kc: In dieser ersten Folge von All Glitches Welcome sprechen wir über das Thema Neurodivergenz. kc: Bommel hat sich dazu ein paar Studien angeguckt und wir reden darüber, wie das Ganze in der Wissenschaft momentan so aufgegriffen wird. Und wir haben auch eine Menge Utopien mit im Gepäck. Denn wir sprechen über das Buch Camp Rainbow von Alicia Zett Und welche Erfahrungen wir damit gemacht haben, wie wir es fanden und welches autistische Erleben wir daraus persönlich für uns mitnehmen. Außerdem waren wir auf dem Hamburger Dom und es gibt auch ein paar Neuigkeiten aus der Politik. Und hierzu gibt es auch gleich eine Content- und eine Triggerwarnung. Wir sprechen da beispielsweise auch über Eugenik und Sterbehilfe in dieser Folge. Und jetzt viel Spaß! Hallo und willkommen zur ersten Folge von All Glitches Welcome. Wieder mit Bommel. bommel: Ja, und mit Casey. kc: Hi. bommel: Hi. kc: Ja, wir reden heute über verschiedene Dinge, wie wir das in der nullten Folge schon alles angekündigt haben. Und da möchten wir euch erstmal ganz doll Danke sagen für die riesengroße Resonanz darauf. Das hat unserer beiden Erwartungen wirklich extrem gesprengt, wie oft diese Folge gehört wurde, wie oft kommentiert wurde, wie oft wir Rückmeldungen von euch dazu bekommen haben, oder? Und deswegen freuen wir uns jetzt richtig doll, einfach regelmäßig für euch diese Folgen aufzunehmen. Und ich denke, wir haben auch für diese erste Folge ein richtig gutes Programm. Aber erstmal, wie geht es dir eigentlich, Bommel? bommel: Mir geht es ganz okay. Ich weiß gerade nicht, ob ich irgendwas Kränkliches ausbrüte. Ich hoffe das nicht. Ich habe gestern noch rumgescherzt. Hätte ich mal nicht machen sollen. Das war eine schlechte Idee. Aber ansonsten geht es mir super. Ich freue mich unglaublich doll auf die Folge. Und wir haben auch in der vergangenen Woche einfach so oft schon gesagt, okay, das muss mit in den Podcast. Okay, das besprechen wir mit im Podcast. Und es ist einfach so schön, dass wir diesen Raum jetzt haben. Deswegen, ich freue mich einfach richtig doll. kc: Es ist einfach richtig viel hier drin. Mir geht es auch super heute. Ich habe mal wieder richtig gut geschlafen. Das ist ja lange her, nachdem die letzten zwei, drei Tage sehr, sehr anstrengend waren. Ich war ja in Hamburg, wir waren ja zusammen auf dem Dom und haben uns ein bisschen Karussells angeguckt und sind auch ein bisschen was gefahren und so. Und ich bin dann nachts über mit dem Zug zurück und war dann da irgendwie super lange unterwegs. Ja, das war aber eigentlich eine tolle Sache. bommel: Ja, das hat unglaublich viel Spaß gemacht. Bin ich überhaupt irgendwas gefahren? Ich bin gar nichts gefahren. Ich habe nur gefuttert. kc: Ja, du hattest richtig gut riechendes frittiertes Gemüse. bommel: Das und vegane Schmalzkuchen. Jetzt fragen wieder alle, was sind Schmalzkuchen. Vielleicht bei euch Mutzen, Kreppelchen. Kreppel gibt es, glaube ich, auch manchmal. Ich weiß es nicht. Es ist einfach so ursprünglich einfach so in Fett ausgebackener Teig mit Puderzucker obendrauf, gibt es auf dem Weihnachtsmarkt. kc: Ja, ich hatte nur meinen typischen Klassiker, gebrannte Mandeln und das war auch super. bommel: Manchmal muss das einfach sein. kc: Ja. bommel: Es war auch so eine richtig schöne Auszeit von diesem ganzen Scheiß, der im Moment passiert. Weil es einfach, wir haben ja schon gesagt, okay, wir reden immer so ein bisschen über aktuelle Dinge. Aber es ist einfach, also zwischendurch dachte ich so, okay, ich weiß gar nicht, ob wir es überhaupt schaffen, uns heute über das Thema zu unterhalten, über das wir uns eigentlich unterhalten wollten, nämlich Neurodivergenz und Neurodiversität. Es sind so viele Dinge passiert, wo wir auch gesagt haben, okay, das müssen wir besprechen. Allen voran natürlich unser lieber - wie heißt der Henning? Hendrik Streeck Ja, ich bin schon froh, dass ich mir den Nachnamen merken kann. Das ist nicht mehr so viel Platz für Vornamen. Der einfach mal so richtig eugenische Takes rausgehauen hat in der vergangenen Woche. kc: Ja, als Gesundheitsminister auch. Das muss man sich überhaupt erstmal auf der Zunge zergehen lassen. bommel: Ist er Gesundheitsminister? kc: Er ist Gesundheitsminister. bommel: Ich bin zwischendurch nicht mehr so sicher. Ich hatte nochmal gelesen, dass er Drogenschutzbeauftragter ist auf jeden Fall. Es ist fucking wild. Eigentlich ist es mir auch so ein bisschen egal, was er genau ist. Aber ja, ich habe es in der letzten Woche auch irgendwo gelesen. Und egal, was er ist, also alleine schon nur als Virologe solche Takes rauszuhauen, ist wirklich unter aller Sau. kc: Ich korrigiere mich, er ist nicht Gesundheitsminister, das wäre auch ein bisschen wild, aber er ist Drogenbeauftragter der Bundesregierung. bommel: Ja. kc: Oh Gott, oh Gott. bommel: Das ist auch, in den letzten Jahren war es richtig gut, im Moment gerade aktuell habe ich gar keinen Überblick über Ministerialposten. Aber gut, dafür weiß ich viele andere Dinge man kann nicht alles wissen und das kann man gut nachgucken, und auf jeden Fall ist mir aufgefallen also um das vielleicht nochmal für alle so ein bisschen aufzurollen vielleicht haben es ja manche Leute nicht mitbekommen er hat in einer, ich glaube in einem Webformat von welt.de irgendwie gesagt, dass man grundsätzlich mal die Frage stellen sollte ob man bestimmte Behandlungen oder Medikamente da auch noch an 100-Jährige herausgibt, weil es sich dann ja vielleicht gar nicht mehr lohnt, weil diese Person ja schon so alt ist und die Lebenserwartung nicht mehr so hoch und es deswegen vielleicht gar nicht so schlau ist, dann so teure Medikamente oder Behandlungen da irgendwie noch anzuwenden. Und der Aufschrei war zum Glück sehr groß, zumindest von dem her, was ich auf Social Media mitbekommen habe. kc: Ja, zumindest in unseren Blasen. bommel: Ja, aber immerhin. Immerhin. Selbst das ist ja nicht immer so gegeben. Und zumindest ich habe dazu auch so das eine oder andere auf Social Media gesagt, Weil es natürlich einfach ein unfassbar eugenischer Take ist in dem Sinne, als dass er damit versucht zu unterscheiden, was ist lebenswertes und nicht lebenswertes Leben. Also es ist so ein bisschen diese Logik, okay, wie viel Kosten pumpen wir in eine Person noch rein, die vielleicht nur noch x Lebenserwartung hat. Und da stecken dann natürlich solche Fragen auch dran wie bis oder ab, was für eine Lebenserwartung soll man dann eigentlich helfen und wo hilft man dann halt nicht mehr. Und das sind natürlich einfach Fragen, die darf man einfach nicht stellen. Gab es natürlich auch wieder die eine oder andere Person, die gesagt hat, nein, man darf alles fragen. Dazu könnte ich auch ganz viel erzählen und meine Haltung dazu ist sehr, sehr klar. Nein, man darf nicht alles fragen. kc: Ja, vor allem nicht solche Nazi-Dinge. Ich glaube, das müssen wir auch unbedingt hier an dieser Stelle mal ganz klar so benennen. Das sind Nazi-Dinge, das ist Nazi-Rhetorik. Eugenik ist ein zutiefst rechtsextremes Konzept, das die Nazis im deutschen Sprachraum geprägt haben. Und das ist absolut nicht in Ordnung, diese Aussage auch nur auf irgendeine Art und Weise zu tätigen oder auch nur eine Frage zu stellen, wenn man nicht genau weiß, was man tut. Aber von den Rechtsextremen und auch aus der Union sehen wir das ja in den letzten Jahren immer, immer mehr. bommel: Ja, das ist wirklich einfach zutiefst menschenfeindlich. Und diese Menschenfeindlichkeit, die wird auch in seinem aktuellen Statement nochmal deutlich. Er hat nämlich heute, also wir nehmen am Samstag auf, er hat heute nochmal ein Statement veröffentlicht, weil er hat ja so viel Kritik abbekommen und es ist ja so fürchterlich und so. Und dieses Statement ist so großartig, Das ist so ein Self-Report einfach. Also es ist wirklich kein Deut besser als seine Ursprungsaussage. Er spricht sehr, sehr viel davon, wir müssten halt total verantwortungsvoll mit dem Thema umgehen. Und Lebensverlängerung könne nicht immer das höchste Ziel sein, womit er ja grundsätzlich, wenn wir von einer selbstbestimmten Entscheidung ausgehen, nicht Unrecht hat. Und es würde dabei ja gar nicht unbedingt so sehr um Geld gehen. Aber dann redet er natürlich direkt wieder einfach nur noch um Geld und um Kosten. bommel: Und er spricht halt auch darüber, dass er sagt sogar wortwörtlich, wenn die Wahrscheinlichkeit zu sterben größer ist, als die zu genesen, dürfen weder Kosten noch theoretische Möglichkeiten entscheiden, sondern der Wunsch des Menschen. Und das ist natürlich wahr, aber natürlich der Wunsch der betroffenen Person oder der Person, die über die Patientenverfügung geregelt sind, aber nicht Streeks Wunsch oder Streeks Auffassung davon, was sich jetzt noch lohnt oder nicht. Und er hat sogar zum Beispiel auch noch gesagt, dass in Deutschland ältere, hochfragile Menschen nicht selten totoperiert werden würden, weil dieses System falsche Anreize setze. Ja, es gäbe Eingriffe wie zum Beispiel die fünfte Hüftprothese, die technisch zwar brillant wären und rechtlich abgesichert und lukrativ. bommel: Aber die werden laut seiner Auffassung viel zu oft eingesetzt, ohne die entscheidende Frage zu stellen. Und die entscheidende Frage für ihn ist, verbessert das das Leben oder verlängert es nur das Leiden? Und auch das ist einfach eine zutiefst menschenfeindliche und eugenische Aussage, weil die Frage ist dann auch immer erstens, was betrachten wir als Leid? Also ganz oft ist es ja so, dass jede Behinderung, jede Abweichung von der Norm sofort in irgendeiner Art und Weise als Leid interpretiert wird. Da können wir auf jeden Fall nächste Woche auch nochmal drüber sprechen, weil wir haben es schon gesagt, nächste Woche, kleiner Spoiler, wird es um Inspiration Exploitation gehen. Ich glaube, da ist es ein guter Punkt, um dieses Thema noch mal mehr aufzugreifen. bommel: Aber das ist natürlich dann diese Frage, wer entscheidet, was ist Leid und was ist kein Leid? Wie viel Leid ist in Ordnung? Und das ist ja auch was, wo man einfach sagen muss, für behinderte Menschen oder auch zum Beispiel für Leute, die, keine Ahnung, chronische SchmerzpatientInnen sind, da ist einfach ein gewisser Grund Schmerz zum Beispiel einfach normal. Das heißt aber nicht, dass dieses Leben nicht lebenswert ist. Und das sind so absurde und abstruse Gedankengänge, die einfach wirklich nicht okay sind. Und er versucht zwar, sich immer zu retten und sagt, er möchte, dass eine würdige, patientenzentrierte Entscheidung getroffen wird. Aber patientenzentriert heißt ja nicht automatisch, dass es die Entscheidung des Patienten ist, sondern das könnte auch eine Entscheidung eines Arztes sein beispielsweise, der in diesem Fall die Auffassung vertritt, dass es eben, keine Ahnung, nicht mehr würdevoll wäre und das ist einfach nicht okay. Und das dürfen wir auch nicht zulassen, dass solche Haltungen tatsächlich in irgendeiner Art und Weise mehrheitsfähig werden. bommel: Für mich ist das ein absoluter Dammbruch. Wenn sowas irgendwann okay wird, ist das ein absoluter Dammbruch, weil das Tür und Tor öffnet für extrem willkürliche Entscheidungen von Menschen, die darüber richten möchten, welches Leben ist lebenswert und welches Leben ist es nicht. kc: Ja, und ich glaube, wir beide können da nur ein Lied von singen, dass Leute ganz gerne unsere eigenen Leben als nicht lebenswert einordnen. bommel: Absolut. kc: Und dafür müssen wir gar nicht mal irgendwie richtig krass Dinge tun, um diese Einordnung zu erreichen. Wir müssen halt letztendlich einfach nur sein. Und dann steht da auf irgendeinem