kc: In dieser Folge von All Glitches Welcome geht's um künstliche Intelligenz und gesellschaftliche Implikationen, die das insbesondere auf Menschen mit Behinderung hat. Viel Spaß! -- Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge All Glitches Welcome mit mir, der klandestinen Casey und... bommel: Mir, dem botanisierenden Bommel. Ich weiß aber noch nicht genau, was es heißt. kc: Hast du Pflanzen adoptiert? bommel: Keine neuen, keine neuen. Also ich finde Pflanzen immer super wichtig tatsächlich, wie hier in der Wohnung. Irgendjemand hat mal, ein Kommilitone aus dem Studium, hat mal gesagt, eine Wohnung ohne Pflanzen ist irgendwie so tot. Und das habe ich ganz oft im Kopf. Und ich finde Pflanzen sehr cool. Aber wir haben so eine Was-überlebt-das-überlebt-Policy. Also deswegen, wir haben sehr viele Efeututen, weil die robust genug für unsere Pflege sind. Es gibt sehr viele Pflanzen, die hier nicht überleben. Unter anderem Bananenpflanzen. Ich bin immer sehr neidisch, wenn jemand eine richtig geile, große Bananenpflanze hat. Oder Monstera auch schwierig. Und ich höre jetzt schon die Leute, die sagen, ja, aber das ist eigentlich gar nicht so schwierig und eigentlich sind die gar nicht so aufwendig zu pflegen. Und ich weiß... Es funktioniert trotzdem nicht. kc: Kann ich sehr gut nachvollziehen. Bei mir sterben sogar Kakteen. bommel: Ja, das wird ja immer wieder gesagt. Aber ich finde Kakteen halt auch total schwierig, weil die profitieren sehr davon, dass man sie in Ruhe lässt. Und ich glaube, in letzter Zeit würden Kakteen hier sehr gut gedeihen, weil ich kümmere mich so gut wie gar nicht um diese Pflanzen. Aber ich finde, wenn man so das Bedürfnis hat, so, ich habe eine Pflanze und ich möchte mich gut um sie kümmern, dann finde ich, also ich habe immer das Bedürfnis, sie zu gießen. Aber wenn du Kakteen zu viel gießt, dann schimmeln die dir einfach weg. Also ich finde das nicht so einfach, weil die Prämisse mit Kakteen ist in Ruhe lassen und das ist nicht meine Love Language. kc: Ja, ich habe mir das Wort Klandestin ausgesucht und um das Wort zu erklären, erkläre ich es nicht. bommel: Hä? Es ergibt locker halt aber auch nur Sinn, wenn man wirklich weiß, was es bedeutet, oder? kc: Ja, genau. Also, sag mal nicht, die Leute dürfen das gerne selber gucken. bommel: Das ist die beste Erklärung für ein Wort, die ich jemals gehört habe. kc: Ja, guck. So toll. Ja, wie war deine Woche, Bommel? bommel: Meine Woche war sehr ereignisreich und voll. kc: Ach, deine auch? bommel: Ja, aber es war auch schön. Also zum einen haben wir ja beide unsere Therapiehausaufgabe. Und ich muss sagen, ich komme mit meiner Therapiehausaufgabe ziemlich gut voran. Ich hatte in der Regel so alle zwei bis drei Wochen eine Therapiesitzung. Und ich hatte in der Zwischenzeit noch keine Therapie, deswegen weiß meine Therapeutin noch gar nicht, wie gut es eigentlich läuft. Und ich bin sehr gespannt, was sie dazu sagen wird. Ich war seither bis auf einen Tag, weil ich Schmerzen hatte, jeden Tag draußen. kc: Richtig gut. Ich bin total stolz auf dich. bommel: Ich bin auch richtig stolz. Und es tut mir auch tatsächlich gut. Und ich habe wieder herausgefunden, dass mein Körper so fancy Dinge tun kann, wie gleichzeitig frieren und schwitzen. Das braucht ja wirklich kein Mensch. Was ist das für eine Scheiße? Das ist wirklich so the worst of both worlds. Kann ich nicht, also wenn ich einfach schwitze und mir ist dann halt wenigstens warm, okay, cool, dann kann ich halt auch im Zweifel mich dünner anziehen. Aber heute war ich zum Beispiel draußen und habe extra eine dünnere Jacke angezogen. Mir hat aber auch irgendwie nichts gebracht. Naja. kc: Es war aber auch richtig kalt wieder die letzten Tage. Hier war richtig Schnee. bommel: Ja, hier auch. Hier auch. Und nächste Woche gibt es einfach so einen Sprung von über 10 Grad. Das wird mich so dermaßen wegmatschen. Ich freue mich darauf, wenn die Temperaturen milder werden, weil ich habe schon richtig Bock auf Frühling, bin ich ehrlich. kc: Ja, ein Monat noch. bommel: Aber ja, das ist mir egal. Also kalendarischer Frühling ist mir nicht so wichtig. Ich möchte so 15 bis 20 Grad. Die Sonne, aber so ganz leicht bewölkt, ab und zu mal zwischendurch, dass man so ein bisschen Schatten hat und die Sonne nicht so ballert. Und so ein ganz kleines Lauslüftchen. Das will ich. Mehr will ich gar nicht. kc: Ich kann es kaum erwarten, dass die Bäume hier wieder ein bisschen Laub tragen. bommel: Oh ja, auch so schön. Das riecht dann immer so schön. Da habe ich auch Bock drauf. Ich finde das und ich finde langsam könnten Dinge halt auch einfach mal irgendwie ein paar Knospen bekommen oder so. Oder ich würde auch gerne, dafür ist es noch im Moment zu kalt, aber ich würde auch so ein Schneeglöckchen nehmen, aber irgendwie bisher weit und breit nichts. kc: Ja, aber gut, das ist ja auch erst Ende Februar. bommel: Ja, trotzdem. kc: Ein bisschen Zeit hat die Welt leider noch. bommel: Trotzdem. Ich will doch aber. kc: Ich habe was richtig Schönes gemacht die Woche. Ich glaube, das war... Auf jeden Fall eins der schönsten Erlebnisse, die ich dieses Jahr hatte, wenn nicht gar das schönste Erlebnis, das ich dieses Jahr hatte. Ich war im Katzencafé in Leipzig. Und das war so schön. Also nicht nur war das Essen da richtig gut. bommel: Das wollte ich gerade fragen, ob das ausschließlich an den Katzen lag. kc: Nee, also das lag primär am Essen. Die Katzen waren am Anfang gar nicht so wirklich da, aber haben halt trotzdem immer mal wieder irgendwie reingelurkt. Aber gut, das war zu erwarten. Wir waren zur Mittagsstoßzeit da. Wenn ich eine Katze wäre, würde ich mich da auch nicht unter die Leute tun, sondern dann halt ein bisschen später rauskommen. Aber es ist dann noch eine ganze Weile länger geblieben und da ist es dann leer geworden. Und dann hat sich die eine oder andere Katze gezeigt und es war so niedlich. bommel: Das ist voll schön. kc: Das hat wirklich so gut getan. Das hat mein Herz richtig erwärmt. bommel: Dürfen Kinder in das Café? kc: Ja, es waren auch richtig viele Kinder da. bommel: Weil es gibt in Hamburg auch, vielleicht gibt es auch mehrere Katzencafés, das weiß ich, aber ich weiß von einem Katzencafé. Und da darf man, wenn ich mich richtig erinnere, mittlerweile nur noch rein ab zwölf, weil es einfach viel zu viele Kinder gab, die permanent die Katzen gejagt haben und so. kc: Ja, das ist natürlich nicht so gut. bommel: Das ist richtig kacke. kc: Nee, also diese Beobachtung hatte ich nicht gemacht, während ich da war. Also es waren sehr, sehr viele sehr junge Kinder da und die, die ich mitbekommen habe, waren auch alle wirklich sanft. Also ich mochte auch die Atmosphäre da total. Es war nicht gehetzt, es war nicht so stressig, wie ich das sonst von irgendwelchen anderen Orten kenne. Und nee, das war wirklich, wirklich schön. Und auch ein überdurchschnittlich feminines Publikum. bommel: Hast du schon mal von der Theorie gehört, dass Katzenhassen misogyn ist? kc: Nee. bommel: Ich habe mal einen ganzen, so eine längere Auslassung darüber auf Instagram auch gelesen, die ich natürlich mittlerweile aber auch schon mehr vergessen habe, deren Inhalt ich aber relativ aufschlussreich fand. Das weiß ich noch, das ist ganz oft bei mir so, dass so die Erkenntnis bleibt, aber die konkreten Informationen, die bleiben irgendwie... Oder die verschwinden wieder. Aber es ging irgendwie darum, dass Katzen, also aber eigentlich ist es Quatsch, weil Hunde haben auch einen sehr eigenen Charakter, aber dass Katzen häufig halt so einen sehr eigenen Charakter haben und dass du Katzen nicht so richtig dazu bringen kannst, in der Regel gibt es sicherlich Ausnahmen, etwas zu tun, worauf die keinen Bock haben. Das stimmt, ja. Oder dass du sie halt auch nicht so richtig motivieren kannst. Ich meine, Hunde kannst du relativ gut trainieren in der Regel. Mit Leckerli und was weiß ich nicht alles. Und die finden das häufig ja auch wirklich einfach cool. Kommt immer ein bisschen auf die Rasse drauf an. Aber tendenziell mögen Hunde das halt eher ganz gerne. Und bei Katzen ist es halt nicht so. Und ich glaube, das hatte auch was damit zu tun, dass es halt was sehr Patriarchales ist, Kontrolle auszuüben über Lebewesen. Und dass Leute, die mit Katzen so ein großes Problem haben, wohl damit vielleicht auch ein Problem hätten. Ist aber auch schon echt lange her. Ich finde diesen Post doch auf gar keinen Fall wieder. kc: Da muss ich auf jeden Fall mal ein bisschen drüber nachdenken, weil jetzt so im ersten Moment würde ich sagen, das ist vielleicht irgendwie gefährliche, gefährliche, gefährliche Anthropomorphisierung und wäre da erstmal ein bisschen vorsichtig, aber ich sehe auf jeden Fall die Richtung und die Ecke, aus der es kommt. bommel: Ja, also ich fand den Gedanken auch einfach sehr spannend. Und ich weiß auch gar nicht, also ich weiß auch gar nicht, ob man da so viel reinlesen muss, aber ein Grund, warum ich zum Beispiel keine Katzen habe, ist halt auch so dieses, dass ich weiß, dass ich glaube ich sehr große Probleme damit hätte, wenn es hier noch so ein Wesen gibt, was so klare, starke Bedürfnisse hat, die nicht unbedingt was mit meinen Bedürfnissen zu tun haben müssen. Und ich weiß, dass ich dafür zumindest im Moment so emotional nicht so viel Platz habe. Das ist halt so einer der Gründe, warum das für mich keine Option ist und das hängt für mich so ein bisschen damit zusammen, weil wenn du halt ein sehr charakterstarkes Tier hast, wie, es ist halt noch ein Mitbewohner, der hier halt irgendwie so ist. kc: Ich hätte auch richtig gerne ein Tier, aber bei mir funktioniert das hinten und vorne nicht, weil Ich bin ja häufig nicht hier zu Hause, sondern dann irgendwo unterwegs und ich habe auch nicht direkt hier greifbar Menschen, die sich kümmern könnten oder das zumindest auch regelmäßig gerne wollen. Das braucht man natürlich auch immer, wenn man sich dafür entscheiden sollte. Also ja, ich kann mir auf jeden Fall für die Zukunft sehr gut vorstellen, dass hier mal ein Hund oder eine Katze einzieht. bommel: Das kann ich mir bei dir auch richtig gut vorstellen. kc: Gut, aber Katze wahrscheinlich nicht alleine. Ich gehe mal davon aus, dass mindestens zwei Katzen hier einziehen würden. Oder halt je nachdem, was die Bedürfnisse der Lieblings-Liebeskatze aus Tierheim und Tierschutz dann ist. bommel: Ja, voll. Manchmal, es gibt ja auch gerade aus dem Tierschutz, auch gerade bei Katzen häufig welche, die vorrangig auch zusammen abgegeben werden, auch wenn sie schon älter sind und so. Das finde ich auch immer irgendwie, ich finde das ganz süß. kc: Ja. bommel: Ich finde es auch irgendwie schön, dass da drauf geachtet wird. Also mir ist halt auch schon klar, dass es eigentlich so das absolute fucking bare Minimum ist, dass da drauf geachtet wird. Aber so wie die Gesellschaft mit Tieren umgeht, ist das ja nicht besonders selbstverständlich. Deswegen freut mich das trotzdem. kc: Ja, nur das Beste für das Tier. Also da vielleicht auch. Ich finde das häufig richtig seltsam, dass so viele Leute genau das sagen, nur das Beste für das Tier, nur das Beste für den Hund. Man dann aber sieht, wie die mit denen umgehen, dass sie tatsächlich sehr, sehr unbedarft sind, was das irgendwie angeht. Und gar nicht so richtig merken, dass sie da eigentlich gerade Ausbeutung betreiben. bommel: Ja, auch generell einfach, dass... Ich finde, zu wenig Menschen sehen das halt tatsächlich so als eine... Ich weiß, dass viele das als Erweiterung der Familie sehen, aber irgendwie dann doch eher als so ein Anhängsel. Und dann ist halt ein Hund auch mit dabei und so. Und für mich ist es halt deutlich mehr irgendwie als einfach nur das. kc: Ja, aber lasst uns nicht so lange auf diesem Thema verharren. bommel: Aber es ist so spannend. kc: Ja. bommel: Außerdem sind Tiere voll toll. kc: Ja, wir haben in diesem Podcast schon so viel über Tiere geredet. Ja und? Wir müssen mal eine Folge über Tiere machen. bommel: Die große Tierfolge. kc: Ansonsten große Empfehlung, geht doch mal auf die Videoplattform eurer Wahl und gibt entweder Hund oder Katze da ins Suchfeld ein und guckt euch ein paar Videos an. Das tut immer gut. bommel: Ja, das stimmt. Aber vorrangig gerne von zum Beispiel Lebenshöfen oder so. Das Land der Tiere zum Beispiel hat sehr süße Schweine-Videos und auch Meerschweinchen-Videos. Im Land der Tiere habe ich nämlich ein Patenmeerschweinchen. kc: Oh, wie heißt das? bommel: Ja, das ist natürlich jetzt unangenehm, weil mir gerade der Gedanke gekommen ist, dass ich gar nicht weiß, wie mein aktuelles Patenmeerschweinchen heißt. Weil ich hatte ein Patenmeerschweinchen, das war Kartöffelchen. Und dann ist Kartöffelchen aber verstorben, was Meerschweinchen halt irgendwann ja so tun. Aber Kartöffelchen ging es richtig gut. Und Kartöffelchen hatte auch ihre große queere Romance noch im Land der Tiere. Also hatte so eine Freundin und so. Und das war ganz groß Liebe und das war richtig knuffig einfach. Genau und dann ist Kartoffelchen natürlich verstorben und dann habe ich natürlich eine weitere Patenschaft über ein anderes Meerschweinchen übernommen, aber jetzt weiß ich natürlich irgendwie nicht... Wie es heißt. Aber das funktioniert jetzt. Ich muss jetzt nachgucken. Ich muss jetzt nachgucken. Ah, genau. Rosinchen. Wusste ich doch. Genau, jetzt ist Rosinchen mein Patenmeerschweinchen. Rosinchen ist ganz, ganz süß. Kam kurz vor Weihnachten 2023 auf die Welt. kc: Wow. Das doch immer. bommel: Ja. kc: Ja, nicht nur du hast Therapiefortschritte gemacht, ich habe auch zum Teil welchen gemacht. Erzähl. Ich