine Ahnung. Es war auf jeden Fall so. Und ich sage es mal so, für das Schlüpfergeld war es halt super praktisch, weil wir haben das getan, was man niemals tun sollte, Fenster auf und Heizung an. Also ich meine, ich hatte ja eine Unterhose dabei, nämlich die, die ich trug. Und die haben wir dann einfach mit der Seife ausgewaschen am Waschbecken. Und dann schnell getrocknet auf der Heizung. Dafür war es perfekt, weil du, das ist kein Witz, ich saß bei minus vier Grad vor dem offenen Fenster und wir war muckelig warm. Weil dieses Zimmer so heiß war. Ja, kurzer Exkurs dazu. kc: Das ist ja auch eine Barriere. bommel: Das mit der Hitze, für mich war es furchtbar. kc: Offensichtlich, ich hattest du große Probleme damit. bommel: Ich hatte riesige Probleme damit, weil ich auch, Also mein Partner hatte echt ein bisschen Schiss, das Fenster aufzumachen, weil, wie gesagt, es hatte draußen minus vier Grad. Und er hatte halt echt so Bedenken, was passiert, wenn wir jetzt einfach das Fenster aufmachen und einschlafen. Und irgendwann war so der Punkt erreicht, wo ich so dachte, also ich habe so ein bisschen auch das Problem, dass wenn mir zu warm ist beim Schlafen, also Körpertemperatur regulieren kann ich eh nicht, beim Schlafen ist nochmal viel schlimmer. Und wenn man beim Schlafen zu warm ist, beziehungsweise im Bett, dann werde ich keine Sekunde schlafen. Und wenn ich sage keine Sekunde, dann meine ich auch wirklich keine Sekunde, weil mein Herzschlag so stark ist und es auch in meinem Kopf so pocht, es ist absolut ausgeschlossen. Das fühlt sich halt auch so ein bisschen dadurch an, so ein bisschen wie Panik. bommel: Und deswegen ist mein Körper dann auch so voll gestresst und irgendwann mal so der Punkt erreicht, wo ich so meinte, es tut mir echt leid, aber ich muss dieses Fenster öffnen. Und es hat, also es hat halt nichts gemacht. Also das Zimmer war morgens halt auch noch warm. Das war wirklich komplett wild. Und das ist halt auch so ein Problem. Ich habe vielleicht ein bisschen TMI, aber naja, die Leute können ja skippen. Ich habe immer, wenn ich so extrem gestresst bin und wenn ich irgendwo hinfahren muss, was nicht zu Hause ist, bin ich extrem gestresst, habe ich eigentlich immer irgendwelche Entzündungen an der Haut. Das ist immer ein bisschen unterschiedlich. Manchmal sind es Zahnfleischentzündungen und dieses Mal hatte ich halt Entzündungen an den Füßen. bommel: Und Entzündung und Wärme ist auch eine denkbar schlechte Kombination. Das hat so gepocht, dass ich wirklich dachte, okay, mir fallen gleich die Zähne ab. Das war so schlimm. Naja, aber ich sag mal so, mit offenem Fenster ging es dann halt alles. Aber ja, das war spannend, da irgendwie einen Modus zu finden, bommel: in dem wir gut funktionieren können innerhalb dieses Raumes. Was ich aber eigentlich erzählen wollte, Stunden später, was ich eigentlich erzählen wollte war, wie gesagt, meine Freundin ist gehbehindert und hat halt so Probleme mit einerseits chronischen Nervenschmerzen, weswegen sie das eine Bein nicht gut benutzen kann und vor allem halt nicht belasten kann und mit Fatigue und das bedingt sich natürlich halt irgendwie auch total ab. Blöde irgendwie zusammen, weil durch die Fatigue ist es dann so, dass sie sehr wackelig ist und auch sehr schwindelig oft, also viel Schwindel hat. Und dadurch werden die Schmerzen dann halt im Zweifel auch irgendwie stärker und durch starke Schmerzen hast du dann natürlich auch mehr Fatigue. bommel: Genau, sie bewegt sich halt in der Regel mit Gehstock oder Rollator und kann damit aber auch wirklich keine weiten Strecken. Dementsprechend war es für sie halt, was das angeht, wirklich super relevant, dass das Zimmer barrierefrei ist. Und irgendwann saßen wir da beim, keine Ahnung, Kaffeetrinken oder so und sie guckt mich so an und sagt so, habt ihr eigentlich auch eine Badewanne? Und ich so, nee, wir haben eine Dusche. Und sie, boah, wow. bommel: Deren Zimmer hatte nur eine Badewanne. Und sie war schon die ganze Zeit super gestresst und am Überlegen, wie sie das macht, weil sie da einfach nicht reinkommt. Ich meine, glücklicherweise sind wir so eng, dass ich einfach sagen konnte, ja, ganz ehrlich, dann komm rüber, dann duschst du halt schnell bei uns. Unsere Dusche war jetzt auch nicht komplett barrierefrei. Da musst du halt auch eine Stufe hochgehen, um da reinzukommen. Reinzukommen, aber es ging dann halt auch überhaupt. Und als sie dann mit dem Rollator in unserem Zimmer war, das ging. Aber da dachte ich halt auch so, mit einem Rollstuhl, Also ich wüsste nicht, wie du dieses Zimmer vernünftig hättest, mit einem Rollstuhl navigieren sollst und dass du auch ins Bad vernünftig reinkommst und so. Also ich kann mir schon vorstellen, dass das irgendwie gegangen wäre, aber Spaß gemacht hätte sicherlich nicht. Und da dachte ich dann auch so, da fuck, also wo Barrierefreiheit? Und auch zum Essen in dem Hotel eigenen Restaurant da saßen wir auch in einem Teil des Restaurants, den du gar nicht erreichen konntest, ohne so zwei, drei Treppenstufen zu gehen. Und das ist halt auch immer so, es war für sie jetzt, sag ich mal, zum Glück halt möglich, aber es hat sie natürlich unendlich viel Energie gekostet. Und das ist halt auch was, wo ich mir so denke, ich hatte da mit FreundInnen auch sehr viele Gespräche drüber. bommel: Weil ich, ich habe meine Autismusdiagnose ja relativ spät bekommen und dementsprechend habe ich dann halt auch relativ spät danach erst mir überhaupt über sowas wie ein Grad der Behinderung oder so Gedanken gemacht und den dann auch beantragt. Und dann musst du ja natürlich irgendwie so aufschreiben, was du so kannst und was halt so nicht und so. bommel: Und ich hatte ganz große Schwierigkeiten damit aufzuschreiben oder einzuschätzen für mich selber, was kann ich und was kann ich nicht. Und ich habe mich da dann halt mit Leuten in meinem Umfeld darüber auch ausgetauscht, weil für mich war das halt so ein bisschen so, naja, wenn ich jetzt zum Beispiel, es ging zum Beispiel um so Wege oder öffentliche Verkehrsmittel fahren oder so. Weil ich dann halt meinte, naja, wenn mir jetzt halt jemand sagt, du musst eine halbe Stunde mit dieser U-Bahn fahren oder du stirbst, dann werde ich das wohl hinkriegen. Und ich weiß, ich habe noch einen Freund von mir im Ohr, der total gelacht hat und auch meinte so, so funktioniert das nicht. Die Frage ist ja, zu welchem Preis schaffst du das? Weil geht es dir danach gut? Nein. Du brauchst danach Tage, um dich davon zu erholen. Das heißt, es funktioniert für dich nicht. Und das war für mich so ein richtig augenöffnender Moment, wie überhaupt die eigenen Schwierigkeiten, die ich im Alltag habe, überhaupt mal so einzustufen oder einzuordnen. Und da musste ich halt auch dran denken, weil ja, sie hat diese paar Treppenstufen geschafft, aber zu welchem Preis? Also ich weiß ganz genau, dass sie sich davon jetzt so lange einfach erholen muss. bommel: Ja, also ich finde das einfach nochmal wichtig, dass man diese Perspektive hat von nicht alles, was irgendwie geht, ist tatsächlich ausreichend barrierefrei. kc: Ja und die Auswirkungen davon konnte man gestern glaube ich auch einfach hören, weil sie einfach überhaupt keine Kraft mehr hatte zu sprechen. Ja, absolut. bommel: Und ich merke das ja auch schon an mir. Also ich hatte ja eben auch schon gesagt, ich musste vor dem Podcast in mir erstmal nochmal Wörter sammeln, weil meine Wörter irgendwie leer waren. bommel: Wir waren auf einer Hochzeit. Das war sozial auch einfach wirklich so viel. einfach. Und ich habe mich schon an so vielen Punkten rausgezogen. Ich bin zum Beispiel nie mit Frühstücken gegangen. Also ich hatte ein Brot, ein Messer und einen Eimer Erdnussbutter dabei und habe dann da morgens schön in Ruhe ganz allein meine Erdnussbutterbrote gegessen. Das war schon richtig gut und habe mich auch so zwischen den einzelnen Programmpunkten, das war das Gute daran, dass quasi wir im Hotel geschlafen haben und die Feier auch im Hotel stattfand, Ich zwischendurch einfach aufs Zimmer gehen konnte, zwei Stunden schlafen. Das hat mir wirklich einfach so diese Veranstaltung gerettet. Sonst würde es mir jetzt wirklich nicht im Ansatz so gehen, wie es mir jetzt geht. Und ich bin unendlich erschöpft. Also ich werde auch die ganze Woche brauchen, um mich davon zu erholen. Und das hat nichts damit zu tun, dass es irgendwie schrecklich war oder so. Nein, das war schön und insgesamt war das ziemlich entspannend. Also es gab halt die Trauung. Das war auch spannend. Weil auch der Zugang zu diesem Trauzimmer, der war auch nicht barrierefrei. Also der war barrierefrei, nachdem man die acht Stufen ins Foyer geschafft hat. So was finde ich auch immer geil. bommel: Danach gab es dann irgendwie wohl einen Fahrstuhl. bommel: Ja, also spannend einfach. Ich hoffe einfach, dass ich jetzt nicht krank werde. kc: Ja, Daumen sind gedrückt. bommel: Schlechtes Mitbringsel. Ja, vielen Dank. kc: Auf jeden Fall scheint das Worte wieder aufladen, neue Worte finden gut geklappt zu haben. bommel: Ja, das glaubst du so. Aber es fühlt sich für mich mittelmäßig so an. kc: Also ich kenne das von mir tendenziell nicht. Ich habe ja selbst eher weniger Wörter für Dinge. Woran merkst du, dass deine Wörter leer sind und dass du sie wieder aufladen kannst? bommel: Ich merke das gar nicht immer also das ist halt auch so ein Ding, das ist jetzt okay so, weil diese Podcastaufnahme macht auch Spaß, aber ich weiß schon dass ich jetzt einfach gerade auch über meine Grenzen gehe so und dass ich mir gerade, Energie klaue schon von den kommenden Tagen so was das angeht, und es ist halt eigentlich vorrangig so eine extreme Probleme, Erschöpfung und ich merke das auch ganz schlecht, wenn ich mit Leuten zusammen bin, weil sobald ich mit Leuten zusammen bin, dann kickt irgendwie so ein bisschen, ich weiß gar nicht, ob soziale Erwünschtheit das richtige Wort ist, weil ich meine, ich hätte auch mit dir reden können, wir hätten die Aufnahme vielleicht verschoben um ein paar Tage, wir haben noch genug Zeit bis zur nächsten Veröffentlichung, das hätte wohl funktioniert, das heißt, es gibt quasi in dem Sinne keinen Wunsch von dir an mich, wie ich mich zu verhalten habe. kc: Doch. bommel: Und zwar? Nein, natürlich nicht. Ja, und das heißt, das war so meine Entscheidung von, ich kann das jetzt schon machen, aber ich weiß, dass es so ein bisschen über meine Grenze geht. Und wenn ich halt so im Austausch mit anderen bin, fällt mir das auch extrem schwer. Aber wenn ich dann alleine bin, dann merke ich, das sehe ich zu ganz ruhigen Tätigkeiten beispielsweise tendiere oder. bommel: Also so Erschöpfung ist für mich halt ein extrem großes Thema, auch vor allem in der letzten Zeit. Und ich hatte das zum Beispiel in der letzten Woche, hatte ich einige richtig gute Tage, wo ich nicht am Tag noch so, keine Ahnung, vier Stunden geschlafen habe oder so. Und heute zum Beispiel hat das halt gar nicht funktioniert. Also wir sind gegen 14.30, 15 Uhr oder so, habe ich meine Augen wirklich kaum offen halten können. Und wir haben echt lange geschlafen, so bis 11.12 oder so. Und dann habe ich wirklich nur gefrühstückt und mir zwei, drei Sachen noch für den Podcast rausgesucht. Und ich konnte einfach nicht mehr. Ich musste mich schlafen legen. Und das sind natürlich dann auch schon irgendwie so Zeichen, wo ich dann merke, es geht einfach nicht mehr. Ich muss mich rausziehen irgendwie. Und ich meine, wir verbringen ja generell auch sehr viel Zeit zusammen in Voice Chats. Und tendenziell bin ich eine Person, die da eher redet statt schreibt. Aber da war ich heute auch eher in so einem Schreibmodus. Und ich merke es auch daran, normalerweise ist es zum Beispiel auch ganz schön, wenn Leute sich in dem Voice zum Beispiel so ein bisschen unterhalten und ich daneben ein paar Sachen nachgucke oder so. Aber das hat heute auch gar nicht funktioniert. kc: Ja. bommel: Gar nicht sortiert bekommen. Und das sind so Sachen, wo ich einfach irgendwie merke, okay, ich bin einfach richtig erschöpft und kaputti und dann ist so Kommunizieren eigentlich das, was mir mit am schwersten fällt. kc: Ich glaube, so mit anderen Leuten ist das eine Erfahrung, die ich von mir auch ganz gut kenne. Also sobald irgendwie andere Leute reden, gibt es so Situationen, wo ich ganz gut damit klarkomme, wo ich dem irgendwie folgen kann, dass ich da irgendwie dran teilnehme, selbst wenn ich währenddessen nichts sage und etwas