Zettel, ach ja, Bommel ist behindert, Bommel ist fett, Casey ist das gleiche, ja, tschüss, wir brauchen Raum, wir zahlen jetzt hier nichts mehr. Im Sinne der Patient*innen ist es hier einfach das Leben zu beenden. Was mich daran ehrlich gesagt auch ein bisschen verwundert und ein bisschen stört ist, so die Debatte um Sterbebegleitung und solche Sachen, die wir auch vor ein paar Jahren gehabt haben, wo es ausgerechnet die Union war, die gegen eine ethische Sterbehilfe argumentiert hat und soweit ich weiß auch dagegen gestimmt hat. Und jetzt kommen sie mit so einer Forderung, wo dann nicht mehr die Personen entscheiden, aber sagen jetzt, es ist patientenzentriert? Ich verstehe es nicht. bommel: Also er sagt nicht, also ich meine, es sind ja PolitikerInnen, die Leute sind ja jetzt nicht unschlau und sie werden natürlich auch beraten in dem, was sie nach außen kommunizieren. Mag man manchmal nicht meinen, aber tendenziell ist es ja so. Er sagt natürlich nicht irgendwie, okay, das sollten ÄrztInnen entscheiden oder so, aber er sagt sehr, sehr deutlich, Okay, das ist eine Debatte, die sollten Ärztinnen führen dürfen, die sollte Fachpersonal führen dürfen und die sollte auch gesellschaftlich geführt werden. Und das ist natürlich total absurd, weil ich finde, daran wird total klar, dass es eben nicht um die Selbstbestimmung der betreffenden Personen geht und das der Hauptfokus ist, sondern dass es sehr, sehr klar ist, dass es sehr viele auch andere Personen gibt, die dort ein Wörtchen mitzureden haben. Und dass jetzt nicht irgendwie zum Beispiel, keine Ahnung, die nahestehende Familie oder Vertrauenspersonen sind, die halt zum Beispiel durch eine Patientenverfügung geregelt werden könnten, sondern dass es zum Beispiel auch Fachpersonal sein soll und das ist nicht okay. kc: Also damit verlagert er ja auch ganz eindeutig die Verantwortung für Gesundheitsversorgung wieder stärker in einem privaten Bereich, weil man dann privat vielleicht sagen würde, ja gut, ich vertraue den Institutionen jetzt nicht mehr, dass sie hier das allerbeste mögliche für die Person machen, weil da eben so eine willkörende Entscheidung möglich ist. bommel: Ja, er hat aber auch eindeutig gesagt, dass um das System zu entlasten, quasi man auch Angehörige stärken solle, damit Behandlung auch zu Hause möglich ist. Was auch da, also ich finde es gut, wenn Behandlungen zu Hause möglich wären und Menschen grundsätzlich eine selbstbestimmte Entscheidung treffen können über ihre Gesundheitsversorgung, im Zweifel auch über das Sterben und so weiter. Aber es darf aus meiner Sicht kein politisches Ziel sein, die Verantwortung bewusst wieder mehr in privaten Bereich zu verlagern, um das System zu entlasten. Sondern das System muss so gestärkt werden, dass eine selbstbestimmte Entscheidung möglich ist. Und darum geht es überhaupt nicht. kc: Ja, boah, dieses Thema ist richtig plättend. bommel: Ja, finde ich auch. kc: Da haben wir jetzt auch irgendwie sofort direkt reingerutscht. Wir waren eigentlich noch beim Dom, was ja ein Rummel ist. Rummel, alles toll, alles bunt, alles blinkt und jetzt reden wir über Streeck und alles ist kacke. bommel: Aber ich finde, das beschreibt aber auch so ein bisschen die Achterbahn des Lebens, die man sehr weit auch so mitfährt. Weil das ist ja genau auch unser Leben dann letztlich. Also wir sind auf dem Dom und haben super viel Spaß und einen richtig schönen Tag und am nächsten Tag kommt irgend so ein Heinz da um die Ecke und haut sowas raus. Das ist halt auch so ein bisschen Lebensrealität. kc: Es gibt halt nie für uns irgendwie die Möglichkeit, einfach mal abzuschalten von solchen Dingen, weil gerade so eine Aussage, so eine Entscheidung, das ist natürlich was, woran wir uns richten müssen, woran wir unsere Leben anpassen müssen, woran wir unsere eigenen persönlichen Entscheidungen als behinderte Menschen treffen müssen, die ja irgendwann letztendlich auch mal alt sind oder wenn diese Entscheidungen irgendwie so umgedingstet werden, Und dass das eventuell nicht mehr nur auf alte Personen zutrifft, sondern halt auch auf Behinderte oder was immer. Das kann ja mehr oder weniger jetzt sofort kommen. Deswegen müssen wir da immer ein Auge drauf haben. Und wir können deshalb einfach nicht sagen, ja, ich bin jetzt unpolitisch. Ich befasse mich damit nicht, weil es einfach nicht geht. bommel: Das ist auch ganz gut, dass du das nochmal ansprichst, weil ich weiß gar nicht, ob das allen so klar ist, dass immer wenn es um die Frage geht, okay, was lohnt sich jetzt noch und was lohnt sich nicht mehr, also welches Leben ist noch lebenswert und welches ist es nicht, geht es immer zwangsläufig auch um behinderte Menschen. Diese Frage kann man von Ableismus und Behinderung gar nicht trennen, weil das einfach immer der nächste logische Schritt ist. kc: Ist das vielleicht nicht nur unbedingt der nächste logische Schritt. Es ist halt der Schritt, weil es ja auch gerade bei älteren Menschen nicht selten ist, dass die halt eine Behinderung haben auf irgendeine Art und Weise. bommel: Hast du vollkommen recht, ja. kc: Also ich weiß nicht, wie man das voneinander trennen kann. Also viele Leute trennen das irgendwie, aber das scheint mir eine ziemlich arbiträre Grenze zu sein. Ja. Und mir sind auch ein paar Leute irgendwie da untergekommen, hauptsächlich auf LinkedIn, wo auch sonst, die gesagt haben, ja, es geht ja nur um alte Leute, nicht um Behinderte und so. Und da haben Leute dann untergeschrieben, ja, das ist ja praktisch ein und dieselbe Gruppe. Also ja, natürlich, das ist pauschalisiert, aber die Person hat dann auch nur darauf geantwortet, ja also meine Oma geht super, die hat keine Behinderung und das ist dann natürlich da für viele das eine Argument dafür. Ich verstehe es nicht, ich möchte es ehrlich gesagt auch gar nicht verstehen. bommel: Geht mir ähnlich, ja. kc: Haben wir zu Streeck noch was? bommel: Ich glaube, ich bin ausgestreekt. Wer weiß, was da noch passiert. kc: Wir haben auch noch schöne Sachen vor für diese Folge. Ja, also wir behalten es weiter im Blick. Wir wissen ja noch nicht, wann genau diese Folge rauskommt. Wie gesagt, wir nehmen jetzt Samstag auf. Schauen wir mal, was da sonst noch passiert. Wird sicher weitergehen, wenn die Folge kommt. Wahrscheinlich am Dienstag. Vielleicht können wir dann da die nächsten Wochen nochmal drüber gucken. Ja. Aber jetzt haben wir in unseren Notizen hier erstmal noch was ganz anderes stehen, worauf wir auch gerne hinweisen wollten. Und zwar geht es um eine neue Werbekampagne des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. bommel: Ja, immer gut. kc: Ja, da geht es darum, dass man Inklusion mit anderen Leuten machen soll und dass andere Leute irgendwie da helfen können und dass jeder irgendwie seinen eigenen Beitrag zu gesellschaftlicher Inklusion leisten muss und so. Und natürlich hat das Bundesarbeits- und Bundessozialministerium da das gemacht, was sie immer machen, sind ja auch irgendwie besondere Spezialfreund*innen von mir. Die haben eine Kampagne gemacht mit ein paar Werbespots und einer davon ist halt einfach extrem audistisch. Und ich glaube, bevor wir selber dazu irgendwie was sagen, zitiere ich einfach mal, was die gehörlose Aktivistin Julia Probst dazu auf LinkedIn gepostet hat, denn das fasst das eigentlich ganz gut zusammen, oder? bommel: Ja. kc: Ja. Also sie sagt, solche Kampagnen suggerieren, dass das Problem mangelndes Bewusstsein sei. Solche Kampagnen suggerieren, dass das Problem mangelndes Bewusstsein sei. Dabei fehlen gesetzliche Verpflichtungen und deren Durchsetzung. Diese Kampagnen schaffen ein Wohlfühl-Narrativ für Nichtbehinderte, ohne strukturell etwas zu verändern. Sie verschieben die Verantwortung von Staat auf Einzelpersonen. Ja, und das sehen wir jetzt nicht zum ersten Mal, sondern immer wieder. Und das passt ja auch ganz gut darauf, dass ganz, ganz häufig gesagt wird, ja, so hier Inklusion, das machen wir jetzt, wir müssen die Barrieren in den Köpfen abbauen und dann geht das schon. bommel: Das ist dieser Werbespot in einem Café, wo eine Frau bei einem gehörlosen Barista versucht etwas zu bestellen und er halt gebärdet, dass er taub ist und dann so ein Retter von hinten kommt irgendwie mit einem Zettel, wo dann drauf steht, was die Frau haben möchte und das ist dann der Held der Inklusion quasi, oder das ist dieser Spot. Genau. kc: Ohne den Helden der Inklusion würde das Ganze überhaupt nicht funktionieren. Es wäre überhaupt keine Kommunikation für irgendwen möglich. Und ich merke gerade auch, ich habe gerade das Wort audistisch benutzt. Das ist ja auch relativ selten bekannt. Das ist einfach nur eine Subkategorie von Ebelismus für Gehörlose, für behinderte Menschen. bommel: Genau. Audistisch heißt letztlich, dass alles darauf ausgelegt ist, dass man hörend ist. kc: Genau. bommel: Ja. Ja, fehlt. Also ich meine, gut, klar, es ist natürlich nichts Schlechtes daran, dass wenn ich irgendwie sehe, okay, es gibt ja eine Situation, in der sich Menschen irgendwie grundlegend falsch verstehen oder so, da im Zweifel vielleicht auch mal zu helfen. Aber das ist halt genau das, was Julia Probst halt auch sagt. Es geht halt nicht nur um Bewusstsein, sondern es geht letztlich darum, insgesamt eine Struktur zu schaffen, in der hörende und gehörlose Menschen oder taube Menschen einfach einen Raum teilen können. Also Raum jetzt nicht einfach nur räumlich, sondern zum Beispiel halt gemeinsam in einem Café existieren können und gehörlose Menschen auch als Barista arbeiten, ohne dass es zu diesen Kommunikationsproblemen kommt, sondern dass wir einfach ein System haben, wo diese Dinge selbstverständlich sind, natürlich sind und auch nicht so eine allgemeine Verunsicherung auslösen in den Menschen und die Leute irgendwie gar nicht mehr wissen, was sie tun sollen und dann von außen gerettet werden müssen. kc: Ja, vollkommen. Okay, ich glaube, wir haben erst mal genug gemeckert, oder? bommel: Ich glaube auch. kc: Also wenn ihr jetzt noch da seid, danke, dass ihr es durchgehalten habt mit uns. bommel: Vielleicht haben sie auch geskippt. Ja, vielleicht haben sie auch geskippt. Die Kapitelmarken schreiben, dass wir gemeckern. kc: Und ich denke, wir können dann nochmal kurz zurück zum Dom kommen. Also wir haben jetzt erzählt, so dieser Rummelbesuch für uns war super schön, aber gleichzeitig auch irgendwie extrem anstrengend, wo wir beim Thema der heutigen Folge wären, nämlich Neurodiversität und Neurodivergenz. Also für uns beide war es anstrengend auf dieser Ebene, für mich war es zusätzlich nochmal anstrengend, weil ich halt eben blind bin und wir schauen uns das jetzt hier einfach mal ein bisschen an, was das Ganze für uns eigentlich so bedeutet. Möchtest du anfangen und den Begriff erklären? bommel: Ja, also für mich ist, ich weiß auch, dass es einfach sehr viele Leute häufig in meinem Umfeld aufregt, dass diese Begriffe Neurodiversität und Neurodivergenz irgendwie so synonym benutzt werden und dabei sind sie gar nicht so synonym zu verwenden. Neurodiversität ist grundsätzlich einfach die Gesamtheit an neurologischer Vielfalt und Neurodivergenz ist letztlich alles, was nicht neurotypisch ist. Das sind, also darunter fallen zum Beispiel Autismus, ADHS, aber auch Dyskalkulie, Dyslexie, Dyspraxie, Tourette, Zwangsstörungen, generell auch Persönlichkeitsstörungen und so weiter. Also alles. kc: Ja. Synesthesie hast du erwähnt? bommel: Synesthesie, ja. Trauma-Folgestörungen auch, weil Trauma-Folgestörungen tatsächlich auch das Gehirn einfach verändern. Also alles, was nicht