habe ein bisschen prokrastiniert, meine Aufgabe zu verfolgen. bommel: Deine Marmeladengläser. kc: Ja, ich weiß gar nicht, wie viel genau wir im Podcast davon erzählt haben. Ich glaube gar nicht so viel. Und ich habe jetzt gestern damit angefangen. bommel: Ah, okay. kc: Also es ist schon eine ganze Weile her jetzt, dass ich mir die Aufgabe gestellt habe und dass ich sie tatsächlich angehe. Und ich habe da jetzt so drei Sachen aufgeschrieben und ich hadere gerade ein bisschen damit, da weiterzumachen. Einfach, weil sich über die letzte Woche so ein, zwei andere Themen in den Fokus geschoben haben, worüber ich auch kurz reden möchte vielleicht. Und wir haben, also du und ich, haben an einem Abend Videos geguckt, die in meiner Schulzeit entstanden sind. bommel: Ja, das war sehr toll. Von meiner Seite aus. kc: Ja. bommel: Ich war da auch sehr dankbar, dass du das mit mir so geteilt hast. kc: Und das hat mich irgendwie sehr dazu gepromptet, getrieben, mich ein bisschen intensiver damit zu befassen, wie es eigentlich in meiner Schulzeit war, weil ich sehr, sehr viel verdrängt habe davon. Und ich bin dann nochmal so andere, weitere Situationen durchgegangen und bin dann irgendwann abends, und da haben wir auch wieder miteinander gesprochen, währenddessen auf E-Mail-Verläufe gestoßen, die ich so vor circa neun Jahren geschrieben habe. kc: Da war ich gerade frisch in die Oberstufe gekommen Und das Zeug hat irgendwie gar nicht so richtig für mich funktioniert von der Barrierefreiheit her. Und ich finde aus diesem Text, der unglaublich nett ist, ist so viel hervorgegangen von, was ich überhaupt schon versucht habe zu tun, welche alternativen Angebote ich gemacht habe, damit ich mitarbeiten kann. Und dabei ist mir halt auch aufgefallen, dass ich währenddessen eigentlich überhaupt keine Unterstützung hatte, was diese Thematiken angeht. Also weder von meinen MitschülerInnen noch von LehrerInnen-Seite gegen die das hauptsächlich gewesen ist, weil für LehrerInnen ist es schwierig mit SchülerInnen mit Behinderung zu arbeiten, weil das ist ja Arbeit. Aber auch von meinen Eltern nicht und von der Schulleitung auch nicht. Und dementsprechend fühlte sich das sehr, sehr einsam an über die Zeit, wo ich das bearbeitet habe. Und ich bin das mit meiner Therapeutin durchgegangen. Und wir haben wirklich über eine Stunde drüber gesprochen. Wir haben die 50-Minuten-Therapie-Zeit richtig doll überzogen. Ja. kc: Und das hat jetzt so, also währenddessen habe ich das nicht so gefühlt und wollte das immer irgendwie rechtfertigen, so dass das eigentlich scheiße ist, was ich da gemacht habe und dass das gar nicht so gut war. Jetzt so im Nachhinein fühlt sich das immer besser an, weil ich so langsam tatsächlich verstanden habe, dass ich da alles gemacht habe, was ging. Und dass auch das tatsächlich einfach ein systemisches Problem ist, dessen Lösung nicht von unten herauskommen kann, also nicht in so einer LehrerInnen-SchülerInnen-Beziehung, sondern das geht nur von oben herab, wenn ich LehrerInnen sagen kann, dies und jenes hast du zwingend zu tun. Und ich denke, das ist auch ein Thema, worüber ich gerne mal eine Folge, intensiv und alleine drüber reden möchte gerne auch in nächster Zeit oder vielleicht als Sonderfolge, mal gucken, meine Therapeutin hat auch gesagt, dass es mir wahrscheinlich sehr gut helfen würde, wenn ich anderen Menschen davon erzähle und wenn ich dazu ein bisschen, breiteres Feedback bekomme als aus meinem direkten sozialen Umfeld oder von ihr. kc: Weil du kennst mich, ich bin sehr vorsichtig, was es irgendwie angeht, Rückmeldungen von anderen Leuten anzunehmen. Und häufig denke ich dann auch so, ja, das ist jetzt gar nicht ernst gemeint, wenn es positiv ist, sondern fokussiere mich dann sehr aufs Negative. Aber ich denke auch aus diesem ganzen Zeug generell lässt sich eine ganze, ganze Menge lernen. Auch wie man mit solchen Situationen umgehen kann, wenn dich behinderungsbedingt irgendwie niemand in deinen Bedürfnissen nach Barrierefreiheit unterstützen und so. bommel: Mhm. kc: Ja, das war meine Therapie und ich arbeite da jetzt privat noch ein bisschen weiter und vielleicht machen wir dann hier mal eine Folge darüber. bommel: Ja, finde ich gut, finde ich spannend und es klingt auf jeden Fall sehr, sehr aufwühlend. Da wünsche ich dir die nötige Energie und Kraft, was ja auch immer einfach sehr energieaufwendig sein kann, sich sowas genauer anzugucken und das nochmal aufzuwühlen. kc: Ja, ich finde es auch vor allem toll, dass ich meine Therapeutin jetzt wieder regelmäßig sehe. Ich hatte jetzt eine längere Pause, weil mein Stundenkontingent aufgebraucht war und es gibt komischerweise im deutschen Gesundheitssystem die Regelung, dass du eine Sperrfrist von so zwei Jahren hast, bis dir die Krankenkasse wieder Termine übernimmt. Und ja, es geht weiter und das ist sehr gut. Also regelmäßig weiter. Ich habe es ja auch vorher regelmäßig gesehen, so einmal im Quartal, vielleicht einmal im Monat. Aber jetzt halt wieder häufiger. Und ich glaube, jetzt am Anfang ist es richtig gut. Also zumindest die letzten beiden Stunden haben sich... Richtig toll angefühlt und halt wie so ein kleiner Durchbruch. Der war auf jeden Fall für mich bitter nötig. bommel: Ja, das glaube ich. Das glaube ich. Ja, ich bin sehr gespannt, wie das weitergeht und was du weiterhin berichtest darüber. kc: Das werde ich tun. Ich bin auch gespannt. Also es fühlt sich gerade noch an wie eine Reise, die kein Ende hat und wo ich den Weg nicht kenne. Und da habe ich auch ein schönes Insta-Reel gesehen letzte Woche, wo eine Person gesagt hat, der Weg ist der Weg und das Ziel ist das Ziel. Weil ja viele Leute immer sagen, ja, der Weg ist das Ziel. Sehe ich nicht so. Und das Ziel muss erst mal feststehen, damit es überhaupt einen Weg geben kann. Das ist zumindest in dieser Sache meine Philosophie. Was ist denn das Ziel? Ja, das weiß ich ja noch nicht. bommel: Ach so. kc: Und ich muss das erst mal ausarbeiten, was das Ziel eigentlich genau ist. bommel: Ja, ich glaube, ich habe da ein bisschen eine andere Perspektive drauf, aber du wolltest das Vorgeplänkel nicht so lang machen, deswegen sage ich dazu jetzt nichts. kc: Also ein Teil meines Ziels ist es auf jeden Fall, resilienter zu werden. Was, glaube ich, ein Ziel ist, was sehr, sehr viele Leute teilen. bommel: Ja, das ist ein Monsterziel. Also es ist ja wirklich riesig. kc: Ja, also es kann halt auch sehr. bommel: Sehr viel bedeuten. Wollte ich gerade sagen, resilienter in Bezug auf was zum Beispiel? kc: Auf die Welt. bommel: Wow. Also, ja, ich kann das gut verstehen, aber... kc: Ja, wie gesagt, das ist halt noch nicht fertig ausdefiniert für mich. Ich brauche noch einen Moment. bommel: Aber es ist halt, was halt trotzdem spannend ist, ist, dass du ja trotzdem schon irgendwie ein bisschen auf dem Weg bist, auch wenn du das Ziel noch gar nicht so klar hast. Und das finde ich auch irgendwie mal ganz schön, weil das ist auch so relativ ähnlich in einem Punkt, an dem ich jetzt im Moment auch so bin, so generell, dass ich gar nicht genau weiß, wohin, aber ich weiß, dass ich auf dem Weg bin und das ganz gut. kc: Ja, also ich weiß zumindest, dass ich irgendwo stehe, aber es kann auch sein, dass ich mich irre. Das gilt es noch rauszufinden. bommel: Ich bin gespannt. kc: Du hast auch noch was Cooles gemacht, oder? bommel: Ich habe was richtig Cooles gemacht, ja, und es war auch richtig dran und es war einfach super schön. Ich war von letzten Mittwoch bis einschließlich Sonntag auf einer Online-Convention, die sich "Queerope" nennt. Das ist ein Wortspiel aus, Wortspiel eigentlich nicht, aber so eine Zusammensetzung aus halt Queer für Queerness und Rope für Rope Bondage, also Fesseln mit Seilen. bommel: Und das ist eine Convention vom Karada House, die sind aus Berlin, machen aber ganz viele Sachen online und haben seit langem eigentlich auch schon sehr, sehr viel, was sie machen zum Thema Arbeit mit dem eigenen Nervensystem, wie du halt Seile auch nutzen kannst, um dein eigenes Nervensystem zu beruhigen beispielsweise auch und so. Und das ist total spannend, weil das was ist, was man halt alleine für sich tun kann. Und da geht es natürlich auch recht viel um überhaupt so Körperwahrnehmung und sowas, aber auch um so Deep Pressure, also so Druck ausüben oder halt auch nicht. Und das ist super, super spannend und das ist auch was, womit ich mich einfach schon relativ lange beschäftige. Und da gab es unter anderem eine Session, also dieses ist immer alles auf Englisch, weil diese Veranstaltungen grundsätzlich für alle auf der Welt offen sind. Also die Veranstaltungen sind meistens für alle Personen außer Heterosexuelle. bommel: Endo-Cis-geschlechtliche Männer. Viel Spaß und Zweifel beim Googeln, was das alles heißt. Also es ist für vor allem FLINTA*-Personen, für queere Menschen und die haben auch ganz, ganz viel Arbeit oder ganz viele Kurse für BIPOC-only. Das finde ich auch super, super schön. Also die arbeiten sehr viel in recht geschützten Räumen und das ist einfach ganz cool. Es gab eine Diskussion zum Thema Rope Bodies, A Conversation on Disability, Chronic Illness and Kink und da war ich natürlich total dabei, weil ich war so hyped und das war einfach so bommel: Enter Text... bommel: Schön, weil es letztlich so ein extremes Erleben von Community gewesen ist, weil man, das muss man halt einfach auch mal sagen, diese ganze Welt, alles was mit Kink zu tun hat, aber auch Fesseln, Bondage generell, das ist auch nicht barrierefrei, zwangsläufig. Und auch da gibt es extrem klare Körperideale, Schönheitsideale und sehr, sehr klare Ideale davon, was dein Körper können muss, wie flexibel dein Körper eigentlich sein muss, was dein Körper an zum Teil auch Schmerz aushalten können muss und so weiter für die Leute, die das in diese Richtung praktizieren. bommel: Und da ging es halt genau darum, über diese Sachen mal zu sprechen und die Leute zusammenzubringen, die genau in dieses Bild nicht reinpassen. Und es war so ein wunderschönes Gefühl von Community. Und das liebe ich am Karada House auch einfach so sehr, weil völlig unabhängig davon, ob man mit diesen ganzen Themen, die dort besprochen worden sind, weil es gab jeden Tag irgendwie zig Sessions zwischen, also es fingen mittags um zwölf an und hörte abends um 22 Uhr auf und dann war immer in so zwei Stunden Slots, waren halt verschiedene Sessions zu verschiedenen Themen. bommel: Und egal, ob das jetzt ganz genau was ist, womit man was anfangen kann oder so, ist es einfach so schön, Menschen zu sehen in auch unterschiedlichen Körpern, die mit ihren Körpern einfach so achtsam umgehen. Manchmal alleine, manchmal zu zweit zusammen oder mit mehreren Leuten, die einfach auch mit Behinderungen umgehen und sich Gedanken machen darüber, wie man zum Beispiel Leute fesselt, die Hilfsmittel benutzen, die Rollstühle benutzen beispielsweise oder Gehstöcke oder was auch immer. Oder die halt nicht alle Gliedmaßen haben oder whatever. Und das hat mir so gut getan einfach, weil das Normal in diesen Räumen ein so anderes Normal ist als überall anders auf der Welt. Und das hat einfach... Das war einfach wirklich so entspannt und wunderschön und hat mir so ein Gefühl von Community gegeben und von, ich bin nicht alleine. Das hat einfach so gut getan. kc: Das freut mich richtig. bommel: Enter Text... kc: Das klingt auch richtig spannend. Auch wenn man das Ganze aus einer nicht sexuellen Perspektive betrachtet. bommel: Total. Also Bondage kann hochsexuell sein und das finde ich auch total in Ordnung. Für mich spielt das vor allem im Moment nicht so eine große Rolle. Für mich hat das wirklich ganz viel damit zu tun, mit meinem eigenen Körper zu arbeiten und auch sich selber zum Beispiel halten zu können und so. Also auch so Sachen zu fesseln, die Druck auf bestimmte Punkte aus-, die sich anfühlen wie eine Umarmung oder wo man selber sich quasi einfach reinlegen und lehnen kann, ohne dass man seinen Körper selber halten muss beispielsweise. Da gibt es einfach so ein unendliches Spektrum an Erfahrungen, die man machen kann und auch wie man so einen ganz eigenen Zugang zu sich und seinem Körper bekommen kann, aber im Zweifel auch zu einer bestimmten Verarbeitung von Emotionen. Und das ist... bommel: Das ist so viel vielfältiger, als ich am Anfang auch gedacht hätte, bevor ich mich mit dem Thema irgendwie intensiver beschäftigt habe. Und ich habe vorhin tatsächlich mal nachgeguckt. Wir können das voll gerne in den Shownotes auch mal verlinken. Vielleicht gibt es ja, also wir können dazu sicherlich auch noch mal eine extra Folge machen, wenn das Interesse besteht. Aber ich habe gefunden, am 18. März gibt es tatsächlich eine Session vom Karada-Haus zum Thema Kink and Neurodiversity. Die sich tatsächlich extra an so AnfängerInnen richtet, Leute, die so ganz neu im Kink-Bereich sind und die irgendwie gar nicht wissen, was das alles ist und wie man da so einen Zugang zu bekommen kann und so. Können wir euch mal verlinken, vielleicht hat da ja jemand Lust drauf. kc: Ja, aber wie immer, alles kann, nichts muss. Voll. Das ist ja auch ein sehr, sehr sensibles Thema für viele, wahrscheinlich auch gerade in unserer Community, wo es für Leute irgendwie schwierig ist, aber es gibt auch die Angebote, die Glitches mitdenken. bommel: Voll. Das ist halt das vor allem, warum ich das auch gerne erzählen wollte. Ich habe lange überlegt, ob ich das überhaupt erzähle oder nicht. Aber letztlich ist, auch wenn es für mich gerade gar nicht so einen sexuellen Fokus hat, aber ist auch Sexualität für sehr, sehr viele Menschen