anderes mache. kc: Aber manchmal gibt es dann einfach so Situationen, wo das überhaupt nicht mehr drin ist. Und dann sage ich auch, ja gut, ich muss jetzt hier mal raus. bommel: Und das ist halt auch so eine Sache, die ich richtig lernen musste, weil ich meine, das sieht man ja jetzt auch im Podcast so, weiß jetzt nicht, ob es Leuten von außen auffällt, dass ich mir so denke, reden wahrscheinlich eher nicht, aber ich habe mich gerade mit meinen eigenen Gedanken abgelenkt, weil ich da auch, das ist so ein auf der einen Seite eine richtig gute, Richtig gute Masking-Strategie ist es nicht, weil ich kann das nicht bewusst einsetzen. Es ist einfach so, wie es ist. Auf der anderen Seite ist es aber auch schlecht. Man merkt nicht, wenn es mir richtig schlecht geht. Und auf der einen Seite ist es toll, weil zum Beispiel am Wochenende ist es auch so, wir waren natürlich viel zu spät dran. Meine Partnerperson hatte halt ADHS. Und wenn da eine Aufregung dazu kommt oder so, dann passiert das einfach. so. bommel: Und ich hatte halt, mein Problem ist halt, aber ich habe momentan Medikamente, durch die werde ich relativ kurzatmig und dann mussten wir dann aber noch ungefähr eine Viertelstunde zu Fuß und waren viel zu spät dran. Und ich habe das sowieso, dass ich, sobald ich zu Terminen gehen muss, ich allein durch die Anspannung starke Muskelkrämpfe einfach immer habe. Und ich habe einfach wirklich diesen ganzen Weg über geweint und geschluchzt. Ich habe keine Luft bekommen, Und ich kam da an und ich sah aus wie das blühende Leben. Es hat niemand gerafft. Niemand. Selbst die Leute, die mich wirklich unfassbar gut kennen. Ich habe auch zwei, drei Leute nochmal gefragt und die waren alle so, ne, gar nichts von mitbekommen. Und auf der einen Seite ist das natürlich total toll, weil du nicht irgendwie zehn Leute am Hintern hast, die dich fragen, oh mein Gott, geht's dir gut? Was ist mit dir? So will es ja dann auch nicht so schön, sich so zu erklären. Aber auf der anderen Seite ist natürlich, wenn du aussiehst wie das blühende Leben und sagst, mir geht's richtig scheiße, sind die Leute auch so wie, okay, bist du dir sicher? Darunter habe ich mich gerade selber abgelenkt. Was war das Thema? kc: Es ging eigentlich immer noch um die Barrierefreiheit des Hotels. bommel: Ja, aber du hattest irgendwas gefragt und dann kam dieser Gedanke dazwischen. kc: Weiß ich nicht mehr, ich habe auch ADHS. bommel: Dann ist vielleicht auch egal. Es ging irgendwas, dass man nicht merkt, dass es mir schlecht geht. Naja. Egal. Ich weiß es auch nicht mehr. Wir haben es ja aufgenommen, das ist ja gut. Können wir nachher nochmal reinhaben. kc: Ja, wir quatschen hier nur. Ihr seid selber schuld, wenn ihr uns zuhört. bommel: Ja, aber eigentlich finde ich, ist es genau das Richtige, weil ich glaube, dass es vielleicht so manchen Menschen auch ein bisschen leichter fällt, überhaupt zu raffen, was so Barrieren sein können und so weiter, ohne dass wir da jetzt irgendwie großartig einen Vortrag drüber halten und sagen, ja, Temperatur kann auch total die Barriere sein, weil das ist dann ganz schwierig und bla, autistische Menschen haben voll oft Probleme, ihre Temperaturdringen sind. kc: Ja, das ist, was das Nichtbehinderte machen können. Ja, das kenne ich ja von meiner Arbeit auch zu Genüge. Und ich habe, also weil ich das, weil ich in meinem Arbeitsbereich ja so viel gelernt habe von Nichtbehinderten, was irgendwie Vorträge angeht und so, einfach weil es da keine oder nicht großartig viele Vorbilder mit Behinderungen gibt. Und deswegen sind solche Formulierungen wie, ja, Sache XY könnte ein Problem für blinde Nutzer sein, das verwirrt, so komplett in meinen Sprachgebrauch eingeflossen, ohne dass ich großartig selbst reflektiere, was das bedeutet. Aber wenn ich von meinen eigenen Erfahrungen erzähle, dann ist das seltener ein, ja, das könnte ein Problem für mich sein, das verwirrt mich jetzt total, sondern dann ist das eher, ja, das ist ein riesengroßes Problem aus diesem und jenem Grund oder das ist halt kein Problem, weil ich weiß, wie ich damit zurechtkomme. Und dann kann ich das erklären. Und ich glaube, an solchen Situationen zu erklären, funktioniert für mich deutlich besser, auch irgendwie um Situationen nachzuvollziehen. bommel: Ja, die Distanz ist halt kleiner, so zwischen Thema und Mensch. Ja, genau. kc: Ja, also hoffentlich sind das gute Dinge. Ja, ich war gestern auch unterwegs. Ich habe mich mit einer Freundin getroffen. Wir waren in Berlin und haben da einen Kaffee getrunken. Der Kaffee war einfach papsüß. bommel: Ah ja, du berichtetest davon. kc: Ja, aber das auch nur so eine Nebensache dazu. Jedenfalls war es in diesem Café unfassbar laut. Und so zwei Tische neben uns saß eine junge Familie mit wirklich zwei richtig kleinen, aber niedlichen Kindern. Aber die haben auch gemeint, dass sie irgendwie da jetzt erstmal 20 Minuten Radau machen müssen und irgendwie um das ganze Café rennen, weil sie jetzt Fang spielen müssen. Und das war für sie sehr offensichtlich ein sehr großes Problem, weil sie einfach überhaupt nicht mehr funktioniert hat in dieser Situation. bommel: Und du meinst quasi die Mutter oder angenommene Mutter? kc: Nein, meine Freundin. Ah, ja, okay. bommel: Ja, das ergibt viel mehr Sinn. kc: Ja, und ich saß nur daneben bei und war eigentlich auch vollkommen überfordert, aber ich habe es gar nicht so gemerkt, weil ich mich so auf sie fokussiert hatte und mir die Kinder in dem Moment relativ egal waren. Aber sobald ich dann wieder im Zug saß, um dort wegzukommen, wo ich dann alleine war, wo ich meine Noise-Canceling-Kopfhörer aufgesetzt habe und ein bisschen für mich war, da habe ich erst gemerkt, und das war wohl gemerkt, irgendwie drei, vier Stunden später, dass das richtig kräftezehrend war, obwohl das halt einfach viel früher schon passiert ist. Und das gar nicht unbedingt wegen der Lautstärke für mich, sondern eher wegen der Trampelei. Also kennst du sicher, wenn kleine Kinder irgendwie so richtig schnell, laufen und die haben dann nicht irgendwie gelernt, sich so ein bisschen abzufedern, sondern die stampfen dann immer so richtig oder sie springen auch ganz viel und solche Sachen. Und, Persönlich habe das halt früher auch immer gemacht, weil das für mich der einfachste Weg war, mich irgendwie sicher sinnvoll vorzubewegen. Meine Eltern haben auch immer gesagt, jetzt trampel doch mal nicht so viel, was soll das, mach doch mal langsam. Also aus dieser Hinsicht verstehe ich das vollkommen. Das sind halt kleine Kinder, die machen das. Aber das ist für mich so ein großes Problem und ich habe das so lange einfach nicht gewusst. Kennst du das? bommel: Ja. Ich habe relativ selten Kinder um mich herum. bommel: Weil einfach in meinem Umfeld niemand so kleine Kinder hat und ich in der Regel nirgendwo, das klingt so komisch, ich gehe nirgendwo hin. Aber entweder bin ich halt draußen und da stört es halt nicht so sehr. Aber ich bin selten irgendwie so in Cafés oder so. Aber ich weiß, was du meinst. Ich kann das zum Beispiel auch nicht, wenn ich auf dem Sofa sitze. Es gibt ganz viele Leute, die beim Reden, die die Angewohnheit haben, so zu gestikulieren und dann so neben sich irgendwie aufs Sofa zu dopsen mit der Hand oder aufs Bett oder auf den Tisch oder so. Und das ist auch was, das geht direkt in meinen Hirn, weil das ist auch so ein, das ist das, woran ich gerade denken muss, als du meintest, die trampeln so. Diese Mini-Erschütterung zum Teil, die ich dann auch durch den Körper wahrnehme und so, das verursacht mir zum Teil wirklich richtige Schmerzen zum Teil auch. Das kann ich gar nicht aushalten. Ich kann mir vorstellen, dass das ein bisschen vergleichbar ist. Und das ist so schade, weil ich liebe Kinder. so. Kinder sind richtig toll und ich finde das auch total wichtig, dass Kinder auch in der Öffentlichkeit rennen und Fangspielen und hüpfen und laut sind und so irgendwie und das dürfen, weil das sind Kinder, das gehört dazu. bommel: Aber das ist so schade, dass das ganz oft so mit meinen Bedürfnissen irgendwie so auseinander geht. Ich habe auch viel in Kindergärten ausgeholfen und so und ja, Ich habe das auf der einen Seite total geliebt, weil das total schön ist, diese Arbeit, aber es ist so anstrengend für mich, weil Kinder haben auch gar kein Gefühl dafür, ob sie dich aus deinen Gedanken reißen gerade oder nicht oder ob du gerade noch dabei bist, irgendwas anderes zu erledigen oder nicht. Und das ist total in Ordnung, weil es sind Kinder, das würde ich denen auch niemals übel nehmen. Aber das sind einfach so Sachen, in so einer Umgebung funktioniere ich einfach nicht so, dass es mir nachhaltig gut geht damit. Und ja, manchmal hat man das dann halt auch in so einem Café oder so. kc: Ja, jedenfalls dann war ich wieder zu Hause und also zu Hause being der Hauptbahnhof. bommel: Okay. kc: Und es war unfassbar kalt. Es hatte draußen minus acht Grad. Zumindest sagte das die Wetter-App und es war noch gar nicht so spät. Es war erst 19 Uhr. Und ich stand so vor dem Display, das die Straßenbahnabfahrten anzeigt und dachte mir, ja gut, meine Bahn kommt erst in acht Minuten, war es glaube ich, oder sechs, weiß ich nicht mehr. Jetzt warte ich hier drin, wo es wenigstens noch ein bisschen wärmer ist. Und dann ist passiert, was passieren musste. Ich habe einen Bekannten getroffen, den ich in der Uni kennengelernt habe. Und der hat mich dann angesprochen. Also ich hätte den überhaupt nicht erkannt, wenn der nicht irgendwie was gesagt hätte. und dann hätte der auch einfach vorbeigehen können und dann wäre es gut. Aber ich gehe stark davon aus, dass der nicht autistisch ist und dann musste ich mit dem Smalltalk führen. bommel: Und ich, also ich. kc: Also ich war, ich bin gerade aus einem Zug ausgestiegen, ich warte auf die Straßenbahn, ich war so voll in meinem Mode, ich habe gerade an meinem Handy irgendwie was rausgesucht, irgendwas gemacht, und dann steht der da vor mir und dann war ich auf einmal in dieser Situation, dass ich mich jetzt mit dem unterhalten muss. Und ich kann das überhaupt nicht, wenn ich nicht darauf vorbereitet bin, wenn ich nicht darauf eingestellt bin. Ich wusste, was der für einen Job macht. Mir ist es in dem Moment aber aufs Biegen und Brechen nie eingefallen. Also ich konnte nicht darüber reden. Dann habe ich ihn wahrscheinlich in seinem ganzen Leben jetzt zum fünften oder sechsten Mal gefragt, was er jetzt eigentlich macht. Und dann habe ich, also er macht irgendwie Consulting für Cloud und dann habe ich wahrscheinlich auch schon zum dritten oder vierten Mal den Witz gebracht, dass er mir bitte nix klauen soll. bommel: Oh mein Gott! Der Kreis schließt sich zu meiner Unterhosen-Story, Casey! Als hätten wir's geplant. kc: Ja, und dann fragen Leute auch immer, wie geht's dir? bommel: Und ich habe mir angewöhnt. kc: Da nicht mehr zu lügen und nicht zu sagen, ja gut, wenn es mir nicht gut geht. Also habe ich ihm geantwortet, ja ehrlich gesagt geht's mir gerade scheiße. Und man hat so, also ich habe zumindest so richtig in seinem Gesicht gesehen, dass das keine Antwort ist, mit der er gerechnet hat. Und wir haben dann auch überhaupt nicht weiter drüber geredet. Er hat dann irgendwas anderes gesagt und ich erinnere mich auch einfach nicht mehr daran, was es war, einfach weil das so überfordernd für mich gewesen ist. Und Und ich war dann so in der Mitte des Gesprächs, nicht so wirklich wissend, wo ich jetzt gerade bin, dass ich mich erinnerte, ich bin ja eigentlich gerade hier in dieser Situation, wo ich auf meine Straßenbahn warte. Ich muss mal gucken, wann diese Bahn kommt, damit ich die nicht verpasse und aus dieser Situation hier rauskomme. kc: Also habe ich mich wahrscheinlich so komisch verrenkt wie noch nie. Einfach um dieses Anzeigeding zu sehen, aber nicht zu weit weg zu laufen, weil das wäre ja unhöflich. kc: Und dann habe ich das immer noch nicht gesehen, aber dann hat er mich glücklicherweise gerettet, weil er gesagt hat, ich muss auch zur Straßenbahn. Und dann sagte er eine Linie, die an derselben Haltestelle fährt wie meine Linie. Und dann dachte ich mir, oh je, dieses Gespräch wird noch sehr lange dauern. Und ich komme hier nicht mehr raus, also habe ich mir in meinem Kopf schon so Themen zurechtgelegt, über die man mal reden kann. bommel: Also ich dachte so Exit-Strategien. kc: Ja, ich bin da furchtbar schlecht daran, irgendwie Leute abzuwibbeln, Leute loszuwerden. Also