neurotypisch ist und alles, was in irgendeiner Art und Weise, den Begriff finde ich ganz schön, eine Neurominorität ist, also eine Neurominderheit, das fällt unter diesen Begriff Neurodivergenz. Also Neurodiversität sind quasi alle und Neurodivergenz sind die, die in irgendeiner Art und Weise von der Norm abweichen. Das wollte ich einfach nur einmal klargestellt haben. Und ich hoffe, also ich weiß auch selber, dass ich diese Begriffe manchmal synonym verwende. Und ich habe so ein paar Leute in meinem Umfeld, denen das extrem stresst. Und ich hoffe, dass ich es zumindest im Podcast richtig mache. kc: Ja, es ist aber einfach ein bisschen schwierig und klingt so gleich. bommel: Ja, und da kommen wir ja auch nochmal zu. Ich habe mir gerade nochmal so ein bisschen die Studienlage angeguckt und geguckt, womit sich die Neurodiversitätsforschung oder die Neurodivergenzforschung im Moment eigentlich so beschäftigt. Und auch da werden diese Begriffe zum Teil einfach wirklich synonym verwendet. Gar nicht so klar voneinander abgetrennt. Vielleicht entwickeln sich diese Begriffe halt auch weiter, nur eigentlich ist es, finde ich, auch relativ sinnig. Diversität sind halt alle und Divergenz ist das, was abweichend ist in dem Sinne. kc: Auf jeden Fall. Also unsere beider Neurodivergenz ist ja ADHS und Schwismus und das hat natürlich verschiedene... Ja? bommel: Was ADHS angeht, bin ich peer-reviewed, aber noch nicht, selber nicht wirklich überzeugt. Aber ja, der Autismus, da habe ich sogar einen Zettel für. kc: Auch das irgendwie schwierig daran zu kommen, da kann man vielleicht auch noch mal eine eigene Folge machen. Das ist ja alles viel zu viel. Also generell diese Folgen, wir haben natürlich gesagt, wir wollen irgendwie Folgen haben, wo wir in die Tiefe gehen können, aber das bedeutet eben auch mal so thematisch das Ganze irgendwie ein bisschen abzugrenzen, wo jetzt ein Thema anfängt, wo es aufhört und dann können wir an anderer Stelle vielleicht dann nochmal irgendwie nochmal reingehen. Wir haben jetzt nicht den Anspruch, dass wir in einer Folge alles dazu besprechen, was das Thema überhaupt bedeutet und was es umfasst, weil viel zu viel intersektional geht gar nicht. Ja, absolut. kc: Ihr sagt ja, wir waren beim Dom und das ist ein bisschen anstrengend für uns. Wie hast du denn den Dom erlebt? Ja. bommel: Wenn ich jetzt anstrengend sage, dann addert das nicht so viel. Naja, also für mich ging dieser Dombesuch eigentlich schon vorher los, in dem Sinne, als dass ich mit dem Fahrrad hingefahren bin. Und ich habe ein bestimmtes Stirnband, was perfekt ist zum Fahrradfahren, weil es unter den Helmen passt und gleichzeitig meine Ohren warm genug hält. Und dieses Stirnband war weg. Und das war für mich wirklich richtig Katastrophe, weil ich wusste gar nicht, was ich machen soll. Entweder hätte ich Ohrenschmerzen gehabt oder einen viel zu heißen Kopf oder irgendwas. Glücklicherweise wohne ich nicht allein in diesem Haushalt und konnte mir dann genau dasselbe Stirnband oder das gleiche. Es gibt einen relevanten Unterschied zwischen dasselbe und das gleiche. Ich glaube, das gleiche Stürmer konnte ich mir dann halt noch mal leihen, sodass ich halt so ein bisschen gerettet wurde. Aber das hat für mich halt wirklich für so eine Stresssituation gesorgt, dass wir auch erst mal eine halbe Stunde zu spät gekommen sind. bommel: Und da war ich schon richtig bedient. Ich musste dann auch erst mal, das habe ich dir auch noch gar nicht erzählt, ich hatte dann solche Kopfschmerzen. Also wärst du nicht extra hergekommen dafür, weiß ich auch nicht, ob ich abgesagt hätte, weil mir ging es echt nicht gut. Hatte auch Kopfschmerzen wie Sau und habe dann noch eine Schmerztablette genommen und so. Und dann ging es dann aber tatsächlich. Also Fahrradfahren tut mir auch immer ganz gut. Das kriege ich den Kopf immer ganz gut frei. Deswegen war es ganz gut, dass ich diesen Weg dahin mit dem Fahrrad auch hatte. aber ja. bommel: Das war schon mal so das vorweg was für mich zum Beispiel auch hieß also ich bin jetzt nicht so die Fahrgeschäftsperson weil ich, Ja, tendenziell ein bisschen Gleichgewichtsstörung habe, die ich da nicht ausgeglichen kriege. Das wird ja ein bisschen spannend. bommel: Aber ich glaube, das ein oder andere Geschäft wäre ich schon mit euch gefahren oder hätte das mit euch besucht oder mit dir in dem Fall. Aber das war für mich dann überhaupt nicht mehr möglich also für mich war eigentlich schon von Anfang an klar, ich werde hier nichts fahren und ich werde kein Fahrgeschäft betreten können, weil ich zum einen nicht weiß, was mich da erwartet und ich hätte einfach nicht sagen können, dass es mich nicht so überfordert dass es mich in einen totalen Meltdown schubst wieder, und genau ich meine, ich hatte total viel Spaß so, weil ich habe auch unglaublich viel Spaß wenn andere Leute Spaß haben Deswegen war das schön und deswegen mag ich die Atmosphäre so auf dem, für mich heißt das auch Rummel. Viele Leute sagen ja auch Kirmes oder Jahrmarkt oder was auch immer. bommel: Deswegen mag ich diese Atmosphäre auf dem Rummel auch so gerne, weil Leute haben da Spaß und auch Kinder haben da Spaß. Und alle sind irgendwie so aufgeregend, es ist so schön. Und dann ist es, für mich ist es auch so eine, ich weiß auch gar nicht so genau, warum das gut funktioniert, aber es ist für mich so eine geplante Reizüberflutung. Wenn ich da hingehe, ich weiß einfach, alles ist bunt und leuchtet und blinkt. Überall ist laute Musik und verschiedene Musik und so weiter. Was mir aber ganz gut tut, ist, dass man die ganzen Menschen nicht so hört. Also dadurch, dass die Musik so laut ist, kann ich sehr viel anderes ausblenden und das hilft mir dann. Und ich mag die Atmosphäre einfach total gerne. Genau. Aber das heißt also, der Ausgang dieses Dombesuchs, der war für mich quasi schon klar, bevor er überhaupt begonnen hat bei mir. kc: Ja. bommel: Und das sind halt auch Sachen, die häufig einfach unsichtbar bleiben. Aber ich weiß auch gar nicht, ich meine gut, das kannst du ja auch mal sagen. Ich weiß gar nicht, ob dir aufgefallen wäre, dass es mir nicht so gut ging, wenn ich das nicht so offen gesagt hätte. kc: Nee, absolut nicht. Und ich glaube umgekehrt genauso, oder? bommel: Ja, ja, total. kc: Wir sind halt einfach sehr, sehr gut darin, uns auf solche Erlebnisse einzulassen, wo wir dann halt von Anfang an genau wissen, was uns erwartet, wie wir mit Dingen irgendwie zurechtkommen. Eben weil wir das so lange in dieser Gesellschaft trainiert haben, weil wir so häufig auch in unserem Leben wahrscheinlich in Situationen geworfen wurden, wo es gar nicht anders ging, als dass man damit klarkommt und das nennen wir Masking. bommel: Absolut. Und ich weiß aber, also ich erinnere mich auch noch total daran, wie schön ich das fand, dass ich, ich kam ja nur auch zu spät so und du hast auf mich gewartet, Aber ich wusste einfach, ich kann dir das einfach schreiben, dass ich gerade so einen kleinen Meltdown hatte und jetzt kurz mich sammeln und dann losfahre. Und du verstehst das einfach. Es kommen keine komischen Fragen. Du weißt einfach, was diese Situation bedeutet und nimmst es mir halt auch nicht übel, weil du auch genau weißt, dass ich dazu nichts kann. Ich meine, gut, ja, ich hätte jetzt vielleicht meinen Stirnband besser zurechtlegen können. Ich meine, gut, das sind ja auch Sachen, die ich natürlich mache im Alltag, um solche Situationen präventiv zu vermeiden, weil ich bin ungern in solchen Situationen. kc: Hast du das eigentlich wiedergefunden mittlerweile? bommel: Nee. kc: Das ist schlecht. bommel: Ja, ich habe das in letzter Zeit öfter, dass ich so ein paar Sachen verliere und die ich einfach nicht wiederfinde. Ich habe auch so einen bestimmten Gehörschutz, den musste ich mir jetzt auch nochmal neu kaufen. Es hat einfach nichts geholfen. Ich finde den einfach nicht wieder. kc: Apropos Gehörschutz, das ist natürlich in solchen Situationen auch ungeheuer praktisch, wenn man durch den Autismus eben so schwer filtern kann, was irgendwie um dich herum passiert und du irgendwie alles gleichzeitig wahrnimmst. Da sind das natürlich gute Hilfsmittel auch für dich, oder? bommel: Tatsächlich, ja. Es ist immer so ein bisschen schwierig, weil, da dachte ich auch, ich bin ganz komisch. Mittlerweile weiß ich, dass das einigen Leuten auszugeht. Gehörschutz, der mein Ohr komplett zuplöppt, ist ganz schwierig, weil ich mich dann selber atmen höre und ich bekomme sehr schnell Kopfschmerzen davon, dass ich meine eigenen Schritte so stark höre. Warum auch immer. Deswegen funktionieren alle Sachen, die einfach geschlossen sind mit Filtern, nicht so gut. Aber es gibt auch Gehörschutz, der quasi offen ist und wo der Ton im Grunde nicht leiser reinkommt, aber irgendwas mit den Schallwellen passiert, dass die nicht so nervig sind. Keine Ahnung. Das funktioniert für mich super. Ich glaube, für andere funktioniert das gar nicht. Und auch für dich ist Gehörschutz ja tatsächlich so eine Sache, die einfach schwierig ist, oder? kc: Ja, also wenn ich blind durch solche großen Menschenmengen gehen muss, navigieren muss, hilft mir zum einen mein Stock. Dir wird aufgefallen sein, dass ich den gar nicht ausgepackt hatte dabei. bommel: Ist mir sofort aufgefallen, ja. kc: Das hatte für mich zum einen Sicherheitsgründe, Weil so grundsätzlich komme ich irgendwie schon gut alleine damit klar. Aber jetzt über so ein Volksfest zu laufen mit einem Schock und dann irgendwie maximal sichtbar behindert sein, da habe ich schon sehr, sehr schlechte Erfahrungen mitgemacht, weil das natürlich auch tendenziell ein Ort ist, wo viele Menschen betrunken sind und nicht mehr so richtig wissen, was sie irgendwie tun. Und man da halt schlecht für sich sein kann unter diesen Menschenmengen. Deswegen ist das was, das ich versuche zu vermeiden. Und wenn ich dann aber jetzt zusätzlich noch irgendwie Gehörschutz benutzen würde, würde mir einfach ein kompletter Kanal verloren gehen, über den ich sonst Informationen über meine Umwelt zusammentrage, die ich in meinem Kopf, in meinem Gehirn so zusammensetze, dass ich weiß, was so um mich rum passiert. Und das hat jetzt nicht primär nur damit zu tun, das wird mir auch immer wieder nachgesagt, ja, wenn man blind ist, dann hört man logischerweise besser, das ist nicht so. bommel: Ja, ja. kc: Also natürlich fehlt mir dann so ein gewisser Teil des Hörsinns, aber mir fehlt eben auch zusätzlich die Information, die man sonst taktil über ein Ohr wahrnehmen kann. Und das sind ja auch beispielsweise so Windströmungen. Man kriegt ja dadurch mit, ob irgendwie jetzt gerade jemand neben dir steht oder so. Und da ist es einfach so, dass bei allen Menschen das Ohr unglaublich effektiv dabei ist, diese Sachen zu verstehen und super sensibel darauf ist, was man mit anderen Hautbereichen irgendwie nicht machen kann und besonders nicht, wenn man dann irgendwie noch eine dicke Jacke trägt oder so. Und deswegen so die Kombination aus keinem Stock und keinem Gehörschutz bedeutet halt einfach, dass ich letztendlich da so ungeschützt wie möglich rumgehen muss. Und das bedeutet dann letztendlich für mich, dass ich auf dieser Veranstaltung in dieser Menschenmasse erstmal nicht mehr so richtig gut kommunizieren kann, weil ich halt permanent irgendwie woanders bin. kc: Du hast das sicher bei dem einen Fahrgeschäft gemerkt, als wir da mal irgendwie zehn Minuten vorher standen, als ihr euer Gemüse gekauft habt. Da war eine Ansage irgendwie im Loop und ich habe jetzt tagelang danach noch einen Ohrwurm davon gehabt. Ich