einfach ein sehr wichtiger Bereich des Lebens auch. Und das ist einfach super schön, dass es diese Orte gibt, wo das auch einfach mitgedacht wird und stattfinden kann. kc: Ja. Darf ich dazu eine vielleicht freche, unbedachte, unbeholfene Frage stellen? Ich würde die roleplayen als der Twitter-Günter: Warum macht man nicht einfach Sport? bommel: Hä? Also, ja. Also, je nachdem, was du machen möchtest, vor allem im Rope-Bereich, musst du Sport machen, um überhaupt dahin zu kommen, dass dein Körper das tun kann, was du da tun möchtest. Weil nicht jeder Körper, also grundsätzlich ist nicht jeder Körper für alles geeignet. Aber gerade wenn es um sowas wie, man nennt es Suspensions geht oder so, wenn du also an irgendwas aufgehängt wirst oder so, ist es schon im Zweifel nicht immer einfach für den Körper. Oder wenn du in irgendwelche Positionen gebogen wirst oder so, brauchst du eine gewisse Grundflexibilität. Also je nachdem, was man machen möchte und irgendwie exploren möchte, ist Sport auch eine Voraussetzung dafür, muss aber überhaupt nicht sein. Und es ist einfach was sehr anderes. Also ich glaube, es ist auch etwas, was andere Leute durch Sport bekommen können. Aber ich kenne jetzt zum Beispiel keinen Sport, der es mir ermöglicht, diese Deep Pressure, also diesen tiefen Druck auf den eigenen Körper wahrzunehmen. bommel: Und ich finde, also natürlich kannst du jetzt auch einfach sagen, indem ich Muskeln ermüde oder anspanne oder so, schaffe ich auch eine bestimmte Form von Körperwahrnehmung. So funktioniert ja auch sowas wie progressive Muskelentspannung oder so. Du spannst den Muskel an. Und entspannst ihn dann und dadurch lenkst du quasi die Aufmerksamkeit auf diesen Muskel oder diesen Teil deines Körpers. Es ist halt letztlich einfach so eine andere Art, das zu tun. Und das ist eine Art, die mir sehr zusagt, weil ich zum Beispiel sehr schlecht mit so Stillstand umgehen kann. bommel: Für mich hat Fesseln, auch vor allem, weil ich das nur alleine mache, nur mit mir, also ich habe keine andere Person, mit der ich das so tue, immer was extrem Meditatives. Das ist einfach nur Zeit für mich. Und ich kann aber, also ich hasse Yoga, auch wenn ich da auch was, das kann ich vielleicht in den nächsten Folgen mal ein bisschen drüber berichten, weil ich habe da was gefunden, was ich gerne ausprobieren möchte. Kleiner Teaser. Aber ich hasse Yoga, weil ich das sehr unangenehm finde, lange in bestimmten Positionen zu verharren oder in Meditation lange still zu sitzen und meine Gedanken einfach ziehen zu lassen. Das finde ich super unangenehm. Und es gibt tatsächlich auch, ich weiß nicht, ob wir das im Podcast schon mal gesagt haben, aber sowas kann auch kontraindiziert sein, zum Beispiel für Leute mit Komplex-Traumastörungen oder so. Äh - Trauma-Folgestörung. Einfach weil durch diesen Stillstand und so können halt auch Sachen hochkommen und so weiter. Und für mich ist Fesseln einfach was sehr anderes. Also es ist zum einen sehr handwerklich. Du kannst sehr viel lernen, was einfach Technik angeht. bommel: Es hat aber auch was ganz Sinnliches, in dem Sinne, als dass du ja immer, es gibt verschiedene Materialien von Seilen, die sind rauer oder nicht, die können ganz weich sein und so weiter. Und da geht es halt auch ganz doll darum, selber zu entdecken, was braucht dein Körper gerade und das kannst du durch das Fesseln deinem Körper immer geben. Wenn ich jetzt Sport mache und sage, okay, ich mache vor allem eine bestimmte Sportart und mache jetzt super schweres Krafttraining oder Crossfit oder High Rocks oder was auch immer und power mich da richtig aus, dann ist es so ein Ziel und eine Art und Weise, das zu tun. Aber Fesseln kann extrem sanft sein. Du kannst nur einen Körperteil fesseln. Du kannst dich komplett bewegungsunfähig machen. Du kannst ganz selbst bestimmen, auch wie viel Druck du überhaupt gibst. Ob das eher was Leichtes ist, eher sehr fest und so weiter. Das heißt, das ist jedes Mal auch eine Lektion darin, auf seinen eigenen Körper zu hören und das sehr, sehr radikal für mich. Deswegen ist es für mich im Moment auch so wichtig, weil dadurch, dass ich auch alleine bin, gibt es nur mich und es gibt nur mich und meine Bedürfnisse und das, was mein Körper gerade braucht. bommel: Und ich habe da einen sehr schlechten Bezug zu. bommel: Und für mich ist das ein fantastischer Weg, da einen viel besseren Zugang zu zu haben. Es ist jetzt ein bisschen lang für eine Twitter-Reply an Günter gewesen, aber ich wollte es trotzdem gesagt haben. kc: Ja, ich glaube, das hat das Ganze auch nochmal sehr gut erklärt, warum man das eigentlich macht, wenn Leute das bisher nicht verstanden haben. Ja, sehr cool auf jeden Fall. bommel: Es gibt noch drei Millionen andere Gründe, warum man das macht. Kann die ja auch alle total in Ordnung sein. Aber das ist so mein Grund und ja. Du wolltest sagen, du würdest dich freuen, wenn wir da weiter drüber sprechen können, oder? kc: Ja, machen wir eine andere Folge darüber. Wir schreiben das in den Titel auch. bommel: Ja, yes, yes, yes. kc: Wir haben einem Hörer, der uns eine sehr, sehr liebe E-Mail geschrieben hat, an dieser Stelle nochmal schöne Grüße an Martin. Vielen, vielen Dank für die unglaublich lieben E-Mails, die du uns geschrieben hast. Haben wir es schon angekündigt. Wir werden auf jeden Fall auch mal eine Folge über Sexualität machen und auch wenn wir jetzt gelernt haben, dass das nicht unbedingt sexuell sein muss. Sicher doch ein Teilbereich, der da irgendwie Anwendung findet. bommel: Total, ja. kc: Ja. Ich habe die Woche auch noch Zeug gemacht. Das war wieder so eine busy Woche. bommel: Wollte ich gerade sagen, irgendwann müssen wir doch auf wöchentlich switchen. Wir erleben zu viel. kc: Ja, es ist schwierig. Zumindest die zweite Sache oder eigentlich beide Sachen, die ich gemacht habe, haben auch direkt was mit dem Thema dieser Podcast-Folge zu tun, nämlich künstliche Intelligenz. Aber bevor wir dazu kommen und da tiefer einsteigen, will ich kurz noch erzählt, was ich gemacht habe, weil das auch sehr, sehr coole Sachen sind. Ich habe eine App gebaut. bommel: Yes. kc: Die habe ich nicht zum ersten Mal gebaut, tatsächlich. Die habe ich schon 2023 im Rahmen einer staatlichen Förderung entwickelt und habe da ganz viel User-Testing gemacht und so. Und mit dieser App kann man Audiodeskriptionen für Shortform-Social-Media-Videos erstellen. Also Audiodeskription, wer es nicht weiß, ist die Praxis, Videoinhalte zugänglich für blinde Menschen zu machen, indem Dialogpausen gezielt genutzt werden, um Szenen zu beschreiben, um zu sagen, was gerade passiert, damit blinde Menschen zeitgleich mit allen anderen dieselben Werke genießen können und dafür nicht länger Zeit brauchen als alle anderen auch. Und 2023 war so mein Fazit nach der ganzen Sache, weshalb das auch niemals veröffentlicht wurde, dass die Qualität, die da rausfällt, einfach nicht dem gerecht wird, was eigentlich benötigt wird. Und dass die meisten Videos, die Leute mit der App erzeugen können, sehr viel schlechter sind, als wenn da einfach überhaupt keine Beschreibung da wäre. bommel: Das ist ungünstig. kc: Ich habe mich wirklich mit sämtlichen Zielgruppen getestet. Also ich habe es mit Leuten getestet, die da die Videos machen. Ich habe es mit blinden und sehbehinderten Menschen getestet, die Videos konsumieren. Und natürlich mit mir selbst. Ich bin ja auch blind. Und ja, leider hat das nicht ganz so funktioniert. Und in einem Anflug an Motivation diese Woche habe ich mir nochmal das Paper durchgelesen, das ich dazu geschrieben habe und habe mir nochmal ein paar weitere Gedanken gemacht. Und dabei ist mir aufgefallen, dass ich ein paar Kleinigkeiten übersehen habe in der Zeit, so was User Experience angeht, wo ich irgendwie nicht drauf gekommen bin, was zumindest nie irgendwie den Weg in meine Notizen gefunden hat. bommel: Eine Sache muss ich dazu sagen, wie geil ist das bitte, an solchen Dingen zu merken, wie krass man sich weiterentwickelt hat, oder? Das ist ja so richtig spürbar, wie viel du einfach dazugelernt hast. Und wie viel weiter einfach so deine Erfahrung geht, sodass du jetzt sagen kannst, krass, ich habe voll die Sachen übersehen und dann da einfach nochmal rangehen kannst. Das finde ich immer richtig schön. Ich mag solche Momente unglaublich gerne. kc: Ja, also gut, das ist ja jetzt auch schon... Zweieinhalb Jahre her, also Ende des Jahres, die Projektlaufzeit ist dann drei Jahre her und ich habe halt wirklich ein halbes Jahr lang nichts anderes gemacht, als mich mit dieser Fragestellung auseinanderzusetzen, wie man Sachen zugänglich macht und wie so eine App funktionieren kann. Leider mit dem Fazit dann, dass es nicht funktioniert. Okay, soweit waren wir schon. Jetzt in einem Anflug von Motivation habe ich mich drangesetzt und habe angefangen, das Ganze nochmal neu zu bauen. Und ich habe das nicht wie damals in Webtechnologien gebaut, weil ich damals festgestellt habe, ja, prinzipiell geht das gut. Leute machen das. Also auch gerade viele Smartphone-Apps dieser Tage sind in Webtechnologien entwickelt, auch zum Video bearbeiten und so. Aber ich wollte das jetzt nochmal richtig machen und ich habe das entwickelt als native iOS-App. Und. kc: Letztendlich in der Implementation, auf der ich gelandet bin, bedeutet das, dass diese App ungefähr 100% schneller ist als das, was ich damals hatte. Einfach weil da so Videoprocessing super schnell läuft und es nicht durch drölf Abstraktionsebenen durchgeht, sondern dann kann es wirklich sein, dass du auf ein Video tippst und dann lädt es drei Sekunden und dann ist es fertig bearbeitet und wir sprechen davon von, Denn wir entfernen aus dem Video die Tonspur und separieren die und dann analysieren wir die Tonspur, wo ist es leise, wo ist es laut. Da machen wir Spracherkennung drauf, um zu erkennen, wo sprechen Leute und wo nicht, um diese Dialogpausen zu erkennen. Um eben später Leuten dabei unter die Arme zu greifen, diese Dialogpausen mit Beschreibung zu füllen. kc: Und das geht jetzt einfach schnell, dass das Ganze denkbar ist. Ich habe damals im Rahmen dieser Forschung gelernt und festgestellt, dass damit überhaupt so eine Grundakzeptanz von Leuten da ist, das überhaupt zu machen, muss der Prozess schnell gehen. Und das heißt konkret, dass es in 200 Prozent der Laufzeit des Videos machbar sein muss, so eine Beschreibung zu erstellen, wenn es um Social Media geht. Also bedeutet, wenn du ein 60-Sekunden-Video hast und das in die App tust, muss 120 Sekunden später eine fertig beschriebene Version da sein. Und das ist schwierig. Das ist super schwierig hinzukriegen. Warum? bommel: Also was ist da die größte Schwierigkeit? kc: Die größte Schwierigkeit ist, dass Leute überhaupt nicht wissen, was sie beschreiben sollen und dass sie so viel Zeit brauchen, da Text einzugeben. Das Ganze war damals schon so implementiert, dass du die Möglichkeit hattest, entweder einen Text selbst einzusprechen oder einen Text einzugeben und den dann über eine Text-to-Speech-Stimme vorzulesen. Also der Sinn dahinter ist, wenn du selbst in dem Video sprichst, was ja bei Social Media Videos häufig der Fall ist, dann willst du keine Bildbeschreibung machen in deiner eigenen Stimme, weil das für die Zielgruppe sehr verwirrend ist. Weil du dann nicht direkt auseinanderhalten kannst, was ist jetzt Beschreibung und was ist tatsächlich der Videoinhalt. Und das kannst du mit so einer Computerstimme halt sehr viel besser. Aber der Vorteil vom Selbstaufnehmen ist halt, dass es viel schneller ist. Dass du da quasi einfach deinen Gedanken freien Lauf lassen kannst. Dementsprechend habe ich auch das jetzt wieder gebaut. Und was damals auch schon aufgefallen ist, ist, dass es wahrscheinlich KI-Unterstützung braucht. Und also KI-Unterstützung im Sinne von tatsächlich vorgefertigten Bildbeschreibungen, die dann nur noch korrigiert werden müssen. kc: Und jetzt bin ich ja dafür bekannt, dass ich auch auf Social Media sehr, sehr häufig sage, Alternativtexte und Bildbeschreibungen von einer KI geschrieben, das ist Kacke, weil die KI nicht weiß, was ihr damit kommunizieren wollt. Ja. Aber was ich jetzt hier zumindest in diesem Kontext wieder sehr, sehr stark gemerkt habe, dass mit den aktuellen Technologien die Einschränkungen, die dir das Konstrukt Audiodeskriptionen gibt, genügend sind, um ausreichend gute automatisierte Beschreibungen zu erzeugen. Auch mit den gängigen Large-Language-Models, also künstliche Intelligenz wie ChatGPT und so, wenn du da beispielsweise einen Still-Frame aus einer Szene reinsteckst, die können nämlich jetzt alle Bilder analysieren, also vom Anfang und vom Ende dieser Szene und dann schreibst du in deinen Prompt ein bisschen, ja schreib jetzt irgendwie einen Satz, was hier passiert ist und so. Natürlich ist das irgendwie noch ein bisschen komplexer, die Anweisung dahinter. Aber dann hast du am Ende relativ brauchbare Dinge. Und das alles insgesamt lässt mich glauben, dass man dieses Experiment auf jeden Fall noch mal rauskramen könnte. kc: Und mit dieser Technologie und mit dieser Idee und mit dem Userflow, den ich da erfunden habe, also erfunden - erforscht habe, über lange Zeit zusammengeklöppelt habe, dass man da eine ganze Menge erreichen kann. Und vielleicht sehen wir bald mehr Audiodeskriptionen in Social Media, denn das ist was, das irgendwie überhaupt nicht existiert. Das ist was, das es eigentlich ausschließlich bei professionellen Produktionen gibt. Und ich arbeite jetzt dran, dass ich das mal in den App Store tue. Ich habe ja vor ein paar Folgen schon mal über Apps gesprochen