gut, wahrscheinlich bin ich auch einfach wirklich gut, weil ich einfach nicht sinnvoll auf deren Fragen antworten kann und so. Weiß ich auch nicht. Ist ja auch egal. Ich habe mir überlegt, ja, rede ich über diesen Podcast? Die Person folgt mir auf Instagram, also könnte es sogar sein, dass die Person hier zuhört. Viele Grüße, Jonas. Aber in dem Moment standen wir dann schon draußen in der Kälte und ich habe festgestellt, dass er eine Mütze trägt. Und dann habe ich halt sowas gesagt wie, ja, ich sollte mir auch angewöhnen, häufiger eine Mütze zu tragen. Obwohl ich gar kein Problem hatte mit der Temperatur an meinem Kopf, weil ich immer noch meine Kopfhörer auf hatte. bommel: Halt im Transparenzmodus. kc: Ja, solche Dinge. Und dann hörte ich so von Weitem, da fährt jetzt eine Straßenbahn ein und dann sagte er, okay, meine Bahn kommt, ich muss eben auf die andere Seite. Und ich war so erleichtert in dieser Situation, dass dieses Gespräch da geendet ist. bommel: Die Bahn einfach der Held der Inklusion dieser Woche, oder? kc: Ja. bommel: Kam direkt zur Rettung. Ich musste so lachen, als du meintest, dann hat er mich gefragt, wie es mir geht. Ich hatte am Wochenende genau dieselbe Situation, als ich gefragt worden bin, Von einer Person, mit der ich nicht so viel zu tun habe, nicht so viel ist wirklich die Untertreibung des Jahrtausends, mit der ich gar nichts zu tun habe und ich glaube, das ist für uns beide auch ziemlich okay, wurde ich dann gefragt, wie es mir geht und meine Antwort war so, naja, so. Und sie hatte so ein richtig festgefrorenes Lächeln auf den Lippen und so komplett leere, hilflose Augen. Und dann dachte ich, na komm, ich rette dich. Und dann meinte ich, aber heute geht es mir ganz gut. Und dann meinte sie noch, oh, wie schön. Ja, wir können uns ja nachher doch mal unterhalten. Und dann ist sie abgedankelt. Aber ich bin sozial inkompetent und habe es schriftlich, weißt du? Das ist ja wirklich auch Frechheit. kc: Ich weiß nicht, Menschen sind einfach seltsam. Also ich mag diesen Menschen, den ich da getroffen habe. Ich mag ihn sehr gerne. Wir haben über eine relativ lange Zeit irgendwie auch Dinge zusammen gemacht, zusammengearbeitet. Und ich habe ihn auch nicht zum ersten Mal an diesem Bahnhof oder in irgendwelchen Zügen in der Nähe dieses Bahnhofs getroffen. Also das kam schon häufiger mal vor. Und wir haben auch immer wieder mal geredet. Ich habe absolut kein Problem damit, nur wenn ich überhaupt nicht damit rechne, wenn es so aus dem Nichts über mich reinbricht, dann bin ich verloren. bommel: Ich fand es gerade aber richtig spannend und irgendwie für mich richtig schön, dass du erzählt hattest, dass du das mit der Mütze gesagt hast, obwohl es totaler Quatsch ist. Und das tat gerade richtig gut zu hören, weil es gibt keine Situation, in der ich mehr Quatsch erzähle als in solchen Situationen. Weil da sage ich auch Dinge, wo ich schon beim Reden merke, das ist gerade taler Käse. Das stimmt überhaupt nicht. Warum sagst du das? Ich will das überhaupt nicht. Ja, weißt du, wenn Leute dann irgendwie so erzählen, so ja, und dann war ich im Urlaub oder irgendwas und ich sagte so Sachen wie, oh, schön, ja, ich würde auch gerne mal wieder in Urlaub. Und mein Hirn ist so, nein, wollen wir nicht. Zu Hause ist einfach richtig geil. Es gibt ja auch ganz viele Leute, die dann immer irgendwie sagen so, ja, wenn man dann mal weg war und unterwegs, dann kann man das ja auch wieder viel mehr wertschätzen. Was für ein schönes Zuhause hat man. Nein. bommel: Ich wusste schon, bevor ich losgefahren bin zu diesem Wochenende jetzt, wusste ich schon, mein Wochenend-Highlight wird sein, wieder nach Hause zu fahren. Weil ich es einfach zu Hause am allerbesten finde. Hier sind alle meine Sachen. Das ist ja auch, ich tue mir ja auch permanent richtig doll weh. Also wenn ich gestresst bin, laufe ich sowieso überall gegen und so. Und das schon in meinem Zuhause. Wenn ich dann auch in einem Raum bin, den ich nicht kenne, wo Dinge nicht gewöhnt sind. Als ich duschen war, ich glaube, das klang, als würde ich diese Dusche auseinanderbauen. Einfach weil ich dadurch, dass alles so anders ist, mich permanent überall stoße und so weiter. bommel: Und das, also, ja, zu Hause einfach am besten, könnt ihr sagen, was ihr wollt. Ich finde das total schön, dass es sehr viele Menschen gibt, die auch gerne woanders sind als zu Hause. Aber ich, ich will einfach nur zu Hause. Und ich brauche auch keinen Kontrast. Gar nicht. kc: Für mich ist es zu Hause auch am schönsten, wenn ich irgendwie frisch aufgeräumt habe. Und dann ist es wahrscheinlich so vom Effekt her der gleiche, wie wenn Leute im Urlaub sind und dann für sich nach Hause kommen. Und es da wieder schöner finden. bommel: Boah, da muss ich mal drauf achten. Das ist eine richtig, das ist spannend, da muss ich drauf achten. kc: Ja, also vielleicht kommt das aber auch daher, dass ich halt alleine wohne und deswegen alles immer alleine sauber machen und aufräumen muss und alles und dass ich dann vielleicht einfach stolz auf die Arbeit bin. Das weiß ich nicht. Auf jeden Fall fühlt sich zu Hause immer am besten an, kc: aber es fühlt sich noch viel besser an, wenn aufgeräumt ist. Fühler. bommel: Apropos Du und Arbeit und Stolz drauf. Du hast was richtig Geiles auf die Beine bommel: gestellt. Willst du mal ein bisschen darüber erzählen? kc: Ja, wir reden über barrieren-gutachten.de. Das ist ein Projekt, das ich und eine Handvoll andere Behinderte über die letzten Monate zusammen entwickelt haben, ins Leben gerufen haben. Und bei diesem Projekt werden Prüfgutachten der öffentlichen Stellen für digitale Barrierefreiheit veröffentlicht. Diese Prüfgutachten, zumindest so bis Mitte des Jahres, bis das Projekt gestartet ist, waren die unter Verschluss. Und die Bundesregierung in Vertretung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales hatte auch überhaupt keine Lust, dass diese Gutachten veröffentlicht werden. Weil, und da zitiere ich jetzt eine Angestellte des Bundesministeriums, mit der ich bei den Inklusionstagen ebenfalls des BMAS dieses Jahres gesprochen habe. Man hatte Bedenken, dass die Behörden sich dadurch angegangen oder unter Druck gesetzt fühlen, was für digitale Barrierefreiheit zu machen. Und dann würden sie ja nichts mehr tun. Man kennt. Genau, das war deren Begründung. kc: Für mich ist das logischerweise eine nicht so ganz sinnige Begründung, weil wir haben ja Gesetze, in denen drin steht, ja, eure Sachen müssen doch bitte digital zugänglich und barrierefrei sein. Und hier gibt es einen Richtlinienkatalog. Und es gibt sogar diese Überwachungsstelle und seit 2021 führen die Überprüfungen durch. Und die schreiben dazu Gutachten und die melden an die Behörden zurück, was gemacht werden muss und so. kc: Und das sind eben von 2021 bis 2024 jetzt 918 Prüfgutachten auf Bundesebene. Es gibt auch einige weitere auf den Landesebenen. Da sind es eben unterschiedliche Stellen, die kommen noch ins Projekt, aber soweit erst mal. und, Dann, also weil die Behörden irgendwie, seitdem wir da dran sind, an diese Gutachten zu kommen, sich so dagegen gewehrt haben oder einfach nichts gemacht haben mit diesen Gutachten, dann mal gesagt, ja gut, wenn ihr es nicht hinkriegt, dann machen wir es halt über das Informationsfreiheitsgesetz. So habe ich schon die ein oder andere Information da rausbekommen, weil die sind natürlich verpflichtet dazu, irgendwie die Sachen zur Verfügung zu stellen. Also habe ich erstmal alle Prüfberichte angefragt, die die Bundesüberwachungsstelle selbst durchgeführt hat, weil da gibt es dann keinen Copyright oder so. Die sind also definitiv einfach verpflichtet, das rauszugeben. kc: Und das hat auch erstmal ein paar Monate gedauert, nachdem ich diese Anfrage gestellt habe. Und wurde dann immer wieder vertröstet. Ja, sorry, das dauert jetzt noch so lange. Dann haben sie die rausgerückt und dann haben sie gesagt, so gut, das kostet jetzt 135 Euro. Oder 130. Naja, das ist ja normal. Solche Anfragen kosten ja einen gewissen Mitarbeitendenaufwand. Und das Gesetz sieht auch offiziell vor, dass es da irgendwie Gebühren gibt und weil eben eine öffentliche Nutzung war, war das schon der reduzierte Betrag. Und dann habe ich den jedenfalls bezahlt und aus diesen 188 Gutachten haben wir dann die erste Version von barrieren-gutachten.de gebaut. Das war eine sehr, sehr technische Seite, wo einfach nur ganz grob alle Informationen irgendwie gesammelt waren, die ich mit irgendwelchen Skripten aus den PDF-Dateien auslesen konnte, weil die immer wieder ähnlich aufgebaut waren. Das hat nicht immer so gut geklappt. Manchmal waren da Sachen einfach fehlerhaft oder man ist in Zeilen versprungen, eben einfach, weil das Format so war. kc: Und das war mir nicht genug und wir wollten da mehr haben, mehr an Informationen, mehr Übersichtlichkeit und vor allem auch mehr Gutachten. Also habe ich die restlichen Gutachten auch noch angefragt, im vollen Bewusstsein darüber, dass es gut sein kann, dass die sich da entgegenstellen wollen. Ich hatte zwischenzeitlich Kontakt gehabt mit Leuten, die angestellt sind bei den Firmen, die von der Bundesüberwachungsstelle dazu beauftragt werden, das zu machen, also Telekom MMS GmbH und Materna Communications. Und die haben mir alle gesagt, ja, wir geben das an die Bundesüberwachungsstelle ohne irgendwie Lizenzauflagen oder so. Also die dürfen das auch ohne Probleme veröffentlichen. Und ich gehe mal stark davon aus, dass das letztendlich auch den Ausschlag dazu gegeben hat, dass die das dann gemacht haben, weil die 188 waren ja sowieso da und das Ergebnis davon war desaströs. Warum dann also nicht noch ein bisschen mehr? kc: Und auch da sollten wieder Gebühren angesetzt werden, da natürlich ein bisschen höher. Und eine Begründung für die Gebühren waren unter anderem auch, ja, wir müssen sicherstellen, dass die Dokumente irgendwie barrierefrei sind. Das ist irgendwie ein Arbeitsaufwand. Und ich war dann erstmal so, ja, nee. Da so das Behinderten-Gleichstellungs-Gesetz und da steht drin, dass ihr das, wenn irgendwie eine sehbehinderte Person anfragt, which I am, sämtliche Sachen, die ihr irgendwie rausgebt, in der zugänglichen Form geben müsst. Aber ich sagte dann gleichzeitig auch, nee, das müsst ihr nicht machen, weil wir machen das. Oder wir können das machen von Seiten des Projekts, weil ich müsste ja sowieso Skripte dafür schreiben, um die Informationen aus diesen Gutachten rauszuholen, die da drin standen, einfach um sie automatisiert zu verarbeiten, weil diesen Aufwand irgendwie für in dem Fall 918 Seiten, 918 Gutachten mit jenseits von 80 Seiten manchmal, das ist einfach nicht zumutbar. Und da musst du halt das irgendwie zu einem gewissen Grad automatisieren, wenn du sowas bereitstellen willst. kc: Und dann ist was passiert. worum ich mich immer noch nicht gekümmert habe seitdem. Ich habe aus welchem Grund auch immer den Zugang zu meinem FragDenStaat-Account verloren. Muss ich mal mit den Leuten reden. Und ich habe keinen FragDenStaat-Account mehr. Also habe ich nicht mitbekommen, was bei dieser Anfrage passiert ist. Und habe die dementsprechend geghostet. Aber irgendwann, ein paar Wochen später, habe ich festgestellt, Die haben eine neue Rubrik auf ihrer Website von der Bundesüberwachungsstelle, wo sie diese Prüfberichte jetzt selbst anbieten. Also man kann die jetzt als Zip-Dateien da einfach runterladen und sie schreiben da, dass sie jedes Jahr ein neues Archiv irgendwie hinzufügen. Also für 2025 sehen wir dann hoffentlich im Januar. kc: Und darüber kriegt man sie. Und so bin ich letztendlich da um diese Gebühren für diese Anfragen rumgekommen und habe genau das erreicht, was ich sowieso wollte. Und letztendlich ist das ja was, was nicht nur Menschen mit Behinderung nützt, weil Menschen mit Behinderung eben dann nachvollziehen können, was da in Sachen Barrierefreiheit passiert ist, welche Funktionen hinzugefügt wurden, welche Probleme behoben wurden, wenn sie eben Zugang zu diesen Prüfberichten haben. Weil manche Sachen eben nicht nur einmal geprüft wurden, sondern dann halt mehrfach. Und für die Behörden selbst ist das auch eine große Sache. Das haben wir auch von den 188 Gutachten gehört und mitbekommen, dass eben weil Dokumente in solchen Behörden erstmal einen gewissen Weg zurücklegen müssen, ehe sie bei den richtigen Leuten landen, dann da auch gerne mal verschütt gehen. Und bei den Gutachten ist das logischerweise nicht