glaube mittlerweile ist es weg. Nee, er ist wieder da. Nur rechts ist der Eingang. kc: Und das lief wirklich ununterbrochen alle zehn, zwanzig Sekunden da. Und also ich konnte mich natürlich dann da orientieren und ich wusste ungefähr so, wie ich war. Dafür ist es gut. Aber es sorgt bei mir halt letztendlich dafür, dass ich permanent evaluiere, wie das aussieht. Und das ist halt sehr, sehr häufig und gerade in solchen Situationen, wenn es dann auch schon ein bisschen dunkler wird, sehr bewusste Prozesse, die ich dann mitmache und die kosten richtig viel Kraft. Und so viel, dass ich dann letztendlich, als wir dann danach bei dir zu Hause waren, einfach auf eurem Sofa eingeschlafen bin, ohne dass es mir überhaupt eingefallen wäre oder dass ich darüber nachgedacht hätte, oh ja, ich könnte jetzt hier mal schlafen. Das ist halt einfach passiert. bommel: Ja, also es ist natürlich nicht schön, dass es dich so viel Energie kostet, dass das dann einfach passiert. Für mich war es total schön, weil ich war einfach so kaputt. Und als ich gemerkt habe, dass du einfach eingeschlafen bist, dachte ich, oh geil, ich habe mich direkt auch einfach eingemuckelt und habe direkt erst mal so mit so einen Nap gemacht. kc: Ja, schön. Ja, genau so muss es eigentlich immer sein. Ja, aber anders als du bin ich eine richtige Fahrgeschäftemaus, weil ich einfach das Gefühl davon habe. Extrem Liebe und das irgendwie so die einzigen Situationen sind, wo ich meinen Kopf tatsächlich einfach mal leise schalten kann und es in dem Moment gar nichts anderes gibt, als dieses Fahrgeschäft und was da gerade irgendwie passiert. Und da funktioniert einfach nichts anderes. Also wir sind jetzt nicht so super krasse Dinge gefahren, sondern den Alpencoaster, das ist eine sehr, sehr einfache Familie nach der Bahn, hat trotzdem super viel Spaß gemacht und einen Musikexpress. Aber beides reicht eben schon vollkommen aus, um dieses Erlebnis für mich zu haben, um wirklich einfach mal für ein paar Minuten nichts denken zu müssen. bommel: Richtig schön. kc: Ja, und das ist so toll. Ich liebe es einfach. bommel: Jetzt überlege ich gerade, was es für mich für Sachen gibt, wo ich tatsächlich mal gar nichts denke, weil mein Kopf ist niemals still. kc: Ja, meiner auch nicht. Außer in solchen Situationen, aber das geht ja auch nicht. bommel: Die haben das mit als Hausaufgabe. Nächste Woche habe ich was. kc: Ich bin gespannt. bommel: Ich auch. kc: Ja, war schon schön. bommel: Ja, ich hatte auch. Ich hatte richtig viel Spaß. kc: Was anderes Schönes? bommel: Ja, ich bin gedanklich schon wieder bei unserem allerersten Thema. Einfach bei dieser Frage von, ich meine, uns ging es beiden nicht absolut gut und wir haben uns nicht 100% wohl gefühlt dort. Und trotzdem hatte ich einfach wirklich unglaublich viel Spaß. Und ich finde es so schön, dass wir das zusammen erlebt haben. Und es war einfach ein richtig schöner Tag. Und ich denke da immer auch noch gerne dran, obwohl es halt so ein paar Sachen gab, die einfach viel zu viel Energie gekostet haben oder super anstrengend gewesen sind oder was auch immer. kc: Ich denke da immer auch noch gerne dran. Das klingt, als wäre das Monate her. bommel: Ja, mein Zeitgefühl ist im Moment sowieso so ein bisschen merkwürdig. Weil auf der einen Seite fühlt es sich so an, als wäre es gestern gewesen. Und auf der anderen Seite fühlte sich auch so an, als wäre es gut nach dir. kc: Ja, okay. Ja, eine halbe Woche war es. Dann am Mittwoch da, glaube ich. Okay, aber jetzt tatsächlich was anderes, das auch schön war, zumindest für mich. Ich glaube, für dich war es auch super schön. Und wir haben ja gesagt, wir reden hier, wir wollen ein bisschen über Popkultur und solche Sachen reden. Und ich habe ein Buch gelesen, beziehungsweise eine Buchreihe, nämlich Camp Rainbow von Alicia Zett. Da ist am 31. Oktober diesen Jahres der zweite Band erschienen. Wo es basically darum geht, dass es ein queeres Camp gibt, wo Jugendliche zwischen 12 und 18 irgendwie zusammenkommen, wo sie irgendwie alles machen können und das ist eine richtig, richtig schöne Utopie. Und jetzt im zweiten Band ist es eben so, dass eine der beiden Protagonistinnen im Buch erkennt, irgendwie neurodivergent zu sein, auf dem autistischen Spektrum zu sein. Und man ist da sehr im Erleben mit drin. Du hast das auch gelesen oder gehört, oder? bommel: Ja, habe ich. kc: Wie hast du das wahrgenommen? bommel: Ich fand es tatsächlich sehr bewegend. Also ich weiß natürlich nicht, wie es früher gewesen wäre, aber jetzt, wo ich mich auch schon seit längerem mit diesem Thema beschäftige, sind mir natürlich so ein paar Aspekte sofort aufgefallen. Und ich würde auch mal behaupten, dass es sehr bewusst so geschrieben ist, dass du als Leserin relativ schnell den Eindruck bekommst, okay, irgendwas ist hier. Weil sie beschreibt wirklich sehr, sehr viel von ihrem Erleben in sozialen Situationen, im Hinblick auf Reize beispielsweise. bommel: Und das hattest du auch gesagt, dass gerade das erste Drittel des Buches wirklich schwierig war, weil sie da wirklich noch gar keine Ahnung hatte irgendwie und auch super verloren war an der einen oder anderen Stelle und auch so sehr negativ sich selber eingestellt in diesem Sinne von, oh mein Gott, alle anderen bekommen es doch auch reden oder für alle anderen ist es doch kein Problem. Warum ist es für mich ein Problem? Und das ist auch so ein Part, deswegen ist es, glaube ich, dir auch so schwer gefallen. Das konnte ich so nachempfinden und so nachvollziehen. Auch so dieser Wunsch einfach, dazuzugehören, verstanden zu werden und sich nicht so komplett allein zu fühlen. Und das war einfach... Also ich will jetzt ja wahrscheinlich nicht das ganz Buch spoilern, aber du hast ja schon gesagt, dass sie halt ihre Neurodivergenz entdeckt und sie entdeckt halt auch einfach Community rund um dieses Thema und entdeckt, dass sie nicht alleine damit ist. Und das ist einfach so schön gewesen, das zu lesen. Das ist unglaublich. Also ich muss das auch dringend nochmal hören. Ich höre meistens Hörbücher, aber ja. kc: Also natürlich ist nicht alles gut an dem Buch, gerade auch aus unserem Umfeld, mit dem wir schon drüber geredet haben. Die haben auch gesagt, ja, es ist so, dass da irgendwie viele Dinge schnell in Wohlgefallen aufgelöst werden. Und ja, das ist definitiv so, aber genau das ist letztendlich, was mir an diesem Buch oder an dieser Reihe generell so richtig gut gefällt, weil das halt einfach was ist, wo man sich nicht auf irgendwie was einlassen muss, sondern wo Dinge tatsächlich einfach mal schön sind und wo sie eine Utopie für uns bedeuten. Und ich finde es auch aus der Perspektive gar nicht so schlecht, dass die Autorin an dieser Zeit selbst Autistin ist und eben weiß, wovon sie da schreibt. Und auch sie ist sehr spät diagnostiziert. Ich glaube, ich habe auf ihrem Instagram-Account gelesen, dass ihre Diagnose jetzt erst ein paar Wochen oder Monate her ist. bommel: Sie hat auch ein Video dazu gemacht, auf jeden Fall. kc: Achso, cool. bommel: Bin ich aber auch noch nicht dazu gekommen, das zu gucken. Können wir mal zusammen machen. kc: Ja, und dieses Buch und diese Utopie, die darin gezeichnet wird und auch vor allem dieses erste Drittel, das ich so unfassbar anstrengend fand zu lesen, Und eben weil ich so sehr damit resoniert habe, hat für mich eben nochmal irgendwie so einen ganz anderen Reflexionsprozess angestoßen. Und auf einmal wurde mir wieder so richtig bewusst, ja, ich bin autistisch und das hat ganz reale Auswirkungen auf mich. Weil gerade ich mit meinen mehrfachen Behinderungen, mit meiner Blindheit auch, da ist es ganz häufig so, ähm, Ich gar nicht so richtig weiß, zu welcher Behinderung jetzt irgendwie ein bestimmter Aspekt gehört. Also so in meiner Schulzeit hatte ich immer irgendwie eine Schulbegleitung aus diesem Sonderschul-Förderschul-Kosmos, die dann da mit reingeguckt hat, die supposedly Ahnung von irgendwelchen Dingen hatte. Und die wollte immer von mir, dass ich ihr in die Augen gucke und das fand ich so furchtbar stressig und ich dachte dabei immer. kc: Ja, das liegt an meiner Sehbehinderung, ich kann sie einfach nicht sinnvoll fokussieren, deswegen finde ich das anstrengend, deswegen mache ich das nicht, aber ich habe mir jedes Mal wirklich so den Kopf darüber zerbrochen, wenn ich die gesehen habe, oh Gott, was denkt die jetzt von mir, wird die das jetzt wieder ansprechen, würde die wieder sagen, dass der das unangenehm ist, dass ich sie nicht angucke beim Reden. kc: Und ich habe eben auch einfach sehr spät rausgefunden, dass das eben nicht nur meine Sehbehinderung ist, sondern dass das eben auch so ein typisches Symptom, ist, wenn man auf dem autistischen Spektrum ist. kc: Und solche Situationen sind in Camp Rainbow, vor allem in Camp Rainbow 2 für mich auch sehr, sehr prävalent gewesen, wo ich eben gemerkt habe, ja, okay, das liegt jetzt vielleicht nicht unbedingt an der Sehbehinderung, sondern das kann man auch ganz getrennt davon haben. Und es gibt auch andere Leute, die das genauso erleben. Und ich weiß ja schon eine ganze Weile, dass ich auf dem autistischen Spektrum bin und eben auch Autistin bin. Und obwohl ich diese Dinge wusste, obwohl ich mich so viel damit in der Vergangenheit auch schon beschäftigt habe, obwohl ich mich selbst reflektiert habe, war das für mich mal wieder so ein Anlass, so richtig viele Dinge über mich selbst zu lernen. Und bei mir funktioniert das irgendwie selten so, dass ich mal hier und da eine neue Sache über mich lerne oder mal hier und da eine neue Sache reflektiere, sondern dass ich das in so richtigen Schüben mache. Also dass ich sage, ja, ich habe das jetzt gelesen. Jetzt bin ich die nächsten drei Tage, die nächsten vier Tage damit beschäftigt, einfach an nichts mehr anderes zu denken, als wer bin ich eigentlich selbst? Welche Auswirkungen haben Dinge auf mich? Was bedeutet die Sache XY? kc: Bevor ich dann wieder überhaupt irgendwie anfangen kann, an andere Dinge zu denken, wie ist das für dich? bommel: Ähnlich. Ich kann es auch sehr schlecht aushalten, Dinge nicht zu wissen. Also ich... Denke dann da so intensiv drüber nach, bis ich für mich zu einem halbwegs befriedigenden Punkt gekommen bin. Und das ist auch eigentlich egal, worum es geht. Wo ich eine Antwort für mich habe, die das Thema zumindest für den Moment für mich abschließt. Also ich muss mit Dingen in irgendeiner Art und Weise abschließen können, dann geht das. Ansonsten wird mein Kopf keine Ruhe geben. Das musste ich lernen. Und das ist auch wirklich, also Tages-Nacht-Zeit, das ist völlig irrelevant. Es ist einfach, es muss abgeschlossen werden. Ansonsten ist es ganz schwierig. kc: Ja, was mir auch durch dieses Buch mal wieder so richtig aufgefallen ist, ist, dass es mir wirklich extrem hilft, wenn ich Sachen, wie sie sein könnten, als Utopie gezeigt bekomme. Also, dass da nicht irgendwie ein Gesundheitssystem ist, das sagt, ja, okay, du hast jetzt Autismus, du hast jetzt diese und jene Krankheit und diese und jene Behinderung dadurch, das betrifft die so und so und das ist schlecht, weil das natürlich die Standardannahme ist, wenn man irgendwie nicht der Norm entspricht und irgendwie ein bisschen anders ist, wenn man Glitches ist. Sondern, dass mir diese Darstellung, dass das einfach was ganz Normales ist und dass es auf dieser Welt auch Menschen gibt, die das nachvollziehen können, die das verstehen können und die Rücksicht darauf nehmen können, ja. Das ist sowas Schönes gewesen für mich. bommel: Ja, es gibt für mich auch in diesem Buch einen ganz