und dass sich das bisher für mich irgendwie noch nicht so richtig gelohnt hat, da eine Apple Developer Mitgliedschaft irgendwie zu besorgen. Ich mache es und es kommt bald. Und ich werde das Ganze veröffentlichen und ich werde das mit weiteren also mit einer jetzt sehr viel größeren Zielgruppe dann nochmal testen und dann schauen wir mal wie das Ganze wird Ja. bommel: Ich bin gespannt ich habe die App ja auch schon gesehen und ich war wirklich auch erstaunt darüber also wie flott das geht also es ist ja wirklich super schnell Ja Richtig cool. kc: Und also ja, das war natürlich letztendlich das Designziel. Das Problem war bekannt und das Projekt hat damals schon versucht, eine Lösung dafür zu finden. Da war die Technologie halt noch nicht da. Jetzt ist sie das gegebenenfalls. Werden wir sehen. kc: Aber wir können ja mal in die Shownotes packen. Ich habe dazu auf Mastodon einen Thread gepostet mit drei Beispielvideos, wo ich unterschiedliche Funktionalitäten gezeigt habe. Ja, also das Ganze ist noch ein bisschen tiefer gehender. Es gibt noch viel mehr Funktionen, die es machen kann. Man kann automatisch irgendwie die Geschwindigkeit anpassen lassen. Das heißt, du hast mehr Zeit als die Sprechpause, um da Sachen einzusetzen. Und die App ist so gestaltet, dass sie einfach aus deinem Weg geht, damit du einfach machen kannst. Und zwar möglichst schnell. Und außerdem gibt es ja jetzt auch lokale Sprachmodelle, die auf deinem Gerät laufen, wie Apple Intelligence. Wenn du dann feststellst, ja, hier deine Textbeschreibung, die du eingegeben hast, die ist zu lang, um die in diese Sprechpause einzusetzen, müssten wir die verschnellern um, sagen wir, 2,5-fache Geschwindigkeit, was dann zu schnell ist und niemand mehr verstehen kann, kannst du da einfach auf den Knopf drücken und sagen, mach's kürzer. Und dann passt es rein. Und das Ganze passiert halt zum großen Teil auf deinem Gerät direkt in Echtzeit. Und das ermöglicht halt diese Sachen. bommel: Ja, das ist schon krass. Das ist schon sehr, sehr krass. kc: Ich habe noch mehr mit KI gemacht. Ich habe nämlich die erste Version von dieser nativen App, von der ich gerade gesprochen habe, gevibecoded. Einfach, weil ich das mal ausprobieren wollte. Vibe-Coding ist der Begriff dafür, Sachen mithilfe von künstlicher Intelligenz zu entwickeln, ohne selbst Code anzufassen. Das habe ich nicht gemacht. Was ich gemacht habe, ist, ich habe dieses Paper, was ich dazu geschrieben habe, in die KI reingefüttert. Und ich habe einen groben Architekturplan gemacht, wie es irgendwie aussehen soll. Und dann habe ich gesagt, so jetzt mach mal. Und dann bin ich mit dieser KI irgendwie über acht, neun, zehn Stunden oder so die ganze Nacht durch diesen Prozess durchgegangen. Und hatte dann am Ende eine App, die irgendwie halb funktioniert hat. Und dann ist ein Bug aufgetreten, den ich da gerne raushaben wollte. Das konnte aber die KI nicht beheben. Also bin ich selbst in den Code reingegangen, weil ich das ja mal gelernt, ich kann das ja zum Glück. Und ich hatte nicht die leiseste Ahnung, was da überhaupt passiert ist und ich habe festgestellt, dass jede der Architektur-Constraints, die ich am Anfang festgelegt habe, nicht übernommen wurden. bommel: Was heißt das konkret? kc: Der AI-Agent, Codex, in dem Fall von OpenAI, basierend auf ChatGPT, hat gemacht, was es wollte. bommel: Aber nicht, was es sollte. kc: Genau, nicht, was es sollte, aber nicht das, was ich definiert habe. Und dementsprechend war dann am Ende alles irgendwie durcheinander. Und dieser Bug ging einfach nicht raus, egal, was ich probiert habe. Und dann habe ich mich entschieden, ja, jetzt mache ich das richtig. Jetzt mache ich das neu. Jetzt mache ich das selber. Und ich habe dann auch AI Assisted weiter diesen Code geschrieben, einfach auch für mich, damit ich weiß, wie es funktioniert. Warum ich das mache, komme ich später in dieser Folge noch ein bisschen dazu, weil es ja eigentlich das Hauptthema ist, wir sind ja immer noch im Vorgeplänkel. Jedenfalls habe ich dabei diese Skills-Funktionalität der aktuellen Programmier-KI-Tools entdeckt. Da kann man eine Markdown-Datei oder eine ganz normale Textdatei benutzen mit Anweisungen, die immer, wenn du irgendwas Spezifisches machst, in diese KI reingefüttert werden, um der KI einen Weg vorzugeben, wie irgendwas zu entwickeln ist. bommel: Also das heißt, das ist quasi, Also, wenn ich da reinschreibe, ich möchte, dass du so tust, als wärst du ein Einhorn und dann speichere ich das da immer ab, dann rede ich immer mit einer KI, die so tut, als wäre sie ein Einhorn, auch wenn ich das nicht jedes Mal als Anweisung wiedergebe. kc: Genau, also ganz groß so, aber halt für spezifische Use Cases. Also, du schreibst für so einen Skill erstmal eine Beschreibung, was der Skill tut und wo der Skill eingesetzt wird. Also, beispielsweise, ich entwickle eine iOS-App. Und dann wird dieser Skill von diesem Agent automatisch immer aufgerufen und ausgelesen, wenn es irgendwas für iOS entwickelt. Und da habe ich mal wieder festgestellt, wie unglaublich schlecht diese Tools sind, was irgendwie digitale Barrierefreiheit angeht, weil die natürlich alle auf Code trainiert ist, der in den letzten 20, 30 Jahren entstanden ist, wo digitale Barrierefreiheit immer kein großes Thema war. Wo semantische Korrektheit von Interfaces irgendwie kein Thema war. Also habe ich so einen Skill geschrieben, um diese Modelle... Immer wieder darauf aufmerksam zu machen, worauf es denn grob ankommt, basierend eben auf dieser Erfahrung, die ich in diesen Sessions, die ich damit gearbeitet habe, festgestellt habe, was es immer wieder für so typische Probleme gibt. bommel: Hast du ein Beispiel? Also was steht da jetzt zum Beispiel drin? kc: Da steht jetzt beispielsweise die Formel drin, wie man Kontraste berechnet, um irgendwie ein korrektes Verhältnis zu machen. Oder es steht drin, welche Arten von Komponenten du benutzen sollst und welche nicht und aus welchen Gründen vor allem. Das ist auch irgendwas, was ich auch sehr stark festgestellt habe. Wenn du solchen Sprachmodellen nicht sagst, warum du was haben willst, dann sind die Ergebnisse sehr viel schlechter. kc: Ist ja auch wild. Also die funktionieren im Hintergrund so, dass sie erstmal, bevor sie die Antwort geben, ganz viele Sätze erzeugen, wo sie darüber nachdenken, in Anführungszeichen, was du da eigentlich gerade gesagt hast und was in diesen Sachen steht. Und indem du ihnen sagst, warum du etwas willst... Wird dieser Gedankenstrang, was letztendlich auch nur autocomplete ist, wie immer bei künstlicher Intelligenz, es wird immer nur quasi das nächste Wort vorausgesagt, basierend auf dem, was da steht, da ist nicht wirklich ein Gedankenprozess dahinter. Aber das wird dann zumindest in diese Bahnen gelenkt, dass so Architekturentscheidungen und so Designentscheidungen in dieser Hinsicht überdacht werden und halt nicht einfach irgendein Code rausfällt, sondern einer, wo dieses Modell intern gesagt hat, ja, ich weiß warum, ich habe das so gemacht, das erfüllt diese Anforderungen. Und das ist sehr viel besser. Und ich habe das noch nicht gebenchmarked. Das ist auch noch nicht ganz fertig, was ich da gemacht habe. Ich weiß auch noch nicht, wie ich das machen soll. Aber jedenfalls ist das ein Projekt von mir, das irgendwie mal wieder sehr viel Aufmerksamkeit bekommen hat, wie ungefähr alles, was irgendwie mit KI zu tun hat momentan. kc: Es hat irgendwie 5000 Impressions auf LinkedIn bekommen. auf Mastodon haben es glaube ich auch irgendwie 60 Leute geboostet, was für Mastodon und KI super viel ist. Mhm. Und ja, das ist jetzt erstmal da. Ich schaue mal, wie es damit weitergeht. Aber Fakt ist, das hilft auf jeden Fall so, wie es entstanden ist. kc: Aber ich habe in diese Repository geschrieben, weil ich das als freies Dokument unter einer freien Lizenz veröffentlicht habe, dass ich Beiträge nur haben möchte von Menschen, die online irgendwie eine Behinderung angeben, zu haben. Einfach weil ich in diesem Projekt gerne irgendwie einen privaten, sicheren Raum haben möchte, der eben nicht dominiert ist von AI-Bros, die überall sind. Und die meinen ganz genau besser zu wissen, wie künstliche Intelligenz funktioniert als alle anderen. Und dann mit irgendwelchen komischen Mikrooptimierungen ankommen, die aber dann letztendlich irgendwelche Nuancen abschaffen. Aber gerade bei sowas sind natürlich Nuancen super wichtig. Und da habe ich sehr, sehr viele, also was heißt sehr, sehr viele, aber ich habe so zehn DMs ungefähr bekommen von zehn unterschiedlichen Menschen, die da ein bisschen saui waren, dass das da drin steht. Und die meinten, ja, das würde ja gar keinem helfen, wenn ich da pauschal irgendwie Leute ausschließen würde. kc: Aber ja, warum das Quatsch ist, habe ich gerade erklärt, aber letztendlich braucht es ja auch wirklich keine Rechtfertigung dafür. bommel: Irgendwie sowas zu tun. Also es geht ja auch nicht, jemanden auszuschließen ist ja nur die letzte logische Konsequenz daraus, dass du eine extrem klare und in dem Fall vielleicht auch verhältnismäßig enge, Fokussierung hast und formuliert hast. Also du fokussierst dich ja einfach auf etwas sehr, sehr Spezifisches und das hat halt so Konsequenz, dass sehr viel anderes einfach nicht stattfindet. So, das ist immer, also dass dann dieser, ja, dieses Augenmerk so stark darauf gelegt wird, wer der jetzt nicht mitmachen darf, weil ansonsten geschieht es ja auch nicht. Und das ist ja genau der Punkt. Das ist so ein bisschen wie letztes Mal zu über so Cripping Up gesprochen haben. Es geht nicht zwangsläufig darum, Nichtbehinderte auszuschließen, sondern es geht darum, Behinderte Personen dazu aufzurufen und ihnen den nötigen Platz zu geben, um das zu gestalten. kc: Ja, ich mag dazu gerne noch zwei Kommentare lesen, die ich dazu auf Mastodon bekommen habe, die auch öffentlich sind. Und zwar sagte eine Person: "Also das Erfahrungsargument finde ich schwierig. Es ist ja eine Schnittmenge aus Expertisen erforderlich und die wird in der Regel durch mehrere Personen aus unterschiedlichen Erfahrungsräumen besser erreicht. Ich kann aus meiner Erfahrung nur sagen, dass gerade die Mitarbeit an solchen Projekten förderlich für das Verständnis von den Betroffenen Behinderungen ist. Es sollte keine Orte geben müssen, in denen eine Gruppe von anderen Menschen keine Rolle spielen darf. Es muss leider oft solche Räume geben, um ein größeres Übel zu verhindern." War so eine der Personen, die sehr kritisch gegenüber dieser Haltung sind. bommel: Ja, Casey, total gemein. Wie sollen denn die Nichtbehinderten jetzt was über Behinderung lernen, wenn die bei deinem Projekt nicht mitmachen dürfen? Genau. Das ist so frech von dir. kc: Das hat dann auch Eric kommentiert, der auch ein sehr, sehr guter Barrierefreiheitsexperte, also tatsächlicher digitaler Barrierefreiheitsexperte ist. Und der schreibt auch: "Du verstehst aber gerade schon, dass du willst, dass Nichtbehinderte mitmachen sollen, damit die privilegierten Nichtbehinderten ein Verständnis bekommen. Das ist aber gar nicht der Zweck vom Projekt und daher irrelevant." kc: Und das stimmt genau so, wie es da steht. Genauso, wie wir das jetzt hier gesagt haben. Das sind einfach Sachen, die absolut nicht notwendig sind. Das ist ein Projekt mit der Expertise von behinderten Menschen, die diese Tools benutzen, um diese Tools besser zu machen. um diesen Tools irgendwie zu sagen, was jetzt irgendwie konkret wichtig ist. Aber letztendlich ist das ein Textdokument. In diesem Textdokument steht nichts anderes drin, als was jeder gute Impulsvortrag zu digitaler Barrierefreiheit in den letzten 20 Jahren auch gesagt hat. Also achte auf Kontraste. Benutze native HTML-Komponenten. Achte darauf, dass die Sachen tastaturzugänglich sind. So und so erreichst du das. Die Modelle sind gut darin, die Standards zu rezitieren und die Kriterien. Aber wenn man sie nicht auf die konkreten Kriterien hinweist und warum man das tut, auch in einem spezifischen Projektkontext, dann passiert es nicht. Und dann funktioniert es nicht. bommel: Das liegt ja auch in der Natur der Sache, weil KI schafft ja in dem Sinne nichts Neues, sondern es reproduziert irgendeinen mehr oder weniger wilden Remix aus Dingen, die es halt schon gibt. Und wenn Barrierefreiheit zwar existiert in Richtlinien beispielsweise, aber in der Praxis nicht umgesetzt wird, gibt es an praktischem Code beispielsweise einfach nichts, was die KI reproduzieren kann. Das ist ja genau dieser Punkt. kc: Was halt auch der Fall ist, was auch viele Leute gerade in diesem Projekt nicht sehen, ist, dass natürlich auch Menschen mit dieser Ressource lernen können, weil es ist halt sehr viel Fakt, sehr stark runtergebrochen auf sehr, sehr inhaltsdichte Sätze. Da ist quasi kein Fluff drin, den du vielleicht in so einem Vortrag haben möchtest, weil es unnötig ist, brauchen wir nicht. Und das ist vielleicht nicht die beste Ressource, um als Mensch damit was zu lernen, aber du kannst das natürlich letztendlich auch. Und solche Sachen, solche Texte werden von den großen KI-Labs auch häufig im Post-Training benutzt. Das bedeutet, wenn die Modelle fertig trainiert sind, also auf dem riesengroßen Datensatz, auf dem ganzen Internet, auf sämtlichem menschengeschriebenen Code. kc: Wird dann nochmal anderweitig Einfluss auf die Ergebnisse genommen, die da am Ende rausfallen, um sie in eine bestimmte Richtung zu lenken. Dass da am Ende kein Nazi steht und der irgendwie sagt, Hitler ist toll. Solche Sachen muss man ja irgendwie machen, aber im Internet steht halt viel Kram und dementsprechend