anders. Und die haben ihre Behörde dann auf der Website gefunden und konnten zum ersten Mal dieses Gutachten lesen, das für sie bestimmt gewesen ist, weil sie damit dann was machen können. kc: Und jetzt haben wir das Ganze halt quasi neu gemacht. Wir haben diese ganzen Gutachten, die jetzt von dieser Bundesüberwachungsstelle öffentlich geworden sind, durch meine Skripte gejagt und können die jetzt quasi da automatisiert hinzufügen. Und dann existieren sie auf einer Seite, die wir komplett neu gemacht haben. Zusätzlich dazu haben wir dann eben noch so was eingebaut wie Kategorien, dass man leichter irgendwie verschiedene Gruppen an Services findet, die von Behörden irgendwie so angeboten werden, weil das natürlich doch eine ganze Menge ist. Wir haben die Suche verbessert, kann jetzt nicht mehr nur noch nach Titel suchen, sondern auch nach den Sachen, die in diesen Gutachten drinstehen. Also so kann man beispielsweise gucken, wo es ähnliche Barrieren gibt und wie die vielleicht gelöst wurden. Und wir können vor allem ganz viel lustige Statistiken darüber machen, wie die Bundesüberwachungsstelle eigentlich so arbeitet und die Leute, die da mit drin hängen und die diese Gutachten durchführen. Und daraus wissen wir jetzt zum Beispiel, dass an diesen Gutachten zwischen 2021 und 2024 eben ungefähr 50 Personen beteiligt sind. Und daran können wir dann jetzt auch beispielsweise sehen, wie viel Geld in diese Operation da eigentlich reinfließt. kc: Was der Staat irgendwie für Prüfungen ausgibt und was aus diesen Prüfungen am Ende tatsächlich wird und wie groß der Impact davon ist. Und da können wir beispielsweise sehen, das muss ich mal ganz kurz nachgucken, von knapp über 16 gefundenen Violations der Prüfkriterien sind wir jetzt gesunken über knapp unter 15 innerhalb von zwei Jahren. kc: Also ungefähr eine Barriere weniger im Schnitt. Das ist vielleicht ganz gut, ganz okay. Aber wir können mit diesen Informationen, wenn wir halt eben alle Gutachten gleichzeitig haben, noch ein bisschen mehr machen. Diese Gutachten sind extrem schwierig zu lesen teilweise und wir wollen die möglicherweise so einfach verständlich haben, wie es nur geht, eben damit Leute auch nachvollziehen können, was bestimmte Findings und bestimmte Barrieren bedeuten. Und weil wir eben nur ein sehr, sehr kleines Team sind, konnten wir das für die 918 Prüfberichte nur sehr vereinzelt und nur punktuell irgendwie manuell machen, dass wir sagen, ja gut, diese und jene Probleme sind halt tatsächlich da und für blinde Nutzende ist das jetzt ja kaum nutzbar, für Gehörlose ist es fast barrierefrei, solche Sachen. Was man damit aber machen kann, ist, man kann solche Sachen in Large Language Models, also in künstliche Intelligenz stecken. Und das haben wir dann gemacht, nicht weil es irgendwie gut ist, sondern weil ich von einem Menschen aus so einer Behörde zum vorherigen Projekt gehört habe, ja, das ist ja ein schönes und gutes Projekt, aber ich kann das jetzt hier niemandem verkaufen, weil da ist ja keine KI drin. kc: Also war das quasi eine direkte Reaktion darauf, dass da jetzt so ein ganz, ganz kleines KI-Feature drin ist, das ganz vielleicht nützlich ist, vielleicht aber auch nicht, bei dem mehr oder weniger brauchbare Dinge sind, basierend auf dem, kc: was sowieso schon bekannt ist. Also wir haben jetzt nicht gesagt, ja, diese künstliche Intelligenz macht jetzt die Prüfung, das ist Käse, das funktioniert nicht, das wird niemals funktionieren, sondern es gibt halt so ganz einfache Zusammenfassungen, was Dinge, was Barrieren, die in diesen Gutachten gefunden wurden, für Auswirkungen auf Menschen mit Behinderung, mit verschiedenen Behinderungen haben. Und dazu kann man diesen Language Models dann sagen, ja, bewerte das doch mal von 1 bis 10 und so. Und das haben wir dann gemacht für alle diese Gutachten. kc: Und basierend auf diesem Index haben wir jetzt gesehen, ja, tatsächlich gibt es eben diesen kleinen Anstieg, den wir auch gesehen haben. Ja, es gibt so im Schnitt eine Barriere weniger über die letzten zwei Jahre. Gibt es einen kleinen Anstieg an Nutzbarkeitsvermutung. Also... Und für blinde Menschen ist diese Nutzbarkeitsvermutung im Schnitt bei 4,5 aktuell im Jahr 2024. Bei den da geprüften Sachen also irgendwie nicht mal bei 5, was ja die Hälfte ist. Und wenn null bedeutet, ja, etwas ist gar nicht benutzbar, sind wir da eben in einem sehr, sehr schlechten Bericht. Und dann kann man eben basierend auf diesem Wachstum ermitteln, wie lange es dauern wird, bis Sachen irgendwie komplett zugänglich sind. Und für blinde Menschen sind wir dann im Jahr 2071. kc: Und ich hoffe sehr, dass das sehr viel schneller geht. Aber das ist natürlich auch nur so eine Zahl, die man benutzen kann, um da irgendwie politischen Druck zu machen. Und das ist letztendlich auch genau das Ziel dieser Veröffentlichung und dieses Portals, politischen Druck zu machen. Weil wir haben die Gesetze, wir haben die Gutachten, wir wissen ganz genau, wo die Probleme sind und was die Probleme sind. Es weiß nur keiner davon. Es kann niemand was damit anfangen, weil diese Gutachten teilweise wirklich hochtechnisch sind. und gerade die Gutachten der Firma Materna sind halt so strukturiert, dass da so, so viele maximal unnütze Informationen enthalten sind. Also unnütz im Sinne von, du musst damit arbeiten und irgendwie Sachen rausfinden. Da musst du dich erstmal durch ganz viel Boilerplate-Tags kämpfen, der Dinge erklärt. kc: Das will ja keiner. Und genau dafür ist dieses Projekt eben da, einfach um diese Sachen zu zeigen, so zugänglich wie möglich zu machen, eben auch Also wenn Nachprüfungen erfolgt sind, dass man quasi direkt sehen kann, dass die da sind, dass man dahin springen kann, dass man sehen kann, was es ist. Ist es jetzt ein Dokument? Ist es eine App? Ist es eine Website? Ist es vielleicht ein Gerät, was noch kommt? Also bisher hat kein Angebot diese Kategorie, aber kann ja noch kommen. Und ja, solche Dinge können wir mit diesen Gutachten und mit diesem wirklich großen Datensatz machen, der aus diesen Gutachten rausfällt. Und ich hoffe sehr, wir hoffen sehr, dass dieses Projekt wirklich maßgeblich dazu beiträgt, dass diese Arbeit der Überwachungsstellen sichtbar wird und dass Behörden was mit deren Output anfangen. Also dass die nicht einfach nur existieren und ihre Gutachten schreiben, aber dann damit nichts passiert. Und also ich merke das in meiner Arbeit. Ich habe früher relativ viel geauditet, also Gutachten geschrieben, Selbsttests durchgeführt, was irgendwie barrierefrei ist, was nicht barrierefrei ist. Und ich habe sehr häufig gesehen und auch wenn ich jetzt noch, heute noch mir die Angebote angucke, die ich da getestet habe, die Barrieren, die ich da gemeldet habe, sind einfach zu 99% immer noch vorhanden und ich habe einfach keine Lust auf so sinnlose Arbeit. bommel: Ja, finde ich sehr verständlich. kc: Vielleicht ist dieses Angebot ein Ende dieser Arbeit. bommel: Ich hoffe es so sehr. kc: Also ein Ende der Nutzlosigkeit dieser Arbeit. Und da kommen wir jetzt zum Blick in die Zukunft, was damit irgendwie noch geplant ist. Wir wollen nicht beim Bund aufhören. Wir wollen das Ganze erweitern auf sämtliche Landesüberwachungsstellen, weil die machen genau das Gleiche und nur halt für ihr Bundesland. Einfach damit das Angebot noch größer ist, damit wir noch mehr einen Überblick bekommen, was irgendwie gerade Sache ist. Häufig sind diese Überwachungsstellen da eben nur mit einer Person besetzt, die das vielleicht in 25 Prozent ihrer Stellenzeit irgendwie macht. Alles sehr viel kleiner, als es auf Bundesebene ist. Dementsprechend wird da nicht ganz so viel rausfallen, aber wir hoffen einfach, dass das gut anläuft. Aber wir haben auch noch einen ganz, ganz großen Kuh vor. Wir wollen mit diesem Datensatz und basierend auf den Informationen, die wir schon haben, einen Assistenten dafür bauen, mit dem Menschen mit Behinderung Barrieren melden können. Also sowohl an die betroffenen Behörden selbst, als auch an die Überwachungs- und Durchsetzungsstellen. bommel: Das ist so cool. kc: Weil wir haben gerade irgendwie die Situation, ich habe das ganz, ganz häufig in Vorträgen schon erzählt, im Jahr 2023 wurden im Land Sachsen, was mein Heimatbundesland ist, aktuell ganze zwei Durchsetzungsverfahren geführt über digitale Barrierefreiheit. Und das ist halt einfach super wenig. Und das größte Problem, was Leute davon abhält, solche Meldungen zu machen, solche Barrieren zu melden und da zur Statistik beizutragen ist, dass sie nicht wissen, wo man die Barrieren melden muss und wie das eine gute Form hat. Wo man die Barrieren melden muss, ist super einfach rauszufinden. Also Frag den Staat hat eine Liste von Mailadressen von quasi allen Behörden, auf die können wir programmatisch zugreifen, können wir das einfach nehmen. Und wir haben manuell eine Liste zusammengetragen aus allen Durchsetzungs- und Überwachungs- und Schlichtungsstellen, die die Bundesländer haben. Und die haben dann auch jeweils eine Mailadresse. Und überfragt den Staat wissen wir auch, in welches Bundesland so eine Behörde gehört. bommel: Ja. kc: Also können wir einfach einen Assistenten anbieten, wo man sagt, ja, sag uns, wie du heißt, sag uns deine Mailadresse und schreib hier deine Barriere rein. Und dann können wir die in der Behörde zuweisen und quasi automatisiert dahin verschicken. Und dann ist das sehr viel weniger Arbeit. Und jetzt haben wir ja diesen Datensatz mit den ganzen Gutachten. Also können wir auch quasi einfach mehr oder weniger automatisiert machen. Anhand dieser gemeldeten Informationen Barrieren melden, was vielleicht der größte Kuh und das Lustigste an dieser ganzen Sache überhaupt ist, weil ich in diesem Formular einfach nur sagen muss, ja hallo, ich bin so und so, ich habe bei dieser Behörde ein Problem und dann will ich aus einer Liste von bekannten Problemen aus, die es bei dieser Behörde gibt und drücke ich auf Absenden und dann habe ich das Problem an die Durchsetzungsstelle gemeldet. Und der Gedanke ist, dass wir diese Anfragen mindestens mal verdoppeln für 2026. kc: Aber wir machen das, also wir schalten noch ein Layer dahinter. Wir wollen ja nicht einfach nur, dass Leute irgendwie Quatsch melden und wir wollen auch tatsächlich unterstützen irgendwie mit Barrieren, wo wir da beim nächsten großen Problem sind, was Leute darin hindert, Barrieren zu melden, weil sie nicht wissen, wie sie die beschreiben. Jetzt sind wir aber ein Team aus anderen behinderten Menschen. Wir haben technische Expertise und wir können solche Meldungen schreiben. Also können wir da auch einfach kurz drüber gucken, wenn Leute so eine Meldung über diesen Service einreichen und die vielleicht einfach verbessern. Und wir hoffen so vor allem auch den Behörden Arbeit abzunehmen, weil wie ich schon sagte, gerade so diese Durchsetzung zu den Überwachungsstellen, Denn das ist seltenst mehr als eine Person insgesamt. Und diese eine Person hat natürlich auch noch ganz viele andere Dinge zu tun. Und wir wollen, dass Sachen sinnvoll sind. Und wir haben diese freiwilligen Kapazitäten, wir können sie einsetzen. Und wenn das letztendlich dazu führt, dass sehr viele Probleme gemeldet werden und dass sehr, sehr viele Probleme verschwinden oder sie zumindest in der Statistik auftauchen, dass wir damit endlich einen sinnvollen Druck auf die Politik machen können, damit es Strukturen gibt, die diese Gesetze durchsetzen und durchboxen können. bommel: Das ist so cool. kc: Das ist so, woran ich insbesondere die letzte Woche eben jetzt nochmal ganz viel gearbeitet habe, weil wir haben das neu gelauncht. Ihr könnt euch das jetzt angucken, also außer das Melden-Ding, das kommt irgendwann später, wenn es fertig ist. Unter barrieren-gutachten.de könnt ihr die ganze Datenbank durchklicken, ihr könnt euch verschiedene Kategorien angucken und wir haben einen Blog, wo wir ab und zu kleine Statistiken und sowas veröffentlichen, immer wenn es halt irgendwie was erzählenswertes gibt. Und ich freue mich so, über die Zukunft dieses Projekts. bommel: Ja, das glaube ich. Ich bin auch so gespannt. Ich hoffe wirklich, also von dem, was du erzählt hast, klingt es ja wirklich so, als würde es sehr viel von dem, was ein Wissen jetzt so rumwabert, wirklich eine brauchbare, nutzbare Anleitung quasi letztlich übersetzen. Und das finde ich ganz cool. Weil es geht ja, also natürlich geht es halt schon darum, Druck aufzubauen, aber es geht ja