bezeichneten Moment, wo die Protagonistin gefragt wird, was sie denn eigentlich möchte. Also wo es nicht nur darum geht, wie sie sich am besten auf die Person in ihrem Umfeld einstellen kann, um möglichst normal zu wirken oder möglichst nicht abgelehnt zu werden, sondern sie dort tatsächlich einen gegenüber findet, das an ihrem Wohlbefinden interessiert ist und daran, wie es für sie auch funktioniert, weil sie und ihre Bedürfnisse auch wichtig sind. Das ist so eine Szene, die für mich so stark hängen geblieben ist. kc: Das ist auch was völlig Banales. Es geht ja um Popcorn im Kino. Also ja, es gibt offensichtlich Menschen, die Popcorn nicht mögen, weder süß noch salzig, die das aber so im Zusammenschluss mit Leuten einfach nicht über die Lippen bringen können, weil man das in dieser Gruppe vielleicht immer schon so gemacht hat, weil es vielleicht keine bessere Alternative gibt, weil ich glaube, deine Partnerperson hatte neulich gesagt, ja, ich will im Kino auch keine Nachos, weil viel zu laut. Ja. kc: Das sind ja alles solche Sachen, womit man dann so auf dem neurodiversen Spektrum, neurodivergenten Spektrum, wo man da einfach diese Erfahrungen mit macht, dass man mit diesen Bedürfnissen zurückhalten muss, einfach damit man nicht komisch wirkt. bommel: Ja, und es sind auch so ganz kleine Situationen, die für andere Leute total nichtig sind, die die auch in der nächsten Sekunde wieder vergessen haben. Allein so ein Kommentar von, wer mag denn kein Popcorn oder so. Wenn man selber aber immer die Erfahrung macht, ich bin falsch, ich bin zu anders, ich bin nicht so wie alle anderen, aber ich möchte eigentlich einfach nur dazugehören und ich möchte gemocht werden und ich möchte meinen Platz einfach in der Welt haben und in meinem sozialen Umfeld, dann lernt man einfach sehr stark, diese Dinge zu registrieren und auch sehr, sehr empfindlich darauf zu reagieren und sich dann entsprechend anzupassen, wenn man dann dadurch basically die Botschaft bekommt, okay, kein Popcorn zu mögen ist nicht normal und ich möchte möglichst normal wirken, weil normal heißt für mich Verbindung, normal heißt für mich Sicherheit. Also quäle ich mir lieber irgendwas rein, was ich nicht gerne mag, als meine Sicherheit, Verbindung, Beziehung, was auch immer aufs Spiel zu setzen. Und das mag für Leute, die das nicht nachempfinden können, total komplex. Merkwürdig klingen, als wäre das so ein total eskaliertes Szenario und als würde man sich viel zu viele Gedanken darüber machen, weil es ist ja nur Popcorn, aber in dem Moment ist es ja nicht nur Popcorn, sondern es ist alles drumherum. kc: Ja, also ich glaube in meinem neurodivergenten Umfeld mit allen Leuten, die da irgendwie so da sind, ist es für mich gerade so, dass man dann vielleicht mal aus Witz sagt, ja, der mag denn kein Popcorn. Aber alle Leute, die daran irgendwie beteiligt sind in dieser Position, wissen, zumindest von mir, dass das niemals irgendwie ernst gemeint ist und dass ich dafür niemanden judge, dass man kein Popcorn mag und dann wird halt eine andere Lösung gesucht. Aber auch das kann natürlich Stress für Leute bedeuten und ich denke, dass das was, womit man oder worüber man da auf jeden Fall sprechen sollte, wenn man bei sich im Umfeld irgendwie sowas merkt, oder? bommel: Ja, ich muss gerade drüber nachdenken, weil ich glaube... Und der Punkt, warum ich mich zum Beispiel in deiner Gegenwart sicher fühle, obwohl du vielleicht mal sowas sagst wie, hey, wer mag denn kein Popcorn oder was auch immer, ist gar nicht mal so sehr, dass ich weiß, dass du das nicht ernst meinst, was mir natürlich klar ist. Aber es ist vor allem auch der Aspekt, dass ich weiß, dass ich das bei dir ansprechen kann, wenn mich das verunsichert. Dass ich einfach sagen kann so, hey, irgendwie hat sich das super merkwürdig für mich angefühlt und das hat sich voll für mich angefühlt, als würdest du mich ablehnen oder als würde ich nicht dazugehören und das war richtig kacke. Und ich wüsste, ich kann mit dir darüber reden und du würdest mich ernst nehmen, weil du ganz genau weißt, was ich meine. Und das ist für mich auch so ein Punkt, der diese Situation für mich mit dir viel sicherer macht. kc: Ja. bommel: Weil du halt nicht danach sagst, das ist ja voll übertrieben oder so. kc: Ja, ich glaube, ich hatte halt auch persönlich in meiner Schulzeit und in der Uni genau solche Situationen so häufig, wo ich mir dachte, ja, jetzt musst du aber eigentlich Sache XY nehmen, Sache XY machen, einfach um dazuzugehören und wenn du da jetzt irgendwie auffällst, dann bist du halt wieder, aus dieser Gruppe draußen, weil du bist halt super seltsam. bommel: Ja. kc: Ich mag zum Beispiel Gummibärchen nicht so gerne, also zumindest als Snack. Und das ist was, wo ich mich tendenziell sehr drauf einlassen muss. bommel: Ich finde vegane Gummibärchen, also ich ernähre ja generell nur vegan, aber vegane Gummibärchen deutlich besser von der Konsistenz als diese knüpfigen kleinen Glibberdinger. Die mag ich auch. kc: Ja, solche Sachen sind es halt. Zurück zum Buch. Ich wollte was sagen, aber mir fällt einfach nur gerade in meinem Kopf dazu ein, schön, Ruhe, Utopie. und, Ich glaube, wenn ein Buch, und das ist ja nicht mal ein Buch für Erwachsene, das ist ein Jugendbuch, das ist eine Young Adult Reihe, sowas mit dir macht, kc: dann hat es auf jeden Fall irgendwas geschafft. Und ich hoffe, dass ganz, ganz viele junge Leute die Möglichkeit haben, dieses Buch zu lesen, selbst wenn sie jetzt nicht irgendwie queer sind, es geht ja um ein queeres Camp, sondern einfach um dieses Erleben überhaupt mal kennenzulernen, um zu sehen, was so menschliche Nähe und Wärme eigentlich sein kann, Wenn man Leute einfach mal akzeptiert und nicht immer davon ausgeht, dass Leute irgendwie seltsam sind oder irgendwas machen, weil es halt komisch ist und sie irgendwie Aufmerksamkeit wollen oder so. Das finde ich generell immer seltsam. Ja. bommel: Ich muss gerade darüber nachdenken, dass ich generell auch sehr viel Young Adult Literatur irgendwie konsumiere, vor allem auch queere. Und ganz oft dachte ich auch schon, dass das halt super strange ist, weil ich bin gar nicht die Zielgruppe. Aber ich muss ganz ehrlich sagen, dass gerade diese Themen, die da halt auch einfach besprochen werden, also diese Frage von wer bin ich, wo gehöre ich hin, wie gestalte ich meine Beziehungen und so, das ist ein Thema, das können wir auch nochmal in einer anderen Folge besprechen, dieses Thema Cryptime. Ich weiß nicht, ob du dich damit schon mal mehr beschäftigt hast. Aber dass einfach Zeitlinien irgendwie für behinderte Menschen auch anders funktionieren, dass du einfach durch die Behinderung, die du hast, einfach... bommel: Zu anderen Zeitpunkten bestimmte Lebensaufgaben erledigst. Oder jetzt in meinem Fall zum Beispiel, ich habe die Autismusdiagnose einfach relativ spät bekommen. Und natürlich hat das auch noch mal was mit mir gemacht und wie ich meine Beziehungen und mein Leben gestalte. Und das heißt, ich bin zwar Mitte 30, aber diese Fragen von, wer bin ich, wo gehöre ich hin, Was will ich eigentlich von meinem Leben und wie kann ich das für mich so gestalten, dass es mir damit gut geht? Die sind für mich trotzdem brandaktuell. Und die werden halt häufig in so normaler Erwachsenenliteratur in dieser Form nicht aufgegriffen, so wie ich dazu connecten kann, weil dann sind das, weiß ich nicht, so Midlife-Crisis-Sachen oder so. Was total toll ist, dass es das gibt, aber es sind nicht meine Themen. Und ich habe mich da richtig lange echt für geschämt, dass ich Bücher konsumiere, die eigentlich für eine viel, viel jüngere Zielgruppe gemacht sind, weil Infantilisierung ja auch sowieso immer so ein Thema ist. bommel: Und ich dachte so, boah, jetzt spiele ich da irgendwie so total rein. Aber nein, es geht halt tatsächlich für mich einfach um diese zentralen Themen, die dort behandelt werden. kc: Ja, also es ist natürlich auch vieles irgendwie drin, so, keine Ahnung, Schulsachen oder so, zu denen wir jetzt wahrscheinlich nicht mehr so beladen können, einfach weil es für uns sehr lange kein aktives Ding mehr ist, aber für die Autorin der Bücher natürlich genauso. Aber das ist ja letztendlich gar nicht so die Hauptsache. kc: Ja, und also ich glaube, Camp Rainbow, der zweite Band, ist auch ein sehr gutes Beispiel dafür, wie sehr Leute sich damit drücken oder davor drücken, irgendwie sich selbst so richtig zu verstehen und so selbst zu lernen, was man eigentlich möchte und wie man eigentlich am besten damit klarkommt, eben weil man sich so sehr zurückgesteckt hat, weil man so sehr denkt, ja, das ist jetzt nicht normal. Das ist alles irgendwie komisch, denn die Protagonistin möchte zuerst gar nicht in dieses Camp. Sie war Jahre vorher über ihre Zwillingsschwester dazu connected und hat das immer irgendwie wieder mitbekommen. Aber sie war so sehr in ihrer Freundin-Gruppe, dass das für sie überhaupt gar keine Option war, sich überhaupt damit zu befassen und dass es überhaupt irgendwie was anderes gibt, als zu sagen, ja, dieses Camp ist Quatsch und ich will da nicht hin. Und dann war sie letztendlich da und sie war super gestresst davon am Anfang, was auch vollkommen normal ist und das wäre für mich, wenn ich in dieser Situation wäre, sicher nicht anders und wahrscheinlich auch genauso, selbst wenn ich mich richtig doll drauf gefreut hätte, wenn ich das richtig toll fände. Ähm. kc: Aber man braucht erst mal ein paar Tage, vielleicht auch ein paar Wochen, um in solche Situationen überhaupt irgendwie reinzukommen. Um sich selbst den Platz dafür zu geben, sich solche Fragen überhaupt stellen zu dürfen oder überhaupt was Neues für sich anzunehmen. Funktioniert es für dich durch solche Sachen besser? bommel: Du meinst dadurch, dass ich solche Bücher lese und diese Situation quasi dann durch Protagonistinnen irgendwie erlebe. Was auf jeden Fall natürlich besser funktioniert, ist dieser Aspekt zu sagen, okay, ich bin nicht alleine damit, es geht anderen Leuten auch so. Und das ist schon hilfreich, weil ich mich dann tatsächlich überhaupt mit dem beschäftigen kann, was da ist und nicht erstmal damit beschäftigen muss, dass ich eine komische Eule bin. bommel: Und das hilft mir auf jeden Fall und gerade wenn diese Themen so aufgearbeitet sind, wie sie es in Camp Rainbow sind, weil du hast es schon gesagt, es ist sehr utopisch und manche Leute konnten damit auch gar nicht so viel anfangen, weil viele Reaktionen auf bestimmte Themen beispielsweise oder so, die sind einfach sehr schön und sehr offen und das begegnet einem im Alltag nicht unbedingt so. bommel: Und das sind Situationen, ich habe natürlich schon vergessen, wie ich meinen Satz angefangen habe, aber ich mache einfach weiter. Das sind zum Beispiel Aspekte, die mir auch ganz gut helfen, weil sie zum Beispiel auch Modelle dafür sind, wie man Sachen kommunizieren kann. Also egal, in welcher Rolle man da jetzt ist, ob du nun irgendwie dann fragst, so hey, okay, was brauchst du gerade oder wie kann ich dir irgendwie was helfen oder was möchtest du eigentlich oder solche Dinge, Räume zu öffnen, aber auch den Mut zu haben, die eigenen Bedürfnisse zu kommunizieren, weil man da halt einfach merkt, es kann halt auch besser laufen. Also ich habe ganz oft und viel die Angst. bommel: Die ist ja nicht aus der Luft gegriffen, meine Angst davor, bestimmte Reaktionen zu bekommen auf bestimmtes Verhalten oder bestimmte Bedürfnisse, weil ich diese Erlebnisse einfach so häufig gemacht habe bisher. Das heißt, eigentlich ist es nur eine Erwartung, die ich habe, weil