müssen da Anpassungen ausfallen. Und auch für solche Sachen kann man solche Skills, solche Texte benutzen. Ja. Und da habe ich das sehr viel lieber, wenn diese Form von Einflussnahme wirklich ausschließlich von Menschen mit Behinderung gestaltet ist, als von hauptsächlich Nichtbehinderten. Und ich habe ein bisschen Prominenz, um solche Sachen in die Welt zu setzen und um dafür ein bisschen Aufmerksamkeit zu bekommen. Und ich weiß, wie diese Sachen gut funktionieren und worauf ich bin. Es da ankommt, einfach weil ich halt sehr viel damit gearbeitet habe und ich habe mich in diesem Fall dazu entschieden, ich mache diesen Raum zu, ich will nur Beiträge von Menschen mit Behinderung haben und damit ist es auch gut. Ja, soviel zu dem, was ich gemacht habe. Ich tue dieses Repository mal in die Shownotes, da könnt ihr selber gucken, wenn euch interessiert, wie das irgendwie funktioniert. Aber wie gesagt, das ist nichts Besonderes, das ist nur eine Textdatei. bommel: Was heißt hier nur? kc: Ja, Leute finden alles krass, was man mit KI macht, weil sie denken, dass das irgendwie richtig aufwendig und krass programmiert. Aber das ist es nicht. Das ist halt einfach nur Accessibility-Wissen, das es an vielen Stellen kostenlos gibt, extrem komprimiert, aus realer Nutzungserfahrung, mit den Werkzeugen und mit den assistiven Technologien aus Sicht von Behinderten. bommel: Nice. kc: Ja. Ja. steigen wir doch tiefer ins Thema künstliche Intelligenz ein oder ein bisschen allgemeiner. kc: Ich selbst beschäftige mich mit dem Thema künstliche Intelligenz und Sprachmodelle insbesondere seit ungefähr 2019, also lange bevor ChatGPT ein Thema war. Das ist ja erst Ende 2022 irgendwie veröffentlicht worden. Einfach weil mich Technologie extrem interessiert. Und ich richtig viel Spaß an sowas habe. Und damals gab es GPT-2 und das hat noch viel mehr funktioniert wie einfach eine Text-Vervollständigungsmaschine, weil es kein Chat-Interface hatte, sondern da schriebst du was rein und dann wurde der Text irgendwie vervollständigt. Und das war noch nicht besonders gut. kc: Aber also so grundlegend diese Technologie hat da schon existiert. Und dementsprechend habe ich mich dann auch damit beschäftigt, wie das Under the Hood technisch funktioniert. Und mit diesem Wissen, als ChatGPT aufgekommen ist, habe ich mich dann irgendwie so ein bisschen online positioniert. Und das war das erste Mal, also was heißt das erste Mal? Ja gut, ich war davor auch schon nicht unbekannt, aber da habe ich zum ersten Mal auch in dieser Barrierefreiheitsszene so richtig viel Aufmerksamkeit und Traction für meine Arbeit bekommen, weil ich was über künstliche Intelligenz gesagt habe, das nicht gehypt war, das aber auch nicht komplett ablehnend war zu der Zeit. bommel: Aha, eine differenzierte Meinung auf Dinge, da fragt. kc: Ja, und das fanden Leute richtig, richtig gut. Also habe ich da beispielsweise Texte geschrieben bei Netzpolitik.org über GPT-4 und so und als das rauskam Anfang '23, kurz nach dem Launch von ChatGPT insgesamt und welche Implikationen das alles hat, können wir auch nochmal in den Shownotes verlinken. Und seitdem werde ich wirklich sehr, sehr regelmäßig angefragt, bei irgendwelchen Veranstaltungen aufzutauchen, um da über künstliche Intelligenz zu sprechen. Nicht nur Veranstaltungen, sondern auch in Medien. Ich habe einen Beitrag für die Taz geschrieben. Ich war, keine Ahnung wie oft, im Radio, bei Radioeins. Ich war im Bayerischen Rundfunk. Ich war im ARD-KI-Podcast. Ich war im Saarländischen Rundfunk in der Landesschau, also im Fernsehen. Ich war in der Tagesschau mit diesem Thema. Also ich würde einfach mal behaupten, dass kaum eine andere behinderte Person mit KI-Themen so viel Aufmerksamkeit bekommen hat in Persönlichkeit wie ich. In diesem Land. Und das ist ein Novum, weil ich halt tatsächlich technische Expertin bin und also sich selbst Expertin zu nennen ist immer ein schwieriges Thema, aber weil ich halt tatsächlich zumindest von mir selbst den Eindruck habe, dass ich weiß, was ich da tue. kc: Und sonst sieht man das ja nicht so, sonst reden da immer irgendwelche Journalistinnen darüber oder es reden irgendwelche Politiker über dieses Thema und das war in diesem Fall hier gar nicht so. Da haben Leute dann quasi gemerkt, okay, da ist eine Behinderte, die kennt sich sehr gut mit dem Thema aus, fragen wir doch die, dass die irgendwie was dazu macht. Und dann habe ich das gemacht und dadurch wurde ich halt eben ein bisschen bekannter Und dadurch beschäftige ich mich auch immer noch sehr intensiv damit, welche Auswirkungen diese Technologien hat. Ich weiß mittlerweile, wie sie funktionieren, da kommt gar nicht mehr so viel Neues. Ich gucke mir hin und wieder mal irgendwelche Studien an, was da irgendwie rausgefallen ist, aber das ist jetzt nicht so bahnbrechend wie das alte Zeug. Und jetzt ist halt der Fokus vielmehr, was sind die gesellschaftlichen Implikationen davon und das ist ein Rabbit Hole und, Ein so großes Thema, das ich am Anfang überhaupt nicht gedacht hätte. bommel: Wirklich nicht? kc: Nee, überhaupt nicht. bommel: Das ist spannend, weil das erste Mal, dass ich wirklich im Bereich KI gearbeitet habe, war ein Projekt an der Uni. Da ging es halt darum, selber eine KI zu entwickeln. Sehr ambitioniertes Projekt. Und der Typ, der das damals gemacht hat, der hat ein sehr interdisziplinäres Team zusammengestellt. Und ich war halt eher da für so einen pädagogisch-psychologischen Blick, war auch nicht der Einzige damit, aber wir hatten auch LinguistInnen da, natürlich InformatikerInnen, aber auch LinguistInnen, habe ich das gesagt, LinguistikerInnen, so, sind Linguisten. kc: Ja, ich dachte, LinguistInnen ist der richtige Begriff. bommel: Jetzt habe ich mich selber verwirrt. LinguistikerInnen kenne ich nicht. Ja, Leute, die Linguistik gemacht. kc: Ja. bommel: Erzähl mir niemandem, dass ich Germanistik studiert habe. Wörter. Aber genau, aber auch PhilosophInnen zum Beispiel. Und da ging es halt von Anfang an sehr, sehr viel genau darum, weil gerade das Informatik-Team natürlich auch verständlich, aber mit einer unfassbaren Neugier daran gegangen ist und mit einem totalen Eifer und mit der Grundannahme, dass Fragen grundsätzlich neutral sind. Und das war ein relativ spannender Arbeitsprozess einfach. Und deswegen waren mir vor allem diese Reibungspunkte schon super, super früh irgendwie klar, weil ich einfach, vielleicht hatte ich damit auch Glück, weil ich letztlich ja ein bisschen auch dafür da war in diesem Projekt und explizit auf diese Stelle gesetzt worden bin, um zu gucken, was es halt für einen Impact letztlich hat, vorrangig aus einer pädagogisch-psychologischen Sicht. kc: Ja, also mir war auch schon mit allem, was ich vorher gemacht habe und in meiner ganzen Jugend irgendwie extrem wichtig, dass die Sachen, die ich mache, ethisch okay sind. Und mir war schon durchaus bewusst, dass da irgendwie eine Menge, Menge Verantwortung einhergeht. Aber ich habe nicht kommen sehen, was für einen krassen Wandel das in der Gesellschaft irgendwie erzeugt hat. Und auch was für ein Wandel das in Behinderten-Communities insbesondere erzeugt hat. Damit habe ich nicht gerechnet und das war auch was, das sich insbesondere erst so seit 2024 ungefähr herauskristallisiert hat. Als ich lange mit diesen Themen bekannt war. bommel: Ja, wo siehst du da die Hauptaspekte? Also was hat sich hauptsächlich gewandelt aus deiner Perspektive gesamtgesellschaftlich, aber auch vor allem in Behinderten-Communities? kc: Ja, gewandelt hat sich primär, dass Leute jetzt einfachen Zugang zu dieser Technologie haben, durch so Plattformen wie ChatGPT, die irgendwie aufgetaucht sind und durch multimodale Capabilities, also Fähigkeiten von den Sprachmodellen, dass sie die Möglichkeiten haben, Bilder zu verstehen. Und plötzlich sind das nicht mehr nur diese reinen Textgeneratoren, diese reinen Forschungsobjekte, wo vielleicht irgendwie was rausfällt, sondern die sind gerade beispielsweise in einer Blinden-Community extrem schnell als Werkzeug adaptiert worden und sind da jetzt mehr oder weniger selbstverständlich. Und du wirst kaum Behinderte finden, die sagen, ich benutze das nicht, ich mag das nicht, das hilft mir nicht. bommel: Was ich daran aber total spannend finde, ist, was das letztlich auch so ein bisschen heißt, ist, weil das eine Beobachtung ist, die ich gemacht habe, ist, dass sehr, sehr viel mehr in Eigenverantwortung verschoben wird. kc: Das ist korrekt. bommel: Also dass das halt immer gesagt wird, naja, aber es kann doch eine KI machen. Aber dass das gleichzeitig heißt, dass Betroffene halt anfangen, eine KI zu nutzen, Dinge für sie nutzbar zu machen. Und das ist auch einer der großen Aspekte, warum ich, also ich kann eine sehr kategorische Ablehnung KI gegenüber unfassbar gut nachvollziehen. Aber dieser Aspekt von Zugänglichkeit und Teilhabe ist für mich so ein elementarer Punkt dabei, dass meine Haltung zu KI halt nicht komplett ablehnend ist, weil es das einfach in dieser Form ermöglicht. Und gleichzeitig ist diese Verantwortungsübernahme zum Teil so stark gesunken, weil Leute irgendwie, ja, dadurch, dass es halt möglich ist, sich Teilhabe oder Zugang zu bestimmten Sachen zu verschaffen, dann davon ausgehen, dass es dann halt auch Aufgabe genau der Personen halt ist, die betroffen sind. Und das ist was, was mir gar nicht gut gefällt. kc: Und letztendlich ist das einfach ein, also gesellschaftlich betrachtet eine Verstärkung der ohnehin schon existierenden Diskriminierung und Ungleichheit. bommel: Total. kc: Und das ist mir in Vorbereitung auf diese Folge auch wieder sehr häufig bewusst aufgefallen, als ich einfach auf Mastodon unterwegs bin und da gebrowsed habe. Und da habe ich auch einen Post mitgebracht vom 18. Februar um 1.06 Uhr nachts von Darrell Hildeker. Der schreibt: "Thanks, Claude, for helping me turn my angry thoughts into a professional letter asking for help making positive changes. Seriously, sometimes I use AI almost like a language translator, soft peddling my accessibility trauma in hopes someone might care."Und das hat mich sehr, sehr traurig gemacht, weil da diese Technologie genutzt wird, um freundlicher zu sein, weil man so viel Ablehnung erfahren hat. bommel: Ja, und vielleicht, ich weiß nicht, ob alle, die unseren Podcast hören, Englisch verstehen, der hat also seine wütenden Gedanken in eine KI gehauen und diese KI angewiesen, daraus einen professionellen Brief zu machen, um nach Hilfe zu fragen und um irgendwie positiven Wandel anzustoßen. Und berichtet darüber, KI als eine Art Übersetzer zu benutzen, um die eigenen Bedürfnisse so formulieren zu können, dass es irgendwen interessiert. kc: Also wenn man so wütend ist wie wir in diesem Podcast manchmal, wenn man sich über Dinge irgendwie lustig macht, dann kommt es tendenziell bei der Welt halt einfach nicht so gut an. Und es ist sehr traurig, dass Leute diese Werkzeuge benutzen, die dann wahrscheinlich auf der anderen Seite genutzt werden, um dieselben Sachen wieder glatt und gerade zu bügeln. Und letztendlich drehen wir uns mit solchen Sachen glaube ich immer mehr im Kreis, Und ich finde, es ist überaus schlecht, dass so viel Eigenverantwortung auch an Menschen gegeben wird in diesen Belangen, die überhaupt nicht die Bildungsmöglichkeiten dazu hatten, um sich überhaupt mal mit diesen Sachen sinnvoll auseinanderzusetzen, sondern es war halt von gestern auf heute einfach da und alle haben von dir erwartet, dass du es benutzt. bommel: Ja, es ist halt auch so schade, weil ein Gedanke, den das jetzt anstupst bei mir ist, ich habe KI auch schon sehr früh benutzt, um genau solche Dinge halt auch zu tun. Also um bestimmte Gedanken, die ich habe oder so, wo ich aber wusste, okay, wenn ich das formuliere, wie komme ich damit nicht weiter, durch eine KI zu schubsen halt, um da irgendwas draus zu bekommen, mit dem ich vernünftig weitermachen kann. Und was daran halt aber auch so schade ist, ist, dass man sich, es macht so unsichtbar. Es macht so unsichtbar und es nimmt so viel auch einfach weg, weil Kommunikation ist ja keine Einbahnstraße. Und wenn das immer alles so glatt gebügelt ist, sodass in meinem Fall jetzt zum Beispiel nicht autistische Menschen irgendwie verstehen, was ich möchte und das nicht falsch bei ihnen ankommt, dann kann man jetzt auf der einen Seite auch sagen, ja, ist ja voll gemein, weil du nimmst denen ja auch total die Möglichkeit, dich zu verstehen und dazuzulernen. Aber seien wir mal ehrlich, die meisten Leute wollen nicht verstehen und dazulernen und, Das ist für mich ein ganz komischer Zwiespalt. kc: Ja. Letztendlich ist es auch was, das Druck auf andere Leute ausübt. Weil wenn alles immer perfekt ist, muss alles andere auch immer perfekt sein. Ich glaube, das ist was, dass wir auf so Plattformen wie LinkedIn ganz, ganz stark beobachten. Die Posts auf LinkedIn klingen alle gleich. Die haben alle dieselbe Struktur. Da ist kein Satz länger als sieben Wörter. Da ist kein Absatz länger als drei Sätze. Überall sind Gedankenstriche, sämtliche Grammatik ist perfekt. Und klar, die Welt verlangt von dir, dass du gerade in so beruflichen, professionellen Kontexten so perfekt auftretest, wie es geht, weil daran im Zweifel für dich alles hängt. Aber dieses Requirement, diese Anforderung trifft behinderte Menschen dann natürlich nochmal mehr. Weil wo du vorher schon Probleme hattest, solche Sachen zu machen oder auf einem akzeptablen, in Anführungszeichen, für die Gesellschaft Niveau zu machen und aufzutreten und nicht nervig zu sein, bist du jetzt plötzlich in einer