nicht nur darum, Behörden zu stressen, sondern das hilft denen ja Ja, genau so. Also das ist so, das ist auch das Schöne daran, es hilft letztlich allen Beteiligten. kc: Ja, also es hilft der Politik nicht. Die Politik wird gestresst, die Politik soll auch gerne gestresst werden, weil die Politik soll ja letztendlich was tun, damit solche Sachen eben einfacher werden, damit irgendwie mehr Personal da ist, um solche Sachen anzunehmen, solche Sachen durchzusetzen und auch Sachen zu verbessern, damit es der Politik halt einfach auf die Füße fliegt. Aber da sind wir halt aktuell noch weit davon entfernt, aber mit diesem Projekt gibt es da halt sehr, sehr viel Potenzial für die Zukunft. bommel: Richtig cool. kc: Ja. bommel: Wir behalten das ja auf jeden Fall weiter im Blick. kc: Ja, zwangsläufig. bommel: Das wäre noch eine Menge an der Quelle. kc: Du bist die Quelle. Federführend daran beteiligt. bommel: Ja. Ich freue mich total darauf, dass, ich meine gut, klar, wir sprechen privat auch über solche Dinge, aber durch den Podcast hat das natürlich nochmal so ein bisschen, ja, so einen anderen Twist irgendwie. Und ich glaube, ich erfahre dann auch ein bisschen umfangreicher stellenweise sogar noch Dinge über das Projekt. Und das mag ich auch sehr gerne. kc: Ja, ich dachte mir, in diesem Podcast kann ich ja jetzt mal so ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern, was so überhaupt der aktivistische Gedanke dahinter ist. Weil so in den Ankündigungs-LinkedIn-Posts und so ist ja überhaupt kein Platz dafür. Weil that's not the point. The point ist ja, diese Sachen sind da und diese Sachen, die jetzt da sind, sollen hoffentlich bitte nerven. bommel: Ja. kc: Ja, aber es steht natürlich noch so viel mehr an Gedanken dahinter und so viel mehr an Entwicklungen, die daraus möglich sind. bommel: Sucht ihr noch Leute, die da ehrenamtlich mithelfen? Auf jeden Fall. kc: Also gerade für diese Melden-Funktionalität brauchen wir immer Leute, die sich damit auskennen oder zumindest wissen, wie man gute Texte schreibt und wie man vielleicht Menschen mit Behinderung gut versteht oder zumindest die häufigsten Barrieren kennt, die irgendwie gemeldet werden und wie man die in eine sinnvolle Form übersetzt und umschreiben kann. Wir schauen, dass es dafür auch eine kleine Knowledge Base gibt und irgendwie einen kleinen Kurs, wo man das, lernen kann, aber ansonsten kann man sich einfach bei mir melden und dann kriegen wir das hin und ich gehe mal davon aus, dass dieses Melden-Formular-Dingens, Pro gemeldeter Barriere am Ende, so wie es gerade geplant ist, vielleicht zwei Minuten Arbeit von Ehrenamtlichen erfordert, eben zusätzlich zu der Zeit, die Leute zu melden brauchen, die wir auch zu minimieren versuchen. bommel: Das heißt, der Aufwand ist auch einfach sehr, sehr überschaubar und ganz grundsätzlich, so ich dich verstanden hatte, geht es ja sowieso darum, dass alle einfach das machen, wofür sie gerade Zeit haben, was sie tun können. kc: Ja, also der Effekt von dieser Arbeit ist eben nicht sofort spürbar, weil eben diese meisten Verfahren einfach im Sande verlaufen werden oder wird halt an die Behörden dann nochmal weitergetragen und gesagt, ja so, und so würde hier eine Barriere gemeldet bei der Beschwerdestelle, macht mal und dann lassen die sich ganz viel Zeit und dann passiert es halt entweder oder es passiert nicht oder es dauert halt ganz, ganz lange und dann ist das am Ende vielleicht kein Problem mehr, weil es anderweitig rausgekommen ist. Das Ziel ist einfach, viele solche Anfragen zu stellen, damit es in der Statistik landet, diese Anfragen möglichst wenig quatschig zu machen. Also, dass schon Qualität dahinter steht, dass Sachen nachvollziehbar sind, dass Sachen auch gelöst werden können, gerade wenn es irgendwie einfache Lösungen für diese Sachen gibt. Und letztendlich ist auch ein ganz, ganz großer Teil dahinter, dass wir auch diese Meldungen gerne veröffentlichen wollen. Das habe ich jetzt bisher noch gar nicht gesagt. Wir wollen gerne, dass Leute sehen können, welche Meldungen gerade offen sind und was gerade bearbeitet wird, wie lange das dauert, damit wir auch darüber Statistiken haben können, damit wir auch damit die Politik stressen können. kc: Weil ebenfalls, was ich auch immer erzähle, in diesem Fall vom Land Sachsen sind da teilweise irgendwie einzelne Dateien, bis die zugänglich gemacht wurden, sind irgendwie über sieben Monate vergangen oder auch mal ein ganzes Jahr. und das ist einfach viel zu lang. Und wir wollen auch nicht, dass Leute irgendwie ganz viele Variieren mehrfach melden, weil kostet Zeit. Da muss sich irgendwie ein Mensch in diesen Behörden damit auseinandersetzen. Und so können wir quasi gleich mal gleich gegenchecken, ja, haben wir hier eine Meldung, die irgendwie ähnlich aussieht zu der, die du da gerade gemacht hast oder du kannst das auch selber machen. bommel: Ja. kc: Und so ist es eben für alle sehr viel angenehmer und sehr viel leichter, weil es einfach absolut keinen Grund gibt, weshalb man das privat lassen sollte. Wenn du eine Barriere meldest, wenn du diese Barriere hast, profitieren alle anderen Behinderten gleichzeitig davon, weil sie wissen, in diesem Angebot gibt es diese und jene Barriere für eine Person aus meiner Behinderungskategorie. Und dann spart man sich vielleicht ganz viel Stress und ganz viel Arbeit wenn man da schon lesen kann ja auf dieser Website ist jetzt irgendwie ein Formularfeld nicht zugänglich das braucht man aber um was abzugeben dann benutze ich das halt nicht und mache direkt einen Termin bei denen vor Ort und gehe dann da vorbei, und es ist einfach besser, es gibt einfach absolut keinen Nachteil an der Veröffentlichung von solchen Dingen und deswegen machen wir es. bommel: Das ist richtig cool. I like it. Ja. Bist du alles losgeworden, was du jetzt erstmal loswerden möchtest zu dem Projekt? kc: Boah, ja, ich glaube schon. Also es gibt noch so unendlich viel mehr Dinge zu erzählen. bommel: In zwei Wochen kommt ja die nächste Folge. Das ist ja das Praktische. kc: Wir belassen es erstmal dabei und reden dann nochmal drüber, wenn es ein bisschen angelaufen ist. bommel: Da bin ich sehr gespannt. kc: Mit der Melden-Funktionalität. bommel: Dann lass uns doch jetzt nur zu dem Thema kommen, worüber wir uns vorgenommen hatten, heute nochmal ein bisschen zu reden. kc: Ja, über eine Stunde später. Es wird schon wieder eine sehr lange Folge. bommel: Ja, aber ich meine, gut, dafür hoffe ich ist sie, also sie ist ja glaube ich nicht so anstrengend zu hören. kc: Also von daher. Ja, vielleicht habt ihr auch irgendwie eure Schlüpper geklaut bekommen in der Zwischenzeit. bommel: Ich hoffe nicht, bitte. kc: Weil ihr einfach nicht aufgepasst habt. bommel: Das wäre so gemein. kc: Also was um euch rum passiert, weil ich diese Folge so in den Bann gezogen habe. bommel: Ich hoffe nicht. Ich hoffe wirklich nicht. Und wenn dann, wir übernehmen keine Haftung. kc: Doch. bommel: Wow. Okay, Casey übernimmt die Haftung. kc: Nein, ich übernehme keine Haftung für etwaige Schlüpperdiebe, die es hier gegeben hat. bommel: Nee, genau. Wir wollten ja grundsätzlich, weil es halt jetzt langsam, wenn diese Folge rauskommt, das finde ich immer noch absurd, aber liegt der erste Advent schon hinter uns. Das heißt, wir sind halt voll in dieser Vormeinachtszeit. Und da spielt Inspiration Exploitation eigentlich immer eine Rolle. Und deswegen wollten wir das Thema nochmal ein bisschen aufgreifen. Habe ich natürlich was vorbereitet. kc: Dieser Begriff. bommel: Ja. Dieser Begriff Inspiration Exploitation kommt von einer Aktivistin namens Stella Young, May She Rest in Power, ist leider schon verstorben. Und sie hat 2014, meine ich, zum Beispiel auch einen TED-Talk darüber gehalten. Der ist auch sehr sehenswert, wenn sich den jemand anschauen möchte, verlinken wir mal in den Shownotes. Und sie spricht in diesem Talk darüber, dass viele Menschen Behinderte eigentlich nur aus Kontexten kennen, wo sie zum Beispiel als MotivationsrednerInnen auftreten und halt inspirieren sollen. Aber Behinderte nicht kennen als, weiß ich nicht, ihre LehrerInnen, ihre KassiererInnen oder sonst wen. Also so in Anführungsstrichen normale Menschen, die in ihrem Alltag als Menschen halt einfach irgendwie stattfinden. Und bei dieser Inspiration, also Stella Young hat es Inspiration Porn genannt, weil es quasi darum geht, dass behinderte Menschen ihre Lebensgeschichten oder auch letztlich ihre Abbildung oder so letztlich dafür genutzt werden, dass nichtbehinderte Menschen dadurch inspiriert werden. Dass sie sich eine Geschichte einer behinderten Person anhören. bommel: Darüber, was diese Person an Barrieren in ihrem Alltag zum Beispiel erlebt oder so und sich dann denken, oh mein Gott, ich habe es ja so viel leichter, wenigstens bin ich nicht behindert oder wenigstens bin ich nicht so behindert. Mein Leben ist so schön und das objektifiziert behinderte Menschen total, weil es sie gar nicht als Menschen an sich sieht, sondern es sieht sie nur als der Kontrast, der dafür da ist, dass ich für mein Leben irgendwie dankbarer bin, dass ich mich besser fühle oder was auch immer. Und deswegen ist es halt eine Ausbeutung von Behinderten zur Inspiration anderer, vornehmlich nicht behinderter Menschen. Und deswegen dieser Begriff Inspiration Exploitation, also Inspirationsausbeutung, weil Behinderte dafür ausgebeutet werden. Und das ist halt extrem reduzierend. Behinderte werden dort nicht als Menschen gesehen. bommel: Oft spielt es halt auch gar keine Rolle, wer sie überhaupt sind, was für Namen sie haben, was, keine Ahnung, was sie in ihrer Freizeit gerne machen oder was sie ansonsten irgendwie ausmacht. Sondern es geht rein um die Behinderung. Und ganz oft ist es halt so, dass Menschen dann auch irgendwie sagen, ja, aber das ist ja irgendwie, ist doch auch schön. Weil dann bekommt man ja auch mehr Empathie für die Leute und so. Und das stimmt natürlich. Aber Empathie ist ja, wenn dann immer nur der erste Schritt oder kann immer nur der erste Schritt sein. Der zweite Schritt muss ja immer sein, zum Beispiel ressourcengerechter zu verteilen, das System so anzupassen, dass alle gleichberechtigt teilhaben können und tatsächlich Inklusion zu schaffen, weil Empathie schafft keine Inklusion. Empathie ist halt einfach erstmal nur ein Gefühl, wo ich mir so denke, ach, wie schön. Und das war es dann aber auch. Wenn sich das nicht in eine gesellschaftliche Praxis umsetzt, dann ist es ja letztlich irgendwie auch so ein bisschen Murks. kc: Also wir müssen quasi aktiv daran arbeiten, das abzuschaffen, dass das eben nicht mehr als so außergewöhnlich angesehen wird und dass das halt nicht mehr sowas ist, wo man dann denkt, hm. Behindert, sondern eher, dass es was ist, wo man denkt, mhm, toll. bommel: Ja, ist so. Und ganz häufig begegnet uns sowas bei so Werbekampagnen. Wir hatten ja letzte Woche auch schon über eine Werbekampagne letztlich gesprochen. Sowas hat halt auch immer so einen Beigeschmack davon. Ich habe mir tatsächlich im Vorfeld mal so ein bisschen die Weihnachtswerbekampagnen dieses Jahr angeguckt, die so schon so draußen sind, irgendwie von so, was weiß ich, irgendwelchen Supermarktketten und so. Und ich fand das total spannend, weil irgendwie spielt Behinderung da einfach gar keine Rolle. Also ich meine, wir haben jetzt auch nicht so aufmerksam geguckt, aber ich meine nicht eine behinderte Person gesehen zu haben. Und ja, es gibt auch unsichtbare Behinderungen, aber das ist halt ein bisschen schlecht darzustellen in einem Werbespot. bommel: Und was ich auch tatsächlich relativ spannend finde, oder wo das ein ganz großes Thema auch ist eigentlich immer so Film und Fernsehen. Ich habe mir ein Video dazu noch mal auch angeguckt, das können wir auch in den Shownotes einmal verlinken. Das war von 2020 und dort ging es ein bisschen auch darum, dass ein wirklich großer Anteil aller Oscar-Preisträger, Filme, aber auch, SchauspielerInnen häufig Filme sind, die in irgendeiner Art und Weise Behinderungen darstellen und dadurch besonders inspirierend sind und ganz tolle Geschichten und so weiter. Gleichzeitig aber natürlich in 99 Prozent der Fälle keine behinderten SchauspielerInnen engagieren für diese Rollen. Und was ich daran auch insgesamt total spannend fand, war, also in diesem Video werden auch sehr, sehr viele Beispiele erläutert. Und das ist mir aber selber aufgefallen. Ganz oft, wenn es um diese Inspiration