ich das für wahrscheinlich halte, dass mein Gegenüber auf eine bestimmte Art und Weise reagiert, weil es einfach so häufig schon vorgekommen ist. Aber da einfach zu merken, es gibt auch... Gegenüber, wo ich was anderes erwarten kann. Es gibt Menschen, die anders auf solche Dinge reagieren. Es gibt Menschen, die offener sind. Und es ist überhaupt eine Option, dass mein Gegenüber meine Bedürfnisse ernst nimmt. Ich finde, bei sowas helfen mir solche Bücher zum Beispiel unglaublich toll. kc: Ja, ich glaube, alle AutistInnen in meinem Umfeld nehmen sowas super dankbar gerne als implizite Bedienungsanleitung für wie eigentlich Gesellschaft funktioniert und wie man mit anderen Menschen umgehen kann. Und also zumindest für mich war das auch irgendwie ganz lange so, dass ich irgendwie dachte, oh Gott, wie kann ich denn bitte mit anderen AutistInnen befreundet sein? Das geht ja gar nicht. Wir kommen uns ja dann dauernd in die Quere und es gibt dauernd Missverständnisse und irgendwelche Probleme. Aber ich glaube, durch solche Sachen lernt man einfach viel besser, wie man mit solchen Sachen umgehen kann und wie es dann letztendlich für alle gut ist. Also natürlich ist das was, worauf man sich einlassen muss, wo man sehr viel Zeit, auch Energie und Kraft investieren muss, dass das mit Menschen funktioniert. Aber was am Ende dadurch möglich ist, durch diese Arbeit, die man da reinsteckt, ist halt gerade unter neurodivergenten Menschen, zumindest so wie ich das erlebt habe und wie ich das kenne, sehr, sehr viel schöner und sehr, sehr viel angenehmer als alles, was man mit neurotypischen Menschen erreichen kann. bommel: Oft, ja. Und es ist vor allem auch Arbeit, die man, finde ich, zumindest ganz oft in sich selber steckt und nicht nur in die Beziehung oder die andere Person, weil es ganz viel auch einfach darum geht, herauszufinden, was sind eigentlich meine Bedürfnisse, weil, woher soll ich das wissen, wenn das nie eine Rolle gespielt hat? Keine Ahnung, woher soll ich wissen, ob ich Popcorn mag oder keine Ahnung. Das ist so lustig, dass es mir vornehmlich auch aufgefallen ist. Popcorn sagtest du, ich hasse Kino, wirklich. Aber du glaubst nicht, wie oft in meinem Leben ich im Kino war. Weil das macht man ja, ist ja nett, öfter mal ins Kino zu gehen. Ich hasse Kino. Es ist ja wirklich alles schlimm daran. Da sind andere Menschen, die essen. Dann essen die auch noch sowas wie Popcorn oder Nachos oder schlürfen an ihrem Cola-Becher rum. Dann ist die einfach, es ist eigentlich immer zu kalt, weil du im, also es ist immer Klimaanlage an und mir ist dann immer zu kalt. Es ist verdammt nochmal so laut. Also es gibt wirklich eigentlich nichts, was ich an Kino gerne mag. Und ich habe trotzdem auch immer wachsen und Alter, so oft im Kino. kc: Wo wir wieder bei so krassen Unterschieden wären. Ich liebe nämlich Kino. bommel: Warum? kc: Also ich nehme schon auch das wahr, was du dazu sagtest. Und das ist für mich letztendlich im Großen und Ganzen das Gleiche. Aber ich bin halt extrem technikbegeistert. Und ich liebe Soundsysteme, die es in Kinos gibt, wo man dann tatsächlich im Körper irgendwie Zeug spüren kann. Und ich liebe diese Bildtechnik, die einfach so super hell ist und die funktioniert mit so riesengroßen Leinwänden. Und wenn ich dann nebenbei noch eine gestreamte Audiodeskription haben kann, die ich über Kopfhörer in meinem Ohr höre, zusätzlich zum Film, dass das niemand anders im Saal hört, das ist für mich einfach, Peak-Technik und ich liebe dieses Zusammenspiel von diesem Zeug, weshalb ich halt auch ganz gerne mal ins Kino gehe, weil das eine Erfahrung ist, die ich so in dieser Form nirgendwo anders bekommen kann. bommel: Ich kann das so gut nachvollziehen aus deiner Perspektive. Also wirklich, ich kann es richtig gut verstehen, aber ich bin trotzdem glücklich, wenn ich da nicht mit muss. kc: Also am besten ist es natürlich immer, wenn man irgendwie einen Kinosaal ganz für sich alleine hat. Was überraschenderweise auch häufig so gewesen ist, als ich im Kino war. Also ich gehe jetzt nie irgendwie in irgendwelche Sneak-Previews oder in... bommel: Och, das habe ich auch mal gemacht. Och, das war so schlimm. kc: Oh Gott, ja. bommel: Och, nee, wirklich. kc: Oder halt in irgendwelche Premierenveranstaltungen, sondern halt immer erst, wenn der Film schon so einen Monat gelaufen ist und dann halt auch nicht mittags, wo die ganzen Kinder sind, sondern tendenziell halt so zu einer Randzeit, irgendwie 18, 19 Uhr, wo noch nicht so viele Leute sind. Und da sind die Säle leer und da macht es Spaß. bommel: Einfach so voll die Kino-Hacks. kc: Ja, ich glaube... bommel: Vielleicht muss ich das mal ausprobieren. kc: Ich glaube, das sind auch solche Sachen, die man tendenziell verstärkt wahrnimmt, wenn man auf irgendeine Art und Weise neurodivergent ist und wenn man seine Kinobesuche so plant, oder? bommel: Ja, kann ich mir schon auch vorstellen. kc: Das Erlebnis ist geil, aber alles, was damit einhergeht, was mit anderen Menschen zu tun hat, das würde ich lieber vermeiden. Wie mache ich das? bommel: Voll. Ja gut, dadurch, dass ich halt auch so Probleme mit dieser Klimaanlage habe und es mir zu laut ist und zu viel und zu hell und grell. Und was ich auch zum Beispiel gar nicht kann ist, aber das kann ich auch zum Beispiel nicht, wenn ich am PC irgendwas mache oder so, wenn meine Umgebung dunkel ist, aber der Bildschirm hell, ist für mich der absolute Horror. Ich kriege sofort Augen- und Kopfschmerzen. Und auch dafür ist Kino ja wirklich purer Albtraum. Aber wie lange das gedauert hat, bis ich darauf gekommen bin, dass ich Kino scheiße finde. Das ist wirklich unglaublich, das kannst du niemandem erzählen. kc: Ja, also das Kino ist ja auch generell irgendwie so ein wiederkehrendes Ding in dem Buch. Und ich glaube, es kommt auch hin und wieder mal vor, dass Leute einfach nicht zu diesem Kino gehen, weil es für sie nicht ist. Aber das ist halt auch einfach überhaupt kein Problem in diesem Universum. bommel: Das stimmt. kc: Genau, und alternativ gibt es ja dann auch so ein Musical, wo auch irgendwie Hyperfokus von Leuten dargestellt wird, aber ich wollte dich jetzt gar nicht wieder unterbrechen. bommel: It's me, I am the musical hyperfocus. Aber was ich sagen wollte war, wenn es eine Sache gibt, die mich an diesem Buch stört, ist, dass ich mich wirklich frage, wie der Campstundenplan aussieht. Weil du kannst dort alles machen. Alles. Du kannst Kanu fahren, du kannst schwimmen, du kannst klettern, du kannst wandern, schreiben, basteln. Dann gibt es die Proben innerhalb von drei Wochen mit Orchester und Schauspiel ein komplettes Musical ein. Wie? Wirklich? Wie? kc: Also, ich glaube, das ist gar nicht so unrealistisch, wenn halt einfach eine signifikante Anzahl der Menschen in diesem Camp ADHD haben. bommel: Da magst du wirklich Recht haben. Aber das ist auch wirklich, und dann, weiß ich nicht, dann erzählen die auch so irgendwie von ihrem Tag oder so. Das ist irgendwie so klar, ja, heute Morgen waren die da und dann beim Frühstück und dann da und dann die ist und dann jedes und so. Ja und dann haben die einfach am Tag schon so zehn Sachen gemacht gefühlt und dann ist so ja und nachher machen die noch dies, das, das und jenes wo ich mir so denke, warum hat euer Tag so viele Stunden? Wann macht ihr das alles? Das ist unglaublich. kc: Aber es ist halt auch wirklich cool und ich hätte mir das so sehr für meine eigene Kindheit gewünscht. bommel: Ja. kc: Also auch gerade die Option zu haben dass irgendwie verständnisvolle Menschen da sind, die dir vielleicht auch überhaupt erstmal Zeug beibringen wollen. Später in der Geschichte wird ja ein Wasserballteam gegründet, um an einem Wettkampf beizunehmen. Und es gab irgendwie zwei Leute, die das überhaupt schon mal in ihrem Leben gemacht haben. Und die haben dann einfach ein ganzes Team von so 13 Leuten rekrutiert, die Lust hatten, Wasserball zu spielen. Und die haben das denen einfach so mir nichts, dir nichts beigebracht. Und sowas existiert in meiner Realität einfach nicht und es hat nicht existiert und das finde ich so richtig schade an dieser Darstellung, dass es einfach nicht real ist. bommel: Ja. Wobei ich weiß es wirklich gar nicht aber ja. Ja. bommel: Mein Kopf produziert so viele Gedanken. Also auf der einen Seite, Lieben wir deswegen ja aber auch Utopien und deswegen brauchen wir auch mehr Utopien, damit wir einfach viel mehr so Blueprints haben für die Realität. Und wenn sich nur ein Teil davon in die Realität übersetzt, ist die Realität schon so viel schöner und so viel besser. Und ich habe einfach auch so die Hoffnung, dass wir einfach viel zu weit weg sind von jungen Menschen. Und dass sowas tatsächlich, vielleicht nicht in Form dieses Camp-Alltags, aber in Form der Verbundenheit zum Beispiel und der Emotionen, die damit zusammenhängt, dass das einfach schon jetzt auch Realität für Jugendliche ist. Zumindest für manche. Mir ist absolut klar, dass das bei weitem nicht für alle der Fall ist. Aber ich wünsche mir einfach, dass es mehr der Fall ist als zu der Zeit, wo ich jugendlich gewesen bin oder auch du. kc: Finde ich mir das genauso. Also ich bin ja ungefähr zehn Jahre jünger als du, das haben wir in der 0. Folge schon besprochen. Also als ich aufgewachsen bin, war das definitiv nicht so, aber es sind ja jetzt auch wieder einige Jahre vergangen und ich hoffe, dass es da einfach insgesamt gesellschaftlich mehr Sensibilität gibt, auch wenn wir noch extrem weit davon entfernt sein dürften, was hier in diesen Geschichten dargestellt ist. bommel: Ja. kc: Es ist wirklich einfach toll. Ich liebe es so sehr. bommel: Absolut große Empfehlung für Cam Brando. kc: Ja, wo auch irgendwie ein anderer Hyperfokus von mir noch zu tragen kommt, sind irgendwie die Hörbücher dazu. bommel: Ja, ich weiß, was kommt. kc: Ja, wer mir folgt, ich liebe ja Stimmen und ich finde so viele Stimmen so super schön und so super angenehm. Und eine meiner absoluten Lieblingsstimmen hat den ersten Band durchgängig gelesen und eben die zweite Protagonistin im zweiten Band, nämlich Hannah Schepmann. Und ich kann zu dieser Stimme so toll einschlafen. bommel: Das ist so schön. kc: Das ist überhaupt keine Kritik an dieser Stimme. Ich finde die Stimme absolut nicht langweilig. Im Gegenteil, ich finde die Stimme so aufregend und so schön und so sympathisch nett, dass es halt für mich einfach so ein Safe Space ist, den ich mir damit aufbaue. Und seitdem ich sie kenne, höre ich fast nur Hörbücher von ihr und wahrscheinlich alle Bücher, die ich besitze, schon zum dritten, vierten, fünften Mal mittlerweile. Und ich höre halt zum Einschlafen immer so 30-Minuten-Abschnitte und ich habe keine Ahnung, worum es ging am nächsten Tag, wenn ich einfach innerhalb von zehn Sekunden eingeschlafen bin. bommel: Das ist so schön. Für mich sind solche Stimmen immer das Äquivalent dazu, einen warmen Kakao zu trinken. So vom Gefühl her sind das so warme Kakaostimmen. kc: Ja. Okay. Genug gebucht? bommel: Haben wir genug gebucht? kc: Weiß ich nicht. Also vielleicht haben wir den Leuten ja jetzt ein bisschen Lust gemacht, mal in Camp Rainbow reinzugucken. Wenn ihr das gemacht habt, schreibt uns auf jeden Fall, wie es euch gefallen hat und was ihr so mitgenommen habt, wie das für euch war, wird uns auf jeden Fall interessieren. Also mich zumindest. Mich auch. Ja, auch gerade so aus dem Aspekt, wenn ihr jetzt sagt, ja, ihr habt euch selbst noch nicht so viel mit Neurodivergenz beschäftigt, was da so Takeaways für euch sind, ob das für euch offensichtlich