Position, wo du mit komplett glatt gebügelten, mit perfekten Sachen konkurrierst. bommel: Ja. kc: Und das... Es ist eine gesellschaftliche Sache, die absolut abstoßend und richtig, richtig schwierig ist. Und wie gesagt, ich sehe erst so wirklich in der Behindertenszene, dass Adoption wirklich erst angefangen hat, so 2024. Also auch ein bisschen später als so die generelle Gesellschaft. Aber was genau das für Auswirkungen haben wird und wie sich das gesellschaftlich niederschlagen wird, das werden wir erst in den nächsten 10, 20 Jahren sehen. Das geht nicht so schnell. Gesellschaften ändern sich nicht so schnell, auch wenn viele Leute irgendwie den Eindruck erwecken wollen. bommel: Absolut. Was ich halt aber jetzt auch schon extrem krass beobachte und das hängt, glaube ich, nicht nur mit KI zusammen, auch mit anderen Dingen, aber ich glaube auch mit KI ist wirklich dieser Punkt, dass Leute sich selber nicht mehr trauen, sich und ihre Bedürfnisse und auch ihre Fehler und so weiter anderen zuzumuten. Und dass Menschen anfangen, die simpelsten, auch vor allem zwischenmenschlichen Dinge für absolut unzumutbar zu erachten. Und damit meine ich nicht halt irgendwie Einschränkungen, die man halt hat, im Sinne von so, ja, in die Augen gucken ist ja wohl nicht so schlimm, das kann man ja wohl mal machen. Sowas meine ich überhaupt nicht. Aber also Interaktion ist ja einfach was Urmenschliches. Und auch sich mal missverstehen ist was Urmenschliches. Und sowas stärkt halt auch Beziehungen beispielsweise. Und wenn dann immer alles nur glatt gebügelt ist, dann hat man mit sich selber, aber auch mit anderen viel weniger Reibungspunkte und kann daran halt gar nicht wachsen. Daran kann kein Vertrauen wachsen, daran kann kein Verständnis wachsen und keine Beziehung wachsen. Und ich finde, das merkt man schon jetzt wirklich unglaublich stark. kc: Ja, und das ist letztendlich auch die Mechanik, die für Polarisierung sorgt und für gesellschaftliche Radikalisierung. bommel: Ja. kc: Und ja, das ist nicht gut. Ja, jetzt sehen wir tatsächlich irgendwie in der KI-Verordnung... Dass es verpflichtende KI-Schulungen irgendwie für alle geben soll, um zu lernen, wie man diese Tools benutzt, wie Prompt Engineering funktioniert. bommel: Was halt auch albern ist, weil liebe Grüße an Xenia. Xenia sagt ja auch immer so, es ist halt einfach ein Modell, was auf natürliche Sprache reagiert. Ich kann da literally irgendwas reinschreiben, dieses Ding wird darauf reagieren und irgendwas ausspucken. Und egal wie gut mein Prompt ist, die Fehlerquote, die dieses Ding da ausspuckt, also das ist so hoch. kc: Ja, also die Fehlerquote ist gesunken nach allen Studien, die es so gibt. Eine aus dem letzten Jahr von OpenAI selbst veröffentlicht mit dem Modell OpenAI o4-Mini, also nicht 4o, sondern o4. Das ist so ein denkendes Modell, wie ich das vorhin erklärt habe, wo vorher so ein Gedankenstrang existiert. Das hat eine Fehlerquote von 75 Prozent. bommel: Das ist so absurd. Hast du das mitbekommen, das ist mir über Social Media so ein bisschen reingespült worden, dass irgendwie hat OpenAI kürzlich irgendein Modell abgestellt. kc: Ja, 4o. bommel: Ja, genau. Ich glaube, deswegen hat mir das auch gerade wieder ins Gedächtnis gerufen. Und ich habe so eine Zusammenstellung von Social Media Posts gesehen von Menschen, die absolut am Boden zerstört waren. Also wirklich so, keine Ahnung, in den 90ern-Take That löst sich auf-am Boden zerstört. Wenn nicht noch mehr. Wenn nicht noch mehr, ja, weil dieses Modell vom Markt genommen wurde und sie mit diesem Modell so eine parasoziale, oder ich will es auch gar nicht, eigentlich will ich es gar nicht Beziehungen nennen, aber so eine Bindung zu diesem Stück Code aufgebaut haben, das hat mich richtig schockiert irgendwie. Also für mich war das sehr, sehr eindrücklich einfach nochmal. kc: Dieses Modell war irgendwie sehr, sehr stark bekannt dafür, ein sehr hohes Maß an, wir sagen, Sycophancy. Von sich ausgeben zu lassen. Das bedeutet, dass es dir halt quasi sehr nach dem Mund geredet hat, dass es sehr emotional auf dich eingegangen ist. Und das so zu machen, war durchaus eine menschliche Entscheidung. Das ist nicht einfach so geschehen. Sonst hätten wir, wie ich das vorhin auch schon gesagt habe, sonst hätten wir einfach Hitler. Ja, solche Sachen passieren, wenn du sie auf die Welt loslässt, ohne irgendwie da sinnvoll Forschung zu machen, wie das funktioniert. Aber das ist ja auch, was die CEOs von den großen KI-Labs, also so Sam Altman und Dario Amodei und keine Ahnung, wer noch alles, auch immer wieder sagen. Die Gesellschaft muss sich darauf einstellen. Und ich finde das persönlich einfach extrem verantwortungslos. Einfach solche Sachen vorauszusetzen und zu sagen, ja, wir haben jetzt hier was gemacht, das erzeugt Probleme, aber wartet mal ab, diese Probleme lösen sich irgendwann, die Gesellschaft wird das schon machen. Ja, die Gesellschaft wird das machen, aber halt auf deren Grundlage, wie sie das Ganze wollen. Die haben damit natürlich enorme Macht darüber zu gestalten, wie gesellschaftliche Prozesse in der Zukunft aussehen werden. bommel: Voll, voll. Und also letztlich ist es ja einfach, Menschen nutzen halt KI, um auf ein Problem, ein gesellschaftliches Problem zu reagieren, nämlich unter anderem Einsamkeit. Aber KI ist halt keine Lösung dafür. Und insofern ist halt diese Notion von, ja, die Gesellschaft wird schon umgehen lernen damit, die Wörter waren sehr durcheinander, aber irgendwann wird die Gesellschaft damit schon umgehen können, finde ich sehr, sehr merkwürdig, weil das ist ja eigentlich nicht das zugrunde liegende Problem. kc: Nein. Also was wir halt sehen hauptsächlich ist, dass das Argument für KI ist, die Produktivität zu steigern. bommel: Das ist so ein Bullshit. kc: Ja, und ich lese dazu immer wieder sehr, sehr gerne auch die Beiträge des Philosophen Tante, der ja auch sehr bekannt ist in unseren Kreisen, in CCC-Kreisen und so. Kann ich sehr empfehlen, da mal reinzugucken. Der sagt schlaue Dinge darüber. Und dass wir das so vielleicht nicht wollen. Und da kann man sich mal gut Gedanken darüber machen. Ja, aber ich will ja nicht nur Doomerism verbreiten, sondern wenigstens zwischendrin mal ganz kurz was Gutes erwähnen, wofür das auch genutzt werden kann. Also dieser Produktivitätsgewinn, der existiert teilweise und je nachdem auch in bestimmten Ausforderungen und Kontexten. Wenn du blind bist, kannst du mit künstlicher Intelligenz und allem, was sie dir ermöglicht, sehr viel selbstständiger sein durchaus. Sehr viel schneller sein, weil du nicht mehr auf menschliche Assistenz... angefordert bist. kc: Angewiesen bist. Genau, angewiesen. Und das kann dir durchaus helfen, in einer Leistungsgesellschaft, die wir sie leider leider haben, zu bestehen und zu existieren. Und ich hatte vor ein paar Minuten, bevor wir angefangen haben, die Folge aufzunehmen auf Mastodon gefragt, wofür Leute denn künstliche Intelligenz benutzen. Und @atarifrosch hat geschrieben: "Ich nutze derzeit Whisper, um Untertitel für Videos zu erstellen, vor allem für aufgezeichnete Demo-Reden. Untertitel händisch zu erstellen, schaffe ich vom Aufwand her nicht." Und das ist auch so ein zweischneidiges Schwert, glaube ich, weil, also ich kann verstehen, dass das kompliziert ist, wenn man das nicht regelmäßig macht, dann dauert das eine ganze Weile, irgendwie Zeug zu transkribieren und ich mache das ja auch für diesen Podcast. Und ich benutze hierfür Whisper, also auch Speech-to-Text, generative künstliche Intelligenz, die ich dann nochmal manuell korrigiere und dieser Prozess sieht für mich so aus, dass ich den Podcast selbst auf zweifacher Geschwindigkeit anhöre und mir parallel dessen die Screenreader-Stimme im Ohr hängt und mir vorliest, was in diesem Transkript steht und wenn ich da drin Fehler merke, dann pausiere ich und korrigiere das. Und das ist so ein Prozess, der tendenziell so zwei, zweieinhalb Stunden dauert bei so einer Zwei-Stunden-Podcast-Folge. bommel: Ja. kc: Da könnte man jetzt denken, ja, das ist nicht so lang. Aber wenn du für diese Arbeit nicht bezahlt wirst, wie wir das ja in diesem Podcast auch nicht werden, zwei, zweieinhalb Stunden, da bist du bei einem Viertelarbeitstag. Sowas kostet im Zweifel halt einfach wirklich enorm viel, wo du durch solche Technologien dann tatsächlich einfach ein bisschen Zeit sparen kannst. Aber Speech-to-Text ist keine neue Erfindung. Das gab es in den 2010er Jahren schon in ausreichend guter Qualität, um genau das zu machen. Und tendenziell sind ja auch, wie @atarifrosch schrieb, Demoreden solche Sachen, die vorher schon mal irgendwie geskriptet werden. Die wenigsten Leute stellen sich da spontan auf eine Bühne und erzählen dann irgendwas, wo du das halt im Zweifel einfach anpassen oder auch zusätzlich bereitstellen kannst, um ähnliche Sachen irgendwie zu erzielen. kc: Und solche Einschränkungen und solche Bedenken gibt es eigentlich bei allem, wofür Menschen diese Technologien benutzen. Und ja auch zu dem, was ich vorhin über die Video-App erzählt habe. Also das Ziel ist es, Sachen schnell zu machen, weil dann benutzen das Leute. Darunter leidet aber Qualität. Und das tat sie auch immer schon. Und es ist eine sehr, sehr feine Linie, Sachen schneller zu machen, aber die Qualität zu wahren. Und das ist ja letztendlich auch das, was Engineering/IngenieurInnen-Disziplinen immer schon gemacht haben. bommel: Ja. kc: Und es gibt den tollen Begriff Prompt Engineering, den habe ich glaube ich auch schon mal erwähnt. Es gibt so einen gesellschaftlichen Wandel, wo Leute jetzt tendenziell sehr viel mehr selbst als Engineers gesehen werden, um sich irgendwie selbst produktiver zu machen unter Nutzung dieser Technologien. kc: Und ich finde das sehr, sehr schwierig, das so einfach anzunehmen, weil die meisten Leute auch hier überhaupt nicht die Ausbildung dazu haben und überhaupt nicht die Kapazitäten haben, um sich hinzusetzen, um solche Systeme zu designen. Also, wie ich auch schon bei der Video-App sagte, die Forschung dazu hat sechs Monate gedauert. Die Implementierung, also das, was ich jetzt neu gebaut habe, hat insgesamt fünf Tage gedauert. Und Sachen aufzubauen, Sachen zu implementieren, ist immer der aller, aller kleinste Teil, wenn du Systeme gestaltest, wenn du Prozesse gestaltest. Was viel aufwendiger ist, ist überhaupt erstmal die Anforderungen zu definieren, die Gegebenheiten zu definieren, die Sachen zu testen und zu evaluieren und dann anzupassen. Und das sind alles Schritte, die mit künstlicher Intelligenz in den meisten Fällen einfach nicht mehr relevant sind oder von Leuten als nicht mehr relevant betrachtet werden, weil sie einfach in den Chatbot eingeben können, schreib mir diesen Text. bommel: Ja, und das ist so ein Bullshit, weil, das klingt dann was an, was ich letztens auf Mastodon gepostet hatte, dieses, ich glaube die meisten Leute, die sich gegen so Alttexte wehren und so, die wissen einfach selber nur nicht, warum sie Bilder posten und was sie damit eigentlich aussagen wollen und können das deswegen halt auch nicht kommunizieren. Und genau das sind ja auch die Schritte, die halt wegfallen, wenn diese Zwischenschritte oder diese Vorarbeit, die du gerade erwähnt hast, wegfällt. Weil ich lasse die KI irgendwas machen, aber ich weiß gar nicht, warum. Das hat halt auch so einen krassen, es passt ja auch voll in den Zeitgeist, aber das hat so einen extremen Konsumaspekt und hat auch so dermaßen was von Wegwerfgesellschaft, weil es ist ja auch trotzdem so, dass für sehr viele Menschen das, was KI macht. bommel: Keine Wertigkeit hat und nicht so viel wert ist. In dem Sinne, als dass sie erst mal überhaupt gar nicht angeben, dass Dinge KI generiert sind oder so, weil sie wissen, dass das nicht angesehen ist und das dann als ihre eigene Arbeit ausgeben. Aber auch, weil sie halt sich keine Gedanken darüber machen, was sie eigentlich von der KI gerade wollen im Zweifel, sondern wird halt irgendwas eingegeben und dann kommt nicht das raus, was ich eigentlich wollte. Und dann fange ich mal an, zwei Sachen an, den Prompt zu ändern und dann hänge ich stundenlang in dieser Schleife von, ich schreibe Scheiß da rein und die KI spuckt mir irgendwas raus, bis ich dann irgendwann nach, weiß ich, bommel: Zehn Wechseln oder zehn Test-Prompts dann irgendwann bei irgendwas angekommen bin, was ich eigentlich wollte, was ich mir alles hätte sparen können, wenn ich mir vorher Gedanken darüber gemacht hätte. kc: Ja, aber auch selbst dann hilft KI ja nicht immer. Auch das hatte ich ja vorhin in der Video-App schon erklärt, wo ich wirklich einfach diese sechs Monate sehr intensive Forschung in das Modell gegeben habe, inklusive Architekturvorgaben, die dann halt einfach nicht beachtet wurden und das dann halt einfach beim ersten Fehler auseinandergefallen ist. Weil hinter diesen Modellen nach wie vor kein Verständnis dafür existiert, warum Dinge geschehen, wie sie aussehen sollen und wie sie gestaltet sein sollen. Und Menschen können das im Zweifel nicht und machen das nicht, wenn das Eingabeinterface eine Chatbox ist. bommel: Ja. kc: Und dazu gibt es auch eine spannende Studie von Anthropic, die ich mitgebracht habe. Anthropic ist neben OpenAI das andere große US-amerikanische KI-Lab, die machen die Claude-Modelle. Und diese Studie heißt "How AI Impacts Skill Formation". Und in dieser Studie schreiben sie: "Our findings suggest that AI-enhanced productivity is not a shortcut to competence and AI assistance should be carefully adopted into workflows to preserve skill formation, particularly in