Exploitation geht, geht es um Menschen mit Lernbehinderung, um psychisch kranke Personen, autistische Personen, auch sinnesbehinderte Personen, also gehörlose, blinde Personen, aber ganz, ganz selten um körperbehinderte Personen. Und da können wir sicherlich auch an einer anderen Stelle, in einer anderen Folge nochmal drüber sprechen. Ganz oft werden körperliche Behinderung auch heute noch dargestellt. bommel: Bösewichte in irgendeiner Art und Weise zu kennzeichnen. Also da gibt es auch viele Überschneidungen mit auch so zum Beispiel Queerness. Ganz oft werden Bösewichte, gerade auch Disney ist da nicht sehr unschuldig dran, in einer gewissen Art und Weise als queere Charaktere dargestellt. Und das fand ich tatsächlich nochmal sehr, sehr spannend. Das ist mir so aufgefallen bei diesen Beispielen, dass es da immer in irgendeiner Art und Weise um Sinnesbehinderung oder Autismus oder so geht, Aber in der Regel nicht um Körperbehinderung. Da ist auch wieder so eine Unterteilung so ein bisschen in so die Guten und die Schlechten Behinderten. Das fand ich irgendwie so ein bisschen spannend. kc: Ja, aber zumindest aus dem Bereich Sinnesbehinderung kenne ich auch, dass in sehr vielen Medien einfach das Trope ist, ja, jemand ist jetzt gehörlos oder blind. Das ist am Ende der*die*das Bösewicht*in. Also das ist auch nicht selten. Das kommt schon auch vor. bloß eben wahrscheinlich nicht ganz so häufig wie körperbehinderte Personen. bommel: Es ergibt ja auch total Sinn, dass das jetzt in dem Video, was ich geguckt habe, nicht so eine große Rolle spielt, weil da ging es ja, ganz explizit um Inspirationsausbeutung und Bösewichte sind selten die inspirierenden Personen in solchen Filmen. Es ist gut, dass du das nochmal gesagt hast. Also da ging es jetzt vorrangig um so Superheld*Innen, die dann in irgendeiner Art und Weise Behinderung haben und dafür was anderes so richtig krass toll können und so. Also es ist auch immer so ein bisschen diese Wiederholung von einer Inselbegabung oder davon, dass du halt dann, darüber hattest du letzte Woche auch drüber gesprochen, dass man dann irgendwie denkt, so ja, die Person ist blind, aber dafür kann sie super krass hören oder whatever irgendwie. kc: Ja, also ich habe aufgehört zu zählen, wie häufig ich gefragt wurde, ob ich Daredevil bin. bommel: Ja, der ist ein blinder Superheld, richtig? kc: Ja. bommel: Ja, genau. Und was ich aber tatsächlich, und da will ich auf jeden Fall auch nochmal drüber sprechen, auch wenn es ein bisschen ein anderes Thema ist, aber das möchte ich unbedingt nochmal aufgreifen, auch vor allem wenn es um dieses Thema der Ausbeutung geht, auch gerade in der Vorweihnachtszeit, ist dieses Thema Weihnachtsgeschenke aus Werkstätten für Menschen mit Behinderung, die ganz, ganz oft als sozial inklusives Projekt in irgendeiner Art und Weise dargestellt werden. Und ganz viele Leute entdecken dann so um die Weihnachtszeit so ihre Barmherzigkeiten. Das ist ja dann so schön, da irgendwie eine Bürste zu haben, die von blinden Leuten zusammengeklöppelt wurde oder irgendwas. kc: Darf ich dazu eine Anekdote erzählen, bevor du erklärst, warum das problematisch ist? bommel: Ja, ja, auf jeden Fall. kc: Meine Englischlehrerin in der Oberstufe hatte mich mal dabei unterstützt, mich auf irgendwas vorzubereiten, so eins zu eins. Und wir haben da eben auch über Behinderung gesprochen und zwar auch gerade Vorweihnachtszeit. Und sie erzählte mir dann so, ja, ist ja jetzt Weihnachten und zu Weihnachten muss sie immer irgendwie diese Figuren da rausstellen, die sie mal geschenkt bekommen hat. Von einer Freundin, sie mag sie eigentlich total nicht oder total überhaupt nicht, weil sie diese Figuren einfach hässlich finde. Und ich dachte mir in dem Moment schon so, hm, was kommt denn jetzt? Was wird sie mir jetzt erzählen? Und dann sagte sie, ja, aber die ist ja von einem Behinderten. Die muss ich jetzt aufstellen für die Behinderten. Weil man will ja auch Wertschätzung dem gegenüber bringen. Und, Logischerweise nichts gesagt. Man war in einem Abhängigkeitsverhältnis, man will sich nicht irgendwie unbeliebt machen in solchen Situationen, also kann man da nichts sagen. Aber auch das war damals für mich in dieser Situation schon ziemlich problematisch. Aber jetzt kannst du sicher erklären, warum das genau so ist. bommel: Ja, wir können sicherlich in einer anderen Folge dieses Thema auch nochmal ganz explizit irgendwie ein bisschen besprechen. Aber ganz grundsätzlich möchte ich bitte sagen, kauft keine Geschenke aus Werkstätten für Menschen mit Behinderung, weil das einfach ausbeuterische Arbeitsverhältnisse sind. Diese Menschen bekommen nicht annähernd überhaupt Mindestlohn für die Arbeit, die sie dort leisten und es ist einfach nicht okay. Und ich weiß, dass es auch Menschen gibt, denen das hilft. Ich weiß, dass es auch Menschen gibt, die durchaus Argumente haben, warum das auch Schutzräume sein können. Das mag alles sein, es ändert aber nichts an dieser hochgradigen Ausbeutung. Und das ist einfach nicht okay. kc: Ja, diese Sachen werden ja dann auch alle zu einem relativ großen Profit verkauft. Und ich weiß gar nicht, wie da so das Verhältnis ist, aber ich glaube irgendwie 70 Prozent der Gewinne, die so eine Werkstatt machen kann, ist halt frei für die Firma zur Verfügung. Das sind ja auch Private. Das ist ja nicht irgendwie der Staat, der da irgendwie barmherzig eingreift, sondern das sind halt Unternehmen, die das Bedürfnis haben, Profit zu generieren. bommel: Und weißt du, worüber ich vorhin noch gestolpert bin? Da ist ja wirklich, also da stand mir kurz der Mund offen, bin ich ehrlich, ich wusste das nicht. Ich bin gespannt, ob du das weißt. Also es gibt ja die sogenannte Ausgleichsabgabe, weil Unternehmen ab zehn Personen, meine ich, sind ja dazu verpflichtet, einen bestimmten Prozentsatz schwerbehinderte Personen einzustellen. bommel: Wenn sie das nicht tun, müssen sie eine, mit Verlauben, lächerlich geringe Ausgleichsabgabe zahlen. Die, muss man ja aussagen, Unternehmen wirklich nicht wehtut. Also ich habe, finde ich das auf die Schnelle, ich habe hier gefunden, monatlich eine Ausgleichsabgabe von 155 bis 815 Euro. bommel: Das heißt, das ist keine Vollzeitstelle auf Mindestlohnniveau. Das heißt, sehr viele Unternehmen preisen das einfach mit ein als Geschäftsausgabe. So, und jetzt kommt ja der absolute Oberknaller, den ich vorhin gesehen habe. Pass auf, es gibt sogar Online-Seiten, wo du Stuff bestellen kannst, den Menschen, also Behinderte in solchen Werkstätten gefertigt haben. bommel: Und dann steht hier, dass man auf manchen Produktseiten erkennen kann, wie hoch die Netto-Arbeitsleistung ist. Zum Beispiel steht dann da Ausgleichsabgabe 20,50 Euro, wenn die Werkstatt das hinterlegt hat. Weil wie gesagt, das sind so Online-Shops, die aus verschiedenen Werkstätten verschiedene Dinge verkaufen. Und dann, also da dachte ich wirklich, ich falle vom Glauben ab. Wenn du für ein Unternehmen, also jetzt zum Beispiel, du bist Unternehmer und willst jetzt für deine Belegschaft wie Weihnachtsgeschenke kaufen und dann kaufst du denen da so eine Nagelbürste, die eine blinde Person zusammengewerkelt hat. Ja, dann, wenn du dieses Unternehmen bist und diese Produkte kaufst, dann erhältst du von diesen Werkstätten für behinderte Menschen eine Rechnung, auf der die Nettoarbeitsleistung ausgewiesen ist und diese kann bis zu 50 Prozent auf die zu zahlende Ausgleichsabgabe angerechnet werden. kc: Ja, selbstverständlich. bommel: Also, willst du mich verarschen? Ich wusste das nicht. Ich wusste das bis vorhin nicht. Das ist ja so fucking wild. Da musst du einfach schon, also, es gibt eine Pflicht, Schwerbehinderte einzustellen. kc: Ja, und auch nur 5 Prozent. bommel: Ja, und aus dieser kannst du dich schon zu einem lächerlichen Preis freikaufen. Ja, weil ich glaube, viele Leute denken jetzt, ja, aber 150 Euro sind auch 150 Euro oder 815 Euro. Das ist ja auch viel Geld. Natürlich sind 815 Euro viel Geld, aber doch nicht für ein Unternehmen. 815 Euro für ein Unternehmen in einer Beziehung, Also da muss man ja auch sagen, 815 Euro bezahlen ja die großen Unternehmen. Das ist denen scheißegal. Also ich habe lang genug in der Unternehmensberatung gearbeitet, um zu wissen, das rechnen die mit ein. Das juckt die gar nicht. Und dann kriegen die ja auch noch scheiß 50 Prozent wieder, wenn die da so eine olle Bürste in so einem Online-Shop bestellen. Und denen das ihren Leuten auf der Weihnachtsfeier verteilen. Also ich, ja. Also nee, da war ich vorher schon wieder so sauer. kc: Also wirklich. Ja, das ist leider vollkommen normal und das ist das Land, in dem wir leben. bommel: Nee. kc: Ja, doch. bommel: Also wirklich, nee. Ich habe da auch noch gar nicht so richtig Worte für. Ich finde das so frech. Das ist so frech. kc: Das ist so frech. bommel: Weißt du? kc: Nee, frech ist viel zu lieb dafür. Das ist kriminell. Ja, das stimmt. bommel: Ja. kc: Ja. bommel: Also alleine schon, ich finde schon alleine Gedanken, dass man sich von dieser Pflicht freikaufen kann, der ist schon absurd. Aber dass du dann auch noch Ermäßigungen dir erkaufen kannst, nee. kc: Und die Ausgleichsabgabe an sich, die war ja nochmal sehr viel geringer, bis sie, glaube ich, vor zwei Jahren irgendwie um 50 Prozent erhöht wurde. bommel: Das weiß ich gar nicht. kc: Das ist auf jeden Fall noch nicht so lange her, dass die wirklich substanziell erhöht wurde. bommel: Also, ne. kc: Und sie ist immer noch wirklich, wirklich klein. Und so richtig kleine Unternehmen trifft die auch gar nicht. Du sagtest irgendwie zehn. Es sind deutlich mehr Angestellte, die ein Unternehmen mindestens braucht, um auf diese Quote zu kommen. Ich glaube, es sind 49 oder 40. bommel: Ah, warte. kc: Aber es sind mindestens 20. bommel: Ich habe hier eine Übersicht von 2023 von Rehadat. Stimmt. Und weniger als 20 Arbeitsplätze hast du keinen Pflichtarbeitsplatz. Bei 20 bis 40 hast du einen Pflichtarbeitsplatz. Und bei 40 bis weniger als 60 hast du dann zwei. Also ja, es ist wirklich wenig. kc: Ja, also es lohnt sich, diese Ausgleichsabgabe zu bezahlen, wenn du keine Menschen mit Behinderung einstellen willst. Und Spoiler, du willst Menschen mit Behinderung einstellen, weil das für dich nur Vorteile hat. bommel: Ja, aber selbst, es ist, und egal, das muss man nochmal sagen, diese Ausgabe ist so gering, dass völlig unerheblich, ob das jetzt eine Person mit Behinderung ist oder nicht, diese Ausgleichsabgabe ist immens viel günstiger, als dich einen Arbeitsplatz kosten würde. Also es ist wirklich absurd. Es ist wirklich absurd. Das war mein Aufreger des Tages, bin ich ehrlich. kc: Ja, bleiben wir doch bei Weihnachten. Ich glaube, so ein krasses Beispiel für Inspiration Exploitation sind die Geschichten um Rudolf das Rentier mit der roten Nase. Ist das ein Begriff? bommel: Ja, ja, ja. Ich habe Respekt vor Leuten, denen das kein Begriff ist. Also wenn irgendjemand sich denkt, wer ist Rudolf, bitte schreibt mir das. Wie kommt ihr um sowas drum rum? Ich möchte es auch. kc: Jedenfalls Rudolf, das Rentier mit der roten Nase, war in meiner Kindheit wirklich allgegenwärtig. Ich glaube, zum ersten Mal bewusst vernommen habe ich das so im Kindergartenalter und dann später immer häufiger. Ich war in der Grundschule in so einer Englischgruppe und da wurde dieser Film irgendwie auch regelmäßig geschaut, immer vor Weihnachten. Ja, und also dieser Film, über den ich jetzt sprechen will, das ist der Musical-Animationsfilm zu Rudolf dem Rentier mit der roten Nase von 1998 mit grandioser deutscher Besetzung, zum Beispiel mit Nina Hagen als die Bösewichtin, wo wir wieder bei Queer-Coded-Bösewichten sind, das ist in dem Fall nämlich auch. Und das ist halt einfach so ein Musicalfilm über diese Geschichte für Rudolf, das Rentier mit der roten Nase. Ich hatte dazu noch ein bisschen mehr, so irgendwie Kassetten oder so. In einem war Rudolf irgendwie eine Ampel, also eine literal Ampel. bommel: Speaking of Objektifizierung von Behinderung, ne? Okay. Genau, also. kc: Weil er da irgendwie für die Verkehrspolizei gearbeitet hat. Frag mich nicht. Das ist auf jeden Fall ganz lange her. Aber lass uns auf den Film fokussieren. Da ist es auch so, wie in jeder Rudolf-Geschichte. Das ganze Dorf, in dem er da wohnt, macht sich zuerst mal über ihn lustig. Er ist eine Kuriosität, seitdem er geboren wurde. Er hat diese rote Nase. Niemand sonst hat die rote Nase. kc: Und in dem Film