war, dass die Protagonistin Lila eben auf dem autistischen Spektrum ist und so. Gerade so im ersten Drittel, was ich auch meinte, was super anstrengend für mich war, einfach weil es so perfekt mein eigenes Erleben eingefangen hat. Gut, ich habe gehört, du hast Studienbombe. bommel: Ja, ich habe Studien mitgebracht. Als du gesagt hast, okay, lass uns doch direkt über Neurodivergenz reden mal in der ersten Folge, dachte ich, okay, man kann ja über unglaublich viel und alles reden eigentlich, was das angeht. Und war da so ein bisschen auf der Suche nach einem Fokus und dachte, was sagt eigentlich so die Wissenschaft aktuell so zu dem Thema? Beziehungsweise womit befasst sich die Wissenschaft eigentlich im Moment, bommel: was dieses Thema angeht? Und habe dann einfach mal so ein paar Datenbanken durchsucht und so, ein paar Journals mir angeschaut und geschaut, was so dieses Jahr dazu eigentlich so veröffentlicht worden ist. Und dann habe ich dir ein paar Sachen mitgebracht. bommel: Und überhaupt erstmal zu diesem Neurodiversitäts-Movement, weil das ist ja tatsächlich eine Bewegung, einfach zu sagen, okay, Autismus, ADHS, Dyspraxie, whatever, das sind nicht einfach nur Behinderungen, sondern es gibt halt grundsätzlich Neurodiversität und es gibt einfach eine ganz große Vielfalt von Gehirnen und der Art und Weise, wie Menschen funktionieren, denken, sich verhalten, Dinge erleben. Und dass man quasi versucht, dadurch, dass man halt einfach sagt, es ist eine große Diversität, diese Unterteilung in normal und unnormal aufzuweichen. Sondern das halt eher als etwas zu begreifen, was einfach eine ganz natürliche Varianz des Menschseins ist und dass alle Varianten davon einfach gleichwertig in Ordnung sind. bommel: Generell muss man aber sagen, dass es in dieser Bewegung einen sehr, sehr starken Fokus auf Autismus gibt, weil das letztlich aus so einer Selbstbestimmungsbewegung von Autistinnen hervorgegangen ist. Und wenn man sich dieses ganze Neurodiversitäts-Movement anguckt, dann muss man sagen, dass letztlich, und da sieht man auch, was diese Bewegung eigentlich auch schon erreicht hat, dass dieses medizinische Modell von Behinderung, also Behinderung einfach als etwas Krankes und etwas zu Heilendes anzusehen, dass das extrem stark abgelehnt wird. Und dass man sich eher innerhalb dieser Bewegung auf das soziale Modell von Behinderung. bommel: Was ja letztlich auch dann entlang der UN-Behindertenrechtskonvention sich orientiert. Du weißt jetzt ehrlich gesagt nicht so genau, was Henne und was Ei ist. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass natürlich solche Gesetzgebungen oder solche Charters dann letztlich auch genau durch solche Bewegungen maßgeblich beeinflusst sind. Und ja, grundsätzlich wird da halt abgelehnt, dass sich vor allem AutistInnen an die neurotypische Gesellschaft anpassen. Da haben wir ja auch schon super viel drüber geredet jetzt im Laufe des Buches oder als wir über das Buch gesprochen haben, dass es halt darum geht, akzeptiert zu werden und gemeinsam Wege zu finden, wie alle halt einfach gut sein können. Wir haben auch in Bezug auf den Werbespot darüber gesprochen, dass es halt nicht darum geht, dass sich Behinderte an die Normgesellschaft anpassen, sondern dass wir letztlich die Gesellschaft verändern und anpassen an die Bedürfnisse von allen. Generell geht es auch darum, dass Kommunikation nicht nur verbal stattfinden sollte. bommel: All sowas ist letztlich Ziel dieser Neurodiversitätsbewegung. Und was ich total spannend fand auch, was untersucht worden ist, ist, dass Elternteile oder andere sehr enge Bindungspersonen von Kindern, die selbst autistisch sind, grundsätzlich die Autonomie ihrer eigenen Kinder als deutlich wichtiger ansehen als nicht-autistische Eltern. Und das finde ich vor allem spannend, dass das untersucht worden ist, Weil da werden wir sicherlich im Laufe des Podcasts auch nochmal an der einen oder anderen Stelle zu kommen. Aber es gibt häufig einfach Menschen, die entweder Eltern von behinderten Kindern sind oder mit Behinderten arbeiten, die sehr, sehr starke Meinungen zu Dingen haben, selber aber gar nicht betroffen sind. Und das ist immer ein bisschen schwierig. Und ich finde es spannend, dass es hier einfach mal tatsächlich ein Studienergebnis gibt, was tatsächlich sagt, okay, wenn Eltern selber autistisch sind, dann ist für sie die Autonomie des Kindes tatsächlich sehr viel wichtiger, als wenn sie es nicht sind. Fand ich spannend. Genau. Und ansonsten geht es halt sehr viel darum, die Gesellschaft zu ändern und wegzukommen. Einfach von so einem, wir feiern Neurodiversität und es ist so schön, dass wir alle unterschiedlich sind, sondern das halt tatsächlich in gesellschaftliche Praxis umzusetzen und dieses Thema daraufhin anzupassen. bommel: Generell kann man sagen, dass momentan innerhalb der Forschung die Publikationen zunehmen, was so die Erforschung von Neurodiversität, Neurodivergenz angeht. Es ist aber so immer noch, dass Autismus oder die Repräsentation von Autismus am allerbesten untersucht ist. Und das wird gefolgt dann von ADHS und Dyslexie und alles andere so ein bisschen, sagen wir mal, unterrepräsentiert. Wobei ich aber tatsächlich, also ich möchte jetzt nicht, dass alle dann denken, ja, wir müssen viel weniger Autismus erforschen. Nein, wir müssen nur alles andere viel, viel mehr erforschen. Ich möchte nicht, dass man da jetzt den Fehler macht, innerhalb der Community dann auf Autistinnen zu zeigen und zu sagen, ihr werdet viel zu viel erforscht und wir gar nicht. Weil grundsätzlich, glaube ich, ist genug, theoretisch sind genug Ressourcen für alle da und wir sollten nicht gegeneinander kämpfen, sondern sollten dafür kämpfen, dass dafür mehr Ressourcen zur Verfügung stehen. kc: Ja, du hast ja auch gesagt, dass irgendwie sehr viel davon aus Selbstvertretungs-Communities, aus den Selbstvertretungsprozessen eben gekommen ist. Und es ist ja auch einfach nicht von der Hand zu weisen, dass sehr, sehr viele Leute, für die der Wissenschaftsbetrieb funktioniert, die in diesem Wissenschaftsbetrieb irgendwie stattfinden, first and foremost erstmal Autismus haben oder Autismus erforschen, weil sie häufiger selbst davon betroffen sind. Eben weil sie in diesen Sphären, in diesen Räumen, in dieser Wissenschaft überhaupt selbst stattfinden. Und bei Menschen mit Dyslexie und Dyskalkulie beispielsweise, das eben viel weniger der Fall ist, weil das Bildungssystem vorher schon diese Leute tendenziell häufiger aussiebt oder sie auf berufliche Karrierelaufbahnen schickt, wo das überhaupt keine Option ist. Ja. kc: Das ist ja auch ähnlich mit der Forschung zu allen anderen Behinderungen, also wenn es irgendwie um Blindheit geht oder so. Es gibt extrem wenige blinde Menschen, die in herausgehobenen Positionen in diesem Wissenschaftsbetrieb arbeiten, eben weil die meisten vorher einfach in Sonderschulen sind und da nicht die Möglichkeit auf einen Regelschulabschluss haben. Und wenn sie es haben, dann noch viel seltener überhaupt erst mal studieren. Und wenn sie das gemacht haben, dann noch viel seltener im Wissenschaftsbetrieb bleiben. bommel: Ja, du hast absolut recht. Das ist eine richtig, richtig wertvolle Ergänzung. Insgesamt stehen bei dieser Forschung, die es im Moment gibt, halt auch so diese Themen Wohlergehen und Identität im Vordergrund. Das finde ich irgendwie nachvollziehbar, aber auch da... Braucht es, glaube ich, insgesamt auch einfach mehr und auch mehr vielleicht auch qualitative Forschung in Richtung Utopien und wie sich Gesellschaft dann nun tatsächlich verändern soll. Es gibt aber auch langsam mehr intersektionale Untersuchungen, wie zum Beispiel die Untersuchung von neuroqueeren Identitäten, die so ein bisschen die Überschneidung von Neurodivergenz und Queerness sich angucken. Auch super spannendes Thema, können Sie sich auch mal drüber sprechen. Der Fokus in der Wissenschaft liegt mittlerweile mehr auf Erwachsenen statt auf Kindern. Und man kann so sagen, dass so ungefähr drei Viertel aller Studien, die hier angeguckt worden sind, sich mit Autismus befassen, wenn es um Neurodivergenz bei Kindern geht. bommel: Bei Erwachsenen gibt es da so ein bisschen mehr Varianz tatsächlich. Da beschäftigen sich nur ungefähr ein Drittel aller Studien mit Autismus. Und das wird dann gefolgt von Dyslexie, Dyskalkulidyspraxie, ADHS-Zwangsstörungen, Tourette und sogenannten anderen. Was ich super spannend fand, ist, dass die meisten Studien aktuell nicht nach Geschlecht differenzieren. bommel: Die Studien, die es tun, dort sind Männer nur leicht überrepräsentiert. Mittlerweile ist es aber relativ ausgeglichen. Was aber total fehlt, ist ein spezifischer Fokus auf Transgeschlechtlichkeit und nicht-binäre Personen. Und was in, wenn ich das richtig erinnere, so gut wie keiner Studie in irgendeiner Art und Weise eine Rolle spielt, ist, dass der national-ethnokulturelle Hintergrund der Person erfasst wird. Also das, was wir unter die Kategorie Race fassen, wird total ignoriert irgendwie und das finde ich total fatal, was das angeht. Also auch da müssen wir einfach schauen, dass die Perspektive weggeht von weißen Personen beziehungsweise in der Forschung einfach mehr sichtbar gemacht wird, wie weiß diese Perspektive überhaupt ist. Weil selbst darüber kann man gar nicht so richtig Aussagen treffen, weil es einfach nie so richtig mit erhoben wird. kc: Ja, absolut. Und das ist auch nicht nur hier ein Thema, aber hier halt ganz besonders, eben weil es hier um Lebensrealitäten von Menschen gibt, die durch solche Sachen natürlich auch massiv mit beeinflusst werden. Und habe ich das jetzt eigentlich richtig verstanden, dass auch Geschlecht da bei diesen Erhebungen, bei diesen Auswertungen gar nicht so eine große Rolle gespielt hat. bommel: Das wird häufig nicht erhoben. kc: Obwohl ja eigentlich bekannt ist, dass sich Autismus bei weiblich sozialisierten Personen irgendwie ganz, ganz anders ausdrückt oder auch ADHD als bei anderen Personen. Und das bestätigt auch meine persönliche Wahrnehmung von dem ganzen Thema. Ist das da überhaupt ein Ding. bommel: Inwiefern ein Ding? kc: Also wird das berücksichtigt, dass Leute anders basierend auf ihrem Geschlecht irgendwie Autismus oder andere Neurotivergenzen ausdrücken? bommel: Also ich habe mir halt eher so Metastudien angeguckt, das heißt in die richtigen oder so Reviews der empirischen Untersuchungen aktuell. Das heißt, ich habe verhältnismäßig wenige Studien selbst gelesen. Das kommt natürlich immer total auf den Studienfokus an. Es ist halt nur die Frage, wenn du natürlich Frauen nicht grundsätzlich in den Fokus rückst, sondern dir, weiß ich nicht, meinetwegen anguckst, wie gutes AutistInnen im Sport geht oder irgendwas, dann spielt ja Geschlecht in deinem Forschungsinteresse dann speziell vielleicht nicht unbedingt die größte Rolle. Oder ist für das, was du wissen willst, dann relativ unerheblich? Und ich kann mir halt vorstellen, also sie haben halt zum Beispiel in diesem Review, um das es dort hier geht, haben sie zum Beispiel sich auch solche Dinge angeguckt, wie benutzen Leute eher so Identity-First-Bezeichnungen oder Person-First-Bezeichnungen und so. Und das ist ja im Zweifel, da ist das Geschlecht ja nicht so erheblich. Also was heißt es nicht so erheblich? Wäre auch spannend zu wissen, ob es da vielleicht signifikante Unterschiede gibt, aber wenn jemand diese Frage stellt, dann haben wir dazu halt auch keine Daten. Kann man nichts machen. kc: Und bei Schwarzen und People of Color, ist es wirklich so, dass es da gar keine Forschung