safety-critical domains." kc: Also nochmal auf Deutsch ganz grob. Sie haben herausgefunden, dass KI-gestützte Produktivität nicht schneller zur Kompetenz führt und dass KI-Assistenz sehr vorsichtig in Workflows eingeführt werden sollte, um eben die Formierung von Fähigkeiten nicht zu behindern. Und ganz besonders in sicherheitskritischen Bereichen. Und ich finde das lustig, wir dürfen hier nicht vergessen, dass das eine Studie von einer Firma ist, die selbst diese Modelle rausgeben, die jede Gelegenheit dazu nutzen, um ihre Modelle zu hypen. Auch da habe ich ein Beispiel. Claude hat in den letzten Tagen einen C-Compiler geschrieben, also auch wieder das Modell von Anthropic. C ist eine Programmiersprache. Und ein Compiler übersetzt diese Programmiersprache in Maschinencode. Also du schreibst da rein, hier ist eine Funktion, die Funktion schreibt "Hello World" und das Ganze wird dann durch den Compiler übersetzt in was auch immer dein Prozessor verstehen kann, um es auszuführen. kc: Und das Ganze wurde auf Basis des schon existierenden Open Source GCC Compilers gemacht. GCC ist die GNU Compiler Compilation und die GNU Compiler Compilation enthält extrem viele Tests, die das Verhalten von so einer Software und von so einem Compiler definieren und testen. Und dagegen hat das Sprachmodell Cloud programmiert, um diese Tests zu bestehen. Und am Ende ist dann tatsächlich ein Compiler rausgefallen, der laut Anthropic den Linux-Kernel kompilieren kann, der ein Datenbanksystem kompilieren kann und so weiter und so fort. Also wirklich technisch sehr, sehr anspruchsvolle Sachen. kc: Aber Anthropic hat halt mit keinem Wort erwähnt, dass es auf dieser jahrzehntelangen menschlichen Arbeit aufbaut und halt einfach diese Tests benutzt, um das zu schaffen. Sondern die haben halt einfach gesagt, ja, wir haben da einmal was eingegeben und dann war das da, was in dieser Komplexität einfach nicht möglich war. Was die auch selber wissen und selber definiert haben. Und das sind dann die Leute, die halt trotzdem Studien rausgeben, die sagen, dass "our findings suggest that AI enhanced productivity is not a shortcut to competence". Ja. Und das ist, glaube ich, das, was diese gesellschaftliche Veränderung irgendwie sehr, sehr gut beschreibt. Alle Leute hypen das, die Firmen hypen das. Währenddessen wissen alle, dass das der größte Scheiß ist und dass das letztendlich nicht funktioniert. Aber weil da drin so viel Kapital steckt, müssen wir da leider alle mitmachen. bommel: Ja, das ist halt auch so ein Ding wie eine KI ist halt wirklich einfach too big to fail mittlerweile. Und das ist halt also echt ein Problem. kc: Also ich weiß noch nicht, ob wir an dem Punkt sind, wo es too big to fail ist, aber wir steuern halt auf jeden Fall sehr, sehr stark drauf zu und dann wird es auch nicht mehr sein, dass es too big to fail ist, sondern es wird eher so sein, dass es so all-encompassing ist to fail, also allumfassend. Und weil Leute durch das Ausrollen von diesen Technologien einfach enorme Skills verlernen, weil sie sie nicht mehr brauchen, weil sie durch die Verwendung von KI keine Kompetenz aufbauen. Das ist ja auch das, was Anthropic in dieser Studie herausgefunden hat. bommel: Und das muss ja, by the way, nicht immer schlecht sein. Also ich meine, ich wüsste jetzt auch nicht mehr genau, wie ich meine T-Shirts mit einem Waschbrett und einer Kernseife besonders sauber bekomme. Da gibt es sicherlich mehr Wissen bei den Menschen, die das noch ohne Waschmaschinen machen mussten. Auf den Skill verzichte ich auch gerne dafür, eine Waschmaschine benutzen zu können. Der Unterschied zu einer KI ist aber, dass meine Waschmaschine meine Wäsche ja tatsächlich wirklich wäscht. Und ich mich darauf verlassen kann. Und das ist halt so, wäre KI eine Waschmaschine, dann wäre deine Wäsche wahrscheinlich danach dreckiger als vorher und es fehlen fünf Ärmel. Ja. kc: Auch dazu noch eine spannende Sache. OpenAI hat irgendwie vor ein paar Wochen eine "Townhall" abgehalten, also so ein Treffen, wo irgendwie, keine Ahnung, hundert mehr oder weniger prominente Menschen gekommen sind, um mit Sam Altman, dem CEO, zu sprechen. Warum? bommel: Also prominente Menschen mit so Tech-Background oder so? kc: Also primär Tech-Background natürlich, weil man redet gerne unter sich mit Leuten, die tendenziell irgendwie deiner Meinung bei diesen Sachen sind. Und eine Person da hat gefragt, was das Gefährlichste ist, was mit KI im Jahr 2026 gemacht werden kann. Und Sam Altman sagte Dinge wie Biowaffen und Cybersicherheit. Und das ist sehr, sehr bezeichnend, weil er im fast gleichen Atemzug gesagt hat, KI ist auch die Lösung für diese Probleme. Also haben wir hier wieder die Situation, wo eine Firma, ein Multimilliarden-Dollar-Unternehmen, eine Lösung verkaufen wird für ein Problem, das es ohne sie überhaupt nicht geben würde. Und da sind wir halt weit über too big to fail hinaus ja. kc: Sondern da sind wir halt in gesellschaftlicher in politischer Dependenz zu diesen Sachen ja, absolut und das will ich kurz noch dazu sagen was viele Leute auch nicht auf dem Schirm haben ist dass das gerade, einen enormen Kapitaleinsatz erfordert und dass jeder Prompt, den man in ChatGPT und Co. eingibt, subventioniert ist. Das kostet ein Vielfaches von dem, was man da selbst bezahlt. Also wenn du in ChatGPT eine 20-Dollar-Subscription hast, die du jeden Monat bezahlst, damit bezahlst du überhaupt nicht das, was es kostet, um diesen Dienst für dich bereitzustellen. Das wird ein Vielfaches davon kosten. Und irgendwann kommen wir dann an den Punkt, wo die Leute, die da rein Geld investiert haben, dieses Geld gerne zurücksehen wollen. Weil wir leben im Kapitalismus. Und wenn die das wollen, dann werden diese Dienstleistungen auf einmal extrem viel teurer. Weil es sich nicht mehr lohnt, die für dich zu subventionieren. Weil es keine staatlichen Mittel mehr gibt. Weil es keine Investitionsbereitschaft gibt. bommel: Das und je abhängiger Prozesse, große Firmen, Politik, Gesellschaft von solchen Dingen sind, desto teurer kannst du sie auch machen. kc: Ja, natürlich. bommel: Völlig ohne Not. Also alleine durch so ein Angebot Nachfrage denken. kc: Ja, und diese Technologie setzt natürlich auch darauf, um irgendwie in jeder Nische, in jeder Branche überhaupt zu existieren. Also KI ist in Automobil, KI ist natürlich in Tech, KI ist in Finanz, KI ist in Baustoffe, KI ist quasi überall, KI ist in Medizin und so weiter und so fort. Und sobald du halt erstmal diese Abhängigkeit aufgebaut hast, weil Leute deine Werkzeuge benutzen können und dadurch selbst keine Kompetenz mehr aufbauen müssen, desto abhängiger sind Leute von deinem Produkt und desto mehr müssen sie am Ende auch bezahlen. Und ja, das ist meiner Meinung nach gesellschaftlich extrem gefährlich, insbesondere für behinderte Menschen. bommel: Also warum kommst du zu der Einschätzung? kc: Auch das wieder sehr, sehr vielschichtig. Es gibt viele, viele KI-Produkte und auch KI generell wird von den großen Tech-Firmen, also Microsoft und Meta und Co. Halt immer wieder als totaler Gewinn für die Zugänglichkeit irgendwie beworben. Weil passt natürlich in deren Bild. Wir machen alles einfacher. Für Menschen mit Behinderung werden dadurch Sachen endlich zugänglich. Dies, das, yadayada. kc: Und dann bringen die so Produkte wie die Meta-AI-Glasses raus. Also so eine KI-Brille. Und die ist zumindest so in blinden Communities gerade der heiße Scheiß. Weil du hast mit dieser Brille quasi immer eine Kamera im Gesicht. Und eine KI, die du sofort fragen kannst, ey, was sehe ich denn da gerade? Oder wer ist denn hier mit mir im Raum und wo stehen diese Leute? Und das ist natürlich was, das hilft, aber das geht auch nur, solange diese Sachen irgendwie leistbar sind. Und solange Menschen mit den anderen Implikationen, die das haben, die wir ja jetzt hier sehr lange besprochen haben, fein sind. Und wenn Leute okay damit sind, dass es sowas wie Gesichtserkennungssysteme gibt, wenn Leute okay damit sind, irgendwie immer Zugriff auf solche Systeme zu haben. Und diese Systeme sind ja nicht nur einfach da, um dir zu helfen. ChatGPT wird jetzt auch Werbung einführen. Sondern die sind dafür da, um es ganz plain zu sagen, um dich zu manipulieren, um dein Leben zu lenken, um dein Leben zu gestalten. bommel: Ja, beziehungsweise in erster Linie, um den Investoren der Firma, wie auch immer, Geld zu machen. kc: Ja, da geht ja alles miteinander einher. bommel: Ja, ja, voll. Total. kc: Und ja, sobald das wirtschaftlich so nicht mehr tragbar ist, dass man sagt, ja, wir geben diese Systeme jetzt quasi umsonst raus, in der Hoffnung, dass möglichst viele Leute abhängig davon werden und wenn sie es dann sind, wenn die Gesellschaft mal festgestellt hat, okay, das ist fein so, wir akzeptieren das, dass diese Technologie jetzt da ist und dass diese Firmen die wertvollsten auf der Welt sind und die quasi alles bestimmen können und die mächtigsten auf der Welt sind. Dann kommen wir davon nie wieder los. Und jetzt, zumindest sehe ich das so, sind wir gerade noch so in der Position, wo wir uns persönlich dagegen aussprechen können. Wo wir sagen können, nee, das ist was, das wir absolut nicht wollen. Das ist uns zu gefährlich. Wir wollen, dass das erstmal weiter erforscht wird, dass es stärker reguliert wird, dass es festgelegt wird. Aber es scheint ja keine oder scheint ja nicht so zu sein, dass das irgendwie passiert. bommel: Ja, ich habe zu diesem Meta-AI-Glasses habe ich ja auch gerade so unbegeisterte Geräusche gemacht, weil das Letzte, was ich dazu gelesen habe, war vor allem, dass es da eine große Plattform gibt für irgendwelche Creeps, die damit halt Aufnahmen machen, vor allem von Frauen. Und das halt absolut missbräuchlich benutzen und das sind dann halt auch irgendwie so Dinge. bommel: Also, Das macht nochmal viele andere Ebenen auf, weil dann letztlich immer einfach gesagt wird, ja, sonst muss verboten werden. Oder so eine Technologie wird deswegen halt so eine krasse Skepsis zu Recht ja auch gegenübergebracht, die sich dann natürlich aber auch auf zum Beispiel halt blinde Menschen überträgt, die es halt nutzen, um mehr Zugang und Teilhabe zu ermöglichen. Und das ist ja auch nochmal so ein ganz anderes Level an eigentlich gesellschaftlicher Nuanciertheit, für die irgendwie gar kein Platz ist. Also Wege zu finden, wie man basically Creeps davon abhält, diese Technologie zu missbrauchen, aber gleichzeitig Leuten, die das gerne nutzen würden für mehr Teilhabe, das zu ermöglichen. Und ich glaube, auf solche Gespräche und Debatten ist die Gesellschaft auch wirklich bei weitem nicht vorbereitet. kc: Ja, und dieser Kompetenzverlust hört halt nicht auf der individuellen Ebene auf. Auch da ist wieder strukturelle Sache. Wenn sich in der blinden Community diese AI-Glasses durchsetzen und diese Technologie beliebter und bekannter wird und mehr eingesetzt wird, desto mehr sagen nichtbehinderte Leute dann, ja, du hast doch das Werkzeug dafür. Ja, ich muss mich nicht mehr darum kümmern, das irgendwie zugänglich zu machen, weil es geht ja schon irgendwie für dich. Und auch da ist dann wieder dieser Skillverlust, wo du dann vielleicht stattdessen einfach eine KI sagen, fragen würdest, wie würdest du oder wie kann ich diese und jene Sache zugänglich machen? Das ist vielleicht halt auch ein bisschen komisch, aber ja, passiert. Sondern dann kommst du einfach gar nicht mehr an den Punkt, weil die Lösung ist ja da und die Lösung KI ist ja offensichtlich. bommel: Und den Punkt hatten wir ja eben auch schon, jeglicher zwischenmenschlicher Kontakt fällt dann halt auch einfach weg, weil diejenige Person, die das Problem hat, die kümmert sich eigenverantwortlich um die Lösung des Problems, in dem Fall Teilhabe und Zugänglichkeit und es verschwindet immer weiter aus der Wahrnehmung. kc: Ja, und nicht nur zwischenmenschlicher Kontakt, sondern halt auch individuelle Wahrnehmung der Welt. Also auch das gerade wieder ein Thema, das irgendwie Menschen mit Behinderung sehr stark betrifft. Also diejenigen, die auf leichte Sprache angewiesen sind beispielsweise oder blinde Leute, die dazu gedrängt werden, Bildbeschreibungen aus einer KI zu ziehen, statt dass die irgendwie der Mensch macht, der damit irgendwie was kommunizieren will. Diese Modelle haben halt alle eine gewisse Persönlichkeit. Und diese Persönlichkeit ist halt für alle Nutzenden immer gleich. Und die ändert sich auch nicht so schnell, weil sie eben eine Sammlung von sämtlichem menschlichen Output im Internet enthält und Büchern und was sonst immer noch alles irgendwie veröffentlicht wurde. Und dadurch geht halt auch gerade für diese Gruppen so viel Freiheit verloren und so viel Interaktionsmöglichkeit mit der Welt, weil die Welt halt letztendlich einfach nur durch diese Systeme gefiltert überhaupt erschließbar ist. bommel: Ja. kc: Und damit unterliegt sie natürlich der vollen Kontrolle von den KI-Labs und was auch immer die entscheiden, was jetzt irgendwie gut ist. Von diesem Vortrag, wovon ich erzählt habe, den ich beim 37C3 gehalten habe, da habe ich das auch gesagt und da habe ich das gezeigt. Und auch immer wieder eine Beispielfolie, die sehr, sehr gut ankommt, ist die Darstellung von KI-generierten Menschen mit Blindheit. Wo Leuten nicht auffällt, dass irgendwie der Langstock da falsch gehalten ist und erst recht nicht auffällt, dass da überall auf jedem Bild nur ein Mann drauf ist, der vielleicht gut gekleidet ist und eine Sonnenbrille aufträgt. Aber dass menschliche Vielfalt halt viel, viel stärker ist als das. Und insbesondere auch dadurch, dass