ist das dann so, ja, er wächst so auf, er gehört irgendwie nicht dazu und das sorgt bei ihm dann dafür, dass er den Wunsch, den sehr, sehr starken Wunsch entwickelt, ich werde es allen zeigen, irgendwann, wenn ich groß bin, werde ich Schlittenführer des Weihnachtsmannes, ich werde vor den Schlitten gespannt und ich ziehe den Schlitten durch die Winternacht, durch die Weihnachtsnacht Und das ist jetzt aber nicht nur Rudolfs Traum, sondern es ist so in dieser Welt, in dieser Erzählung eben was vollkommen normales. Wo das alle Leute, alle jungen Leute mehr oder weniger genauso wollen. Und deswegen gibt es da so Wettkämpfe, so Wettbewerbe, so ein Schlittenrennen. Und daran nimmt Rudolf teil und wird da aber im Anschluss disqualifiziert, weil er im Endspurt, um gegen ein anderes Rentier zu gewinnen, versehentlich seine rote Nase aktiviert und die Person dann geblendet. wird. Und er kann oder das andere Rentier dann geblendet wird. Und er kann logischerweise überhaupt nichts dafür, weil er zu diesem Zeitpunkt noch nicht gelernt hat, wie das funktioniert, wie er seine Nase irgendwie kontrollieren kann. bommel: Was ja auch allein dieser Aspekt davon, dass Rudolf dann seine Nase kontrolliert, ist das, da kann man ja auch schon wieder ewig drüber reden, was das für eine weirde Erzählung eigentlich ist. Aber gut, ja. kc: Genau. Vielleicht auch dazu nochmal ganz kurz. Ich glaube, das habe ich gar nicht so rausgestellt. Das ist natürlich eine von diesen typischen Weihnachtsgeschichten, die Leute so unfassbar schön finden und wo Leute quasi nie irgendwas Problematisches dran finden, weshalb das einfach ein richtig großes Franchise geworden ist. Der arme Rudolf, er wird am Ende noch richtig groß rauskommen. Genau, aber zurück zum Schlittenrennen. Rudolf gewinnt dann das Rennen, aber er wird dann disqualifiziert, eben wegen seiner Nase. Und er ist dann natürlich geknickt und geht halt erstmal davon und man sieht dann in so einer Überblende seinen Vater, den Rudolf beobachtet, wie er mit dem Schiedsrichter darüber diskutiert, dass das jetzt unfair sei, so schön, so gut, aber dann sagt Blitzen, also Rudolfs Vater zum Schiedsrichter, dass Rudolfs Nase ein Unfall war. bommel: Ja, okay. Das ist für mich auch neue Lore, das Blitzen der Vater von Rudolf ist. Weiß man auch, wer die Mutter ist? kc: Ja, ich glaube, sie heißt in dem Film Mitzi. Ich weiß nicht, ob das allgemein anerkannt ist, aber ich glaube, Blitzen ist schon…. bommel: Ist das Headcanon? Na gut, okay, ja, weiter. kc: Genau. Und jedenfalls war Rudolf zutiefst gekränkt davon, weil er halt wieder gesagt bekommen hat, er ist ein Unfall. Das, was ihn ausmacht, was ihn anders macht als andere, das soll so nicht sein, das ist ein Unfall. Und dann gibt es noch eine Rückblende über ganz viele andere Situationen, wo er irgendwie in der Schule gemobbt wird und so. Und dann reißt er aus. Und er sagt es mit den Worten, eines Tages wird mein Vater stolz auf mich sein. bommel: Nein. kc: Eben, weil er so sehr glaubt, es seinem Vater irgendwann zeigen zu können, dass er eben kein Unfall ist. bommel: Ja, und sich halt auch einfach beweisen zu müssen. kc: Ja. bommel: Das ist so scheiße. kc: Ja, und er hat in dem Film eine Freundin, sie heißt Zoe. Und sie sucht ihn an dem Abend, an dem er wegläuft. Was vielleicht schön ist, dass sich wenigstens eine Person irgendwie um ihn kümmert. Aber logischerweise ist es eine Frau. bommel: Ja, na klar. kc: Genau, und die Eltern von Rudolf sind dann natürlich bestürzt, dass er weg ist. Und sie ist es auch, aber sie ist es dann so sehr, dass sie auf eigene Faust beschließt, ich gehe jetzt Rudolf suchen. Und sie reißt dann auch aus, um ihn zu suchen. Und seine Eltern sind eben nicht auf die Idee gekommen. Also sind sie schon, aber erst ein bisschen später. bommel: Okay. kc: Genau. bommel: Muss man ja aber auch erstmal drauf kommen. Das ist ja jetzt auch nicht unbedingt naheliegend. Also braucht man halt mal einen Moment für. kc: Genau. Und dann passiert in diesem Film erstmal was anderes. Es ist dann mittlerweile Abend und Rudolf sucht einen Ort, an dem er schlafen kann. Und dann findet er eine Höhle. Und in dieser Höhle trifft er auf Slyly. Und ich weiß gar nicht, was für ein Viech Slyly genau ist. Aber es ist auf jeden Fall so ein quirliger, kleiner, Fuchs. Ich weiß es wirklich nicht. bommel: Aber das ergibt auch Sinn, weil im Englischen ist ja Sly Fox auch so ein bisschen so eine gängige Verbindung. kc: Auf jeden Fall, wenn, dann ist er ein Polarfuchs, er ist irgendwie komplett weiß. Okay. Und Rudolf rechnet damit, dass sich Slyly auch über ihn lustig macht. Will der zuerst auch tun, aber Rudolf kommt ihm dann ein bisschen zuvor, indem er selbst Witze macht über seine rote Nase, die vielleicht seine Mobber für ihn gemacht haben. Und er sagt dann auch selber, ist das eine Nase oder eine Christbaumkugel? Und er kriegt sich nicht mehr ein über diesen Witz, den er da gerade über sich selbst gemacht hat. Und das nimmt Slyly so jeden Wind aus den Segeln, ihn irgendwie damit zu kränken, weil Rudolf das gerade selbst gemacht hat und ihm dann wahrscheinlich in seinem Leben zum ersten Mal entgegentreten konnte und für sich einstehen konnte, dass das für ihn was ist, womit er zurechtkommt. Also da hat er wahrscheinlich zum ersten Mal diese Selbstsicherheit überhaupt gehabt. Also ist natürlich ein großes Problem. Das ist auch absolut nicht lustig, aber es ist schön, dass er diesen Witz selber machen kann. bommel: Ja, da muss ich aber auch dran denken, an etwas, was ich noch in diesem Inspiration Exploitation Kontext auch gelesen habe. Es gibt wohl ein relativ berühmtes Zitat, Ich habe natürlich den Namen schon wieder vergessen, weil ich mir den Namen nicht merken kann. Ich glaube von irgendeinem Scotch. Wir können das ja vielleicht auch nochmal in den Show Notes verlinken, weil ich weiß gar nicht, ob das so wichtig ist. Egal. Der gesagt hat wohl, the only disability is a bad attitude, was natürlich kompletter Bullshit ist. Und da muss ich gerade auch so ein bisschen dran denken an dieses Humor oder ein Lachen ist die beste Medizin. so, nein, halt das Maul. Das ist wirklich furchtbar, dass es diese Coping-Strategie braucht. Es ist ja so ein bisschen, Angriff ist die beste Verteidigung. Und wenn ich mich selber klein mache, dann bin ich ja schon klein, dann kann mich wenigstens wer anders nicht klein machen. Und es trifft mich nicht mehr so doll. Es ist einfach richtig schrecklich. kc: Ja. Okay, jedenfalls. Also man merkt vielleicht, ich bin richtig schlecht, um Sachen zusammenfassen. Aber bear with me? bommel: Ich bin invested. kc: Jedenfalls dann erst sind Rudolfs Eltern bei Santa Claus, also dem Weihnachtsmann, und bitten ihn irgendwie um Hilfe. Und er sitzt in seinem Sessel und überlegt so, er sagt nichts dazu, wirklich für einige Sekunden. Und es klang wirklich so, als ob dem Ganzen irgendwie dann ein Gespräch vorausging, wo Rudolfs Eltern irgendwie die Situation genauer beschrieben haben. Und der Weihnachtsmann lässt sich halt nicht drauf ein. Bis zu dem Moment, als dann die Eltern von Zoe erscheinen, weil die ja auch verschwunden ist, die sich jetzt auch Sorgen machen. Und dann springt der Weihnachtsmann sofort auf und sagt, wir werden die beiden finden. bommel: Okay. kc: Also der Weihnachtsmann hat offensichtlich in dieser Darstellung zuerst nachgedacht, ob es denn das wert ist, Rudolf zu suchen. Und er hat nicht einfach sofort gesagt, ja, wir machen das. Und ich glaube auch das ist so der typische Gedanke an, den viele Leute mit Menschen mit Behinderung haben und es ist ein sehr eugenischer Gedanke, wo wir auch wieder gleich anschließen an die letzte Folge und was Hendrik Streeck so alles gesagt hat wo es zwischenzeitlich eigentlich nichts Neues gab der Typ ist immer noch nicht zurückgetreten, genau und dann, passieren in diesem Film zum ersten Mal irgendwie richtige Dinge. Es gibt eine Bösewichtin, die, wie schon erwähnt, queer-coded ist, die auch vorher irgendwie schon ein bisschen vorgestellt wurde. Die hat eine Brücke und diese Brücke ist gesperrt. bommel: Wie, die hat eine Brücke? kc: Die hat eine Brücke zum Dorf des Weihnachtsmannes. Man weiß es nicht. bommel: Hat die noch was anderes oder hat die nur diese Brücke? kc: Sie hat auch irgendwie einen Eispalast und so und sie hat einen großen Kerker, wo wir später zu kommen. Aber primär hat sie diese Brücke. Diese Brücke ist ein großer Plotpoint. Und man kommt ohne diese Brücke eben nicht aus dem Dorf des Weihnachtsmannes raus. Und diese Brücke wurde von der Bösewichtin Stormella gesperrt. bommel: Frech. kc: Und Zoe möchte über diese Brücke drüber gehen, weil sie denkt, dahinter findet sie dann irgendwo Rudolf. Also macht sie das und bei Stormella gehen dann im Palast gleich irgendwie Alarmglocken los. Oh nein, ist das jemand auf der Brücke? bommel: Ja. kc: Jetzt wird diese Person irgendwie gefangen genommen und wird dann eingesperrt. Und so landet Zoe dann letztendlich in Stormellas Eisgefängnis. In dem Moment erscheinen Rudolf dann irgendwelche Feen, Die ihm erzählen, dass Zoe eingesperrt wurde und von Stormella eben gefangen genommen wurde. Und Rudolf entschließt sich dann, Zoe zu retten. Und das macht er mit Slyly gemeinsam. Und sie treffen dann auf ihrem Weg dorthin auch irgendwie noch einen Bären. Ich habe seinen Namen schon wieder vergessen, er ist auch gar nicht so wichtig. kc: Und sie befreien ihn dann quasi aus diesem Eisgefängnis. Sie befreien Zoe aus diesem Eisgefängnis. Dabei werden sie aber von Stormella überrascht und es gibt dann einen kleinen Kampf. Es ist nicht wirklich ein Kampf, aber jedenfalls ist es so, dass Stormella dann irgendwie abstürzt von irgendeiner Kante und Rudolf und Zoe und die beiden Freunde, die Rudolf irgendwie eingesammelt und gefunden hat auf dieser Reise, helfen mit, Stormella zu retten. Und Stormella hängt dann da quasi und sie wird von allen Vieren dann wieder hochgezogen und Zoe sagt dann, ja, wir haben ihr Leben gerettet jetzt hat Rudolf einen Wunsch frei und Rudolf könnte sich. bommel: Ist das also ist das. kc: So? weiß ich nicht, aber in dieser Lore ist es offensichtlich so Okay. bommel: Gut. Ja, na gut. kc: Und Stormella steigt dann auch drauf ein. Also sie war auch zuerst skeptisch, dass das so ist, aber sie gibt dann da letztendlich nach. Und Rudolf sagt dann, er wünscht sich, dass Stormella nett ist. Und Stormella sagt dann solche Dinge. Ja, willst du dir nicht noch was anderes überlegen? Zum Beispiel könnte ich deine rote Nase wegmachen. bommel: Wow! kc: Und Rudolf sagt aber, nein, ich wünsche mir, dass sie nett sind. Und er bleibt auch dabei und letztendlich verhext sich Stormella selbst, dass sie keine Bösewichtin mehr ist durch diesen Wunsch und dann ist sie nett. Und die Strafe für dieses Weihnachtsdorf, eben, dass Zoe über die Brücke gegangen ist, weil sie gesperrt ist. Es ist nicht nur, dass sie eingesperrt wurde, sondern auch, dass Stormella einen großen Sturm entfesselt hat, der ein Fliegen quasi unmöglich macht am Weihnachtsabend. Und es gibt aber jetzt keine Möglichkeit mehr, dass Stormella diesen Sturm zurückruft und quasi abbricht. bommel: Mhm. Ja, ich, der Plot fügt sich vor meinem inneren Auge schon so ein bisschen zusammen, ja. kc: Genau. Und weil Stormella jetzt nett ist, gehen die dann alle zusammen in das Weihnachtsdorf. Alle Leute sind irgendwie schon aufgekratzt, weil es ist ja Weihnachtsabend. Es müsste jetzt eigentlich mal losgehen, ansonsten bekommen die Kinder keine Geschenke. Und dann sind sie da und der Weihnachtsmann ist gleich so, hier ist eine Tapferkeitsmedaille, die bekommt jetzt der Rudolf. Für Mut, Charakter und ein gutes Herz. bommel: Okay. Das haben doch alle geholfen. kc: Ja, aber Rudolf hat diese Medaille bekommen. Und mit dieser Medaille wird er dann auch der Schlittenführer des Weihnachtsmannes. Und er wird quasi ganz vorne an den Schlitten angespannt. Er kann seine Nase inzwischen selbst kontrollieren. bommel: Wann hat er das gelernt? kc: Irgendwo auf dem Weg, ich weiß es nicht mehr. bommel: Okay. kc: Ich glaube, Slyly hat ihm auch dabei irgendwie geholfen, weil er ihn irgendwie aufgeregt hat oder so. Und dann hatte das irgendwie was mit Emotionen zu tun. bommel: Ah, okay, natürlich. Ja. kc: Und dann können sie fliegen und alle Leute freuen sich für Rudolf oder freuen sich generell über die Situation, weil offensichtlich hat Rudolf gerade Weihnachten gerettet, weil ohne ihn könnten