zu gibt? Oder zumindest in den westlichen Medien das nicht beachtet wird? bommel: Das kann ich dir so nicht beantworten. Ich habe nicht explizit danach gesucht. Das könnten wir auch nochmal machen. Ich habe mir tatsächlich jetzt erstmal so Überblicksstudien angeguckt und dort spielt es halt einfach keine Rolle. Deswegen würde ich einfach sagen, können wir davon ausgehen, dass es halt einfach keine große Rolle spielt. Und es ist ja auch für mich eigentlich nur eine logische Konsequenz, weil der Wissenschaftsbetrieb ist ohnehin extrem weiß geprägt. bommel: Die Menschen mit Autismus, die erfolgreich im Wissenschaftsbetrieb sind, sind automatisch auch diejenigen, die erfolgreich im Schulbetrieb gewesen sind. Und so geht es ja immer weiter zurück. Und das ist ja einfach Fakt, dass durch den Rassismus innerhalb der Gesellschaft BIPOC-Personen ja grundsätzlich schlechtere Bildungschancen haben, beziehungsweise, nee, so will ich das gar nicht ausdrücken, schlechtere Chancen auf Erfolg in diesem Bildungssystem haben. Nicht, weil sie, also ich hoffe, niemand denkt, dass sie dümmer werden oder so. Das hoffe ich, dass niemand diesen Gedanken hat. Das ist ja kompletter Bullshit. Aber durch die rassistischen Vorurteile ist es ja einfach so, dass BIPOC-Personen einfach weniger Erfolg haben. Und wenn sich das dann am Ende immer so weiter durchzieht, ist es ja klar, dass der ganze Wissenschaftsbetrieb einfach sehr weiß geprägt ist und dass auch die Autistinnen, die dort insgesamt dann Erfolg haben und zu Themen forschen, dass die halt auch weiß sind, aus ihrer weißen Perspektive forschen und dementsprechend die weiße Perspektive viel zu überbetont ist in diesem ganzen Thema. kc: Ja, ich denke, wir können an dieser Stelle einfach dann mal einen Aufruf dazu machen, wenn ihr irgendwie BIPOC-Personen kennt, die im Wissenschaftsbetrieb arbeiten, die neurodivergent sind oder zumindest zu diesem Themenbereich forschen, würden sehr gerne mit euch darüber sprechen. bommel: Ja, das wäre richtig cool. kc: Und da mal eine Folge drüber machen, weil das natürlich auch für uns super wichtig ist, wenn wir hier den Fokus darauf legen, intersektional arbeiten zu wollen. Und wir beide sind ja letztendlich ja auch nur weiß und können auch nur das erzählen, was wir von anderen BIPOC-Personen irgendwie gelernt haben. bommel: Ja, absolut. Vorrangig von schwarzen Frauen, so ähnlich wird man jetzt aus sein. kc: Ja, das stimmt. Es sind immer schwarze Frauen. Danke, dass es euch gibt. bommel: Ja, absolut. bommel: Grundsätzlich, was ich noch ganz bezeichnend fand, dass es tatsächlich hier auch wissenschaftlich belegt ist, dass neurodivergente Menschen grundsätzlich immer versuchen, sich an neurotypische Normen anzupassen. Also da hat man sich angeguckt, wie sich neurodivergente Menschen in so Arbeits- und Bildungssettings verhalten und sie versuchen sich halt immer anzupassen und sie versuchen immer alles durch individuelle Strategien auszugleichen. Also das heißt, das System ist einfach de facto nicht für neurodivergente Menschen gemacht und das System ist nicht so, dass neurodivergente Menschen dort Erfolg haben können. Es ist halt Glückssache letztlich, ob du... Genug Resilienz beispielsweise und genug Ressourcen hast, um in diesem System erfolgreich zu sein. Und natürlich spielt da auch sowas wie der sozioökonomische Status mit rein. Da spielt sowas wie Race mit rein. Ich glaube, das ist ganz klar. Eine Studie habe ich mir ein bisschen genauer angeguckt. Die fand ich nämlich spannend, weil ich weiß nicht, wie es dir geht, aber natürlich spielt Neurodivergenz auch bei den Menschen oder Kanälen eine große Rolle, die ich auf Social Media so konsumiere. bommel: Und dort haben sich ForscherInnen mal angeguckt, wie viele Informationen, die auf TikTok über Autismus verbreitet werden, überhaupt korrekt sind. Und insgesamt, das kannst du vielleicht sogar auch mal raten, wenn du Bock hast, glaubst du, wie viele Views gibt es auf den Hashtag Autismus auf TikTok? Also sie haben das 2025 untersucht. An irgendeinem Stichtag X gab es zu dem Hashtag so und so viele Views. kc: Also jetzt nur an dem einen Tag oder auf alle Zeit? bommel: Nee, nee, bis dahin quasi. kc: Okay, dann kann ich da eigentlich nur falsch raten. bommel: Ja, das stimmt. kc: 500 Milliarden? bommel: 100? kc: 500. bommel: Boah, das ist viel zu viel. kc: So macht das keinen Spaß. Nein, es sind 11,5. bommel: Milliarden. Aber das fand ich auch schon krass. 500 Milliarden. kc: Ja, also ich dachte, es ist halt entweder viel zu viel, wo ich dann bei 500 Milliarden bin oder bei viel zu wenig, wo es 11 Milliarden sind. Weil signifikant viele davon kommen wahrscheinlich aus dem mehr oder weniger progressiven Lager, die sich actually mit dem Thema befassen wollen. Und das ist eigentlich zu wenig. bommel: Naja, es sind auf jeden Fall uncoole und läppische 11,5 Milliarden Views. Und für diese Studie haben sie sich dann insgesamt die 133 Top-Videos dort rausgesucht mit den meisten Views, die halt informativen Inhalt hatten. Und insgesamt sind das dann so 200 Millionen Views, die auf diese Videos irgendwie fallen und haben dann Unterschieden in Informationen, die korrekt sind oder also Videos, die korrekte Informationen geben, Videos, die inkorrekte Informationen geben und Videos, die viel zu verallgemeinernde Informationen geben. Zum Beispiel sowas wie, autistische Kinder haben keinen Bock mit Sand zu spielen oder autistische Erwachsene haben nie Lust zu socialisen oder so. Es geht ausdrücklich nicht um Videos mit persönlichen Erfahrungen. Das ist aber insgesamt so die größte Masse an Videos. Das finde ich irgendwie auch logisch. Jetzt wollte ich dich mal, ich weiß nicht, wie gut die Idee ist, aber wir machen das trotzdem, dich raten lassen. Was glaubst du, wie viel Prozent der Videos hatten akkurate Informationen, wie viel Prozent der Videos waren inakkurat und oder verallgemeinernd? kc: Sagen wir 80 Prozent inakkurat. bommel: Es ist ein bisschen weniger. Also insgesamt waren 27 Prozent der Videos immer mit akkuraten Informationen und die kamen häufig von Fachpersonen tatsächlich auch. Die Engagement-Raten waren aber tatsächlich bei allen Videos ähnlich. Also es ist völlig egal, ob in diesem Video Quatsch erzählt worden ist oder ob die Informationen darin korrekt gewesen sind. Die hatten ähnlich viele Aufrufe, Likes, Kommentare und so weiter, was ich sehr, sehr spannend fand. Weil es ist ja häufig auch in der letzten Zeit mir so ein bisschen Gehirnpups. bommel: Mir ist es häufig schon aufgefallen, dass sehr viel darüber gesprochen wird, wie viele Menschen auf Social Media über ADHS, Autismus und so weiter sprechen. Dass viele Zweifel auch daran geäußert worden sind, wie korrekt diese Informationen sind, wie wertvoll das überhaupt ist, dass Leute das tun. Und ich finde es einfach sehr spannend, dass Leute sich das tatsächlich einfach mal angeguckt haben. Und es ist im Grunde ähnlich Schlimmes, wie man hätte vermuten können. Weil es halt einfach verhältnismäßig wenig, also weniger als ein Drittel korrekte Informationen auf Social Media gibt. Und das ist natürlich schon schade. Wobei nochmal, alles, was wirklich persönliche Erfahrungen sind, ist da ja rausgefallen. Und da muss ich sagen, wenn es bei mir um Social Media geht, sind glaube ich die wirklich persönlichen Erfahrungen, die persönlichen Schilderungen der eigenen Perspektive von Betroffenen das, was mir da am meisten liegt. Geholfen hat einfach auch auf meinem Weg zu entdecken, dass ich autistisch bin oder überhaupt zu entdecken, was mein Autismus für mich heißt. Und ich sagen muss, die Fachinformationen habe ich sowieso tatsächlich mir von Fachpersonen auch geholt oder über Bücher beispielsweise oder so. kc: Ja gut, für viele Leute ist das natürlich genau anders. Also ich kann mich daran erinnern, wie das war, als ich meinen Eltern eröffnet habe, dass ich hier Autismus habe, wo dann erstmal der Gedanke war, ja gut, statt dich jetzt zu fragen, weil offensichtlich bist du ja nicht selber die Expertin für das Thema, die ist das, kennen wir alle, gucke ich jetzt erstmal an, was ich irgendwie von Fachpersonen dazu finde. Und in meiner Erfahrung ist es halt super schwierig, überhaupt zu erkennen, wer eine richtige Fachperson ist, die tatsächlich Ahnung von diesem Thema hat, weil so viel Quatsch eben in Social Media existiert, das halt einen professionellen Anstrich hat, das sehr fachlich aussieht, aber das nicht ist. bommel: Ja. Genau, das war so das, was ich mir da letztlich jetzt erstmal angeguckt habe und was ich auch irgendwie so ganz spannend fand. Es gibt natürlich noch ganz viele Sachen mehr, die man sich hätte angucken können. Aber ich dachte, das sind so die Dinge, die vielleicht auch für die Zuhörer in des Podcasts ganz interessant sind. kc: Ja, auf jeden Fall richtig spannende Dinge. Vielleicht habt ihr da was mitgenommen oder habt Lust, da mal ein bisschen tiefer in die Materie einzusteigen. bommel: Ja, die Quellen packen wir auf jeden Fall auch in die Shownotes. kc: Ja, und da könnt ihr dann alles nochmal durchgucken. Gibt es noch Dinge, Bommel? bommel: Es gibt viel zu viele Dinge, aber ich glaube, für heute reicht das erstmal, oder? kc: Ja, wir sind ja auch schon wieder gut vorgeschritten. bommel: Diese Folge ist eigentlich schon viel zu voll. Ja, wir haben so viele Dinge geredet. kc: Gut, dann würde ich sagen, kommen wir jetzt mal zum Schluss. Wir haben noch einen Dank auszusprechen, den wir in Folge 0 vergessen haben. Okay, willst du? bommel: Ja, kann ich machen. Dank gebührt auf jeden Fall unserer lieben Freundin Xenia, die uns super viel geholfen hat und wir haben natürlich ein Lied geschrieben, wie man das so macht. Und zwar geht es folgendermaßen und es ist: kc: Danke für deine Unterstützung - Danke für deinen Tech Support. Danke dafür dass deine Cuteness sich in unsere Herzen bohrt. Danke Xenia. Dankeschön. Ja, Xenia hat uns nämlich unsere Website hingestellt und im Hintergrund irgendwie ganz viel gemacht und ganz viel geholfen zu entscheiden. Wir sind super, super dankbar, weil Xenia nicht nur für uns beide irgendwie immer da ist und im Hintergrund solche Dinge macht, ohne großartig Aufmerksamkeit, dafür zu bekommen, sondern, für ganz, ganz viele Leute - vielen, vielen Dank. kc: Ja, was machen wir in der nächsten Folge? Wir haben es schon mal angeschnitten. Wir reden ein bisschen über Inspiration, Exploitation und was das Ganze bedeutet, welche Auswirkungen das hat, was vielleicht unsere eigenen Erfahrungen damit sind und wir wollen das Ganze irgendwie so ganz konkret im Kontext Weihnachten machen, Weihnachtsgeschenke, weil das natürlich jetzt auch Mitte November so langsam ein Thema ist, dass für viele irgendwie jetzt auftaucht und wir würden uns da auf jeden Fall sehr gerne über eure Geschichten freuen, über eure Gedanken dazu. Was denkt ihr über Weihnachtsgeschenke im Kontext Behinderung? Gibt es da Ebalismus und so? kc: Schreibt uns gerne eine Mail und zwar an glitches at consible.de. Das ist c-o-n-e-s-i-b-l-e .de oder ihr kommentiert einfach unter dieser Folge. bommel: Ja, vielen Dank, Casey, für diese wunderbare zweite Folge. kc: Ja, erste Folge. Ja, erste. bommel: Und jetzt bin ich ganz durcheinander. Wer fängt dann aber auch bei Null an zu zählen? Wir, okay. Wir werden für immer damit leben müssen. kc: Also ich bin Technikerin, logischerweise. Ich mache das. Also nächste Folge ist die zweite Folge und dann sagen wir das auch vorher. Passt. bommel: Dann bis zum nächsten Mal. kc: Bis zum nächsten Mal. bommel: Tschüss. kc: Tschüss.