die Modelle sich bei blinden Menschen nicht weigern, sowas zu erstellen, aber bei Menschen mit Autismus dann halt schon. Und das sind halt alles Entscheidungen, die da irgendwie getroffen werden, die da einfließen. Und ich halte das für ganz, ganz doll gefährlich, so wie es jetzt ist. bommel: Ist es auch. kc: Ja. bommel: Ist es auch. kc: Was ich auch gefährlich halte, ist mal ein ganz, ganz kurzer Themenshift, immer noch KI. KI-Models auf Social Media, KI-Influencers. Wo wir auch wieder so beim Anfang sind, dass Leute irgendwie immer perfekter werden wollen. Und so Makel überhaupt nicht mehr akzeptabel sind. bommel: Ja, oder halt engineert werden letztlich tatsächlich, um nochmal zu dem Thema zurückzukommen. kc: Genau, zum Thema Engineering von Makeln, dazu komme ich jetzt. Was mir in Vorbereitung auf diese Folge halt tatsächlich extrem viel aufgefallen ist, ist, dass extrem viel Fetischisierung stattfindet in diesem KI-Model-Space. Und ich habe mal ein bisschen durch Instagram geguckt und habe mal nach so Behinderungen gesucht wie Albinismus oder Vitiligo, was sich beides an der Haut zeigt. Albinismus bedeutet basically in der speziellen Ausformung, unter dem man das unter Albinismus auch kennt, dass du quasi keine Farbpigmente hast und dass dein Körper, dein Haar komplett weiß ist. Und Vitiligo bedeutet, dass deine Haut fleckig ist. Also teilweise auch sehr, sehr stark, So dass es aussieht, als hättest du komplett dark skinned, schwarze Haut und halt weiße Hautflecken. Und das haben tendenziell auch sehr, sehr viele Leute irgendwie in irgendeiner Form. Bei den wenigsten, die das haben, sieht man das. Also Vitiligo, Albinismus betrifft üblicherweise den ganzen Körper. Aber es gibt natürlich auch die Fälle, wo man das irgendwie im Gesicht sieht. Und ich habe in der Vorbereitung hier irgendwie mindestens fünf sehr stark gefolgte Vitiligo-Influencerinnen gefunden, die quasi eine Körperhälfte schwarz sind und die andere Hälfte Albinismus haben. kc: Oder dass sie irgendwie gestreift sind oder solche Sachen. bommel: Und das sind KI-Models? kc: Genau, das sind alles KI-Models. Keine dieser Personen sind echt. Aber die haben halt trotzdem alle Videos auf ihren Accounts, wo sie auch irgendwie sprechen, wo sie von ihrem Tag erzählen und so weiter und so fort. Und die haben teilweise hunderttausende Follows. Und die Kommentare, die es da drunter gibt, die Leute checken das nicht, dass das keine menschliche Darstellung ist, sondern dass das nur von irgendwelchen Leuten gemacht wird, um Behinderung auch hier wieder auszunutzen für eine liebevolle, schöne Darstellung, um eine schöne Geschichte zu erzählen, wie wertvoll doch irgendwas ist, wie schön Andersartigkeit und so weiter ist. bommel: Dass, genau, dass Leute das halt gar nicht raffen oder dass sie halt im vollen Bewusstsein, dass da quasi keine Person hinter steckt in dem Sinne. Wirklich sehr ekligen Gedanken und Äußerungen einfach da freien Lauf lassen. Unter so dieser Prämisse, naja, es trifft ja niemanden und das ist ja Bullshit, weil also wenn du dich lustig machst, zum Beispiel bei einer Behinderung oder so, dann trifft es letzten Endes immer jede Person mit dieser Behinderung, weil das halt verallgemeinerte Aussagen sind. kc: Selbst wenn du dich nicht unbedingt darüber lustig machst, sondern auch einfach, wenn du nur diese Darstellung machst, diese Darstellung hat aber inakkurat was, wo wir wieder beim Albinismus sind, das wissen nämlich die meisten auch nicht, dass mit Albinismus wirklich in aller Regel eine starke Sehbehinderung einhergeht. Das hat typischerweise halt den Ausmaß, dass Leute irgendwie 10% sehen auf beiden Augen. Einfach weil Melanin, dass das Farbpigment auch in den Augen gebraucht wird, um da irgendwie zu funktionieren. Und wenn das halt einfach nicht vorhanden ist in so einem Körper, dann geht damit eben eine Sehbehinderung einher. Und gerade bei den ganzen KI-generierten Albinismus-Models, wovon es auch wirklich nochmal so viel mehr gibt, Weil Leute das scheinbar irgendwie sehr anziehend finden und sehr spannend finden, wenn da irgendwie eine komplett weiße Person ist. Oder man kann damit natürlich auch solche Geschichten erzählen, wie ja, da ist eine weiße Schwarze und dann sind Leute erst mal verwirrend. Aber diese Sehbehinderung, die da mit einhergeht, was natürlich bedeutend gravierender ist, als einfach nur dein Außeneindruck, den die Gesellschaft von dir hat, der findet in diesen Posts und in diesen KI-Profilen halt einfach überhaupt keine Erwähnung. Der wird da nicht mit dargestellt. bommel: Das ist total absurd. kc: Ja. bommel: Das macht Behinderung letztlich halt auch einfach zu so einem ästhetischen Konsum gut, wo ich mich dann letztlich auch irgendwie als guter Mensch fühlen kann. Ich habe ja nichts gegen Behinderte und ich konsumiere ja Content von den in Anführungsstrichen Behinderten. Letztlich ist es natürlich aber nichts, was irgendwie mit der Realität zu tun hat. kc: Ja, ich bin da ehrlicherweise ein bisschen ratlos, was das alles für Implikationen hat. Und klar, wir haben jetzt hier ganz lange im Podcast darüber geredet, aber was passiert jetzt? Wie geht das hier weiter? Ich war jetzt im letzten Jahr auch wieder bei so vielen Veranstaltungen, auch irgendwie bei Regierungsveranstaltungen. Ich war im Brandenburgischen Gesundheitsministerium beispielsweise, wo lokalen Verwaltungen beigebracht werden sollte, wie sie Barrierefreiheit mit künstlicher Intelligenz machen. Ich verstand diese Veranstaltung nicht, warum die existiert, weil wir, glaube ich, nicht an einem Punkt sind, wo wir Leuten erklären müssen, wie diese Technologie funktioniert, sondern wir müssen Leuten erklären, wie diese Technologie nicht funktioniert. Und weil wenn man einen Text in dieses Ding eingeben kann und dieses Ding tut, was du willst oder was du erwartest, was ja wirklich in den allermeisten Fällen passiert, dann ist das Ding vielleicht halt einfach scheiße. bommel: Wo du sagtest so, ja, was passiert jetzt? Mein Hirn war direkt bei, naja, das nächste, was passiert ist, dass du erotische Chats mit ChatGPT machen kannst. Und zwischendrin kriegst du dann noch eine Werbung angezeigt. Also für mich, das ist so mittlerweile dann auch der Punkt, wo das für mich wirklich nach der absoluten Dystopie klingt. Und ich finde das auch wirklich, also das sind wirklich so Entwicklungen, wo ich auch nichts wirklich Positives mehr dran finden kann, egal wie viel Mühe ich mir gebe. kc: Ja. Vielleicht sollten wir, also gerade wenn wir nochmal auf das Thema Behinderung zurückkommen, sollten wir vielleicht auch zum Abschluss dieser Folge und zwar zum Abschluss dieser Thematik heute zumindest nochmal erwähnen, dass ja, Behinderung ist in vielen Fällen wirklich scheiße, sicherlich und viele behinderte Menschen suchen nach Einfachheit und, KI, in Anführungszeichen, was wir unter künstlicher Intelligenz kennen, generative Sprachmodelle, die versprechen diese Einfachheit. Genauso wie PopulistInnen das in der Politik machen. Genauso wie quasi alle Leute, die dir irgendwas verkaufen wollen, das machen. Weil Einfachheit ist toll, aber ich glaube, wir sollten halt einfach alle oder wir müssen alle anerkennen, dass das keine Sache ist, die einfach ist und dass das eine Sache ist, wo man auch vollkommen unterschiedliche Haltungen zu haben kann. Aber so das, was wir in dieser Folge jetzt besprochen haben, das sind alles Sachen, die man dabei auf dem Schirm haben muss. Ohne die geht es nicht. kc: Und also ich bin gedanklich noch nicht so weit, um mit all diesem Wissen, mit all diesen Gedanken, mit all diesen Erfahrungen, die ich mit diesen Tools hatte, zu sagen, das ist gut. Ich will das benutzen. Sondern ich bin an dem Punkt, wo ich sagen muss, das ist scheiße, ich will das nicht benutzen, mach diese Technologie weg von mir. kc: Aber letztendlich bin ich auch durch meine mediale Präsenz zu diesem Thema auch immer wieder damit konfrontiert. Und ich mache ja auch darin Dinge, ich erzähle ja auch von dem Skill, den ich geschrieben habe, von den Sachen, die ich entwickelt habe, weil die Gesellschaft es auf dich aufzwingt, wie eben beispielsweise auch, dieses Event im Brandenburgischen Gesundheitsministerium, bei dem ich letztes Jahr war, und so viele weitere Events, wo einfach über KI gesprochen wird, als wäre es jetzt schon klar, dass wir diese Technologie brauchen und dass diese Technologie alle unsere Probleme löst. bommel: Ja, mein Gedanke dazu ist aber auch, dass Widerständigkeit ja auch letztlich einfach sehr verschieden aussehen kann und deine Widerständigkeit zeigt sich halt in dem Sinne nicht in einer Totalverweigerung dieser Technologie gegenüber, Sondern deine Widerständigkeit zeigt sich dadurch, dass du ihr zum Beispiel immer wieder eine Chance gibst, aber immer wieder auf die Grenzen halt aufmerksam machst, dass du sowas wie dieses Skill-Dings, was du geschrieben hast, dass du sowas dann halt auch offen zur Verfügung stellst, dass Leute das benutzen können und so weiter. Das sind ja letztlich auch, also für mich hat das, man könnte jetzt halt sagen, du machst da halt einfach mit, aber so sehe ich das halt nicht und dafür finde ich deine Haltung auch zu differenziert einfach dem Thema gegenüber. Und ich sehe das schon auch als eine Form von Widerständigkeit an, sich nicht nur total zu verweigern. Weil da ist dann natürlich auch irgendwie die Frage, wem das genau jetzt was bringt. Und das heißt jetzt nicht, dass ich das nicht okay finde, wenn Leute sich demgegenüber total verweigern. bommel: Das finde ich absolut legitim und total berechtigt. Man hat da jeden Grund zu und auch jedes Recht zu. Aber genauso wichtig finde ich, ist es, dass es halt ExpertInnen mit einer differenzierten Meinung gibt, wie halt zum Beispiel dich, die die Technologie verstehen, die aber auch. bommel: Verständnis von den gesellschaftlichen Implikationen haben und halt dementsprechend auch zum Beispiel zu Panels eingeladen werden, damit das dort einfach überhaupt eine Rolle spielen kann. Weil das ist zum Beispiel was, was du nicht erreichen würdest, wenn du dich dem Thema komplett verschließt. Und insofern würde ich da schon dafür argumentieren, dass du so einfach einen deutlich größeren Einfluss hast und deutlich größeren Widerstand leisten kannst gegen die aktuellen Entwicklungen, als wenn du es gar nicht anfassen würdest als Thema. kc: Ja, ich weiß nicht so ganz, ob es stimmt, weil ich tatsächlich schon diverse Panel-Einladungen und auch Podcast- und Radio-Einladungen und Fernseheinladungen abgesagt habe deswegen, weil, wie du am Anfang schon sagtest, die Grundannahme, dass Fragen immer neutral sind, ist halt einfach falsch. Und wenn ich dann da auf einer Bühne sitze mit einem AI-Bro, mit KI-Firmenchef und mit einer Person aus der Verwaltung, die einfach chronisch überarbeitet ist, dann habe ich da nichts zu gewinnen, indem ich auf dieser Bühne stattfinde. Ja, klar. bommel: Das kommt ja dann aber so sehr auf den individuellen Einzelfall an. kc: Ja, also natürlich kommt es immer wieder darauf an. Aber keine Ahnung, ich weiß nicht, zumindest ist mein Eindruck, dass all die Positionen, die ich irgendwo vertreten habe, nicht wirklich zu irgendwas Sinnvollem geführt haben. Also klar gibt es sicher Leute, die das irgendwie zum Nachdenken angeregt hat und sicherlich auch insbesondere durch meine ersten Beiträge dazu, die von vielen tausend Menschen rezipiert wurden mittlerweile. kc: Dass da vielleicht irgendwie ein kleines bisschen was hängen geblieben ist. Aber ich habe so das Gefühl, dass das halt auch durch dieses permanente laute Gebrüll und laute Marketing der KI-Firmen immer weiter in den Hintergrund gerät. Und also seit 2024 trete ich nicht mehr so offensiv öffentlich mit künstlicher Intelligenz auf. Das ist aber immer noch primär das, wofür mich Leute in diesem Business- und Regierungsumfeld kennen. Aber so öffentlich mache ich seit zwei Jahren eigentlich nur noch Verwaltungsdigitalisierung, was meiner Ansicht nach ein deutlich, deutlich wichtigeres Thema ist, als mich mit künstlicher Intelligenz auseinanderzusetzen, weil diese Sachen, die wir heute im Podcast erzählt haben, die sind ja alle nicht neu. Die wissen wir doch schon seit zwei Jahren, die wusste ich auch schon vor zwei Jahren. kc: Aber es findet halt so schnell Einbindung in die Gesellschaft und Leute erwarten von dir, dass du irgendwas damit machst, dass du dich mit diesen Werkzeugen auskennst, dass das halt deutlich relevanter ist als alles andere, was ich mache, auch jetzt noch. Und das finde ich extrem schade. bommel: Ja, das kann ich nachvollziehen. kc: Ja, packen wir zusammen? bommel: Packen wa z'amm.. kc: Packen wir zusammen. Ich hoffe, euch hat diese Folge gefallen. bommel: Yes. kc: Und wir hören uns in der nächsten Folge All Glitches Welcome wieder. Gebt uns doch gerne eine Bewertung auf der Podcast-Plattform, auf der ihr uns angehört habt, bei Apple Podcasts, bei Spotify, woimmer. Oder schreibt uns eure Meinung. Entweder direkt unter die Folge auf all-glitches-welcome.de oder wie immer, könnt ihr uns auch eine Mail schreiben an glitches@conesible.de Das ist C-O-N-E-S-I-B-L-E.de, Und wenn du jetzt nichts mehr hast, können wir jetzt wirklich zumachen. bommel: Ich habe nichts mehr. Hunger habe ich. kc: Oh ja. Ja, das war wieder viel. Und ich glaube, das war auch die Folge, wo ich jetzt mal ausnahmsweise am meisten gesagt habe. bommel: Das ist vollkommen in Ordnung. kc: Okay. bommel: Vielen Dank für die Folge. kc: Dankeschön. Auch danke fürs Zuhören und auch dir, danke, Bommel. bommel: Ja, bis zum nächsten Mal. Tschüss.