sie ja jetzt nicht fliegen wegen dieses Sturmes. bommel: Genau, weil man kann in dem Sturm nichts sehen und man braucht jetzt seine Nase. kc: Genau, weil seine Nase so unglaublich hell ist, bringt dir halt das Licht, das irgendwie zum sicheren Fliegen benötigt wird. Aber ich glaube, am lustigsten an dieser ganzen Sache fand ich, dass niemand weiß, in diesem Moment, dass Rudolf Stormella gerettet hat. Wofür man ja eigentlich so eine Tapferkeitsmedaille vielleicht verleihen würde. bommel: Ach so, ich dachte genau dafür hat er sie bekommen. kc: Das ist in dem Film aber einfach überhaupt nicht bekannt, dass Leute das wissen. bommel: Und wofür hat er sie dann bekommen? kc: Ja, das weiß man nicht. Wahrscheinlich, weil er Zoe gerettet hat oder weil er wieder da ist. bommel: Achso. Ja. Ja. kc: Und das ist dann der Film. Und ich habe wirklich intensiv irgendwie nach Quellen gesucht, die berichten, warum dieser Film irgendwie problematisch ist, warum diese Geschichten so problematisch sind. Aber ich habe keine einzige gefunden. Niemand hat sich die Geschichten um Rudolf das Rentier auseinandergenommen. Aber für mich persönlich und für mich in meiner Kindheit vor allem, waren das besonders, nachdem ich die Geschichten irgendwie ein paar Mal gehört habe, ein paar Mal gesehen habe, so jedes Mal so ein Moment der Verzweiflung, weil ich daraus selber für mich dachte, ich muss einfach besonders krass sein, damit ich dazugehören kann. Ich muss irgendwas Besonderes machen. Und das hat mich bei diesem Film und bei jeder Rudolf-Geschichte so tief traurig zurückgelassen, dass ich heute noch so ein großes Problem damit habe, wenn Leute so toll über dieses Franchise sprechen. bommel: Ja, ich kann das total gut nachvollziehen. Es ist halt zum einen dieses Besonderssein, aber, und das ist ein Thema, was sich extrem durch mein Leben zieht. Und der Clou ist ja so ein bisschen, als Kind war mir ja nicht bewusst, dass ich behindert bin. Was mir bewusst war, ist, dass ich anders bin als alle anderen. Und was sich da extrem durchzieht, ist, Diese Botschaft, nützlich sein zu müssen. Du wirst akzeptiert, wenn du nützlich bist. Du wirst akzeptiert, wenn du dafür sorgst, dass irgendwas klappt, was ohne dich nicht geklappt hätte. Und das ist auch so belastend einfach tatsächlich. Da habe ich auch ganz, ganz lange mit zu kämpfen gehabt. Es fühlt sich zum Teil für mich immer noch sehr, sehr unsicher an, wenn Menschen mich nicht brauchen, sondern einfach nur zum Beispiel mich halt gerne mögen. Das fühlt sich komisch an, weil ich so das Gefühl habe, die könnten mich ja jederzeit verlassen. Wenn mich jemand braucht, dann ist es schwieriger, mich zu verlassen. Und also das ist jetzt alles halb so wild und ich bearbeite solche Dinge auch und so. Aber solche Geschichten und Erzählungen sind ganz, ganz definitiv, haben die dazu beigetragen einfach, dass das so ist. kc: Ja, bei mir ganz, ganz genau so. bommel: Ja. kc: Also ich habe immer noch Probleme irgendwie richtig zu verstehen, wie tief das alles irgendwie für mich geht, weil ich halt zumindest mir einbilde, ein extrem zuvorkommender, extrem hilfreicher Mensch zu sein. Und ich bin da auch sehr stolz drauf, dass ich das bin und ich bin das, soweit ich das beurteilen kann, auch sehr gerne. Aber jedes Mal, wenn Leute mir dann so irgendwie Sachen erzählen oder mir sagen, dass ich in irgendeiner Situation nicht hilfreich war oder dass das jetzt absolut nicht geholfen hat, bin ich erstmal ein paar Tage komplett am Boden, weil das halt nicht das ist, was ich versuche zu sein oder was mir eingeredet wurde, sein zu müssen. Nämlich maximal nützlich. Nämlich Rudolf, In dieser Weihnachtsnacht. bommel: Und das ist total spannend, wie auch, weil, also ich verstehe die Analogie total, nur Rudolfs rote Nase hat ja für andere Menschen, sag ich mal, nicht mal in irgendeiner Art und Weise irgendwelche Nachteile. Damit meine ich jetzt nicht, dass Behinderungen für andere Personen Nachteile haben oder so, sondern, aber manchmal sind es ja schon Sachen, auf die man sich vielleicht einstellen muss, dass man Dinge ein bisschen anders machen muss, als man das gewohnt ist und so weiter. Und ich meine, ja gut, offensichtlich wurden Rentiere durch diese Nase geblendet, aber es ist jetzt für mich ein bisschen fraglich, inwiefern das jetzt was ist, wo man irgendwie, weiß ich nicht, sich jetzt großartig darauf einstellen muss oder so. Also ich meine, das ist ja auch noch so ein Ding, wenn man das mitdenkt, dieser Aspekt von, dass man vielleicht aktiv Leuten in Anführungsstrichen zur Last fällt, weil man einfach weiß, okay, die müssen vielleicht für mich irgendwie einen weiteren Weg auf sich nähen. Die können vielleicht eine bestimmte Aktivität, die sie ohne mich gemacht hätten, nicht machen, machen mit mir stattdessen etwas anderes. Das ist für mich auf jeden Fall was, was dieses, ich muss aber total nützlich sein oder mir muss man dann eine besonders gute Zeit haben, damit man nicht das Gefühl hat, man verpasst was. Oder es ist irgendwie weniger als das andere oder so. Das spielt im Grunde für mich da noch mit rein und das spielt ja im Film nicht mal so eine wirkliche Rolle, selbst dieser Aspekt. bommel: Und am Ende ist es dann ja so, dass das alle dann, wenn ich das nicht verstanden habe, Rudolf mögen, weil er Weihnachten gerettet hat. kc: Genau. bommel: Und das ist dann so ein bisschen dieses, oh mein Gott, guck, wie besonders seine Nas' ist. Das ist so schön, dass der so anders ist. Und wer nicht so anders, dann hätte Weihnachten dieses Jahr nicht stattfinden können. Und deswegen ist, das ist halt aber auch schon ein bisschen, da haben wir letztes Mal im Podcast glaube ich auch drüber gesprochen, das ist einfach so wieder dieses, oh es ist so schön, dass wir alle verschieden sind, was auf der einen Seite klar nett ist so, aber dabei kann es halt nicht bleiben, sondern wir müssen halt diese Systeme, die dazu geführt haben, dass Rudolf erstmal jahrelang gemobbt wurde und so weiter in der Schule. Das ist ein bisschen lustig jetzt, weil es ist eine fiktive Geschichte, aber naja, du weißt, was ich meine. Dieses System muss halt letztlich irgendwie weg. bommel: Und ich hänge wirklich auch gedanklich immer noch sehr, sehr an diesem Narrativ von, das ist ja auch das, wann wird Rudolf akzeptiert? Dann, wenn er gelernt hat, das zu kontrollieren. Das heißt, und das ist auch eigentlich für mich ein sehr wichtiges Bild irgendwie, weil das ist, wie Inklusion leider an ganz vielen Stellen funktioniert. Wenn du nicht zur Last fällst, wenn du keine Bedürfnisse hast, die über das vermeintlich Normale hinausgehen und dann sogar auch noch nützlich bist, dann bist du sozial akzeptiert. Aber sobald du bestimmte Dinge zum Beispiel nicht unter Kontrolle hast, das ist auch sowas ganz, das passt in so einen Gedanken auch von Leistungsgesellschaft herein irgendwie. Also diese Idee von Kontrolle über etwas haben, das eckt mich richtig an. Das finde ich wirklich ganz eklig. Finde ich einen ganz ekligen Teil der Erzählung, bin ich ehrlich. kc: Ja, genau. kc: Ich glaube, es ist, was mich an diesem Film schockiert hat, ist nicht nur alles das, was du jetzt irgendwie erzählt hast, weil das natürlich ganz klar problematisch ist, sondern auch wie stark zelebriert dieses Mobbing von ihm in diesem Film ist. Ich meine, es gibt einen kompletten Song, wo das ganze Dorf zusammenkommt, inklusive Weihnachtsmann, wo sie ein Lied darüber singen, das wirklich lang ist, darüber, dass Rudolf eine rote Nase hat und dass er einfach nicht Teil dieser Sache ist. Und das ist so ein fröhliches Lied. bommel: Was? kc: Ja, ich denke, wir können das mal in die Shownotes tun und dann können die Leute das anhören, aber eben explizit mit der Content-Warnung, dass da Mobbing verherrlicht, verhabenlos wird. bommel: Aber ich verstehe, wie kann man das nicht merken? Also jetzt mal wirklich. Wobei, das ist gemein, weil ich sage es mal so, mir ist es auch sehr, sehr lange nicht aufgefallen und ich habe auch sehr, sehr lange über solche Dinge nicht reflektiert. Aber jetzt, wo ich mich ein bisschen damit beschäftigt habe, ist es irgendwie so offensichtlich, dass das ganz unangenehm ist. kc: Ja, naja, Leute merken das nicht, weil Rudolf ist behindert. Er ist anders, eben wegen seiner Nase. Aber es ist in der Gesellschaft normal, dass Leute deshalb gemobbt werden und am Ende wird ja aber alles gut, weil dann ist er ja nützlich, dann ist er gut. Und dann ist er rehabilitiert, dann gehört er dazu. Und deswegen nehmen Leute das, glaube ich, nicht wahr. bommel: Das ist so nervig. kc: Ja. bommel: Das ist einfach ein richtiges Abbild dafür, was so richtig schief läuft irgendwie. kc: Ja. Liebe Zuhörende, habt ihr Erfahrungen mit den Geschichten um Rudolf das Rentier mit der roten Nase? Haben wir euch jetzt hier irgendwie die Augen geöffnet? Ja, haben wir euch Rudolf versaut. Schreibt uns das gerne. bommel: Ja. kc: Wie immer in jeder Folge bisher an glitches at conesible.de. Das ist c-o-n-e-s-i-b-l-e.de. Oder als Kommentar direkt unter dieser Folge auf all-glitches-welcome.de. bommel: Genau, ist auch alles in den Shownotes nochmal verlinkt. kc: Genau. Ja. bommel: Ja, jetzt enden wir so ein bisschen mit so einem Aufreger. Aber es ist vielleicht ja auch nochmal ganz gut. Vielleicht haben die Leute jetzt tatsächlich durch so eine kleine Wut im Bauch ein bisschen Antrieb, um morgen zum Tag der Menschen mit Behinderung irgendwie noch was Cooles auf die Beine zu stellen oder weiß ich nicht, irgendwas Cooles zu posten. Das Einfachste ist ja tatsächlich wirklich einfach die Stimmen von Behinderten auf Social Media beispielsweise, wie zu boosten, indem man Sachen teilt, Accounts weiterempfiehlt und so weiter, unseren Podcast weiterempfiehlt, lauter solche Dinge. Also man kann, glaube ich, schon ganz viel machen, ohne dass man da viel, viel Arbeit reinstecken muss. kc: Genau, dazu würde ich auch nochmal sagen, weil ich ja weiß, dass ganz, ganz viele Leute irgendwie über meine Kanäle, vor allem über Mastodon zu diesem Podcast gekommen sind. Auf Mastodon sind so viele andere Menschen mit Behinderung, die irgendwie regelmäßig dazu posten. Ich habe einen der größeren Accounts, ja das ist richtig. Und ich bekomme auch sehr viel Aufmerksamkeit für meine Posts. Aber sucht euch auch mal andere Leute, also nicht nur mich. Es gibt wirklich richtig viele Leute, die... Nur einen Bruchteil der Reichweite und der Aufmerksamkeit haben, die wir haben, die aber auch wirklich wertvolle Dinge zu sagen haben und nicht nur morgen am Tag der Menschen mit Behinderung, sondern generell immer. Also schaut da gerne vorbei und macht was draus. bommel: Ja, und wenn ihr schon dabei seid, Dinge zu machen, dann bewertet uns auch gerne auf Apple Podcasts oder Spotify oder sonst irgendwo. Das hilft uns natürlich, damit der Podcast auch anderen Leuten vorgeschlagen wird, die vielleicht auch einfach mal nicht behindert sind und ein bisschen was mitnehmen hier draus. Das wäre auch cool. bommel: Ja, danke Casey. bommel: Ja, also ich hatte eine gute Zeit. Ich fand es gut heute. kc: Ja, wieder eine Achterbahn aller Emotionen. Wirklich richtig hoffnungsvoll. Richtig wütend. bommel: Ja. kc: Also du vor allem über Werkstätten für Menschen mit Behinderung, logischerweise. bommel: Ja, da bin ich auch immer noch nicht drüber hinweg. Also das nervt mich so doll. Es ist unglaublich. kc: Ja. Was hatten wir noch? Wir hatten einen Schlüpperdieb, von dem wir hoffen, dass er gefasst wird. bommel: Ist immer noch nicht aufgetaucht. Dabei ist die Folge so lang. kc: Wie lang sind wir jetzt? Über zwei Stunden sicherlich, oder? Ja. Okay. bommel: Das ist unser kleines Weihnachtsgeschenk. Also Nikolaus. Naja, egal. kc: Geschenk halt. Ja, es kommt ja noch eine Folge vor Weihnachten und dann, wenn ich das richtig im Blick habe, kommen im Dezember drei Folgen insgesamt. bommel: Mehr nicht? kc: Am 2., am 16. und am 30. bommel: Oh, dann mal gucken. kc: Ja, schauen wir mal. Also wir haben ja gesagt, zweiwöchentlich könnte sein, dass der Rhythmus mal ausfällt oder dass wir mal wöchentlich machen oder so. Wir peilen jetzt zumindest immer irgendwie den Dienstag an und dann immer um 0 Uhr. bommel: Ja, ja, ja. Okay. Es war schön, mit dir über die Themen zu reden. kc: Vielen Dank. Ja, es war eine richtig schöne Folge. bommel: Ja, danke auch fürs Zuhören und wir hören uns beim nächsten Mal wieder bei All Glitches Welcome. Bis dann. kc: Tschüss.